Hallo!
ich fasse mal zusammen:
- Du hast noch nie von Hartz IV gelebt,
Meinst du im Ernst, Arbeitslosenhilfe wäre viel mehr gewesen? Da wurde nach Wohnkosten gar nicht gefragt. Da konnte man sehen, wie man mit dem Geld über die Runden kam.
- Du hast noch nie mehr als 1,5% Tilgung gezahlt.
Doch, ich hatte zusätzlich einen kleinen Bausparvertrag. Die werden immer schnell getilgt. Dazu kamen freiwillige Sondertilgungen, in guten Jahren mehrere pro Jahr. Mein Darlehensvertrag ließ das zu.
Ich finde das ideal: Die Mindesttilgung wählen und soviel wie möglich als Sondertilgung dazuzulegen. So bleibt man finanziell flexibel. In allen Richtungen.
Aus diesen beiden persönlichen Erfahrungen folgerst du, dass
es doch auch für Hartz IV Empfänger eine feine Sache wäre,
eine Immobilie zu besitzen, da man diese in jedem Fall
erhalten kann.
Ja, auf jeden Fall, denn als Mieter ist schnell alles weg!
Im Gegenzug empfehle ich dir mal einen Blick auf die Anzahl
der Zwangsversteigerungen in diesem Land. Selbst Leute mit
Einkommen können häufig eine Immobilie nicht mehr halten.
Ursachen sind meist zuwenig Eigenkapital, unsolider Umgang mit Geld und vor allem Scheidungen. Ich habe sogar mal zwei Zwangsversteigerungen besucht. Nur mal so, um zu sehen, wie sowas abläuft. Als Arbeitslose hat man ja Zeit.
Es ist völlig illusorisch anzunehmen, Banken würden sich immer
mit einem Tilgungssatz von 1-1,5% zufrieden geben. Wie lange
sollen die Banken denn auf die Rückzahlung ihres Kredits
waren? 100 Jahre? Merkst du nichts? Kredite werden
normalerweise so vergeben, dass sie mit Einsatz des
Rentenalters abbezahlt sind, was meinst du wohl, warum?
Meine lässt mir immer die Wahl. Aber deswegen schrieb ich auch im ersten Posting „sofern die Bank mitspielt“. Immerhin steht sie im Grundbuch und kann kaum verlieren.
Es ist auch völlig illusorisch anzunehmen, ein Hartz IV
Empfänger wüde von seiner Bank locker einen Anschlusskredit
für die Finanzierung einer Immobilie erhalten. Wieviel Hartz
IV Empfänger kennst du, die einen Immobilienkredit erhalten
haben? Ich kenne keinen einzigen.
Ich auch nicht. Das liegt daran, dass ich nur einen einzigen HartzIV-Empfänger kenne und der wohnt zur Miete.
Es ist ebenfalls völlig illusorisch anzunehmen, dass ein
45-Jähriger, der vielleicht schon 15 Jahre seinen Kredit
abbezahlt hat und noch 20 Jahre vor sich hat, mal eben schnell
an seinem Wohnort einen neuen Job findet. Wenn er wirklich auf
jeden Fall einen neuen Job will, muss er mobil sein, das heißt
dahin ziehen, wo man ihm noch einen Job anbietet. In dem Fall
wäre die Immobilie auch weg.
Und wo sollte das sein? Abgesehen davon, wenn er wieder einen Job hat, kann er die Immobilie doch auch halten. Dann hat er Einkommen und darf sogar vermieten. Entweder er bekommt HartzIV und bewohnt die Immobilie oder er verdient Geld und kann die Immobilie vermieten oder verkaufen und das Geld BEHALTEN.
Abgesehen davon würde ich niemals jemandem dazu raten, seine Immobilienfinanzierung so zu planen, dass er dafür 35 Jahre braucht. Das ist dann eindeutig zuwenig Eigenkapital bzw. zuwenig Tilgung gewesen.
