Implantate

Hallo Zahnkundige,

in meiner heutigen Zeitung las ich einen Bericht über Zahnimplantate. Darin wurde ausgesagt, dass die durchschnittliche Haltbarkeit etwa 10 Jahre beträgt. Das hat mich doch sehr gewundert:

  • 10 Jahre sind ja nicht gerade sehr lang,
  • was soll an einem im Prinzip einfachen „Bauteil“ kaputt gehen?
  • was kommt danach? Implantate ausbohren und neu setzen oder herkömmliche Prothese?

Betont wurde die Notwendigkeit einer gründlichen Mundhygiene, 3-4 x jährlich prof. Zahnreinigung aber auch individuell angepasste Zahnreinigung. Was heißt „individuell angepasste Zahnreinigung“? Zähneputzen, wie oft am Tag? Oder noch weitere Prozeduren?

Danke für Eure Mitteilungen!
Wolfgang D.

Hallo Zahnkundige,

in meiner heutigen Zeitung las ich einen Bericht über
Zahnimplantate. Darin wurde ausgesagt, dass die
durchschnittliche Haltbarkeit etwa 10 Jahre beträgt. Das hat
mich doch sehr gewundert:

  • 10 Jahre sind ja nicht gerade sehr lang,
  • was soll an einem im Prinzip einfachen „Bauteil“ kaputt
    gehen?
  • was kommt danach? Implantate ausbohren und neu setzen oder
    herkömmliche Prothese?

Betont wurde die Notwendigkeit einer gründlichen Mundhygiene,
3-4 x jährlich prof. Zahnreinigung aber auch individuell
angepasste Zahnreinigung. Was heißt „individuell angepasste
Zahnreinigung“? Zähneputzen, wie oft am Tag? Oder noch weitere
Prozeduren?

Danke für Eure Mitteilungen!

Hallo,

es kommt hier nicht auf das *Bauteil* an sondern eher auf die Verträglichkeit des Körpers.

Ein Herzimplantat bekommt man auch nicht nur einmal für die Ewigkeit.
Grüsse

in meiner heutigen Zeitung las ich einen Bericht über
Zahnimplantate. Darin wurde ausgesagt, dass die
durchschnittliche Haltbarkeit etwa 10 Jahre beträgt. Das hat
mich doch sehr gewundert:

Servus Wolfang,

das wundert Dich mit Recht. Das liegt wahrscheinlich am Statistiker-Deutsch. Wenn von Kohortenstudien, Kaplan-Meier Berechnungen etc. die Rede ist, hält sich das Leserauge halt an den 10 Jahren fest. Wie die - mittlerweile gut gesicherten - Tatsachen aussehen, kannst Du z.B. hier nachlesen:

http://www.klinik.uni-wuerzburg.de/img/ejbfile/Infob…
(nach ‚Erfolgsaussichten‘ suchen, wenn die Zeit für die ganze Arbeit nicht reicht)

  • 10 Jahre sind ja nicht gerade sehr lang,
  • was soll an einem im Prinzip einfachen „Bauteil“ kaputt
    gehen?

Diese Betrachtungsweise ist ein wenig zu ‚ingenieurmäßig‘. Das hat meine Vorposterin schon klargemacht. Der Knochen, in dem die Implantate ‚überleben‘ sollen, ist ja keine unveränderliche Substanz, sondern eine Anhäufung von einzelnen lebendigen Zellen, mit Stoffwechsel, funktioneller Adaption und eigener, individueller Lebenszeit.

Die mechanischen Dauerbelastungen eines kleinen Bauteiles ( ca 15 mm langer Hohlzylinder mit 3 - 4 mm Durchmesser) sind auch nicht zu verachten. Wenn ich dabei bedenke, daß da durchaus noch korrosive Verhältnisse vorliegen, sind das eher anspruchsvolle Verhältnisse. Turnhallendächer jedenfalls haben keine vergleichbaren Überlebensraten.

  • was kommt danach? Implantate ausbohren und neu setzen oder
    herkömmliche Prothese?

Beides ist denkbar. Man kann auch u.U. neue Implantate woanders hin setzen.

