Immobilienkauf, Steueroptimierung -seriös?

Hallo zusammen,

ich hatte heute ein Beratungsgespräch mit einer Wirtschafts- und Unternehmensberatung zwecks Steuern sparen (Steueroptimierung). Das Konzept sieht den Erwerb einer Eigentumswohnung (Neubau) vor, die von der Gesellschaft vermietet wird. Neben Mieteinnahmen und der staatlichen Förderung würde ich dann den Bankkredit (der ohne Eigenkapitaleinsatz erfolgen soll) mit einem Eigenaufwand von ca. 150,- € pro Monat abbezahlen (der Rest käme vom Staat und aus der Vermietung).

Beim Googeln habe ich nun gelesen, dass dies eine Abzockmethode sein kann, bei der Immobilien zu völlig überteuerten Preisen an die Kunden gebracht werden und die Beratungsfirmen mit Banken zusammenarbeiten, die den Kredit gewähren.

In meinem Fall ist die Firma „[…]“ aus Martinsried.

Hat jemand Erfahrungen mit dieser Firma? Wie kann ich erkennen, ob es sich um ein seriöses Unternehmen handelt?

Bin für alle Hinweise dankbar.

Grüße
Michael

Team: Unternehmensname gelöscht

Servus Michael,

Erster Prüfstein: Was für eine staatliche Förderung ist gemeint? Wurde diese erläutert und präzisiert?

Zweiter Prüfstein: Wie wurden die bei der Modellrechnung gemachten Annahmen über Mieteinnahmen erläutert?

Dritter Prüfstein: Hat jemand etwas über Einkommensteuereffekte erzählt, ohne das zu versteuernde Einkommen zu kennen?

Schöne Grüße

MM

Hallo Michael,

Erster Prüfstein: Was für eine staatliche Förderung ist
gemeint? Wurde diese erläutert und präzisiert?

Zweiter Prüfstein: Wie wurden die bei der Modellrechnung
gemachten Annahmen über Mieteinnahmen erläutert?

Dritter Prüfstein: Hat jemand etwas über
Einkommensteuereffekte erzählt, ohne das zu versteuernde
Einkommen zu kennen?

Vierter Prüfstein: Wo ist das angepriesene Objekt?
Wie ist die Lage, gibt es überhaupt potentielle Mieter? Wenn ja, auch zu dem Mietpreis, den Du erzielen mußt?

Viele Ärzte und Prominente haben in den Nach-Wende Jahren ziemliche Bauchlandungen erlebt, weil Sie immobilien mit genau diesem Hintergrund gekauft haben, ohne sie jemals gesehen zu haben.

Davon ab, das Steuerrecht ändert sich mittlerweile so schnell, wie man die Unterwäsche wechselt. Was heute noch toll erscheint ist morgen u.U. eine böse Falle.
Auch wenn „Steuern sparen“ der Deutschen liebstes Hobby ist, würde ich Vorteile aus Steuerschlupflöchern immer nur als nettes Bonbon betrachten, aber nicht auf Teufel komm raus versuchen irgendwelche abenteuerlichen Konstrukte zu ersinnen.
Der Bogen ist schnell überspannt.

Mit freundlichen Grüßen,
Frank Scholtysek

Beim Googeln habe ich nun gelesen, dass dies eine
Abzockmethode sein kann, bei der Immobilien zu völlig
überteuerten Preisen an die Kunden gebracht werden und die

Das sehe ich ähnlich. Wenn Du ein Immobilien investieren willst, kannst Du das auch ohne diesen „Rundum-Service“. Und Du wirst sehen, Deine Rendite wird deutlich höher sein.

Hallo,

fünfter Prüfstein: Wie lange gibt es die Firma schon und wie zufrieden
sind die (älteren) Kunden mit der Mietzahlung. Die Masche ist oft die,
dass die Mietgarantie zwar für eine lange Zeit ausgesprochen wird, aber
die Firma schnell Insolvenz anmeldet. Dann sitzt man ohne Mieter und
damit auch ohne Miete da. Die garantierte Miete muss demnach reell
sein, also der ortsüblichen entsprechen.

