Immobilienpreis soll ermittelt werden?

Hallo,

ich habe eine Frage zu einer Immobilie.
Im Raum Marburg/Hessen soll ein Einfamilienhaus ohne Keller im toskanischen Stil verkauft werden.
Es hat 240 m² Wohnfläche mit 3 Balkonen und Terrasse und einer Garage.
Es sind noch einige kleine Restarbeiten durchzuführen, um
das Haus so fertigzustellen, wie es sich gehört.
Die Außenanlage ist so gut wie garnicht angelegt.
Grundstück 600m².
Die Familie, die das Haus verkaufen möchte ist gerade bei der Preisfindung.
Es hieß, man wolle mal schauen, was man in das Haus investiert hat
und mindestens das möchte man beim Verkauf auch wieder erhalten.
Ist diese Denkweise richtig und real, mal abgesehen davon, dass die Leute das machen können wie sie wollen?
Würde man so in etwa an einen Marktwert kommen?

Wir gehen davon aus, dass das eine oder andere an unfachmännische Problemen/Problemchen auftauchen wird, sind aber trotzdem interessiert.

Danke für hilfreiche Rückmeldungen!
Grüße
Sebastian

Hallo Sebastian,

Ich habe soeben das dritte Mal in meinem Leben ein Haus verkauft und kann dir aus dieser Erfahrung sagen:

Der Wert (also der erzielbare Kaufpreis) eines Hauses wird zuerst einmal durch die Attraktivitaet der Lage bestimmt. Es gibt da die „Makro-Lage“, also welche Region, Arbeitsplaetze, Freizeitmoeglichkeiten, Haeuserueber-/unterangebot usw. Marburg/Hessen klingt mir nach einer „mittleren“ Lage.

Dann gibt es noch die „Mikro-Lage“, also direkte Nachbarschaft, Laermpegel, Ausrichtung nach Sued oder Nord usw.

Danach kommt der „Typ“ des Hauses. Pflegeleichte Standardtypen sind in dieser Hinsicht mehr wert als Exoten wie z.B. riesige Einfamilienhaeuser oder ganz verwinkelte Altbauten. Das von dir beschriebene Haus ist insofern ein Exot, als es in einem vom Standard abweichenden Stil hergerichtet ist (Toskana) und keinen Keller hat.

Zuletzt kommt der bauliche Zustand. Er hat umso mehr Einfluss auf den Wert, je schlechter die Lage ist. Bei sehr guten Lagen greifen die Leute eher zu, auch wenn der Zustand schlecht ist.
Beim baulichen Zustand kommt es nicht nur auf die Qualitaet sondern auch auf den Stil an. Wer ein Haus mit hohem Aufwand aber nach einem sehr individuellen (schlechten) Geschmack herrichtet, hat kaum Chancen, seine Investitionen wieder rauszukriegen.

Gruss
Christoph

Hallo,

sagen wir es mal so: Frau Müller hat in monatelanger Handarbeit ein EM-Deckchen geklöppelt. Jetzt, nach der EM würde sie sich gerne von dem Teil trennen. Dabei will sie nur Materialeinsatz und ihre Arbeitszeit bazahlt haben. Dämmert es? Was man haben will, und was ggf. sogar vernünftig hierzu begründbar ist, ist eine Sache. Ob man einen Käufer findet, der überhaupt Interesse am Objekt hat, und dann auch noch bereit ist, diesen Preis zu zahlen, eine ganz andere.

Wie in der anderen Antwort schon beschrieben, bedeutet ein besonderer Stil eines Objektes eher einen Verwertungsnachteil, wenn man nicht zufällig genau den einen Käufer findet, der genau dieses Objekt unbedingt haben will, und sich den geforderten Preis ohne mit der Wimper zu zucken leisten kann. Der Normalfall sieht anders aus, und spätestens nach ein paar Monaten kommen Verkäufer auch darauf, dass alleine der Markt die Preise macht, und man noch soviel in die handverputzen Wände an Zeit und Geld investiert haben kann, ohne dass sich dies im Kaufpreis auswirken wird.

Von daher würde ich mal den ganzen Toskana-Stil außen vor lassen, und einen Preis bieten, der einem durchschnittlichen Haus gemessen an Grundstücksgröße und -lage, Baujahr und Hausgröße gerecht wird. Dann noch einen Abzug für den noch nicht angelegten Außenbereich und gut ist. Wenn der Verkäufer darauf heute noch nicht einsteigen will, wird er es ggf. morgen doch noch.

Gruß vom Wiz

Beide Beiträge
Beide Beiträge erachte ich als sehr gut und wertvoll, Danke!

Mich würde interessieren, ob man an Hand der gemachten Angaben
einen Preis ermitteln kann, oder ob es hierzu Hilfsmittel oder Orientierungsmöglichkeiten gibt?

Nochmal Danke!
Sebastian

Hallo,

Mich würde interessieren, ob man an Hand der gemachten Angaben
einen Preis ermitteln kann, oder ob es hierzu Hilfsmittel oder
Orientierungsmöglichkeiten gibt?

Ich weiß nicht, wie es da vor Ort so aussieht, aber für Nds. gibt es von den Gutachterausschüssen einen Online-Rechner, über den man mit Identifikation des Objekts nach Adresse und Angabe von Grundstücksgröße, Wohnfläche und Baujahr grundsätzliche pauschale Werte abfragen kann. Die entsprechende Auskunft kann man aber auch schriftlich für kleines Geld bei den Gutachterausschüssen anfordern. Wie gesagt, es handelt sich um Durchschnittswerte für x-beliebige Objekte mit der typischen Situation ihres Baujahres auf einen Grundstück gewisser Größe in der Gegend. Insoweit ersetzt so eine Preisauskunft kein konkretes Gutachten, aber man bekommt eine Preisvorstellung. Auf jeden Fall sollte man von dem Preis einen Abzug für die fehlenden Außenanlagen machen, der schon mal nur für Wege und Garten auf durchschnittlichen Grundstücken gerne mal Richtung € 20.000,-- geht.

Gruß vom Wiz

Hallo!

Bei Immobilien gibt es immer zwei Preise, den der Besitzer gerne hätte und den den man am Markt realistisch erzielen kann.

Da ist oft eine gewaltige Spanne dazwischen…

Gruss
Dani