'Imperfekt' vs 'Präteritum'

Guten Morgen allerseits,

die Tochter einer Freundin bat mich um Hilfe. Sie soll u.a. folgende Frage beantworten:

„Erläutern Sie, wieso es begriffslogisch angebracht ist, anstelle des Terminus „Präteritum“, der neuerdings [???, sic] oft bei der Beschreibung des deutschen Tempussystems verwendet wird, (wieder) den Terminus „Imperfekt“ zu verwenden.“

Hmm.
Als ich zum ersten Mal von der Ablösung des Terminus „Imperfekt“ durch „Präteritum“ hörte, lagen die entsprechenden Diskussionen hierzu auch schon einige Jahre zurück. Das Ganze ist ewig her, und ich erinnere mich dunkel, dass es mit den Aspekten des Dt. bzw. Lat. zusammenhing.

Dass nun allerdings eine umgekehrte Bewegung aktiv sein soll, ist mir neu, und ich habe dazu im Netz auch nichts gefunden. (Als ob für lernende Kinder jedes verwendete Wort motiviert wäre! (im linguist. S.). Hab‘ mich damals schon darüber geärgert!)

Ist einem von euch etwas über diese neue Arbeitsbeschaffung bekannt?

Sorry für den etwas unsachlichen Ausbruch, ihr könnt ja nix dafür, bitte euch nur ganz lieb um Hilfe

Heinrich

„Erläutern Sie, wieso es begriffslogisch angebracht ist,
anstelle des Terminus „Präteritum“, der neuerdings [???, sic]
oft bei der Beschreibung des deutschen Tempussystems verwendet
wird, (wieder) den Terminus „Imperfekt“ zu verwenden.“

Moin,
also, wenn man die Begriffe buchstäblich nimmt, bedeutet ‚Präteritum‘ sowas wie ‚Vergangenes‘ oder eben ‚Vergangenheit‘; ‚Imperfekt‘ bedeutet ‚unvollendet‘ (übrigens beide Begriffe lat.). Da wir im Deutschen drei Formen der Vergangenheit im weiteren Sinn kennen (Perfekt, Imperfekt, Plusquamperfekt), ist der Begriff ‚Präteritum‘ mehrdeutig - welche Vergangenheit hätten sie denn gerne? :wink:
Außerdem ist das ‚Imperfekt‘ (in der Umgangssprache fast ausgestorben - „gestern /b/ging/:b/ ich einkaufen“, „letzte Woche /b/reiste/:b/ ich nach Panama“ etc.) tatsächlich die Bezeichnung für ‚unvollendete‘ Handlungen; klar, ist Vergangen, ist also vollendet, aber die Form beschreibt eine Handlung in ihrem Verlauf, während „ich habe eingekauft“, „ich bin gegangen“, „ich bin verreist“ (Perfekt) sowie „ich war gegangen“, „ich war verreist“ (Plusquamperfekt) Handlungen beschreiben, die bereits abgeschlossen sind (Perfekt i.d.R. mit Auswirkungen auf die Gegenwart, Plusquamperfekt i.d.R. mit Auswirkungen auf die Vergangenheit - so lernt mans zumindest).

Also, die Antwort auf die Schulaufgabe ist m.E., daß wir im Dt. schlicht mehrere Vergangenheitsformen kennen und ‚Präteritum‘ genaugenommen eben nicht nur die eine Form ‚Imperfekt‘ beschreibt, sondern auch die übrigen.

LG
Christiane