Idiotie & Wahnsinn

Hallo zusammen,
wir - seine Freunde seit über 40 Jahren - haben ein großes Problem mit demselben. Hochintelligent entwickelt er mit seinen über 50 Lebensjahren inzwischen Verhaltensweisen, die wir zunehmend argwöhnisch und mit Skepsis beobachten. Beispiel: seit Wochen meint er in seiner Wohnung Verschmutzungen ( überwiegend Staub und Grieß ) vorzufinden, die von externen Personen vorsätzlich in der Wohnung verbracht werden. Ferner glaubt er sich überwacht ( durch Flugzeuge mit hochauflösenden Kameras ) und verfolgt.
Dazu legt er uns " Beweisfotos " vor, die die seinerseits zusammengefegte Verschmutzung und Autos zeigen, die ihn verfolgen.
Wenn er seine genialen Fähigkeiten nicht täglich unter Beweis stellen würde, würden wir ihm einen gewissen Grad an Schizophrenie unterstellen. Also, unsere Frage lautet:
Wie können wir unserem ( alleinstehenden )Freund helfen, gibt es evtl. öffentl. Institutionen die man ansprechen könnte ?

besten Dank im Voraus von 3 echten Freunden

Hallo!

Vielleicht könnt ihr ihn mal (evtl. auch unter einem anderen Vorwand - Gesundenuntersuchung schadet nie - schon gar nicht, wenn man älter wird) zu seinem Hausarzt schicken, dem ihr vorher von euren Beobachtungen erzählt habt?

LiGrü
igel

Ja danke für den Tip, doch er hat keinen Hausarzt, da er sowohl asketisch ud so gesund ist , daß er seit seiner eigenen Entbindung nie wieder einen Arzt gesehn hat…

Hallo,

zum Einen…
Schizophrenie hat nichts mit Dummheit zu tun, oft ist gerade das Gegenteil der Fall - die genialsten Menschen sind schizophren oder knallen sonst irgendwie durch (ich drück es jetzt einfach mal so aus, es ist auch in meinen Augen keine Beleidigung) oder umgekehrt - schizophrene Menschen sind oft hochintelligent.

zum Anderen…
ob es wirklich Schizophrenie ist, kann ja nur ein Psychiater feststellen. Es hört sich auf jeden Fall nach einer Psychose an. Die kann ja auch vorübergehend sein. Wie lebt er schon in diesem Zustand? Er sollte auf jeden Fall dringend Hilfe bekommen. Allerdings wird es, glaube ich, schwierig, wenn er nicht von sich aus bereit dazu ist.

Hier scheiden sich dann nämlich schon die Geister. Zwangseinweisung, Zwangsbehandlung- sinnvoll und wichtig, oder Verstoss gegen das Recht eines jeden Menschen auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit? Seit ein Postbote es geschafft hat ein paar Jahre als Ober- oder gar Chefarzt in einer Psychiatrie tätig zu sein, stelle ich dieses ganze System etwas in Frage. Dennoch - es gibt nun mal Psychosen, Schizophrenien, Depressionen, die eben behandelt werden müssen, egal wie man grundsätzlich dazu steht, und ich glaube doch dass die Psychiatrie da einen guten Job macht. Es gibt sehr gute, wirkungsvolle Medikamente, Neuroleptika, Antidepressiva, etc.

Vielleicht würde euer Freund sich auf eine Behandlung einlassen wenn ihr anbieten würdet, ihn zu einem Arzt zu begleiten? Die Frage ist, sieht er dass etwas nicht in Ordnung ist, oder ist für ihn alles okay? Weiss er eigentlich, dass es nicht wirklich fremde Menschen sind die in seiner Wohnung waren, also dass dieser Gedanke nur in seinem Kopf sitzt, oder glaubt er es tatsächlich? Wenn letzteres der Fall ist, dann ist es wirklich eine Psychose.

Und dann solltet ihr ihm helfen, für ihn da sein, mit ihm zu einem Arzt gehen, damit er sich diesem nicht total ausgeliefert fühlt. Oft hat man ja Angst, dass man gleich eingeliefert wird. Das muss aber ganz und gar nicht der Fall sein. Aber um das zu vermeiden würde ich auch empfehlen mitzugehen um zu zeigen dass er ein soziales Umfeld hat dass ihn auffängt.

Alles Gute

Blumenkind

Hallo,

unter einem anderen Vorwand fände ich nicht in Ordnung. Das wäre sehr hinterrücks und würde es für denjenigen noch schlimmer machen, da er ja eh schon in einem paranoiden Wahn ist.

Blumenkind

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P.S
Ich finde es toll wie ihr euch um euren Freund kümmert, viele Menschen mit psychiatrischen Störungen haben nicht so ein gutes soziales Netz.

LG Blumenkind

Hallo an Euch,

die Schwierigkeit liegt m.E. darin, dass er von der Realität dessen, was er interpretiert, überzeugt ist, d.h. er wird wahrscheinlich nicht unbedingt eine Hilfe darin erkennen, wenn Ihr ihn bittet, einen Arzt aufzusuchen. (Hab ich das richtig verstanden weiter unten, dass er noch nie einen Arzt aufsuchte? Das finde ich schon bemerkenswert, wenn es so ist.)

Es gibt keine Institution, die sich um ihn kümmern würde, bevor er nicht noch wesentlich auffälliger würde. Es sei denn, er selbst würde sich an diese wenden.