Grüßerle
Richard

Hallo MIchael,

ich habe gerade dein anliegen gelesen und ich kenne diese Fa. ganz gut da ein Freund von mir dort gearbeitet hat ohne zu wissen was gespielt wird!
Ihc kann dir nur sagen das du das lieber nicht machen sollst und verzichte lieber auf eine Steuerimmobilie da du nur verluste dadurch machst!!!
Es heisst es ist ein Steuersparmodell und das ist es auch nur du hast verluste die steuerliche auswirkungen haben nur die Immobilien sind sehr Teuer und du machst gleich Verluste auch gegenüber dem Finanzamt. Aber was ist besser lieber Gewinn zu erzielen mit Immobilien das heisst Rendite Objekt zu haben und einen Teil darauf Steuern zu bezahlen, oder lieber verlust objekt zu haben um was abzuschreiben und reale verluste zu haben denk darüber nach! Ich kann nach besten wissen und gewissen sagen keine Steuer Immoblie zu kaufen!

Gruß Christian

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Hallo Michael!

Du fragst nach Erfahrungen mit einem bestimmten Unternehmen. Aber was nützen Dir Betrachtungen der Vergangenheit mit ganz anderen Objekten? Du brauchst zuverlässige Aussagen über die zukünftigen Mieteinnahmen genau Deines Objekts. Die gibt es aber nicht oder kennst Du jemanden, der die Zukunft voraussagen kann? Es wird Dich wenig trösten, wenn sich früher Wohnungen aller Art in jeder Lage an den Mieter bringen ließen, aber Deine Wohnung steht aus irgendwelchen Gründen leer. Kein Mensch wird Dir über längere Zeit Mieteinnahmen garantieren. Wie auch? Mieten und Vermietbarkeit sind marktabhängig und Garantien über den Markt gibt es nirgends.

Kein Mensch braucht arbeitslose Bäcker, abgebrochene Studenten und Überbringer eindrucksvoll aussehender Visitenkarten Wirtschafts- und Unternehmensberater, um eine Wohnung zu kaufen. Mietgarantien sind grundsätzlich dummes Zeug. Wenn jemand für begrenzte Zeit solche Garantie gibt (und nicht zwischendurch insolvent wird), hast Du die „Garantie“ z. B. in Form einer überteuerten Immobilie selbst bezahlt. Staatliche Förderung beim Kauf von Vermietobjekten gibt es nicht (im Rauschen untergehenden Kleinkram, der eine Rentabilitätsrechnung nicht nennenswert beeinflußt, lasse ich außer Betracht). Es gibt aber mit Gewinnerzielungsabsicht getätigte Ausgaben, die das zu versteuernde Einkommen mindern. Ziemlich sicher willst Du aber gar keine Steuern sparen. Wenn es Dir nur darum ginge, Steuern zu sparen, erziele einfach keine Einnahmen und schon zahlst Du keine Steuern mehr. Wenn Du einen Augenblick darüber nachdenkst, wirst Du merken, daß der Spareffekt bei Steuern immer nur ein Nebeneffekt des Handelns sein kann, aber nicht die Triebfeder. Motivation muß Gewinnerzielungsabsicht sein.

Es kann durchaus funktionieren, mit Gewinnerzielungsabsicht Immobilien zu kaufen und zu vermieten. Was Du dafür am allerwenigsten brauchen kannst, sind Meinungen irgendwelcher Berater. Du brauchst keine Vermittler und keine wie auch immer gearteten Unternehmen mit hübsch bunten Prospekten, Du brauchst nur eigene Kenntnis über die Immobilie, ihre Nutzungsmöglichkeiten, über den Standort und die Marktlage am Standort für die in Aussicht genommene Mieter-Zielgruppe. Mit Standort ist aber nicht z. B. Berlin gemeint. Es muß schon etwas genauer sein, nämlich exakt die Lage an dieser und jener Straßenecke. Ein paar hundert Meter Luftlinie weiter kann die Situation schon ganz anders aussehen. Außerdem brauchst Du Kapital. Aber nicht in Form von Aussichten auf gesparte Steuern, sondern in Form tatsächlich verfügbarer Mittel. Du berücksichtigst gelegentlichen Leerstand, Instandsetzungen, Forderungsausfälle, Kapital- und Verwaltungskosten. Wenn Du das alles berücksichtigst und das eingesetzte Kapital unter dem Strich eine angemessen erscheinende Rendite verspricht, dann faßt Du die Sache an. Andernfalls läßt Du es bleiben. Falls sich irgendwo Steuern sparen lassen, ist es ein „nice to have“, aber nicht Auslöser des Engagements.

