Immobilie verkaufen wenn ALGII Empfänger?

Hallo,

Herr X steht zur Zeit vor der Entscheidung entweder eine ETW zu kaufen oder zur Miete zu wohnen. Die ETW würde zu ca. 70% finanziert (Preis: ca. 100.000 EUR).
Was würde passieren, wenn Herr X arbeitslos wird und die Finanzierung nicht mehr aufbringen kann? (Sie würde bei unter 500 EUR liegen, also ungefähr so viel wie auch eine MIetwohnung kosten würde).
Müsste er die Wohnung verkaufen?

Vielen Dank für eure Meinungen.

Gruss
lightnin’

Hallo!

Vermutlich nicht. Das hängt von der Größe der Wohnung ab. Sie darf nicht zu groß sein, sondern muss angemessen für seine Bedürfnisse sein. Grundsätzlich dürfen Eigentumswohnungen aber größer als Mietwohnungen ausfallen.

Der zweite Punkt wäre, ob die Bank mitspielt. Herr X würde zwar die Zinsen für die Wohnung vom Amt als Wohnkosten erstattet bekommen, aber nicht die Tilgung. Er stände dann vor der Entscheidung, entweder die Tilgung von seinem ALGII zu bezahlen, oder damit auszusetzen. Will er aussetzen, muss die Bank mitspielen.

Ich denke persönlich, dass es eine gute Idee ist, eine Eigentumswohnung zur Selbstnutzung zu kaufen, da das eigentlich die einzige Chance ist, nennenswertes Vermögen auch schon in jungen Jahren zu retten. Besonders in Zeiten drohender Arbeitslosigkeit. Bekommt man eine Abfindung, sollte man alles was über die Freibeträge hinaus geht, direkt in eine Sondertilung stecken (Verträge so abschließen, dass das möglich ist). So bleibt das Geld erhalten und wenn dann nach einem Jahr ALGII ansteht, entfällt die Verpflichtung, es erst für den Lebensunterhalt zu verwenden.

Wenn es also Herrn X gelingen sollte, trotz Arbeitslosigkeit die Tilgung selbst aufzubringen, kann es gut passieren, dass er bei Eintritt ins Rentenalter eine abbezahlte Wohnung besitzt, obwohl er die letzten Jahrzehnte HartzIV-Empfänger gewesen ist. Sozusagen ein Lichtblick am Ende des Tunnels.

Aus diesem Grund sollte er unbedingt vermeiden, Konsumentenkredite oder Ratengeschäfte abzuschließen. Es ist besser, das Darlehen für die Immobilie ein wenig höher zu wählen, wenn noch unbedingt andere Dinge angeschafft werden müssen. Aber besser, er verzichtet auch darauf.

Normale Ratenverträge bedeuten nämlich im Ernstfall, dass die Immobilie dran glauben muss. Das Amt zahlt diese Zinsen sicher nicht und die Gläubiger wollen ihr Geld.

Viele Grüße

Anne

Moin,

Herr X würde
zwar die Zinsen für die Wohnung vom Amt als Wohnkosten
erstattet bekommen, aber nicht die Tilgung.

Und wer zahlt Hausgeld, Heizung, Wasser, Strom, anstehende Renovierungen usw.? Wird das noch zusätzlich zu den Zinsen von der Allgemeinheit gezahlt?

Gruß
Marion

Hallo Marion,

das was für eine Mietwohnung bezahlt wird, wird auch für die Eigentumswohnung bezahlt. Also z.B. die Heizkosten. Das was der Mieter selbst bezahlen muss, bezahlt auch der Eigentümer selbst, z.B. die Stromrechnung. Dazu kommt beim Eigentümer die Instandhaltungsrücklage. Die muss er wohl selbst bezahlen.

Am besten er reicht die Hausgeldabrechnung beim Amt ein. Dann wird der entsprechende Betrag ermittelt und berücksichtigt.

