Ie oder i?

Es gibt zweiteilige Wörter, die in manchen Fällen getrennt geschrieben werden:

Die auslaufende Milchpackung läuft aus.
So weit, so klar.
Aber:
Die ausg ie bige Portion g i bt aus.

Giebt *ggg* es eine Erklärung dafür???

wer weiss was?

Hanna
*dieeinenschönenspruchnocheinmalschreibenmussteweilsiegibtmitiegeschriebengehabthatte*

Hallo, Hanna,

ist das Problem nun das ie/i oder die Zusammenschreibung?

Ersteres erklärt sich durch die Dudensche Rechtschreibreform, bei der das Dehnungs-e aus der Konjugation (Beugung) des Verbs „geben“ entfernt wurde, aber es wurde wohl vergessen, auch bei dem davon abgeleiteten Adjektiv „ausgiebig“ dieselbe Operation durchzuführen.

Die auslaufende Milchpackung läuft aus.
So weit, so klar.

Hier ist „auslaufend“ das Partizip I des mit Vorsilbe gebildeten Verbs: „auslaufen“. Das Partizip I wird gebildet, indem man dem Infinitiv ein -d anhängt. Wenn es attributiv, also vor einem Nomen (Hauptwort) steht, wird es zudem dekliniert, d. h. es bekommt eine Endung; hier das -e.

Aber:
Die ausg ie bige Portion g i bt aus.

„ausgiebig“ ist hier ein Adjektiv, ein eigenständiges Wort; es kann nicht getrennt geschrieben werden.

Ungefähr klar?

Fritz

Hallo Fritz!

ist das Problem nun das ie/i oder die Zusammenschreibung?

Das ie in der Zusammenschreibung!

Ersteres erklärt sich durch die Dudensche Rechtschreibreform,
bei der das Dehnungs-e aus der Konjugation (Beugung) des Verbs
„geben“ entfernt wurde, aber es wurde wohl vergessen, auch bei
dem davon abgeleiteten Adjektiv „ausgiebig“ dieselbe Operation
durchzuführen.

*kreisch* Wie soll man da eine Sprache lernen?!?
Haben die Rechtschreibreformer das diesmal auch nicht repariert?

Aber:
Die ausg ie bige Portion g i bt aus.

„ausgiebig“ ist hier ein Adjektiv, ein eigenständiges Wort; es
kann nicht getrennt geschrieben werden.

Ja, das weiß ich schon.
Aber „ausgiebig“ hat mich schon mal sehr reingelegt, weil ich ein visueller Typ bin.
Ich habe die Rechtschreibung erlernt, indem ich mir die Schriftbilder eingeprägt habe. Und wenn ich im Zweifel war, habe ich beide Möglichkeiten aufgeschrieben und mich für die „besser aussehende“ (vertrautere) entschieden.
Nun sieht „ausgiebig“ richtig aus, und der lange Laut bestätigt auch das „ie“.
Bei „gibt“ bin ich aber noch stärker auf das eingeprägte Schriftbild angewiesen, weil der Laut ja auch lange ausgesprochen wird.
Und irgendwann einmal hat „giebt“ gut ausgesehen - und ich musste das fertige Plakat nach dem Korrektur lesen wegschmeißen.

Übrigens: Hier im Forum wird „wäre“ so oft mit Dehnungs-h geschrieben, dass ich fürchte, mich daran zu gewöhnen und mir das falsche Schriftbild einzuprägen *schauder*

Ungefähr klar?

Ja! Dank - und Sternchen dem Genie!

Viele Grüße

Hanna

der Wahrheit gewärtig (grins)
wahrhaftig gewärtig und echt wahrgenommen?
Aber ohne Gewähr…
Wennich „ausgibig“ schreibe, krichich vonner Lehrerin ein „iiiih´!“ zu hören, wennich „ausgiebig“ schreibe, dann aber ein „eieiei!“
Wollen wir nicht lieber die Hände alle zusammentun und gemeinsam an unser (offiziellen) Sprache arbeiten?
Und es gibt auch sinnvollere Lernziele und -kontrollen!
Auch fürs „Dumme Volk“.
meint manni mttem „moin“

Hi Hanna,

Bei „gibt“ bin ich aber noch stärker auf das eingeprägte
Schriftbild angewiesen, weil der Laut ja auch lange
ausgesprochen wird.

das halte ich für ein Gerücht. Auf jeden Fall ist es regional. Ich kann mich erinnern, daß die Lübecker sehr deutlich gieeeebt gesagt haben (fast schon giäääääbt), aber bei uns in Oberfranken heißt es ganz klar gibt mit kurzem i, in meinem Dialekt „gitt“. Hier käme auch niemand darauf, das mit ie zu schreiben, während freigiebig und ausgiebig schon lang ausgesprochen werden, wenn es denn benutzt wird.

