Im Geburtsort studieren?

Hi!
Ich wollte mal so nach Erfahrungen und Meinungen zum Thema Studieren in der Heimat fragen.
Wir haben hier eine ganz schöne Uni und auch sonst ist es ganz nett hier, warum also nicht?
Nun hab ich schon von vielen gehört das es sehr förderlich für das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit sei woanders zu studieren.
Gerade ich bin nicht der mega selbstbewusste Typ. Vielleicht auch deswegen würde ich es eigentlich vorziehen hier zu studieren.
Viele Grüße
Dirk

Nun hab ich schon von vielen gehört das es sehr förderlich für
das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit sei woanders zu
studieren.

Die Argumente für diese Theorie hätte ich gerne mal gewusst. Vor allem hinsichtlich des Selbstbewusstseins.

Als ich das las:

Wir haben hier eine ganz schöne Uni und auch sonst ist es ganz
nett hier, warum also nicht?

habe ich gleich mal in deine ViKa geguckt; die Wahrscheinlichkeit, dass du aus Oldenburg kommst, erschien mir doch recht hoch :smile:

Mir persönlich erschließt sich nicht, was Selbstbewusstsein mit dem Studienort zu tun haben soll. Wenn der Wegzug aus Oldenburg etwas Positives bewirken könnte, würde es wohl eher mit Selbstständigkeit zu tun haben. Aber die kann man sicher auch lernen, wenn man seiner Heimat treu bleibt.

Ich selbst bin nach dem Abitur aus Oldenburg weggezogen, weil man hier kein Jura studieren kann. Inzwischen (d.h. zum Referendariat) bin ich wieder da. Und so habe ich mir das auch die ganze Zeit vorgestellt!

Ich glaube nicht, dass irgendwas schlechter für mich wäre, wenn man in Oldenburg Jura studieren könnte und ich das auch getan hätte.

Folg einfach deinem Gefühl - viele wollen ja unbedingt den Ort wechseln. Aber wer das im Grunde nicht will, macht sich, wenn er es dann doch tut, im Zweifel nur unglücklich.

Levay

Hallo!

Das ist eine interessante Frage, die sich mir nie gestellt hat, weil es in meinem Heimatort gar keine Uni gibt.

Allerdings sind die Leute bei uns klassenweise in die nächstgelegene Uni gegangen und ich habe mich bewusst dagegen entschieden, denn

  • ich wollte einfach mal neue Leute kennenlernen. Die alten verliert man ja nicht zwangsläufig sofort aus den Augen - aber die anderen lernst du so schnell nicht wieder kennen.

  • ich wollte ein bißchen weiter weg als die 50km, die es zu der genannten Uni waren. Vor allem weil ich mir dachte, dass ich einfach mal eine andere Mentalität erleben will. Das habe ich, und nach einem weiteren Uniwechsel in eine ganz andere Himmelsrichtung kann ich resümieren: Es ist gut, mal rauszukommen - man gewinnt ganz andere Perspektiven (vom Dorf in die Großstadt, vom wilden Osten in den beschaulichen Süden, von „Ost“ nach „West“, von „arm“ nach „reich“ usw.).

  • ich habe auch ein wenig geschaut, wie denn die Studienbedingungen sind. Die sind ja nicht zwangsläufig am nächstbesten Ort auch am besten. Besonders bei manchen Studiengängen muss man ja bei Schwerpunkten usw. sehr auf die Details achten. War bei mir nciht ausschlaggebend, aber im Nachhinein bin ich an meinen beiden Orten immer besser gefahren als all meine alten Freunde an der „Heimuni“ (was man so aus vergleichenden Erzählungen erfährt).

Die Selbständigkeitsfrage gab es bei uns nicht, denn ALLE mussten von zu Hause ausziehen. Da ist es ja egal, ob man 50km wegzieht oder 100 oder eben 250. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Wobei ich oft Studis treffe, die halt mit 25 immernoch zu Hause wohnen. Das widerum finde ich nicht so gut - bzw. es wäre nichts für mich. Ich denke schon, dass ein Auszug und eine neue Umgebung einen selbstsicherer machen kann, aber man kann auch große Probleme damit haben.

Ich würde jedenfalls nicht in der Stadt der Kindheit und Jugend studieren. Es gibt natürlich auch Faktoren, die man bedenken muss und die sich durchaus als Vorteil herausstellen können: die Frage des Wohnens beispielsweise - nie lebt es sich so billig und bequem wie bei Mama. Aber ob das die Selbständigkeit fördert?!

LG
die Lidscha

Hallo,

Für die Horizonterweiterung kann ich ein Auslandssemester empfehlen, das bringt imho sowieso mehr als ein innerdeutscher Ortswechsel.
Abgesehen davon bietet eine eigene Wohnung fast nur Vorteile, ob im Heimatort oder woanders.

Grüsse

Jörg

Nun hab ich schon von vielen gehört das es sehr förderlich für
das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit sei woanders zu
studieren.

