Immobiliendarlehen Tilgung erhöhen?

Guten Tag,

wir spielen mit dem Gedanken für unser darlehen die Tilgung wesentlich zu erhöhen. Zur Zeit haben wir 1 Prozent und wollen auf bis zu7,5 Prozent erhöhen. Wer kann uns sagen, ob Banken dies während eines laufenden Vertrages machen und ob da zusätzliche Kosten auf uns zukommen? Unser Vertrag läuft seit ca. 5 jahren und ist auf 10 Jahre festgelegt.

Danke für Hilfe und Ratschläge!
Carolin

Hallo Carolin,

es gibt Banken, die eine Tilgungsaenderung zulassen und Banken, die es nicht zulassen. Die Antwort kann also nur die betreffende Bank liefern. In Kreditvertraegen kann auch eine ausserplanmaessige Tilgung vereinbart werden. Einfach einmal im Vertrag nachlesen bzw. die Bank fragen. Wenn beides nicht machbar ist, bleibt nur die Ansparung auf einem anderen Konto und bei Ende der Zinsbindung umbuchen. Selbstverstaendlich ist das mit Zinsnachteilen verbunden, aber hier kreuzen sich die Interessen von Kunde und Bank…

Gruss,
Alfred

Guten Tag Carolin,
kann verstehen, dass Ihr die Tilgung erhöhen wollt. Doch unabhängig davon, ob die Bank dem zustimmt, sind die Zinskonditionen relevant.

Eine rasche Entschuldung des Eigentums ist grundsätzlich nachvollziehbar, jedoch nicht in jeder (Markt)Situation sinnvoll.
Wenn Ihr noch den genauen Zeitpunkt des Darlehensabschlusses, die Darlehenshöhe und den vereinbarten Zinssatz mitteilen würdet, kann ich etwas dazu sagen.

Gruß
Janus

Hallo,

Darlehenshöhe 250.000 Euro
Zeitpunkt 2001
Zinshöhe 4,5 %

Grüße
carolin

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Hallo,
zunächst zum der geplanten, erhöhten Tilgungen. Bei diesem Zinssatz kann ich mir vorstellen, dass die Bank geneigt ist eurem Wunsch zu entsprechen. Grund hierfür ist ein steigender Zinsmarkt. D.h. die Bank kann das Geld aus euren Tilgungen für höhere Zinsen weiter verleihen.

Aus diesem Grund solltet ihr folgende Überlegung in euer Vorhaben einbeziehen:

  • keine höhere Tilgung vereinbaren
  • die verfügbare Liquidität gesondert ansparen (konservative Anlagestrategie wählen - je nach Anlegertyp)

Vorteile hieraus:

  • verfügbare Liquidität kann gegebenenfalls für Liquiditätsengpässe verwendet werden
  • Aufnahme eines Anschlussdarlehens in 2011, vermindert um die zur Verfügung stehende Ansparliquidität zzgl. Erträge
  • gute Chancen auf Erträge höher als 4,5% p.a., denn dies wäre die Ersparniss bei höheren Tilgungen.

Bereits ein Ertrag von 5,5% p.a. würde ein niedrigeres Anschlussdarlehen in 2011 um ca. 4.000 Euro bedeuten, bei 6% p.a. würde es bei ca. 5.000 Euro niedriger liegen.
Das ganze ist natürlich ohne steuerliche Berücksichtung gerechnet, aber auch hierzu gibt es entsprechende Strategien.

Eine sauber strukturierte und disziplinierte Umsetzung und ihr werdet mit Sicherheit eure Freude daran haben.

Viel Spaß bei den Überlegungen
Janus

Hallo,

ich teile den Optimismus meines Vorredners nicht, was die Bereitschaft der Bank betrifft, erhöhte Tilgungen zuzulassen. Die Bank kalkuliert wie folgt:

Eine erhöhte Tilgung ist das gleiche wie eine (teilweise) vorzeitige Rückzahlung des Darlehens. Wenn statt 1 % Tilgung 7,5 % geleistet werden, wird jedes Jahr 6,5 % von 250.000 € = 16250 € Sondertilgung geleistet. Dieses Geld kann die Bank natürlich nicht zu 4,5 % am Markt anlegen, so dass ihr ein Zinsschaden entsteht, den sie dem Kunden als Vorfälligkeitsentschädigung in Rechnung stellen wird (wenn sie überhaupt zustimmt: Verpflichtet ist sie hierzu nicht).

Folgt die Bank bei der Berechnung der VFE der Rechenweise des BGH so kommt ca. folgendes heraus:

Zinssatz 4,5 % abzgl. Risiko- und Verwaltungskosten der Bank (0,3 %) = 4,2 %

Diesen Zinssatz vergleicht die Bank mit den Pfandbriefsätzen der jeweiligen Restlaufzeiten:

http://www.hypverband.de/d/internet.nsf/tindex/de_vd…

Tilgung Betrag Zins Pfandbrief- Zinsdiff. Restzeit Schaden
Jahr € % satz % % Jahre
2006: 16.250 € 4,2 3,8 0,4 5 325 €
2007: 16.250 € 4,2 3,8 0,4 4 260 €
2008: 16.250 € 4,2 3,7 0,5 3 243 €
2009: 16.250 € 4,2 3,7 0,5 2 162 €
2010: 16.250 € 4,2 3,6 0,6 1 97 €
Summe 1087 €

Die Rechnung ist ein wenig vereinfacht, soll aber zeigen, dass die Bank einen 4stelligen Betrag als VFE (zzgl. Bearbeitungsgebühren) in Rechnung stellen wird, wenn sie zustimmt.

Hallo,
die vorherigen Ausführungen sind soweit korrekt. Ergänzend sollte erwähnt werden, dass die Bank Bearbeitungsgebühren erheben kann, die „laut Verbraucherzentrale“ zu akzeptieren sind, solange diese nicht sittenwidig sind. Denn leider haben die Gerichte von „angemessenen“ Bearbeitunsgebühren gesprochen, dies aber nicht näher spezifiziert.

Nichtsdestotrotz sehe ich guten Chancen, weil wir uns in einem Markt von steigenden Zinsen befinden und des weiteren das Risiko der Bank, durch die erhöhte Tilgung, reduziert wird.

Es wird letztendlich am Auftreten und der Argumentation gegenüber der Bank liegen, welches Ergebnis zu erzielen ist. OK, es gibt Banken, die sind unflexibel und nicht kundenorientiert.

Wie sind Eure Sondertilgungsmodalitäten? Sofern Ihr bspw. ein jetzt höheres Einkommen habt könntet Ihr das zusätzliche Geld unterjährig ansparen um es dann zum Termin sonderzutilgen.

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