Das ist eben das Problem mit unserer gar nicht so gemeinsamen Sprache. Daher auch mein Ärger auf die norddeutsch angehauchte Rechtschreibreform, die zb. annimmt, „Stengel“ würde genauso ausgesprochen wie „Stängel“ und könnte daher auch so geschrieben werden.

ciao,
erik

Hi Erik,

Daher auch mein Ärger auf die norddeutsch angehauchte
Rechtschreibreform, die zb. annimmt, „Stengel“ würde genauso
ausgesprochen wie „Stängel“ und könnte daher auch so
geschrieben werden.

Nicht die Aussprache war der Grund für diese Änderung, sondern die etymologische Verwandtschaft mit „Stange“.

Und ich glaube, es dürfte dir schwer fallen, die Rechtschreibreform als „norddeutsch angehauchte“ nachzuweisen. Außer den Deutschen waren da Österreicher, Schweizer, Dänen, Luxemburger, Belgier, Holländer, Polen und Italiener dabei, sprich alle Länder, in denen Deutsch gesprochen wird bzw. wo es deutschsprachige Minderheiten gibt.

Die Dudenredaktion sitzt übrigens in Mannheim! Sicherlich nicht Norddeutschland:wink:

Fritz

Schreibung und Aussprache
Hi Fritz,

Nicht die Aussprache war der Grund für diese Änderung, sondern
die etymologische Verwandtschaft mit „Stange“.

das weiß ich natürlich. Möglicherweise habe ich mich falsch ausgedrückt. Es stört mich nur, daß dann zumindest in Süddeutschland Schreibung und Aussprache divergieren. Im Englischen mag das möglich sein, aber wenn irgendwo steht „Stängel“, kann ich es nicht „Stengel“ aussprechen. Aber es heißt nun mal „Stengel“. Genauso, wie es vollkommen falsch ist, „zurzeit“ und „mithilfe“ zu schreiben, weil diese Wörter dann auf der ersten Silbe betont werden müßten. Was tue ich also? Falsch schreiben oder falsch sprechen?

Sagen dann in 50 Jahren unsere Enkel Stengel, und es stört sie gar nicht mehr, daß sie damit einen norddeutschen Sprachgebrauch übernommen haben, nämlich ein geschriebenes ä als e auszusprechen? Oder gewöhnen sie sich an, Stängel zu sagen, also war die Rechtschreibreform auch eine Rechtsprechreform???

Aber ich weiß schon, daß man bei Dir mit Kritik an der NDR keine Chance hat. Naja, selig sind die Verblendeten… :wink:

ciao,
erik

Hi Erik,

Was tue ich also? Falsch schreiben oder falsch sprechen?

Du wirst vermutlich weiterhin „richtig“ sprechen, und deiner Meinung nach „falsch“ schreiben. Aber was ist schon richtig und was ist falsch?

Sagen dann in 50 Jahren unsere Enkel Stengel, und es stört sie
gar nicht mehr, daß sie damit einen norddeutschen
Sprachgebrauch übernommen haben, nämlich ein geschriebenes ä
als e auszusprechen?

So wird es sein, denn so ist es schon. Oder kennst du noch Leute, die ein klare äääääää sprechen in „Käse“ und „Mädchen“. Ich höre nur noch: Keeeeese und Meeeedchen.

Oder gewöhnen sie sich an, Stängel zu
sagen, also war die Rechtschreibreform auch eine
Rechtsprechreform???

Das halte ich für unwahrscheinlich.

Aber ich weiß schon, daß man bei Dir mit Kritik an der NDR
keine Chance hat. Naja, selig sind die Verblendeten… :wink:

Naja, so krass würde ich das nun wieder nicht ausdrücken.

ciao,
Fritz

Meld…
Hallo Fritz,

So wird es sein, denn so ist es schon. Oder kennst du noch
Leute, die ein klare äääääää sprechen in „Käse“ und „Mädchen“.
Ich höre nur noch: Keeeeese und Meeeedchen.

Und wqenn mich das jetzt auch völlig outet: Bei mir sind da noch klare "ä"s in der Aussprache…

Oder gewöhnen sie sich an, Stängel zu
sagen, also war die Rechtschreibreform auch eine
Rechtsprechreform???

Sag’ ich auch jetzt schon - und habe ich auch vor der NDR…vielleicht habe ich ja die Äitis? :smile:

Aber ich weiß schon, daß man bei Dir mit Kritik an der NDR
keine Chance hat. Naja, selig sind die Verblendeten… :wink:

Naja, so krass würde ich das nun wieder nicht ausdrücken.

Ich auch nicht. In bin auch kein Freund der NDR, würde aber deren Befürworter nie als „verblendet“ bezeichnen. Die „ADR“ war auch nicht logischer…

Gruß Kubi