Hast du irgendwie ein Problem damit? Auch du kannst dir eine Wohnung anschaffen und bist dann vielleicht auch mal froh darüber, solltest du arbeitslos und bedürftig werden. Man wird das nicht aus Spaß an der Sache. Es ist immer besser, man wird nicht bedürftig. Für jeden von uns. Aber manche Dinge kann man nicht voraussehen.

Du solltest auch bedenken, dass Herr X schon in einer nur zur Hälfte abbezahlten Wohnung für das Amt deutlich billiger kommt, als in einer vergleichbaren Mietwohnung. Es wäre hirnrissig, würde man die Bildung von Wohneigentum bestrafen.

Es kommt die Allgemeinheit auf jeden Fall günstiger, alle Leute hätten im Fall der Arbeitslosigkeit eine mehr oder weniger abbezahlte Eigentumswohnung, anstatt immer zur Miete gewohnt zu haben und jedes Jahr eine fette Kreuzfahrt unternommen oder jedes Jahr neue Autos gekauft zu haben. Immobilienbesitzer sind vorausschauend denkende, vernünftige Leute und keine, die mit etwas Geld in der Tasche auf die K… hauen und später mit nichts dastehen.

Viele Grüße

Anne

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vielen Dank…
…für die ausführliche und kompetente Beantwortung!

Hallo Anne,

ich befürchte, du hast überhaupt keine Ahnung, was wir Kosten auf Immobilienbesitzer zukommen.

Selbst wenn die ARGE die gesamten Darlehnszinsen und Hausgeld und Kosten für Heizung, Wasser etc. bezahlt (was sie nur macht, wenn die Kosten „angemessen“ sind, das heißt, wenn die Kosten nicht wesentlich höher sind als das, was anfallen würde, wenn die gleiche Person zur Miete wohnen würde, weil der Allgemeinheit kaum zugemutet werden kann, Immobilienbesitzern höhere Bezüge zu zahlen, als Mietern und dies letzten gegenüber auch kaum gerecht wäre) geht deine Rechnung nicht auf.

Wenn man das Ursprungsbeispiel nimmt, dann würde für ein Dahrlehn von 70000 Euro bei 5% Zinsen und 1% Tilgung eine monatliche Belastung von 350 Euro anfallen (nur für den Kredit, ohne Hausgeld oder ähnliches). Am Anfang ist der Anteil der Tilung an diesem Betrag relativ gering, aber wenn du mal so freundlich bist, einen Blick auf das folgende Diagramm zu werfen

https://www.allianz.de/produkte/baufinanzierung/fina…

Dann wirst du feststellen, dass der Anteil der Tilgung mit den Jahren immer größer wird, und den muss der Hartz IV Empfänger selbst zahlen. Mit einer Grundsicherung von 390 Euro kannst du dir ziemlich gut ausrechnen, wann die ganze Sache kippt und der Wohneigentumbesitzer nicht mehr in der Lage ist, seine Raten zu bezahlen. Ja länger der Kredit schon läuft, desto höher ist der Anteil der Tilung an der monatlichen Rate, der eben nicht von der ARGE übernommen wird. Aber vielleicht findest du ja auch eine Bank, die auf die Tilgung verzichtet *g*.

Wie dann in so einer Situation jemand auch noch Rückagen bilden soll, falls er in seiner Wohnung mal ein neues Fenster, neue Badezimmeramaturen, einen neuen Heißwasserboiler etc. braucht (von wirlich großen Renovierungsmaßnahmen will ich jetzt gar nicht mal reden, ist mir schleierhaft.

Wenn du somit behauptest, es wäre relativ einfach Immobilienbesitz auch in Zeiten zu halten, wo man von Hartz IV leben muss, ist meiner Meinung im grünstigsten Fall naiv, im schlechtesten Fall Augenwischerei. Ich hatte auch durch Lesen in diesem Brett bislang jedenfalls nicht den Eindruck, dass die Hartz IV Bezüge so groß sind, dass man da monatlich noch mal eben 200-300 Euro auf die Kante legen kann, um Tilgung, Renovierungen etc. zu bezahlen.

Gruß
Marion

Hallo Anne,

ich befürchte, du hast überhaupt keine Ahnung, was wir Kosten
auf Immobilienbesitzer zukommen.