Betont wurde die Notwendigkeit einer gründlichen Mundhygiene,
3-4 x jährlich prof. Zahnreinigung

also - wenn man im Besitz einer Zahnbürste ist, und wenn man auch davon Gebrauch macht, ist 3- 4 mal jährlich schon eher heftig

aber auch individuell
angepasste Zahnreinigung. Was heißt „individuell angepasste
Zahnreinigung“? Zähneputzen, wie oft am Tag? Oder noch weitere
Prozeduren?

Wenn einer nur noch wenige Zähne hat - Du kannst ja hier mal blättern:

http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.kre…

wird eine individiualisierte Mundhygiene anders aussehen, als bei irgendwelchen Cover-Models.

Aber diese Fragen lässt Du Dir am besten in einer Praxis beantworten, wo die ‚zahnmedizinische Fachangestellte‘ (möchte wissen, wer sich mit so einer formalisierten Berufsbezeichnung wirklich anreden lassen will), oder die ‚Hygiene Assistentin‘ Dich gut berätund Dich mit 1- bis 2 mal im Jahr professioneller Zahnreinigung davonkommen lässt.

Dabei viel Spaß und

Gruß

Kai

Hallo Kai
Soweit ich erfahren konnte, gehen die Titan-Implantate nicht kaputt, es gibt auch keine Korrosion. Es könnte höchstens sein, das jemand zuwenig Knochensubstanz bildet, und die Implantate dadurch nicht richtig gehalten werden. Das wiederum sei hauptsächlich bei älteren Frauen der Fall, insbesondere, wenn diese unter Osteoporose leiden.

Kann man eigentlich auch diese Implantate verwenden, um zwei oder 3 Backenzähne, z.B. als Brücke, zu halten? Einmal angenommen, das Gebiss sei noch relativ gut, nur zu wenig „Backenzahn“?
Kann es passieren, das Nerven oder Adern durch die Bohrung im Kiefer zu den vorderen Zähnen unterbrochen werden?

MfG
Matthias

Hallo, ich bin zwar nicht Kai aber ich antwote mal

Hallo Kai
Soweit ich erfahren konnte, gehen die Titan-Implantate nicht
kaputt, es gibt auch keine Korrosion. Es könnte höchstens
sein, das jemand zuwenig Knochensubstanz bildet, und die
Implantate dadurch nicht richtig gehalten werden. Das wiederum
sei hauptsächlich bei älteren Frauen der Fall, insbesondere,
wenn diese unter Osteoporose leiden.

Kann man eigentlich auch diese Implantate verwenden, um zwei
oder 3 Backenzähne, z.B. als Brücke, zu halten? Einmal
angenommen, das Gebiss sei noch relativ gut, nur zu wenig
„Backenzahn“?
Kann es passieren, das Nerven oder Adern durch die Bohrung im
Kiefer zu den vorderen Zähnen unterbrochen werden?

Ja eine Kombiarbeit wäre möglich, wird aber nicht so gerne von den Chirurgen durchgeführt zumindest nicht von den 4en mit welchen wir zusammenarbeiten.
Im normalfall wird ein großes Röntgenbild gemacht um die dicke des Knochens zu messen und um zu sehen wo der Nerv liegt. Das heißt wenn es nicht gerade ein Leiee ist der die Implantation durchführt,ist die Warscheinlichkeit sehr minimal.

Grüsse

MfG
Matthias

Ich nochmals,

Implantate die Korosionsfähig sind werden schon seit ewigkeiten nicht mehr verwendet, heutzutage eben die Titanimplantate oder sogar Implantat aus Keramik. Letzteres wird sogar noch besser vom Körper angenommen.
Allerdings bleibt eben noch ein gewisses Restrisiko das der Körper (Knochen) blöd reagiert und das ganze abstösst. Genauso wie mit anderen Implantaten Herz, Niere, etc…

Grüsse

Hallo Kai
Soweit ich erfahren konnte, gehen die Titan-Implantate nicht
kaputt, es gibt auch keine Korrosion. Es könnte höchstens
sein, das jemand zuwenig Knochensubstanz bildet, und die
Implantate dadurch nicht richtig gehalten werden. Das wiederum
sei hauptsächlich bei älteren Frauen der Fall, insbesondere,
wenn diese unter Osteoporose leiden.

