Hallo Anke,
die meisten zwischenmenschlichen Beziehungen includieren negative und positive Komponenten. Es gibt nun Menschen, die ein besonderes Gespür für die negativen haben, d.h. sie sehen eher das schlechte dieser Welt.
Das entbehrt zunächst einmal nicht einer realen Grundlage. Wenn so ein Mensch jedoch überwiegend negative Dinge erlebt und sieht, dann ist diese Sicht u. U. geeignet, auch seine Erwartungen entsprechend negativ zu färben. Eigentlich entspricht dies ja seiner Realität.
Es wird diskutiert, dass solche Wahrnehmungen auch bei der Entstehung von psychischen Störungen beteiligt sein können (z.B. paranoider Entwicklung).
Ein Beispiel für eine solche Wahrnehmung könnte z.B. sein, wenn jemand in einer Gruppe einem anderen einen Gefallen tut, so sieht ein Gruppenmitglied hier eine Hilfeleistung, ein anderer aber eventuell ein hinter der Hilfeleistung liegendes egoistisches Motiv („Mittel zum Zweck“).
Oftmals entspricht diese Wahrnehmung sogar der Realität - nur sie bringt ja nichts. Zusätzlich ergibt sich das Problem, dass sie von der Umwelt nicht geteilt wird - was zu einer Dissonanz in der Interaktion mit anderen führt. Es ist also häufig zusätzlich irritierend, dass die negativen Dinge allgemein eher geleugnet werden.
Viele Menschen nehmen einfach einige Dinge in dieser Dimension nicht wahr. Wenn jemand sensiblere Antennen für negative Emotionen hat, so sucht er u.U. um so mehr nach Bestätigung dafür, wenn seine Umwelt das Vorhandensein dieser leugnet. So kann ein Teufelskreis entstehen, der den Focus zunehmend auf das Negative verlagert.
Eine gute Einstellung dagegen könnte also nicht sein, dass derjenige Unrecht hat (sowieso immer eine müßige Einstellung), sondern vielmehr dass es zwar so sein könnte - diese negativen Befürchtungen aber zu nichts führen.
Ich würde einem solchen Menschen versuchen klar zu machen, dass der persönliche Gewinn aus negativen Wahrnehmungen sehr fraglich ist, und dass er bei positiverer Wahrnehmung wesentlich größer ist.
Lieben Gruß
Patrick