Immer gut gelaunt immer gut drauf wie geht das

Hallo

ich habe einen Verwandten der ist 40 Jahre alt. Früher war er immer die Stimmungskanone. Er kennt tausend Leute. Hat tausend Freunde. Hat immer einen Witz parat und ist im Grunde immer gut drauf.

Jetzt hat er Krebs, einen Teil seines Magens wurde entfernt. Die Chancen dass er mal richtig alt wird sind dahin. Manchmal hat er Stundenlang Schmerzbrechen.

Dennoch, der Mann ist immer gut drauf. Na klar gibt es Tage wo er mal wieder schmerzen hat usw und dann nicht gut drauf ist. Aber er ist wirklich sehr sehr gut drauf.

Ich frage mich, auch deshalb weil er so sehr krank ist, woher er diese gute Laune nimmt. Ich frage mich wie das geht.

Ich bin jünger als er, fast kerngesund und dennoch könnte man die Tage an denen ich durchgehend richtig gut drauf war in meinem Leben (!!) an zehn Fingern abzählen. Ich hab schon viel Mist erlebt mit Menschen und das prägte mich enorm. Dennoch war es, wenn ich mal richtig darüber nachdenke, ein nichts gegenüber einer Krankheit bei der man weiss das man stirbt.
Im Moment bin ich auch etwas Krank und habe massive Schmerzen. Ich kann deswegen nun sehr gut nachvollziehen wie das sein muss. Und wieviel extremer noch.

Ich kann nicht verstehen woher man diesen Spass, diese Freude holen kann. Er ist und war schon immer so ein Typ.

Ich will auch!

Kann mir das jemand erklären?

Daniel
alias ERNSTL

Hallo Daniel,

mal eine grundlegende Frage: Ist er wirklich so glücklich oder tut er nur so, um den Schmerz und die Gewissheit, dass er sterben wird,zu unterdrücken?

Es ist ja allgemein bekannt, dass man erst merkt, dass man glücklich war, wenn man wieder unglücklich ist. Ich würde sagen, je älter ich werde, desto glücklicher werde ich, weil es immer mehr Schönes zu entdecken gibt.

Allerdings wird immer weniger selbstverständlich, denn man muss sich zu 80 Prozent selbst glücklich machen. Und diese 80 Prozent bekommt man so gut wie nie mit, da man sich dann fragt „Warum hat das niemand für mich gemacht?“, was einen wieder traurig macht.

Hinzu kommt, dass man öfter enttäuscht wird, als glücklich gemacht. Von daher fallen einem viel mehr traurige Dinge als schöne Dinge auf, denn die fallen erst richtig auf, wenn es vorbei ist.

Es kann gut sein, dass dein Verwandter tatsächlich glücklich ist mit dem, was er hat. Und dass er nicht glücklich ist, obwohl er sterben wird, sondern gerade weil er sterben wird. Denn so fallen ihm viel eher die schönen Dinge dieser Welt auf.

Ach ja und zu deinem „Ich will auch!“: Das will Jeder, aber ‚Jeder ist seines Glückes Schmied‘, was ein doofer Spruch ist, wenn du mich fragst, denn um richtig glücklich zu sein, muss jeder Faktor um dich herum mitspielen. Und es gibt bestimmt Studien, die belegen, wie selten das geschieht.

LG, Bomba

Hallo daniel,

es gibt Menschen, die eine allgemeine unerschütterliche positive Lebenseinstellung haben. Ich finde diese Menschen beneidenswert. Allerdings kann man nie hinter die Fassade blicken und wissen wie es wirklich in dem Menschen vorgeht. Viele Menschen täuschen nach außen immer gute Laune vor. Aber tatsächlich gibt es Menschen, die WIRKLICH fast ausschließlich gut drauf sind.

Wie man selber eine positive Lebenseinstellung bekommt, wenn man schon viele negative Dinge erlebt hat und grundsätzlich eh schon eher der skeptische Typ ist - das kann ich dir leider nicht beantworten. Der Weg dorthin ist bei jedem anders.

Gruß

Samira

Hallo,

bei Menschen die jahrelang Cortison genommen
haben kann man oft eine „euphorische Grundstimmung“
beobachten. Nicht bei allen, aber bei vielen.