Hallo Marion,

keine Ahnung? Schön wäre es! Ich wurde arbeitslos, als ich meine Immobilie gerade 4 Jahre besaß und nach einem Jahr war damals noch Arbeitslosenhilfe angesagt. Ich weiß ziemlich genau, wovon ich spreche!

Du hast wohl noch keine Immobilie finanziert?

Es ist i.d.R. so, dass eine Immobilienfinanzierung auf 5 oder 10 Jahre fest oder unbeschränkt bei variablen Zinssatz abgeschlossen wird. Das bedeutet konkret, wenn die 5 oder 10 Jahre abgelaufen sind, schließt man einen neuen Vertrag ab und legt darin auch wieder die Tilgungsrate neu fest. Wie man auf dem Diagramm in deinem Link gut sehen kann, ist die Tilgung in den ersten 5 Jahren noch sehr, in den zweiten 5 Jahren immer noch relativ gering.

Abgesehen davon schätzt gar keine Bank notleidende Kredite. Wenn also ein guter Kunde, der immer alle Raten pünktlich überwiesen hat, beim Eintritt seiner Arbeitslosigkeit mit seiner Abfindung zu seiner Bank geht und ihr vorschlägt, die Abfindung als Tilgung einzuzahlen und dafür das Darlehen x Jahre tilgungsfrei weiterlaufen zu lassen. Warum sollte ein geschäfttüchtiger Banker das ablehnen? Wenn er fies ist, berechnet er eine Vorfälligkeitsentschädigung o.ä… (Deshalb der Tipp, Sondertilgung vertraglich zuzulassen)

Abgesehen davon ist eine 1 %ige Tilgung in den ersten 5 Jahren kein besonders hoher Betrag. Käufer von Immobilien sind sowieso oft Leute, die an ein sparsames Leben gewöhnt sind und viele bekommen das schon irgendwie hin. Vielleicht gibt es noch das eine oder andere Schätzchen im Keller, das man versteigern kann, vielleicht bekommt er mal ein paar Euro von den Verwandten zugesteckt oder er greift eine kleine Geldreserve an, die unterhalb der zulässigen Freibeträge lag.

Im Notfall kann man auch mal Pfandflaschen sammeln gehen, um über die Runden zu kommen, oder einen kleinen Nebenjob annehmen. Es gibt schon Mittel und Wege, wenn man wirklich will.

Wenn man also ein zurückhaltend konsumierender Mensch mit einer angemessenen Immobilie ist, die man vernünftig, mit genug Eigenkapital, finanziert hat, kann man das eine ganze Weile durchhalten. Wer aber qualmt wie ein Schlot und sich jede Woche vollaufen lässt und seine Immobilie zu 100 % finanziert hat, kann das allerdings vergessen.

Viele Reparaturen kann man auch selbst machen, wenn man nur genug Zeit hat, um sich in die Materie einzulesen. Manche sind auch nicht so eilig und können erst mal warten.

Wie gesagt, als ich arbeitslos wurde, gab es noch die Arbeitslosenhilfe und kein Hartz IV. Ich war damals froh, dass ich eine Eigentumswohnung besaß und keine Miete zahlen musste, denn so war meine Belastung nach der Sondertilgung durch die Abfindung viel niedriger, als die einer Mietwohnung. Eine Mietwohnung hätte mich in der Zeit finanziell ruiniert, durch die Eigentumswohnung konnte ich meine Ersparnisse größtenteils retten. Ich würde es immer wieder so machen.

Abgesehen davon muss man ja auch nicht von einer HartzIV-Bezugsdauer von mehr als 10-15 Jahren ausgehen. Mal ganz pessimistisch gedacht. Jüngere Leute finden in der Zeit bestimmt wieder einen Job. Ältere können dann die Rente beantragen. Keine Krise dauert so lange! Irgendwas wird sich finden. Wir reden hier schließlich von Leuten, die heute noch im Berufsleben stehen und nicht von Familien mit Sozialhilfetraditionen.