Die Argumente für diese Theorie hätte ich gerne mal gewusst.
Vor allem hinsichtlich des Selbstbewusstseins.

Das man nicht bei seinen Problemen gleich zu Mami rennen kann und auch alles andere bekannte „verliert“ und sich neu suchen muss.
Wenn man diese Situation gemeistert hat man sehr viel selbstbewusster sein.

nie lebt es
sich so billig und bequem wie bei Mama. Aber ob das die
Selbständigkeit fördert?!

ich glaub ich würde auf jeden Fall ausziehen, aber ich kann ja auch innerhalb von Oldenburg umziehen.

Hi Dirk,
ich habe in meiner Heimatstadt studiert und währenddessen teilweise zuhause gewohnt. Das war für mich absolut in Ordnung, ich bin nämlich ein ziemliches Heimatkind :smile:.
Ausziehen oder nicht, auswärts studieren oder nicht, das alles muss Deine persönliche Entscheidung sein. Was möchtest Du denn? Reizt es Dich, in eine andere Stadt zu ziehen, dann tu es. Möchtest Du lieber in Deiner Gegend bleiben, dann bleib’.
Auch wenn ich „nahe bei Mama“ studiert habe, bin ich trotzdem in der Lage, selbständig zu leben, und an mangelndem Selbstbewusstsein kranke ich eigentlich auch nicht.
Tu’ was für Dein Selbstbewusstsein und treffe eine Entscheidung für Dich, hinter der Du dann auch stehen kannst.

Viel Erfolg und Spaß beim Studium,

Susanne

Hallo Dirk,

ein klares NEIN.

Das mit dem Selbstbewusstsein stimmt, das mit der Selbständigkeit auch.

Wenn du es dir jetzt noch nicht zutraust, vielleicht nach dem Vordiplom?

Nachdem ich ganz alleine in München 5 Jahre „überlebt“ habe,ohne irgendjemanden vorher zu kennen, weiß ich, es gibt nix, was ich nicht schaffen könnte.
Ein schönes Gefühl…

grüsse
dragonkidd

Hallo!

Für die Horizonterweiterung kann ich ein Auslandssemester
empfehlen, das bringt imho sowieso mehr als ein innerdeutscher
Ortswechsel.

Natürlich gewinnt man durch einen Auslandsaufenthalt vollkommen neue Einsichten. Allerdings ist das ja nicht immer vorgesehen und nicht jedem möglich (in meinem Studiengang ist es eigentlich sogar sehr untypisch, habe es trotzdem gemacht, und du hast recht - es hat mich persönlich sehr viel weiter gebracht). Außerdem finde ich es schon sehr pauschalisiert gesagt, dass es „sowieso“ mehr bringt. Du glaubst nicht, wie sehr der Besuch meines schwäbischen Bekannten in Halle/Saale dessen Horizont erweitert hat :wink: Im Ausland ist da eher immer alles Friede-Freude-Eierkuchen (nein, Krapfen heißt es ja hier *gg*). Ich würde auch kaum ein schlechtes Wort über mein Gastland verlieren. Bei meinen „neuen Landsleuten“ (und mittlerweile auch bei den „alten“) bin ich da schon skeptischer :wink:

Abgesehen davon bietet eine eigene Wohnung fast nur Vorteile,
ob im Heimatort oder woanders.

Eigene Wohnung: Immer. Kommt natürlich das Kostenargument dazu. Weil eine Wohnung in Oldenburg mit dem gleichen Geld bezahlt werden muss wie anderswo auch, kann man ja auch gleich anderswo eine nehmen :wink:
(Ich weiß, die Mieten sind unterschiedlich.)

Am Ende aber eine persönliche Entscheidung. Ich bereue nichts (Auch wenn mir mein derzeitiger Wohnort nicht gefällt und ich weiß, dass ich hier über kurz oder lang weggehen werde - ist ja auch eine Erfahrung).

LG
die Lidscha

Hi,

ich glaube schon, dass ein Ortswechsel immer neue Erfahrungen mit sich bringt und auch sehr förderlich sein kann. Ich selbst finde es ganz toll immer wieder neue Städte kennen zu lernen, immer neue Menschen, immer neue Wohnungen…

Kommt halt auch auf den Typ an. Biste Aufgeschlossen, dann findest du schnell nette Leute. Kannste gut alleine sein, dann brauchst du auch nicht aufgeschlossen zu sein. Usw. usf…

Vielleicht tuts ja auch ein Ort, der nur ne Stunde oder so von zu Hause ist. Da kannste dann auch am WE nach Hause, oder wenn mal Not am Mann ist…

MfG

Chris

Moin,

ich glaube schon, dass ein Ortswechsel immer neue Erfahrungen

(…)
Volle Zustimmung.

Vielleicht tuts ja auch ein Ort, der nur ne Stunde oder so von
zu Hause ist. Da kannste dann auch am WE nach Hause, oder wenn
mal Not am Mann ist…

Das halte ich IMHO für die schlechteste Lösung: man läuft die Gefahr, den Kontakt zu den Leuten zuhause zu verlieren und - eben wg. der fehlenden WEs - auch keine neuen Freunde vor Ort zu finden.
M.E.: Ganz wegziehen oder gar nicht.