Gruß,

Oliver

Hi Daniel,

ich denke, dass (wenige) Menschen so eine unerschütterliche positive Lebenseinstellung haben (können), ohne dabei krankhaft „in einer anderen Welt zu leben“, also wirklichkeitsfremd zu sein. Angeblich finden einige diese „Kraft“ in ihrem Glauben, wobei ich sehr gläubige Menschen bisher nicht als rundum positiv erlebt habe, sondern nur in den Punkten, bei denen es um ihr Ding geht.

Von Comedians und Komödianten hört man immer wieder, dass diese privat eher ruhih und introvertiert seien - ist Dein Bekannter wirklich IMMER so positiv optimistisch oder kann es sein, dass das sein Rolle ist, die er (vor Publikum) spielt?

Hallo!

Ich kenne auch Leute, die immer gut drauf sind.
Zwei von ihnen haben in den letzten Jahren auch Krebs bekommen.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Krankheiten psychosomatisch sind, vor allem auch Krebs, weil sich der Körper hier selbst zerstört.
Bei vielen Leuten, die Krebs hatten, habe ich erlebt, dass sie eine Seite von sich nicht gelebt haben.
Im Falle einer „Frohnatur“ kann ich mir vorstellen, dass auch hier eine Seite nicht gelebt wird (häufig werden z.B. Aggressionen unterdrückt), die mit dem Krebs um Beachtung ruft.

Beneidenswert? Ja, das denke ich mir auch manchmal. Aber dann fällt mir wieder ein, dass es die Tiefen, die schwierigen Zeiten sind, die unseren Geist anregen, die unsere persönliche Entwicklung vorantreiben.

Grüße, jeanne

Hallo psychologisch lässt sich das ganze evtl mit den Attributionstheorien erklären. http://de.wikipedia.org/wiki/Attributionstheorien
und was ist eingentlich fröhlich http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion

Zum einen kann es einfach sein, dass er sein „Schicksal“ nicht als solches sieht und drum nicht erst dran verzweifelt. Es kann auch sein dass er gar nicht übermässig glücklich/lustig ist, sondern er dir nur so vorkommt, da sein Verhalten gegen deine gelernten Konventionen (ab wann darf man sich lauthals über etwas freuen) verstößt.
Insbesondere die interne/externe Zuschreibung (wer ist schuld an einem Ereignis, ich oder die anderen oder gar etwas größeres) von ereignissen sind relevant für eine positive oder eher negative Einstellung im Leben.
Schulbeispiele sind da immer sehr einprägsam, wer ist schuld an einer schlechten Note: wer internal attribuiert sagt sich, ich war zu doof für die Aufgabe (mit dem resultat dass er sich irgendwann aufgibt, da Anstrengung nicht lohnt), wer External attribuiert sagt sich eher, der Lehrer mag mich nicht (mit dem Resultat dass er es dem schon zeigen wird, sich also beim nächsten Mal mehr anstrengt oder versucht die Aufmerksamkeit des Lehrers zu erhaschen)
ODER die Extremform wäre ein „das war Schicksal, da kann keiner was für“ (Anstrengung lohnt nicht, einschleimen lohnt nicht, nach vorne schauen lohnt nicht, es zählt nur der Augenblick, und das kann einen fröhlich bzw. eher unbekümmert wirken lassen, da man einfach nichts zu jammern hat).

Wie man attribuiert ist eine Summe aus Erfahrung und Erziehung, insbesondere wie man seine früheste Kindheit erlebte (wie wurde auf Fehler, Missgeschicke reagiert, warst du schuld, wenn ein Teller runterfiel oder war es Zufall oder hat sich womöglich Mutti die Schuld gegeben, dass sie dir doch schon den schweren Porzellanteller gab und nicht das unkaputtbare Kindermodell)
Sowas prägt die Persönlichkeit…so lernt man Probleme zu handhaben, erst kleine dann auch große. Und wenn es gut läuft wird man so eine starke und oftmals auch dafür bewunderte Persönlichkeit und weiß oft gar nicht, was die anderen da für ein aufhebens drum machen.

