Hallo!
Es gibt Sprachen, in denen erfolgt die Hintergrundhandlung im Präteritum und eine überraschend eintretende Handlung wird dann im Perfekt gegeben. z. B. im Englischen: while I was reading the telephone rang.
Im Italienischen werden wie im Deutschen auch Gewohnheiten im Präteritum gegeben, z. B. Als kleiner Junge ging ich jeden Sonntag zur Kirche. Die Unterbrechung dieser Gewohnheit aber, z. B. aber an jenem Sonntag blieb ich zu Hause, erfolgt im Italienischen dann aber im Perfekt. „Da piccolo andavo a messa ogni domenica ma quella domenica sono rimasto a casa“.
Wie ist das im Deutschen:
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag blieb ich zu Hause. Oder:
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag bin ich zu Hause geblieben.
Hallo!
Ein Problem hier sind die Begriffe Imperfekt und Präteritum usw…
Für das deutsche Präteritum wird manchmal der Begriff „Imperfekt“ (also unvollendet, nicht abgeschlossen) verwendet. Der passt aber nicht, weil Handlungen im Präteritum abgeschlossen sind.
Es gibt Sprachen, in denen erfolgt die Hintergrundhandlung im
Präteritum und eine überraschend eintretende Handlung wird
dann im Perfekt gegeben. z. B. im Englischen: while I was
reading the telephone rang.
Das ist kein Perfekt!
In diesem Beispiel wird für die „Hintergrundhandlung“ die Verlaufsform der Vergangenheit (engl. past progressive) verwendet, nicht Präteritum, und für die neu einsetzende Handlung die einfache Form, engl. simple past (nicht Perfekt). Der Oberbegriff für den Unterschied zwischen Verlaufsform und einfacher Form, z.B. für abgeschlossene Handlungen, ist aspect. Aspect gibt es so im Deutschen nicht. Deshalb kommt man hier mit den von dir verwendeten Begriffen aus der deutschen Grammatik nicht weit bzw. sie sind falsch.
Dein Beispiel wäre im Dt. „Als ich las, klingelte das Telefon.“, also beides Mal die gleiche Form, das Präteritum. Wenn ich den Verlauf beim ersten Teil betonen will, muss ich das auf andere Weise tun, z.B. umschreiben „als ich dabei war, zu lesen“, aber trotzdem braucht man das Präteritum.
Im Italienischen werden wie im Deutschen auch Gewohnheiten im
Präteritum gegeben
Da kenne ich mich leider nicht aus. Was haben aber jetzt Gewohnheiten mit dem obigen Zusammenhang zu tun? Das ist doch wieder was anderes?
Wie ist das im Deutschen:
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag
blieb ich zu Hause. Oder:
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag bin
ich zu Hause geblieben.
Geht es hier um den Unterschied zwischen Präteritum und Perfekt? Es gibt im Dt. einen Bedeutungsunterschied.
Perfekt ist eigentlich „vollendete“ Gegenwart, so ein bißchen wie present perfect im Englischen, z.B. Ich habe gegessen (also bin ich jetzt satt); Präteritum bezeichnet abgeschlossene Handlungen der Vergangenheit, z.B. Ich aß gestern ein Steak zu Mittag.
Aber: Im gesprochenen Deutsch wird oft kein Präteritum mehr verwendet, sondern fast nur noch Perfekt für abgeschlossene Handlungen.
Beide deiner Beispiele wären also auf Deutsch möglich. Nr. 2 würde ich nicht schreiben, außer in persönlichen Briefen, sondern nur sagen. 1. ist eigentlich korrekt. Das hat aber nichts mit Gewohnheiten zu tun. Man könnte umgangssprachlich sogar beide Male Perfekt benutzen ohne Bedeutungsunterschied: „Ich bin früher sonntags immer zur Kirche gegangen, aber letzten Sonntag bin ich das erste Mal zu Hause geblieben.“
Grüße
mitzisch
Es gibt Sprachen, in denen erfolgt die Hintergrundhandlung im
Präteritum und eine überraschend eintretende Handlung wird
dann im Perfekt gegeben. z. B. im Englischen: while I was
reading the telephone rang.
in diesem Beispielsatz kommt kein Perfekt vor.
while I was reading
ist Past Continuous,
the telephone rang
ist Simple Past.
Wie ist das im Deutschen:
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag
blieb ich zu Hause. Oder:
Grundsätzlich kann im Deutschen sowohl das Präteritum als auch das Perfekt für Vergangenes verwendet werden. Das Perfekt findet v. a. im südlichen Sprachraum Anwendung; im schriftlichen Sprachgebrauch gilt das Präteritum als stilistisch besser, vgl. http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag bin
ich zu Hause geblieben.
Bezüglich der Kombination/Mischung beider Zeitformen (für in der Vergangenheit abgeschlossene Sachverhalte) kenne ich keine Regel; das ist in meinen Augen eine stilistische Frage.