Viele Grüße

Anne

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Eine ETW ist Schonvermögen, wenn es keine Luxuswohnung ist. So bis 90 qm Wohnfläche ist angemessen. Beim Haus wirds eng, kann aber auch bei vernüftiger Begründung Schonvermögen sein. Das kommt dann auf die Haushaltsmitglieder an. Tilgung und Zinsen sind als Kosten der Unterkunft vom Sozialamt zu übernehmen, wobei es bei den Tilgungsbeträgen meist etwas Papierkrieg bedarf. Es gibt aber schon ein Urteil dazu: Bundessozialgericht B 14/11b AS 67/06 R.

Moin,

ich fasse mal zusammen:

  1. Du hast noch nie von Hartz IV gelebt,
  2. Du hast noch nie mehr als 1,5% Tilgung gezahlt.

Aus diesen beiden persönlichen Erfahrungen folgerst du, dass es doch auch für Hartz IV Empfänger eine feine Sache wäre, eine Immobilie zu besitzen, da man diese in jedem Fall erhalten kann.

Im Gegenzug empfehle ich dir mal einen Blick auf die Anzahl der Zwangsversteigerungen in diesem Land. Selbst Leute mit Einkommen können häufig eine Immobilie nicht mehr halten.

Es ist völlig illusorisch anzunehmen, Banken würden sich immer mit einem Tilgungssatz von 1-1,5% zufrieden geben. Wie lange sollen die Banken denn auf die Rückzahlung ihres Kredits waren? 100 Jahre? Merkst du nichts? Kredite werden normalerweise so vergeben, dass sie mit Einsatz des Rentenalters abbezahlt sind, was meinst du wohl, warum?

Es ist auch völlig illusorisch anzunehmen, ein Hartz IV Empfänger wüde von seiner Bank locker einen Anschlusskredit für die Finanzierung einer Immobilie erhalten. Wieviel Hartz IV Empfänger kennst du, die einen Immobilienkredit erhalten haben? Ich kenne keinen einzigen.

Es ist ebenfalls völlig illusorisch anzunehmen, dass ein 45-Jähriger, der vielleicht schon 15 Jahre seinen Kredit abbezahlt hat und noch 20 Jahre vor sich hat, mal eben schnell an seinem Wohnort einen neuen Job findet. Wenn er wirklich auf jeden Fall einen neuen Job will, muss er mobil sein, das heißt dahin ziehen, wo man ihm noch einen Job anbietet. In dem Fall wäre die Immobilie auch weg.

Zudem ist es mit ein bisschen Renovierungsarbeit in Eigenarbeit kaum getan. Vielleicht machst du mal einen Ausflug in einen normalen Baumarkt und schaust dir dort die Preise an, z.B. für Badezimmeramarturen, Kücheneinrichtungen oder sowas simples wie Dichtungen etc. Hast du eine Ahnung, was der Einbau einer neuen Tür oder eines neues Fensters kostet? Mal eben ein paar hundert Euro von dem eh schon durch die Tilung reduzierten Grundsatz von 390 Euro pro Monat abdrücken und dann den Rest des Monats von 50 Euro wöchentlich leben?

Ich bin ja auch der Meinung, dass man mit Hartz IV über die Runden kommen kann, aber große Sprünge oder gar eine Immobilienfinanzierung sind da nicht drin. Vielleicht solltest du mal selbst versuchen, von 250 Euro im Monat (390 - 150 Euro für mögliche Tilgung) zu leben. Viel Spaß.

Gruß
Marion

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Hallo!

ich fasse mal zusammen:

  1. Du hast noch nie von Hartz IV gelebt,

Meinst du im Ernst, Arbeitslosenhilfe wäre viel mehr gewesen? Da wurde nach Wohnkosten gar nicht gefragt. Da konnte man sehen, wie man mit dem Geld über die Runden kam.

  1. Du hast noch nie mehr als 1,5% Tilgung gezahlt.

Doch, ich hatte zusätzlich einen kleinen Bausparvertrag. Die werden immer schnell getilgt. Dazu kamen freiwillige Sondertilgungen, in guten Jahren mehrere pro Jahr. Mein Darlehensvertrag ließ das zu.