Dies ist zumindest eine Erklärung für den Fall, dass diese „Fröhlichkeit“ wirklich dauerhaft ist und nicht nur wie bereits erwähnt eine vorgeschobene Rolle in Gesellschaft als Partytiger sozusagen. Das kann dann aber alle möglichen Gründe haben,
dass man sich nicht mit der Lage auseinandersetzen will oder kann, dass man anderen nicht zur Last fallen will, dass man die anderen nicht als wirkliche Freunde (von denen man auch mal „in schlechten Zeiten“ Unterstützung erwarten darf) sondern eher nur als Bekannte ansieht, denen man nunmal nicht alles erzählen muss, dass man von Natur aus eher oberflächlich gestrickt ist, dass man echte neurologische o. psychische Probleme hat, die zwanghaft auf fröhlich schalten.
Aber das kann nur derjenige beurteilen, der ihm sehr nah steht (er selbst oder evtl noch die Ehefrau).

die frage ist also, ist er wirklich immer fröhlich/glücklich
FÜHLT er sich wirklich froh/glücklich oder zeigt er nur das Verhalten eines frohen/glücklichen Menschen (kennst du evtl dieses: „wie gehts dir“-„gut“ die Antwort kommt quasi reflexartig ohne wirklich nachzudenken und hinterher fällt einem erst auf, dass es dir gar nicht so gut geht, wie du vorgibtst, dennoch gibts du weiter brav die sozial erwünschte Antwort, denn wenn du anders antwortest „hmm so lala“ oder „könnte besser sein“ würde sich das Gespräch womöglich auf deine Probleme lenken, was du evtl nicht zwingend zB. mit deinem Chef besprechen willst)
UND die frage ist auch, evtl kommt er DIR (die ja offenbar eher schlechte Erfahrungen hatte und daher evtl eher zu internalen Attribuierungen neigt"wieso passiert das immer mir") auch nur übernormal-fröhlich vor, da dein Level von ab wann man fröhlich ist viel tiefer hängt.

Ist man schon von Fröhlichkeit durchdrungen, nur weil man öfters mal lächelt oder weil man lautstark Feste feiert (und dabei Probleme ignoriert, ausblendet oder sie einfach irrelevant sind).
Denn hinzu kommt noch, dass Probleme nur so groß sind, wie man sie macht. Und manche sind einfach so klein dass es sich nicht lohnt, drüber zu lamentieren.
Und gerade Krankheiten, gegen die man nichts machen kann, kann man mit einer positiven Einstellung besser bewältigen. Damit will ich nicht sagen, dass man sie kleinredet aber wer sicher in sich ruht und eine positive Einstellung zum Leben hat, kann auch zum sterben eine positive Einstellung haben und für den ist dieses „Problem“ evtl gar keins, denn sterben muss jeder irgendwann. Sowas kann man nur external attribuieren, denn das ist numal die Bestimmung eines jeden. Allerdings gibt es auch dabei Leute, die das sterben internal begründen (ich bin schuld daran, dass ich Krebs bekam, also bin ich auch schuld, dass ich * sterbe). Das ist allerdings ein Fehlschluß. Allenfalls das kleine Wörtchen „früher/frühzeitiger“ ,in den Satz beim * eingebaut, liesse sich internal erklären, allerdings ist auch das nicht sicher. Selbst wer sich durch Rauchen einen Lungenkrebs eingehandelt hat, kann dennoch statt dessen an einem Blutgerinsel im Hirn oder einem Herzschlag sterben, oder weil in der Familie ein früher Tod schon in den Genen liegt; andere teeren sich die Lungen zu und werden trotzdem 100.

Zur Anregung die wunderbare Zeile aus dem Pippi -Lied: Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt.

Gruß
Susanne

manchen leuten nehme ich nicht ab, dass sie wirklich immer soooo gut drauf sind. veiles ist show udn verstecken von wahren gefühlen!
jeder mensch hat mal schlechte alune und tiefs! er scheint seine emotionen sehr zu kontrollieren, aber ob es ihm was bringt???

Hallo Jeanne,

Ich gehe davon aus, dass die meisten Krankheiten psychosomatisch sind, vor allem auch Krebs, weil sich der Körper hier selbst zerstört. Bei vielen Leuten, die Krebs hatten, habe ich erlebt, dass sie eine Seite von sich nicht gelebt haben.

kleine Lektüreempfehlung zum Thema: Susan Sontags Krankheit als Metapher ISBN 3596238234 Buch anschauen. Momentan leider nur noch antiquarisch erhältlich, z.B. bei Booklooker.

Viele Grüße
Diana