Zudem ist es mit ein bisschen Renovierungsarbeit in
Eigenarbeit kaum getan. Vielleicht machst du mal einen
Ausflug in einen normalen Baumarkt und schaust dir dort die
Preise an, z.B. für Badezimmeramarturen, Kücheneinrichtungen
oder sowas simples wie Dichtungen etc. Hast du eine Ahnung,
was der Einbau einer neuen Tür oder eines neues Fensters
kostet? Mal eben ein paar hundert Euro von dem eh schon durch
die Tilung reduzierten Grundsatz von 390 Euro pro Monat
abdrücken und dann den Rest des Monats von 50 Euro wöchentlich
leben?
Neues kleines Fenster, Wärmeschutzverglasung 500 Euro. Habe ich dieses Jahr machen lassen. Eine einfache Küchenarmatur gibt es im Baumarkt für 25-30 Euro, ähnlich ist der Preis für eine Edelstahlspüle. So ein Teil haben wir auch, es funktioniert einwandfrei. Weißt du eigentlich, wie lange eine defekte Armatur (es sifft heraus) es noch tut? U.U. Jahre! Ich habe es ausprobieren müssen. Im Notfall kann man auch in der Sporthalle duschen. Das spart auch Stromkosten. War einer meiner beliebtesten Tricks. Und wer lässt schon neue Fenster und Türen einbauen, wenn er kein Geld hat? Dann besorgt man ein Dichtungsklebeband.
Rohrbrüche werden übrigens meistens von der Wohngebäudeversicherung übernommen. Die Versicherungsprämien übernimmt die ARGE. Das größte Problem wäre ein undichtes Dach. Dächer halten ungefähr 40 Jahre. Dann sind die Immobilien i.d.R. abbezahlt.
Ich war Samstag erst im Baumarkt und Dienstag in einem anderen. So teuer sind die wichtigsten Dinge gar nicht. Werkzeuge kann man auch günstig ausleihen. Als Eigentümer darf man seine Tapeten und Wandfarben auch so lange benutzen wie man will. Da gibt es keinen, der nach x Jahren neue verlangt.
Du hast ein Luxusproblem! Nicht alles, was mal ein wenig abgenutzt ist, muss direkt erneuert werden. Hast du mal auf dem Sperrmüll gesehen, wieviele gute Dinge weggeworfen werden? Oder was man auf dem Flohmarkt so an gebrauchten Teilen bekommt? Dort gibt es auch Armaturen. Dann gibt es noch Möbelkammern für Bedürftige, die zentrale Müllsammelstelle, Ebay. Hartz IV bedeutet nun einmal, sich einschränken müssen und kreativ werden.
Ich bin ja auch der Meinung, dass man mit Hartz IV über die
Runden kommen kann, aber große Sprünge oder gar eine
Immobilienfinanzierung sind da nicht drin. Vielleicht solltest
du mal selbst versuchen, von 250 Euro im Monat (390 - 150 Euro
für mögliche Tilgung) zu leben. Viel Spaß.
Das habe ich lange genug gemacht. Aber die Zeiten sind vorbei
. Damals habe ich teilweise für 30 Euro im Monat Pfandflaschen gesammelt. Die fliegen einem nicht einfach so in die Tasche!
Klar, wer nichts anderes gelernt hat, als bei einem tropfenden Wasserhahn direkt einen Handwerker zu rufen, wer zwei linke Hände hat und keine Ahnung davon, wo man was günstig ergattern kann, der sollte schön gepampert in seiner 45 qm Sozialwohnung sitzen bleiben und erst gar keine Ersparnisse horten. Für so jemanden ist eine Immobilie nicht geeignet.
Aber mal im Ernst: Viele Hartz IV-Empfänger besitzen auch Autos. Wer den Unterhalt für ein Auto aufbringen kann, kann auch stattdessen eine Immobilie tilgen. Dasselbe gilt für Leute, die sich täglich eine Schachtel Zigaretten leisten können. Der eine Hartz IV - Empfänger, den ich kenne, macht beides: Rauchen und Auto fahren. Beides wird kaum unter je 100 Euro im Monat machbar sein. Man muss eben Prioritäten setzen!
Viele Grüße
Anne