Hallo,
Ich habe eine Frage und hoffe ihr könnt mir helfen:
Es geht um das Haus meiner Mutter mit einem Verkehrswert von
120.000 Euro das mein Bruder vor dem
Eintreten der Erbfolge übernehmen soll. Dafür gibt es ja drei
Möglichkeiten:
Wirklich?
- Überschreibung (was ist das?)
- Verkauf
- Schenkung (=Überlassung?)
Also mir fallen nur zwei ein, ein Verkauf und eine Schenkung.
Mal abgesehen von einem vertragliche festgelegten lebenslangen
Wohnrecht meiner Mutter:
Warum ein Wohnrecht und kein Nießbrauch?
Ist ein Verkauf
auch für 100 Euro möglich oder wird da das Finanzamt stutzig?
Ganz sicher, wenn damit versucht werden soll den Schenkungssteuerfreibetrag einzuhalten, der bei realen Werten nicht eingehalten würde. Bei € 120.000,-- passiert natürlich zunächst nichts, aber wenn binnen zehn Jahren der Erbfall eintreten sollte, … Wir wissen nicht, was da noch zu vererben ist.
Welche der drei Varianten ist steuerlich am
günstigsten?
Du bist witzig, steuerlich ist ein Kauf natürlich bei Überschreitung des Schenkungssteuerfreibetrags interessant, nur drückt man die Knete dann eben nicht beim FA sondern beim Verkäufer ab, und der vererbt sie dann ggf. wieder an den Käufer, der dann in dem Moment steuerpflichtig wird. Klingt nicht so sehr überzeugend.
Wie verhält es sich, wenn meine Mutter zum
Pflegefall wird, muss mein Bruder als Käufer für
die Kosten aufkommen?
Nicht als Käufer aber ggf. als Kind (wie alle Kinder). Außerdem muss er binnen zehn Jahren mit einer Überleitung des Schenkungswiderrufs aus Gründen der Not durch den Sozialhilfeträger rechnen.
Wenn sich das überhaupt so einfach beantworten lässt 
Nein, lässt es sich nicht. Hier geht es um schlappe € 120.000,-- und rechtliche und steuerliche Aspekte die man nur bei Kenntnis des konkreten Einzelfalls in allen Details zu einem vernünftigen Konzept verarbeiten kann. Dafür braucht man Spezialisten, die sich hiermit wirklich auskennen, sich die nötige Zeit nehmen, und dafür natürlich dann auch bezahlt werden wollen. Gemessen an den mit einer schlechten Gestaltung verbundenen Risiken, sind die paar hundert Euro eines spezialisierten Anwaltskollegen, Steuerberaters, Notars doch nun wirklich Peanuts. Zudem haften die Leute auch für Ihren Rat (und können dies Dank zwingender Berufshaftpflicht auch).
Zudem muss hier die gesamte Erbgestaltung aufgearbeitet werden, damit ein für alle Kinder zufriedenstellendes Ergebnis herauskommt. Isoliert Teilaspekte wie die Familienimmobilie regeln zu wollen, kommt mir hier fast täglich vor, wäre aber regelmäßig fatal. Ich mache solche Dinge jetzt nun seit diversen Jahren und aktuell wöchentlich mindestens einmal. Jeder Fall ist anders, und es kommt nicht von ungefähr, dass man oft Wochen bis Monate braucht, bis man eine wirklich vernünftige Lösung gefunden hat. D.h. heißt nicht, dass man immer eine Lösung finden kann, die frei von jeglichen Risiken/Nachteilen ist, aber dass man gerade diese Risiken und Nachteile sauber abgewogen hat, und die Beteiligten dann auch verinnerlicht haben, wo die Schwachpunkte liegen, und sich hierauf einstellen können.
BTW: Um den Notar kommt man zum Schluss ohnehin nicht herum, das Geld für den zusätzlichen Anwalt ist aber oft trotzdem gut investiert, da angesichts der Gebührensätze der Notare gerade die oben angesprochene Zeit und Beratung im Vorfeld fehlt, und dann vorschnell 08/15 Vertragsvorlagen beurkundet werden, die alles andere als optimal sind.
Gruß vom Wiz