IFA - Fernsehen der Zukunft

Hi!

Derzeit tobt ja die Internationale Funkausstellung in Berlin und durch die deutsche Presselandschaft. Und allüberall wird die Litanei des Fernsehens der Zukunft gepredigt. So gibt es in den „Ich bin ja nicht blöd“-Läden sowie den „Geiz ist geil“-Verkaufshallen schon seit etlichen Monaten Fernseher, die „HDTV-ready“ sind. Nur „HDTV-Fernsehsendungen“ gibt es nicht (oder nur in so geringem Maße, dass man nach dem Kauf eines solchen Gerätes doch glauben könnte, „man sei blöd“).

Nun wird auf der IFA das Wunderwerk „DVB-x“ („x“ je nach Verwendungszweck) gepriesen. Fernsehen everywhere. Die Deutsche Telekom propagiert das Fernsehen via Internet, wohl auch um ihr Produkt „VDSL“ zu pushen. Eine Vielzahl von Fernsehsendern soll künftig über den Zuschauer hereinbrechen.

Eine Vielzahl von Fernsehsendern?

Nun stellt sich mir einfältigem Burschen eine Frage: Fernsehsender wachsen bekanntlich nicht auf den Bäumen. Und schlimmer noch: Fernsehsender brauchen etwas zum Senden. Filme z.B., oder Serien oder sonst irgendwie geartete Beiträge.

Wenn sich die Zahl der Fernsehsender also vervielfacht, woher beziehen diese Sender ihr Material? Vervielfacht sich das auch „mal eben so“? Heute kann man problemlos 30 und mehr Sender per Kabel empfangen. Was geschieht, wenn die Senderzahl sich verzehnfacht? 150 mal „Shopping-TV“ im 24 x 7 Rhythmus? Oder wird gesendet, was die Aufzeichnungsmedien hergeben, z.B. Onkel Erwins Geburtstagsvideo oder Familie Krawttke im Urlaub in Berchtesgaden? Oder Bilder der Verkehrsüberwachungskameras vom Tauentzien in Berlin?

Viele, viele Fernsehsender zu empfangen mag ja schön sein. Aber was wollen die denn senden?

Hat jemand von euch eine Idee? Oder ist der TV-Overkill bereits erreicht?

Grüße
Heinrich

Es kommt für meinen Geschmack heute schon oft genug vor, dass auf allen 41 Kanälen gelinde gesagt nur Scheißdreck kommt.
Und das wird durch mehr Kanäle nicht besser werden, da die vermutlich alle in die selbe Kerbe dreschen.

Hi!
Hat jemand von euch eine Idee? Oder ist der TV-Overkill
bereits erreicht?

Hallo, Heinrich,
für den Zuschauer dürfte es wichtig sein, dass er rund um die Uhr gucken kann, was ihm gefällt.

Hallo,

Nun stellt sich mir einfältigem Burschen eine Frage:
Fernsehsender wachsen bekanntlich nicht auf den Bäumen. Und
schlimmer noch: Fernsehsender brauchen etwas zum Senden. Filme
z.B., oder Serien oder sonst irgendwie geartete Beiträge.

Das eigentlich viel größere Problem dahinter: Wer bezahlt eigentlich wovon die Produktionen? Produktionsfirmen gibt es wie Sand am Meer, und es gibt nicht wenige Leute die mal als Kabelträger angefangen haben, dann irgendwann mal selbst eine Mühle in die Hand gedrückt bekommen haben und heute als Einmann-Produktion ihr Leben fristen und für Sozialhilfeniveau die Kamera auf alles halten, was bezahlt wird.

Anspruchsvollere Produktionen werden das natürlich nicht, denn die sind nicht von Kleingeld zu bezahlen. Nur will mehr Geld für Produktionen natürlich auch irgendwo verdient werden, und das wird mit der zunehmenden Zahl von Sendern immer problematischer, weil der Werbemarkt ja nicht endlos ist und andere Finanzierungsmöglichkeiten kaum existieren bzw. sich mit einem anständigen Programm nicht vereinen lassen (siehe 9live). Nach dem schweren Start von Premiere wagt sich kaum noch einer an Pay-TV, wenn es nicht gerade um Erotik oder Spitzensport (Arena) geht, und wenn man selbst schließlich als Anbieter auch noch etwas verdienen will, wird die Luft für Produktionskosten schnell sehr dünn.

Die Alternative sind dann Zweitverwertungen, und es kommt wohl nicht von ungefähr, dass man inzwischen mehr und mehr Beiträge wochenlang rund um die Uhr auf dem einen oder anderen Sender zu sehen bekommt, weil man damit eben billig die Zeit zwischen den Geld bringenden Werbeunterbrechungen überbrücken kann. Oder man erklärt die Sache zum Prinzip, weil man selbst ein riesiges Archiv verfügbar hat (Das 4.).

Wir werden uns daher vermutlich mehr und mehr an ein Kommen und Gehen der Sender gewöhnen müssen, weil eben zuviele Leute keinen anständigen Businessplan machen, der an mehr als die € 10.000,-- für den Sat-Transponder denkt und wir werden uns auch daran gewöhnen müssen, für anspruchsvollere Produktionen zahlen zu müssen, wollen wir diese nicht mit mehr und mehr modernen Werbeformen verunstaltet erst Jahre nach Produktionsdatum genießen.

Gruß vom Wiz