Das ist wirklich eine sehr verzwickte Situation… einerseits vertraut er Euch, andererseits will er gerade darum, dass Ihr ihm glaubt… wie würde er reagieren, wenn Ihr dabei bleiben würdet, dass er sich irrt? Würde er Euch nicht mehr vertrauen?
Aber das ist vielleicht momentan eine - die einzige - Chance?
Welche hat er sonst, wenn es niemanden sonst in seinem Leben gibt? (Er hat sonst niemanden, oder?)

MfG, IHF

Sozialpsychiatrischer Dienst
Hallo,

Ihr könntet Euch vielleicht beim Sozialpsychiatrischen Dienst beraten lassen, was Ihr unternehmen könnt und welche Möglichkeiten es gibt.

Der hat u.a. als Aufgabe „Beratung von Hilfesuchenden, Angehörigen und Personen des sozialen Umfeldes einschließlich betreuender oder behandelnder Institutionen […]“

(Zitat aus Wikipedia, ebenfalls dazu:smile:
„Jeder Bürger hat somit Anspruch auf Hilfen und Beratung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst. Für die Betroffenen entstehen keinerlei Kosten, eine wichtige Zielgruppe sind Menschen, die sonst keine Hilfen bekommen bzw. diese nicht annehmen. Aufsuchende Hilfen sind somit Schwerpunkt der Arbeit.“

Gut, dass Ihr Euch kümmern wollt, und wie Blumenkind schon schrieb: hohe Intelligenz und Schizophrenie (und andere psychiatrische Krankheiten) können gut zusammen vorkommen!

Viele Grüße,

Jule

Hi

…würden wir ihm einen gewissen Grad an
Schizophrenie unterstellen.

Eine Schizophrenie entwickelt sich selten in diesem Alter, eher in der Jugend. Es könnte sich eher um einen Wahn handeln. Ein isolierter Wahn, der nie so ein umfassendes Bild wie eine schizophrene Psychose zeigt, kann sich ohne weiteres in diesem Alter herausbilden.

Wie können wir unserem ( alleinstehenden )Freund helfen, gibt
es evtl. öffentl. Institutionen die man ansprechen könnte ?

Wie dir/euch schon geraten wurde, ist der Sozialpsychiatr8sche Dienst, kurz SPD genannt wie die gleichlautende Partei, eine Möglichkeit.
Gruß,
Branden

* von mir.

Deine Gedanken halte ich für gut und wichtig, hier angebracht zu werden.
Ich bin kein Experte, dachte aber im ersten Moment an eine beginnende Demenz, die auch oft Wahrnehmungsstörungen mit sich bringt. Damit sollte ein guter Hausarzt Erfahrung haben. Besonders, wenn er vorher vielleicht schon auf das Thema angesprochen wurde und dem Patienten gegenüber dann vorsichtig nachhakt.
Es wird schwierig genug, ihm nicht die Würde zu nehmen, indem man über ihn hinweg entscheidet oder seine Ängste nicht ernst nimmt, weil man sie als unwahr empfindet.
Es ist aber auch sicher sehr schwer, einen sich gesund fühlenden Menschen dazu zu bringen, zu einem Psychologen zu gehen (I geh net zum Deppendoktor). Der Schritt zum Praktischen Arzt ist da sicher leichter.

LiGrü
igel

Hey IHF,

du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Freund sieht sich einzig und allein in der realen Welt in der er verfolgt und überwacht wird.Er ist brüsskiert über den Vorwurf anderer, die ihn als "spinnert " ( wie die Bayern sagen ) tittulieren. Das Angebot einen Arzt zur Gesundheitsfeststellung zu konsultieren lehnt er entrüstet ab, gemäß dem Motto: da sollen erst mal die anderen hin…
Das gestrige Gespräch mit meinem Hausarzt bestätigte die Vermutung einer sich entwickelnden Schizophrenie läßt aber keine aktuellen Handlungen zu , solange der Freund nicht selbst-oder fremdgefährdend in Erscheinung tritt.
Ich habe aber zwischenzeitig von einem sozialpsychatrischen Dienst hier im Ort erfahren, der auch Angehörigen beratend zur Seite steht. Bin gespannt ob dieser auch "nur " Freunden behilflich ist.

kind regards
makhl

Hi

Das gestrige Gespräch mit meinem Hausarzt bestätigte die
Vermutung einer sich entwickelnden Schizophrenie

Das lässt befürchten, dass der Hausarzt wenig Ahnung von psychiatrischen Erkrankungen hat :wink:. Siehe meine frühere Antwort dazu weiter oben.
Gruß,
Branden

Hallo MAKHL,

Ich habe aber zwischenzeitig von einem sozialpsychatrischen
Dienst hier im Ort erfahren, der auch Angehörigen beratend zur
Seite steht. Bin gespannt ob dieser auch "nur " Freunden
behilflich ist.

Wenn nicht die, dann würde ich auch mal schauen, ob es vielleicht in Eurer Nähe einen entsprechenden Verein gibt, der sich Angehörigen von psychisch Erkranken vielleicht nicht versperrt, wenn sie „angehörige Freunde“ sind… und sonst gibt es auch noch spezielle Foren im Netz.

(Bei aller Verantwortung, die Ihr sicher für Euren Freund empfindet: Letztlich liegt es an ihm selbst; Ihr habt schon jetzt viel für ihn getan… ich hoffe, dass er den Dreh findet.)

MfG, IHF