Ist natürlich schrecklich altmodisch, sich mit einer Sache zu beschäftigen, bevor man investiert. Viel cooler ist es, sich vom Finanzamt zum Immobilieneigentümer machen zu lassen. Kein Mensch würde solchen Unfug glauben, solange er einigermaßen klar bei Verstand ist. Es gibt aber eine einfache, tausendfach bewährte Methode, den Verstand auszuschalten: Man erzählt etwas vom Steuernsparen und schon nimmt die Geschichte von Gier frißt Hirn ihren Lauf. Das ist die Geschichte von ungezählten Leuten, die sich ins wirtschaftliche Desaster treiben ließen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und so wird das letzte Geld zusammengekratzt, um Advokaten zu beschäftigen. Am Schluß folgt die Einsicht, daß das Geld natürlich nicht weg ist, es ist nur in den Taschen anderer Leute.

Wenn Du Geld vom Fiskus haben willst, mußt Du ein viel größeres Rad drehen. So hat es gerade erst jemand geschafft, dem ärmsten und am dünnsten besiedelten Bundesland der Republik einen 8stelligen Betrag aus dem überschuldeten Haushalt zu leiern. Es schreckte niemanden (oder keiner aus Regierung und Verwaltung bemerkte es), daß selbst in deutlich kaufkräftigeren Regionen ähnliche Projekte nur mit Mühe aus den roten Zahlen kommen und daß sogar bei Eintreffen der optimistischen Prognosen ein Pro-Kopf-Umsatz herauskommt, mit dem man nicht einmal einen Friseurladen betreiben kann, geschweige denn ein personalintensives Unternehmen mit extrem hohen Energiekosten. Sowas mußt Du auf die Füße stellen und dabei natürlich zusehen, daß Du rechtzeitig saniert bist und zu keinem Zeitpunkt in der persönlichen Haftung stehst. Aber Dein Deal, wo andere machen und entscheiden und Du nur die persönlich haftende Melkkuh bist, taugt nichts.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

dein Artikel hat sich sein Sternchen verdient. Du hast auf einer DIN A4 Seite m.E. alle wichtigen Eckpunkte erfasst, leider wird es immer wieder genug Leute geben die auf die blumigen Versprechungen eingehen.

Gruss vom Harz
Keuper

Hallo Martin,

es geht laut Berater um den §7 des EStG. Angeblich kann ich bei meinem Arbeitgeber einen Steuerfreibetrag von 2% des Objektwertes (ob das für das betreffende Objekt mit der geplanten Finanzierungsmehode zutrifft bzw. vom Staat genehmigt wird, wird vor Vertragsunterzeichnung abgeklärt) eintragen lassen.

Der Berater hat sich sowohl meine Gehaltsabrechnung angesehen und sich auch über bestehende Renten- und Lebensversicherungen und deren Rückkaufswert sowie über vorhandenes Eigenkapital erkundigt. Die Finanzierung soll aber ohne Eigenkapitaleinsatz erfolgen, was mit der Bank noch zu klären ist.

Beim ersten Termin handelte es sich zunächst mal nur um die Vorstellung des Finazierungskonzeptes allgemein. Z.B. ETW für 200.000,- €. Der Bank sind z.B. 1000,- € monatlich zu bezahlen. Davon erhalte ich einen Teil (z.B. 300,-) durch den Setuerfreibetrag vom Staat über die Gehaltsabrechnung meines Arbeitgebers und z.B. 500,- € aus Mieteinnahmen. So dass mein Eigenanteil sich recht gering bei 200,- € bewegt.

Bis zum nächsten Termin wird der Berater sich erkundigen welche Objekte in Betracht kommen und ob die Bank den Kredit ohne EK-Einsatz gewähren würde. Ich erfahre dann genau die Lage des Objekts, den Kaufpreis, meine Kosten, mit welchem Mietertrag gerechnet wird etc.