Ich finde das ideal: Die Mindesttilgung wählen und soviel wie möglich als Sondertilgung dazuzulegen. So bleibt man finanziell flexibel. In allen Richtungen.

Aus diesen beiden persönlichen Erfahrungen folgerst du, dass
es doch auch für Hartz IV Empfänger eine feine Sache wäre,
eine Immobilie zu besitzen, da man diese in jedem Fall
erhalten kann.

Ja, auf jeden Fall, denn als Mieter ist schnell alles weg!

Im Gegenzug empfehle ich dir mal einen Blick auf die Anzahl
der Zwangsversteigerungen in diesem Land. Selbst Leute mit
Einkommen können häufig eine Immobilie nicht mehr halten.

Ursachen sind meist zuwenig Eigenkapital, unsolider Umgang mit Geld und vor allem Scheidungen. Ich habe sogar mal zwei Zwangsversteigerungen besucht. Nur mal so, um zu sehen, wie sowas abläuft. Als Arbeitslose hat man ja Zeit.

Es ist völlig illusorisch anzunehmen, Banken würden sich immer
mit einem Tilgungssatz von 1-1,5% zufrieden geben. Wie lange
sollen die Banken denn auf die Rückzahlung ihres Kredits
waren? 100 Jahre? Merkst du nichts? Kredite werden
normalerweise so vergeben, dass sie mit Einsatz des
Rentenalters abbezahlt sind, was meinst du wohl, warum?

Meine lässt mir immer die Wahl. Aber deswegen schrieb ich auch im ersten Posting „sofern die Bank mitspielt“. Immerhin steht sie im Grundbuch und kann kaum verlieren.

Es ist auch völlig illusorisch anzunehmen, ein Hartz IV
Empfänger wüde von seiner Bank locker einen Anschlusskredit
für die Finanzierung einer Immobilie erhalten. Wieviel Hartz
IV Empfänger kennst du, die einen Immobilienkredit erhalten
haben? Ich kenne keinen einzigen.

Ich auch nicht. Das liegt daran, dass ich nur einen einzigen HartzIV-Empfänger kenne und der wohnt zur Miete.

Es ist ebenfalls völlig illusorisch anzunehmen, dass ein
45-Jähriger, der vielleicht schon 15 Jahre seinen Kredit
abbezahlt hat und noch 20 Jahre vor sich hat, mal eben schnell
an seinem Wohnort einen neuen Job findet. Wenn er wirklich auf
jeden Fall einen neuen Job will, muss er mobil sein, das heißt
dahin ziehen, wo man ihm noch einen Job anbietet. In dem Fall
wäre die Immobilie auch weg.

Und wo sollte das sein? Abgesehen davon, wenn er wieder einen Job hat, kann er die Immobilie doch auch halten. Dann hat er Einkommen und darf sogar vermieten. Entweder er bekommt HartzIV und bewohnt die Immobilie oder er verdient Geld und kann die Immobilie vermieten oder verkaufen und das Geld BEHALTEN.

Abgesehen davon würde ich niemals jemandem dazu raten, seine Immobilienfinanzierung so zu planen, dass er dafür 35 Jahre braucht. Das ist dann eindeutig zuwenig Eigenkapital bzw. zuwenig Tilgung gewesen.

Zudem ist es mit ein bisschen Renovierungsarbeit in
Eigenarbeit kaum getan. Vielleicht machst du mal einen
Ausflug in einen normalen Baumarkt und schaust dir dort die
Preise an, z.B. für Badezimmeramarturen, Kücheneinrichtungen
oder sowas simples wie Dichtungen etc. Hast du eine Ahnung,
was der Einbau einer neuen Tür oder eines neues Fensters
kostet? Mal eben ein paar hundert Euro von dem eh schon durch
die Tilung reduzierten Grundsatz von 390 Euro pro Monat
abdrücken und dann den Rest des Monats von 50 Euro wöchentlich
leben?

