Imperialismus

Guten Abend

Mir liegt eine Frage so ziemlich auf dem Magen, auf die ich leider keine Antwort finde:

Wie war es möglich, das England so viele Gebiete auf der Welt kontrollieren konnen? (Betrifft natürlich auch andere Kolonialreiche). Denn nur 10% ihres Imperiums waren Engländer, so dass die Kolonien was die Bevölkerungszahl betrifft hoch aus überlegen waren. Natürlich waren die Engländer besser bewaffnet, aber nur mit Gewalt all diese Menschenmassen zu beherrschen ist aus meiner Sicht nicht möglich.
Wie haben sie dies dann fertig gebracht? Ich denke mal, sie versuchten eine Abhängigkeit der Kolonien zu England zu bewerkstelligen, aber wie?
Ging es der Bevölkerung der Kolonien vor der Kolonialphase besser oder schlechter?

Ich wäre sehr dankbar um Hilfe

Ich habe diese Frage in keinem Forum auf anderen Internetseiten gestellt.

besten Dank für deine Bemühungen
Gruss Stefan

Die britische Herrschaft funktionierte ziemlich vielschichtig. Die militärische Macht spielte eine große Rolle, die Wirtschaftsdominanz ebenso und auch die kulturelle Vormachtstellung, auf die die einheimischen Eliten mit Nachahmung reagierten. Insgesamt ließen die Briten meistens die einheimischen Herrscher im Amt, so dass sie auf deren Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen zurückgreifen und dadurch eigene „Manpower“ sparen konnten.

Hallo Stefan,

Wie war es möglich, das England so viele Gebiete auf der Welt
kontrollieren konnen?

Wie oft, ist die Wikipedia ein guter Ausgangspunkt für deine Frage, die man wirklich nicht in ein paar Sätzen beantworten kann:
http://de.wikipedia.org/wiki/Britisches_Empire

Viele Grüße
Marvin

Hallo,

ein wesentlicher Punkt um Manpower zu sparen war auch die Nutzung der Rivslitäten zwischen verschiedenen Volksgruppen. Gerade in Indien wäre es z.B. lange undenkbar gewesen, dass sich die Inder einigen würden, einfach weil jeder Maharadscha der Feind des nächsten war. Indien war aber der größte Teil der Menschenmasse des Empires.
Ein anderes Beispiel war Südafrika, da gab es religiöse Minderheiten, die den Briten zuarbeiten mussten, weil sie ohne die Opfer der Mehrheiten geworden wären. Oder nimm die Buren. Die waren sicher keine Freunde der Engländer mussten sie aber unterstützen, da sie selbst (als nach den Burenkriegen) schlecht bewaffnete weiße Siedler von den immer noch nicht völlig unterworfenen Zulu bedroht wurden. Woraufhin natürlich auch wieder Zulu-Stämme Abkommen mit den Engländern trafen (Lesotho z.B. ist ein Überbleibsel eines solchen Abkommens).
Was reine militärische Macht anging, so kamen auch immer mehr Hilfstruppen ins Spiel. Sikhs oder Gurkhas sind ja eigentlich Bezeichnungen für Volksgruppen. Aus denen wurden diese Einheiten rekrutiert und unter das Kommando britischer Offiziere gestellt. Das hatte zwei Effekte: Erstens sparte man Manpower, zweitens gab man einer Volksgruppe einen Status der höher als der der anderen war. Was die Loyalität der wahrscheinlich kriegerischsten aller Inder sicherstellte.
Der Teil Deiner Frage, der am schweirigsten zu beantworten ist, ist die Frage ob es den Bewohnern der Kolonien durch die Kolonisation besser oder schlechter ging. Erstens muss man diese Frage beinahe für jede Volksgruppe einzeln beantworten. Einige verloren völlig ihre Freiheit, einige wurden schlicht ausgerottet. Für andere war die Kolonisation eine Überlebensgarantie, weil mit der Militärmacht der Engländer die Fehden örtlicher Herrscher ein schnelles abruptes Ende fanden. Wirtschaftlich wurden die Kolonien zu Monokulturen gemacht, aber sie produzierten immerhin Waren, die verkauft wurden, was im Laufe der Zeit eine Art von Mittelschicht ausbildete, die durchaus aus örtlicher Bevölkerung bestand und die nach ihren eigenen Maßstäben sicher wohlhabend war. Andererseits waren die, die nicht den Zugang zu dieser Mittelschicht schafften schlechter dran, denn sie arbeiteten für Hungerlöhne z.B. auf Plantagen. Die Frage ist also sicher nicht global zu beantworten.

Gruß
Peter B.

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