Imperative und 'Rat' - ein Produkt der Erziehung?

Liebe www-Freunde,

Es erstaunt mich, wie leicht Ratsuchende mit gut gemeinten, sehr engagierten Befehlsformen (Imperstiven) gefüttert werden und sich dann oft brav dafür bedanken (das alles im Ernst):
Du musst… du sollst… du solltest… ab zum Doc… (u.v.m.).
Manchmal noch hinterher: „Viel Glück“, „alles, alles Gute,“ usw.

Zugleich kommt es vor, dass solche befehlsartigen Ratschläge ganz subtiel, aber einander klar ausschließende Befehle beinhalten, etwa nach dem Muster: „Sei spontan!“, „suche einfach Ruhe, aber leicht wird das nicht“ für einen Gehemmten, einen Stressgeplagten, usw.

„Spontan“ ist ja nicht etwas, das ich „sein“ kann, denn wenn ich es „bin“, dann gilt der Befehl ja nicht, und wenn ich es nicht bin, dann ist genau die Spontaneität, die nun von mir gefordert wird, zugleich das größte Hindernis, frei (=spontan) zu handeln.

Das Phänomen, weshalb diese Befehlsformen so einfach - und sogar dankbar - angenommen werden, gehört zwar vor allem in das Brett „Psychologie“ oder „Philosophie“, ist aber auch in der Medizin u.a. so deutlich anzutreffen, dass ich es hier zum Thema mache.
Ich will damit zeigen, dass Imperative aus den imemr noch autoritären Erziehungsmodellen der Kindheit kommen und daher viel später noch ebenso unfreie „Reflexe“ auslösen können, aber doch selten zur ursächlichen Klärung und Lösung eines Problems beitragen.
Dazu sind imperative Formeln eben nicht geeignet.

Krankheit (im engen medizinischen Sinn!) ist immer auch in der Mitbeteiligung der Seele zu verstehen, deshalb ist es hier wichtig, beim freundlichen, behutsamen Raten eine innere „Abstinenz“ einzuschalten und einfach Möglichkeiten aufzuzeigen, ohne den Betreffenden in eine bestimmte Richtung ziehen zu wollen, die vielleicht zugleich Ausdruck eines großen eigenes Anliegen sein mag, aber auf den anderen Menschen nicht wirklich passen muss.

Schöne Grüße,

V.

P.S.: Bitte um Verzeihung für Tippfehler, die mir immer wieder mal passieren. Das kommt davon, dass mir die Inhalte wichtig sind und die Finger in der Eile nicht alles genau treffen.

…es ist schon passiert:
Imper s tive => Imper a tive
subt ie l => subt i l
und so fort.
Tut leid
V.

Liebe www-Freunde,

Es erstaunt mich, wie leicht Ratsuchende mit gut gemeinten,
sehr engagierten Befehlsformen (Imperstiven) gefüttert werden
und sich dann oft brav dafür bedanken (das alles im Ernst):
Du musst… du sollst… du solltest… ab zum Doc…
(u.v.m.).

Tja, dies liegt daran, daß der Fragesteller einen Rat erwartet.
Was Du beschreibst, ist schlichtweg Konversation, bei der halt nicht nur Experten antworten. Oder besser noch als eine Art
Erfahrungsaustausch zu benennen.
Wenn X fragt, ob jemand ein gutes Migränemittel weiss, werden
x und Z einfach ihre Erfahrung mitteilen.
Ein Experte wird detaillierter antworten.

Manchmal noch hinterher: „Viel Glück“, „alles, alles Gute,“
usw.

DAS ist Höflichkeit und Anteilnahme.

Zugleich kommt es vor, dass solche befehlsartigen Ratschläge

Das interpretierst Du darein, es ist ganz sicher nicht das,
was die Antwortenden ausdrücken wollen.

ganz subtiel, aber einander klar ausschließende Befehle
beinhalten, etwa nach dem Muster: „Sei spontan!“, „suche
einfach Ruhe, aber leicht wird das nicht“ für einen Gehemmten,
einen Stressgeplagten, usw.

Das liegt wieder an den Antworten, die halt nicht von ausschließlich von Experten der Medizin kommen (Ärzten/Krankenschwestern) und liegt an einer unterschiedl. Ausdrucksweise der einzelnen Menschen.

„Spontan“ ist ja nicht etwas, das ich „sein“ kann, denn wenn
ich es „bin“, dann gilt der Befehl ja nicht, und wenn ich es
nicht bin, dann ist genau die Spontaneität, die nun von mir
gefordert wird, zugleich das größte Hindernis, frei (=spontan)
zu handeln.

Analysier nicht soviel…:smile:

Das Phänomen, weshalb diese Befehlsformen so einfach - und
sogar dankbar - angenommen werden, gehört zwar vor allem in
das Brett „Psychologie“ oder „Philosophie“,

Eben und steht hier gar nicht zur Debatte.

ist aber auch in

der Medizin u.a. so deutlich anzutreffen, dass ich es hier zum
Thema mache.
Ich will damit zeigen, dass Imperative aus den imemr noch
autoritären Erziehungsmodellen der Kindheit kommen und daher
viel später noch ebenso unfreie „Reflexe“ auslösen können,
aber doch selten zur ursächlichen Klärung und Lösung eines
Problems beitragen.

