Hi
Vielleicht kennt ja wer Schumpeter. Der hat 1919 eine Theorie zum Imperialismus aufgstellt. Und zwar folgende:
Mit zunehmender Kulturentwicklung schwächt sich das imperialistische Streben ab.
Jetzt frag ich mich in wie fern er damit recht hatte. Wenn ich mir so die ganzen Kolonien angucke, dann stell ich ja fest, dass die meisten in den 50er und 60er Jahren aufgelöst wurden. Also, dass die einzelnen Industriestaaten keine Bestrebungen mehr zur Gebietserweiterung hatten. Da zeichnet sich doch ab, dass sich das imperialistische Streben mit der Zeit abgeschwächt hat. Obwohl man ja bedenken muss, dass der Imperialismus mit dem ersten Weltkrieg endete.
Was denkt ihr?
mfg Blue
Hallo Bluehead,
Kolonien sind nur eine Form des Imperialismus, bzw. der Imperialismus besteht nicht nur aus Gebietserweiterungen.
Unter Imperialismus ist allgemein das Bestreben nach Vorherrschaft über andere Völker zum eigenen Nutzen in jeder Form (politisch, militärisch, wirtschaftlich) zu verstehen. Das war bis Mitte des 20. Jahrhunderts vorwiegend in Gestalt der klassischen Kolonien der Fall. Man muss Schumpeter und seine Thesen daher aus der Zeit heraus betrachten, in der er gelebt hat.
Das ist übrigens ein Gesichtspunkt, der heute bei der Bewertung geschichtlicher Ereignisse allgemein selten beachtet wird.
Rußland/Tschetschenien, Chiba/Tibet, USA/Irak, Israel/Palästina, Jugoslawien/Kosovo sind Beispiele für imperialistische Politik in der heutigen Zeit. Die wirtschaftliche Abhängigkeit weiter Teile der sogenannten Dritten Welt von den Industrienationen ein weiteres. Leute, welche heute relativ spottbilligen Kaffee im Supermarkt kaufen und sich damit (zumindest mit-) verantwortlich für das karge Einkommen der betroffenen landwirtschaftlichen Arbeiter in der Dritten Welt machen, sind auch Imperialisten.
Gruß, Heike
Hallo Heike
Kolonien sind nur eine Form des Imperialismus, bzw. der
Imperialismus besteht nicht nur aus Gebietserweiterungen.
Da hab ich mich wieder etwas ungeschickt ausgedrückt. Natürlich ist mir bewusst, dass der Imperialismus nicht nur aus Kolonien besteht. Hab ja ne Klausur drüber geschrieben ;D Ich wollte die Sache mit den Kolonien bloß als ein Beispiel benutzen, die Schumpeters These bestätigt.
Blue
RUntere^2: Imperialismustheorie
Hallo Bluehead,
Kolonien sind nur eine Form des Imperialismus, bzw. der
Imperialismus besteht nicht nur aus Gebietserweiterungen.
Imperialismus ist allgemein das Bestreben nach
Vorherrschaft über andere Völker zum eigenen Nutzen in jeder
Form (politisch, militärisch, wirtschaftlich) zu verstehen.
Ist es so? Oder wird vielleicht dies heute allgemein, obwohl falsch, auch als „Imperialismus“ bezeichnet?
Es muß doch eine bestimmte, feste Definition geben - ich werde im Brett „Deutsche Sprache“ danach fragen.
hi,
Es muß doch eine bestimmte, feste Definition geben
nein, muss es überhaupt nicht. wie bei allen politischen begriffen gibt es auch in bezug auf den imperialismus verschiedene theorien (schumpeter’s ist eine davon, die lenin’sche imperialismustheorie z.b. eine andere). politische und historische erscheinungen werden unterschiedlich interpretiert und in beziehung zueiander gesetzt. entsprechend gibt es einfach verschiedene begriffsdefinitionen. ich fürchte, da wird dir auch das sprach-brett nicht sonderlich helfen können.
grüße
burkhard
Spätestens wenn der Begriff zum ersten mal gebraucht wurde, ist er eigentlich doch definiert.
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Hi
nein, muss es überhaupt nicht. wie bei allen politischen
begriffen gibt es auch in bezug auf den imperialismus
verschiedene theorien (schumpeter’s ist eine davon, die
lenin’sche imperialismustheorie z.b. eine andere). politische
und historische erscheinungen werden unterschiedlich
interpretiert und in beziehung zueiander gesetzt. entsprechend
gibt es einfach verschiedene begriffsdefinitionen. ich
fürchte, da wird dir auch das sprach-brett nicht sonderlich
helfen können.
Schön, dass du auf die lenin’sche imperialismustheorie eingehst. Ich musste nämlich in meiner Geschichtsklausur den Unterschied zwischen Lenin und Schumpeter erläutern. ;D
mfg Blue
hallo,
Spätestens wenn der Begriff zum ersten mal gebraucht wurde,
ist er eigentlich doch definiert.
klar, er ist dann zwar definiert, das heißt aber nicht, dass alle mit dieser definition einverstanden wären. also werden neue definitionen gemacht, es gibt uneinigkeit darüber und man definiert wieder neu etc. das ganze mündet dann in eine wissenschaftliche (und/oder politische) auseinandersetzung.
liebe grüße
burkhard