Neues kleines Fenster, Wärmeschutzverglasung 500 Euro. Habe ich dieses Jahr machen lassen. Eine einfache Küchenarmatur gibt es im Baumarkt für 25-30 Euro, ähnlich ist der Preis für eine Edelstahlspüle. So ein Teil haben wir auch, es funktioniert einwandfrei. Weißt du eigentlich, wie lange eine defekte Armatur (es sifft heraus) es noch tut? U.U. Jahre! Ich habe es ausprobieren müssen. Im Notfall kann man auch in der Sporthalle duschen. Das spart auch Stromkosten. War einer meiner beliebtesten Tricks. Und wer lässt schon neue Fenster und Türen einbauen, wenn er kein Geld hat? Dann besorgt man ein Dichtungsklebeband.

Rohrbrüche werden übrigens meistens von der Wohngebäudeversicherung übernommen. Die Versicherungsprämien übernimmt die ARGE. Das größte Problem wäre ein undichtes Dach. Dächer halten ungefähr 40 Jahre. Dann sind die Immobilien i.d.R. abbezahlt.

Ich war Samstag erst im Baumarkt und Dienstag in einem anderen. So teuer sind die wichtigsten Dinge gar nicht. Werkzeuge kann man auch günstig ausleihen. Als Eigentümer darf man seine Tapeten und Wandfarben auch so lange benutzen wie man will. Da gibt es keinen, der nach x Jahren neue verlangt.

Du hast ein Luxusproblem! Nicht alles, was mal ein wenig abgenutzt ist, muss direkt erneuert werden. Hast du mal auf dem Sperrmüll gesehen, wieviele gute Dinge weggeworfen werden? Oder was man auf dem Flohmarkt so an gebrauchten Teilen bekommt? Dort gibt es auch Armaturen. Dann gibt es noch Möbelkammern für Bedürftige, die zentrale Müllsammelstelle, Ebay. Hartz IV bedeutet nun einmal, sich einschränken müssen und kreativ werden.

Ich bin ja auch der Meinung, dass man mit Hartz IV über die
Runden kommen kann, aber große Sprünge oder gar eine
Immobilienfinanzierung sind da nicht drin. Vielleicht solltest
du mal selbst versuchen, von 250 Euro im Monat (390 - 150 Euro
für mögliche Tilgung) zu leben. Viel Spaß.

Das habe ich lange genug gemacht. Aber die Zeiten sind vorbei :wink:. Damals habe ich teilweise für 30 Euro im Monat Pfandflaschen gesammelt. Die fliegen einem nicht einfach so in die Tasche!

Klar, wer nichts anderes gelernt hat, als bei einem tropfenden Wasserhahn direkt einen Handwerker zu rufen, wer zwei linke Hände hat und keine Ahnung davon, wo man was günstig ergattern kann, der sollte schön gepampert in seiner 45 qm Sozialwohnung sitzen bleiben und erst gar keine Ersparnisse horten. Für so jemanden ist eine Immobilie nicht geeignet.

Aber mal im Ernst: Viele Hartz IV-Empfänger besitzen auch Autos. Wer den Unterhalt für ein Auto aufbringen kann, kann auch stattdessen eine Immobilie tilgen. Dasselbe gilt für Leute, die sich täglich eine Schachtel Zigaretten leisten können. Der eine Hartz IV - Empfänger, den ich kenne, macht beides: Rauchen und Auto fahren. Beides wird kaum unter je 100 Euro im Monat machbar sein. Man muss eben Prioritäten setzen!

Viele Grüße

Anne

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Moin Anne,

ich bewundere ja deinen ungebrochenen Optimismus was die Lebenssituation von Hartz IV Empfängern angeht (normalerweise wirft man mir in diesem Brett gerne vor, ich würde das zu rosig sehen, aber du schlägst alle hier um Längen *g*). Aber ich werde gelegentlich mal die Probe aufs Exempel machen, bei einer Bank um einen Immobilienkredit anfragen und wenn man mich fragt, wie ich das finanzieren möchte, dann werde ich antworten: Mit Hartz IV und Pfandflaschen sammeln. Mal sehen, was der Bankberater dazu sagt :smile:

Gruß
Marion

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