Die Fa. bietet nur Objekte in München an (Neubauwohnungen oder im Bau befindliche Wohnungen, wobei dann zumindest der Rohbau schon steht), die auch in MVV-Nähe liegen. Da ich in München wohne, kann ich das Objekt und die Lage auch selbst besichtigen und muss mich nicht auf irgendwelche Hochglanzprospekte verlassen.

Ich habe den Berater auch auf diverse Internet-Horrorstories angesprochen und er meinte, die Abzocke, die Anfang der 90er begann, basierte zum einen darauf, dass Kunden Objekte angedreht wurden, die 100erte von Kilometern entfernt waren, in schlechtem Zustand und vom Kunden nie selbst gesehen wurden. Zum anderen haben einigen Banken großzügig ohne solide Prüfung Kredite für überteuerte Objekte gewährt und fleißig von den Zinsen für die Kredite profitiert. Heute würden aber durch EU-Richtlinien (er erwähnte als Stichwort z.B. Basel II) deutlich strengere Richtlinien für die Kreditgewährung gelten und die Banken würden den Wert des Objektes sehr genau prüfen.

Stimmt das?

Sicherlich bleibt immer noch das Risiko, dass die Wohnung leer steht. Bei einem Neubau in München mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, sollte aber eine Vermietung doch möglich sein.

Der Berater nannte auch Zahlen, mit welchen Mietpreisspannen pro Quadratmeter in München zu rechnen ist.

Grüße
Michael

Servus Michael,

zum Aspekt Einkommensteuer bloß kurz - damit das nicht in unzulässige Beratung ausartet: Es gibt seit 2006 bei der Vermietung von Objekten zu Wohnzwecken keine Abschreibung mehr, die über den Wertverzehr hinaus geht, der im Lauf der Zeit eintritt. Das höchste der Gefühle ist - außer bei sehr alten Häusern - eine AfA von 2% der Anschaffungskosten des Gebäudes (Grund und Boden nicht eingerechnet). Wer so ein Modell so strickt, dass die Abschreibung als steuermindernder Verlust unterm Strich steht, verfrühstückt die Abschreibung - d.h. es kommt genau das Gegenteil der eigentlich angestrebten Vermögensbildung heraus: Ein Vermögensverzehr.

Die detaillierte Prüfung der steuerlichen Aspekte - die bei dem Modell ja offenbar zentral bedeutend sind - durch einen Profi kostet vielleicht 200€. Das ist im Vergleich zu dem Volumen des Projektes ein Butterbrot, und im Vergleich zu dem Schaden, der damit vermieden werden kann, sehr kleines Geld.

Wenn das Projekt sich aus Mieterträgen selber finanzieren soll: Was kann dann für ein Interesse an sonst noch vorhandenen Vermögenswerten bestehen? Da will ich jetzt mal nichts Böses unterstellen, aber ich würde da arg misstrauisch, wenn jemand nach meinem Vermögen fragt, der eben noch gesagt hat, dass ich davon selbstverständlich nichts einsetzen muss…

Schöne Grüße

MM

Moin aus Bremen,

bin zwar nicht in München, weiß aber, dass man auch dort nur einen Freibetrag von 300 EUR bekommt, wenn man nachweislich entsprechende Verluste macht, und das ist dann schon ziemlich bitter.

300 EUR Freibetrag heißt aber nicht, dass sich die Steuerlast um 300 EUR senkt, sondern, dass die versteuerung 300 EUR später anfängt, und wenn man im Ganzen (hoffentlich) über 0 bleibt, man doch Steuern spart…

der einzige Beweggrund der hinter dieser Nummer steckt ist wahrscheinlich, dass Du die Kohle am Ende los bist, und der IMMO-Anbieter in jedem Falle saniert ist.

Lass die Finger davon, oder kaufe auf dem freien Markt ein oder 2 Wohnungen zum Vermieten, die kann man, wenn es nicht so gut läuft wieder abstoßen, oder selbst nutzen, und erfahrungen als vermieter und Hausbesitzer sammeln.

Außerdem sollte die eigene Wohngelegenheit Eigentum und schuldenfrei sein, bevor ich mit Wohnraum geschäfte machen will.

Die Immobilienblase in den Metropolen erinnert mich nämlich an den „neuen Markt“ und jetzt werden massiv Geldgeber gesucht, da die Banken diskret aber sicher raus wollen aus den Objekten.

gruß, Heinrich Ostermeier