Gruß,
Ingo

Hallo,
diejenigen die zuhause studiert haben, werden hier das natürlich in Ordnung finden und diejenigen, die weggegangen sind werden es hier als Vorteil preisen.

Da gebe ich nur zu bedenken, dass die die daheim geblieben sind im Grunde über etwas urteilen, was sie nicht kennen gelernt haben. Die die fortgingen haben aber einen Vergleich aus eigenem Erleben, denn sie kennen es daheim gewesen zu sein. Das war vielleicht gut vielleicht auch nicht, aber sie kennen es im Gegensatz zu den „Anderen“ auch, weg gegangen zu sein, woanders angekommen zu sein und dort räumlich und vor allem sozial selbständig neu orientieren gemusst zu haben.

Darüberhinaus möchte ich nur auf ganz altes Erfahrungswissen hinweisen, dass z. B. in der „Walz“ darin steckt, junge Menschen (traditionell Männer) müssen hinausziehen, um sich selbständig und selbstverantwortlich zu beweisen. Damit wird auch die Lösung vom Elternhaus gündlich und eher konfliktarm vollendet (nicht das das nicht auch ohne dies ginge, aber durch räumliche Distanz fällt es wohl einfach leichter). Das tut letztlich auch den Beziehungen zu Hause gut, wenn man dann ein bisschen anders wiederkommt.

Jetzt wirst vielleicht Du und einige andere aufschreien „Ich bin doch abgenabelT!“ Das mag stimmen, aber das denkt auch Loriots „Ödipussi“.
Die unsichtbare sanfte Seide familiärer, freundschaftlicher Bande bleibt dort in ihrer abhängig machenden Kraft leicht unbemerkt, wo wir sie als entlastend erleben.

Mein Rat also:
Geh!

Gruß
Werner

Hallo,

Ich wollte mal so nach Erfahrungen und Meinungen zum Thema
Studieren in der Heimat fragen.
Wir haben hier eine ganz schöne Uni und auch sonst ist es ganz
nett hier, warum also nicht?
Nun hab ich schon von vielen gehört das es sehr förderlich für
das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit sei woanders zu
studieren.
Gerade ich bin nicht der mega selbstbewusste Typ. Vielleicht
auch deswegen würde ich es eigentlich vorziehen hier zu
studieren.

Genau deshalb solltest Du woanders studieren, dass ist ne echte Horizonterweiterung, glaube mir. :smile:
Mir hat es persönlich echt gut getan, dass ich von zu Hause weg war.

Gruß
Frank

Du sparst ordentlich Geld wenn du bei Mama wohnst. Miete, waschen, essen, schnorren,…alles wie gehabt.
Auch den Schülerjob in deiner Heimat kannst du behalten.

Mehrmonatige Auslandsreisen könnte ich mir nicht leisten wenn ich auswärts studiert hätte.

Anderseits ist es halt kein wirkliches Studentenleben. Mann bleibt im alten Freundeskreis, keine WG,…

Musst du selbst entscheiden.

Hi!

Hatte nach dem Abi in der Heimatstadt keinen Studienplatz bekommen und fing 400 Km entfernt an.
Nach 2 Semestern wechselte ich nach Hause und alles war anders. Ich war abgenabelt. Mir war es so wichtig, zurück nach Hause zu gehen und als ich dann wieder dort war, waren viele Freunde zum Studium selbst weg und die Schulzeit war unwiederbringlich vorbei.
Nach 2 Semstern ging ich dann wieder und schloß dort ab, wo ich mir eine schnelle und gute Ausbildung versprach.

Das funktionierte gut und ich wurde sehr schnell sehr viel selbständiger als Freunde von mir, die nie woanders gelebt hatten.
Ich war jobmässig dann auch flexibler. Eine andere Stadt war nicht so eine Horrovorstellung wie für die „Daheimgebliebenen“. MKan wird mit den jahren nciht flexibler, im Gegenteil.
Heute bin ich zwar wieder in meiner Geburtsstadt, sogar in meinem Elternhaus (Mami ist aber nicht mehr dort…), aber mit dem klaren bewusstsein, dass ich dort leben will, weil ich es anders kenne.
Ich reise sehr viel, beruflich wie privat. Aber ich weiß jetzt, wo ich (aktuell) hingehöre.

Daher mein Tip: gehe erst mal weg von Daheim und geniesse neue Freiheiten.

Grüße,

Mathias

Hallo!
Danke für die ganzen Antworten. Ich hab jetzt ganz zufällig auf der Starße einen ehemaligen Studenten getroffen, der mir zwar auch sagte, dass ich es für mich selbst sehen soll, hat aber auch nochgesagt, dass

Bewerber mit einem Lebenslauf wo oft gewechselt wurde aufgrund dessen Flexibilität lieber genommen werden.

Wollt ich nur noch mal einschmeißen
Dirk