Ja, aber was soll das nun im Medizinerbrett, DAS gehört nun wirkl. in die von Dir genannten Bretter. Hier geht es meist
praktisch zu.

Krankheit (im engen medizinischen Sinn!) ist immer auch in der
Mitbeteiligung der Seele zu verstehen, deshalb ist es hier
wichtig, beim freundlichen, behutsamen Raten eine innere
„Abstinenz“ einzuschalten und einfach Möglichkeiten
aufzuzeigen, ohne den Betreffenden in eine bestimmte Richtung
ziehen zu wollen, die vielleicht zugleich Ausdruck eines
großen eigenes Anliegen sein mag, aber auf den anderen
Menschen nicht wirklich passen muss.

Das wissen wir doch, und es zeigt mal wieder, daß Psychologen alle einen an der Klatsche haben *lacht* (ehe Du analysierst,
das war ein Scherz, Witz).

Dieses Brett ist nicht professionell auf Seele, sondern mehr
auf körperliche Krankheiten gerichtet, inwiefern die Seele
eine Rolle spielt, kann nur der Fachmann beantworten, nur
ganz sicher nicht in diesem Brett.

Ich finde Deine Gedankengänge schon interessant, aber sie wären
eher im Psychologiebrett diskutiert wurden…denk ich jedenfalls.

Herzl. Grüße
hd

Hallo A-haa!!

Es erstaunt mich, wie leicht Ratsuchende mit gut gemeinten,
sehr engagierten Befehlsformen (Imperstiven) gefüttert werden
und sich dann oft brav dafür bedanken (das alles im Ernst):
Du musst… du sollst… du solltest… ab zum Doc…
(u.v.m.).

Stimmt, aber wer fragt, bekommt Antworten und das sind Gedankengänge, oder Erfahrungswerte anderer. Bei manchen med. Fragen sollte mit „sofort“ oder „Du mußt“ geantwortet werden, jenachdem um was es sich handelt und wie akut es ist.

Zugleich kommt es vor, dass solche befehlsartigen Ratschläge
ganz subtiel, aber einander klar ausschließende Befehle
beinhalten, etwa nach dem Muster: „Sei spontan!“

Das ist Deine Interpretation, eine andere Person fasst das vielleicht nicht so auf.

„Spontan“ ist ja nicht etwas, das ich „sein“ kann, denn wenn
ich es „bin“, dann gilt der Befehl ja nicht, und wenn ich es
nicht bin, dann ist genau die Spontaneität, die nun von mir
gefordert wird, zugleich das größte Hindernis, frei (=spontan)
zu handeln.

Das stimmt :smile:

Das Phänomen, weshalb diese Befehlsformen so einfach - und
sogar dankbar - angenommen werden, gehört zwar vor allem in
das Brett „Psychologie“ oder „Philosophie“, ist aber auch in
der Medizin u.a. so deutlich anzutreffen, dass ich es hier zum
Thema mache.

Liegt vielleicht daran, daß medizinisches Personal oft eine Art „Machtstellung“ hat, die teilweise von Patienten noch hofiert wird.

Krankheit (im engen medizinischen Sinn!) ist immer auch in der
Mitbeteiligung der Seele zu verstehen, deshalb ist es hier
wichtig, beim freundlichen, behutsamen Raten eine innere
„Abstinenz“ einzuschalten und einfach Möglichkeiten
aufzuzeigen, ohne den Betreffenden in eine bestimmte Richtung
ziehen zu wollen, die vielleicht zugleich Ausdruck eines
großen eigenes Anliegen sein mag, aber auf den anderen
Menschen nicht wirklich passen muss.

Es können doch schlecht bei z.B.ersten Vorboten eines Herzinfarktes Möglichkeiten zur Risikominderung aufgezeigt werden, ohne dem Patienten klar zu machen: „Wenn Du so weitermachst, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Infarkt zu erleiden, verflixt hoch“
Und in eine bestimmte Richtung „muß er gezogen“ werden, da ihm einerseits die Fachkenntnise fehlen, um die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung, sofort abschätzen zu können.
Ich bin auch der Meinung, Patienten sollten als mündige Menschen behandelt werden und nicht wie „kleine Idioten“.
Ein guter Arzt befolgt diese Regel aber.
Ob hinter Ratschlägen ein eigenes Anliegen steht, vermag nur die Person zu beantworten die den Rat erteilt.
Alles andere sind Spekulationen.
Trotzdem finde ich Dein Schreiben hier nicht fehl am Platze, denn im Grunde geht es um den Umgang mit Patienten und wer hier im Forum ist, war entweder schon Patient ( jey wie sinnig:smile:)oder hat mit Patienten zu tun.
Gruß Natascha