Englisches Beispiel fehlgeschlagen
Also gut! Das mit dem englischen Beispiel war wohl nix. Sorry!
Eigentlich wollte ich nur wissen, ob man in der dt. Sprache eine eintretende Handlung während einer gerade ausdrückenden Verlaufsform im Perfekt ausdrückt.
Im Italienischen ist dies die Regel. Im Deutschen eher nicht.
Dankeschön für eure Antworten.
Herzliche Grüße und schönen Sonntag.
taboga
Also gut! Das mit dem englischen Beispiel war wohl nix. Sorry!
Eigentlich wollte ich nur wissen, ob man in der dt. Sprache
eine eintretende Handlung während einer gerade ausdrückenden
Verlaufsform im Perfekt ausdrückt.
Gut, dass du das nochmal klarstellst; dann gingen die Antworten ja in die richtige Richtung. Ich kam dann nur wegen „Gewohnheit“ durcheinander.
Im Italienischen ist dies die Regel. Im Deutschen eher nicht.
Das eher kannst du streichen - es gibt eben keine Verlaufsform im Deutschen.
Eigentlich wollte ich nur wissen, ob man in der dt. Sprache
eine eintretende Handlung während einer gerade ausdrückenden
Verlaufsform im Perfekt ausdrückt.
Das versteh ich nicht ganz: Was wäre denn in Deinen Beispielsätzen
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag blieb ich zu Hause.
Jeden Sonntag ging ich zur Kirche aber an jenem Sonntag bin ich zu Hause geblieben.
eine eintretende Handlung und eine gerade ausdrückende(?) Verlaufsform?
Welcher Verlauf wird darin durch eine andere Handlung unterbrochen?
„Jeden Sonntag in die Kirche gehen“ ist ein sich wiederholendes, „zu Hause bleiben“ ein einmaliges punktuelles Ereignis in der Vergangenheit.
Im Deutschen gibt es keine Progressiv-Form des Verbs; man kann den Verlauf/das Andauern einer Handlung nur umschreiben, z. B.
„Wir waren gerade auf dem Weg zur Kirche, als es zu donnern anfing“.
„Das Telefon klingelte, als ich beim (mundartl. auch: am) Duschen war.“
Das Perfekt wird weder für die ablaufende noch für die eintretende Handlung verwendet.
Das versteh ich nicht ganz: Was wäre denn in Deinen
Beispielsätzen eine eintretende Handlung und eine gerade
ausdrückende (?) Verlaufsform?
Welcher Verlauf wird darin durch eine andere Handlung
unterbrochen?
Der Verlauf soll sein: jeden Sonntag in die Kirche gehen.
Die Unterbrechung dieses Verlaufs ist die Handlung, einmal nicht in die Kirche zu gehen.
Du hast schon recht, mich nicht verstehen zu können. Ich kann mich halt nicht richtig ausdrücken. Dennoch danke für deine Mühe. Lassen wir es denn jetzt gut sein, ich habe verstanden. Ich weiß jetzt, wie es richtig heißt. Danke für deine Erklärung, die ist super und den Link.
Das Perfekt wird weder für die ablaufende noch für die
eintretende Handlung verwendet.
haben wir nicht einfach die lateinische Grammatik übernommen?
Unsere Zeiten drücken also Vor- und Nachzeitigkeit aus, dabei
korrespondieren
Möglich. Ich habe mal gelesen, dass das Altgermanische (oder frühe Althochdeutsche sogar?) nur zwei Zeitformen kannte: Vergangenheit und Nichtvergangenheit, wobei letzteres für Zukunft und Gegenwart stand. Durch die vielen Übersetzungen aus dem Lateinischen, die es damals gab, etablierten sich dann mehr Zeitformen.
Ob das nun genau stimmt, weiß ich aber nicht.
Hallo!
Klären wir zunächst die Begriffe: Während die romanischen Sprachen grundsätzlich zwei Erzählvergangenheitsformen kennen (wobei die perfektive meist aus der Form des lateinischen historischen Perfekts kommt), kennt die deutsche nur eine. Man nennt sie „Imperfekt“, obwohl „Präteritum“ eher ins Schwarze träfe. Also: Ob Gewohnheit, ob eintretende Handlung, imperfektiv, perfektiv, korrekt ist immer nur die einfache Vergangenheit: „ich ging“, „du warst“, „er verstand“ usw. Die zusammengesetzte Form („ich habe geschrieben“ usw.) hat, natürlich abgesehen von umgangssprachlichen bzw. mundartlichen Einflüssen, die Aufgabe, ein Ergebnis, etwas, was auf die Gegenwart hinführt, darzustellen: „Ich schrieb den Brief“, wenn ich meine, dass ich ihn jetzt fertig habe, wäre z. B. grundfalsch. Das Plusquamperfekt wiederum drückt eben dieses Verhältnis in der Vergangenheit aus, darüber hinaus aber auch allgemein Vorzeitigkeit. Kurz und gut: Sprachen sind nur selten eins zu eins vergleichbar.
Gruß
Sepp