Ignorare

Hallo!
‚lat. ignorare ”nicht kennen“, nicht wissen, nicht kennen wollen‘
Bezogen auf letztere Bedeutung, kann man aus „ignorare“ die Form bilden: die nicht gekannt werden dürfen, auf Personen bezogen, also Leute, die ignoriert werden müssen?

Fragt nicht warum … :wink:

Gruß,
Eva

Servus,

mit dem strikten „nicht dürfen“ wirds schwierig, das in eine Form reinzupacken. Aber „nicht sollen“ geht relativ leicht mit dem Gerundivum:

„ignorandi“ sind die, die nicht gekannt werden sollen (Maskulin). Feminin = ignorandae, Neutrum = ignorandum.

Als Bücherwesen kennst Du ja „corrigendum“ - etwas, das korrigiert werden soll: Das ist genau diese Verbform.

Schöne Grüße

MM

Danke herzlich! owT
.

Hi!

mit dem strikten „nicht dürfen“ wirds schwierig, das in eine
Form reinzupacken.

Das ist nur ein Problem der Ausdrucksweise im Deutschen. Das Gerundiv mit esse drückt die Notwendigkeit aus: müssen. Verneint gibt das im Deutschen: nicht dürfen, nicht brauchen. (verneintes Müssen wie im Englischen must: du darfst nicht … - you must not …)
Carthago delenda est - C. muss zerstört werden.
C delenda non est - C. darf nicht zerstört werden.
Gruß!
Hannes

Salve Ioannes,

Carthago delenda est - C. muss zerstört werden.
C delenda non est - C. darf nicht zerstört werden.

Da ist dem die deutsche Form „zu zerstören“ ähnlicher, denn:

  1. Karthago ist zu zerstören.
  2. Karthago ist nicht zu zurstören.
    drücken das gleiche aus, wie im Latein.

„Ignorandi“ wären demnach wörtlich die „nicht zu kennenden“. Die hat man dann einfach nicht zu kennen. :wink:

Vale,

  • André

Salve et tu,

  • André!

Deiner Übersetzung des Gerundivs schließe ich mich nicht an. Denn

  1. Karthago ist zu zerstören.

kann auch heißen: C KANN zerstört werden,
im Gegensatz zu

  1. Karthago ist nicht zu zurstören.

d. h. C. ist unzerstörbar.
Um dieser Doppeldeutigkeit zu entgehen, sollte man die Wiedergabe mit „müssen/nicht dürfen“ vorziehen. Das Lateinische ist ja gerade wegen seiner Vermeidung von Mehrdeutigkeiten berühmt.

drücken das gleiche aus, wie im Latein.

Das schon, aber eben nicht nur.
qu. e. d.
Vale!
Hannes

Salve et tu,

  • André!

Deiner Übersetzung des Gerundivs schließe ich mich nicht an.
Denn

  1. Karthago ist zu zerstören.

kann auch heißen: C KANN zerstört werden,

Das seh ich nicht so. Diese Lesart kann ich da gar nicht herauslesen. In Sätzen wie „Karthago ist leicht zu zerstören“ ja, aber das ist eine andere Konstruktion, auch auf Latein, wenn ich mich nicht irre.
Meinen Satz 1) würde ich nie i.S.v. „kann“ verstehen.

im Gegensatz zu

  1. Karthago ist nicht zu zurstören.

d. h. C. ist unzerstörbar.

Um dieser Doppeldeutigkeit zu entgehen, sollte man die
Wiedergabe mit „müssen/nicht dürfen“ vorziehen. Das
Lateinische ist ja gerade wegen seiner Vermeidung von
Mehrdeutigkeiten berühmt.

Wie gesagt, die Lesart mit Können kenne ich im Deutschen nicht… aber vielleicht steh ich auf’m Schlauch. Fällt dir ein Beispiel ein, wo man bei so einer Konstruktion eindeutig und/oder vornehmlich die Können-Lesart hat?

drücken das gleiche aus, wie im Latein.

Das schon, aber eben nicht nur.
qu. e. d.

Nondum autem mihi, sed fortasse explices. :smile:

Vale!
Hannes

Vale et tibi,

  • Andreas Molinarius

Hi, André!

fortasse explices

quod libenter facio:
Irgendwie habe ich mich wohl, ich schrieb ja auf Deutsch, nicht ganz eindeutig ausgedrückt. Geschieht uns also Recht, wenn wir Deutsch auf dem Fremdsprachenbrett erörtern. :smile:

  1. Karthago ist nicht zu zurstören.

d. h. C. ist unzerstörbar.

Wie gesagt, die Lesart mit Können kenne ich im Deutschen
nicht… aber vielleicht steh ich auf’m Schlauch. Fällt dir
ein Beispiel ein, wo man bei so einer Konstruktion eindeutig
und/oder vornehmlich die Können-Lesart hat?

Eines? Dutzende! Nach dem Muster:
Die Folgen sind nicht auszudenken.
Ein Ende ist nicht abzusehen.
Dieser Gedanke ist nicht nachzuvollziehen.
Ist da von einem Müssen die Rede oder nicht doch viel eher von einem Nichtkönnen?
… sind nicht auszudenken = können nicht ausgedacht werden = sind nicht ausdenkbar,
… ist nicht abzusehen = kann nicht abgesehen werden = ist nicht absehbar,
… ist nicht nachzuvollziehen = kann nicht nachvollzogen werden = nicht nachvollziehbar,
ebenso: … ist nicht zu zerstören = kann nicht zerstört werden = ist unzerstörbar.

qu. e. d.

Vale!
Hannes

1 „Gefällt mir“

Ah, stimmt!
Hallo,
Ja, du hast Recht! Jetzt leuchtet’s mir auch ein. Ich hatte länger über den nicht negierten Satz nachgedacht, da fiel mir keine gescheidte Variante ein. Jetzt schon. Die negativen Sätze zeigen natürlich, dass der Satz ambig ist.

Viele Grüße,

  • André