Servus Matthias,

hundertprozentige Wahrscheinlichkeiten gibt es im biologischen Bereich nicht - im Zweifel, weil die Messung nicht genau genug ist :wink:

Natürlich gehen auch Titan-Implantate kaputt. Solange im unteren (tieferen) Bereich der Zylinderimplantate noch vorsätzlich Fenster als konstruktives Element verwendet wurden (die dunklen Aussparungen bei den beiden linken Zylindern mit abgerundetem Boden)

http://www.dentsply-friadent.com/1668.htm

waren/sind die zwischen den Fenstern verbleibenden Stege Schwachstellen. Der Vorfall ist extrem selten, kam aber vor - ich kenne Fälle von gebrochenen Implantaten.

Kann man eigentlich auch diese Implantate verwenden, um zwei
oder 3 Backenzähne, z.B. als Brücke, zu halten? Einmal
angenommen, das Gebiss sei noch relativ gut, nur zu wenig
„Backenzahn“?

Brücken verbinden einen oder mehrere Pfeiler. Wenn irgendwo Zähne fehlen, ziehen Implantologen es vor, in die Lücke möglichst viele solcher Implantate einzubringen, um die eingeleiteten Kräfte auf möglichst große Knochen-Implantat Grenzflächen zu verteilen.

Also: lieber mehrere Einzelkronen auf Einzelimplantaten. Die Brücke ist ein technologischer Ansatz, der für den Umstand eine Lösung darstellt, dass irgendwo keine Wurzeln mehr im Knochen sind. Hätte man früh genug funktionierende ‚künstliche Wurzeln‘ erfunden, wäre die Brücke als Zahnersatz vielleicht gar nicht entwickelt worden.

Um Deine Frage geradeheraus zu beantworten: ja, man kann Implantate für 2 oder 3 Backenzähne einsetzen. Im Unterkiefer mit seinem stabileren Knochen lieber als im Oberkiefer. Die größte Zahl von Zylinderimplantaten in einem Kiefer, die ich gesehen habe, betrug 11 Stück. Grusel!

Kann es passieren, das Nerven oder Adern durch die Bohrung im
Kiefer zu den vorderen Zähnen unterbrochen werden?

Ja! Heute allerdings kann man mithilfe modernster tomographischer Methoden ein hinlänglich genaues dreidimensionales Abbild vom Kiefer (und den enthaltenen Strukturen) bekommen. Auf diesen virtuellen Kiefern werden reale Bohrschablonen hergestellt, nachdem mit CAD-Methoden die Insertionstellen im Kiefer genauestens vorausbestimmt wurden. Bohrer mit Tiefenanschlag in der Bohrschablone helfen, die Verletzung von Geweben, die man schonen muß, zu vermeiden.

In der Hand gewissenhafter ZahnärztInnen ist das Implantat als Versorgungsform heute zur qualitätsgesicherten Routine geworden.

Gruß

Kai Müller

BTW: zum Nebenthema Osteoporose: Nicht diese Krankheit verhindert erfolgreiche Implantate im Kiefer. Es ist ihre Behandlung mit Biphosphonaten, die Implantationen riskanter erscheinen läßt:

http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/007-091.htm

Solange genug Kortikalis einen Kiefer umgibt und stabilisiert kann man implantieren.

http://www.agz-rnk.de/agz/content/3/3_5/3_5_9/index.php

  • nach ‚Osteoporose‘ suchen.

Also - bißchen sparen, erfahrenen Implantologen suchen, dann geht es auch ohne Brücken im Backenzahnbereich.

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Hallo Kai,
interessant…

Also - bißchen sparen, erfahrenen Implantologen suchen, dann
geht es auch ohne Brücken im Backenzahnbereich.

Was heißt genau: bißchen sparen? Wieviel genau? (Auch im Unterschied zur Brücke.) Können Implantate Zahnkippungen aufhalten, die wegen einer der bisher vorhandenen Zahnlücke in diese Richtung gekippt sind? Und wie weiß man ohne Empfehlung, ob ein Implantologe gut ist? Wenn er mit CAD arbeitet und diesen ganzen Vorgang so arbeitet, wie Du beschrieben hast?

Gruß Anwärter

Lieber Wolfgang D.,

die Haltbarkeit des Implantats ist im Wesentlichen auch von der täglichen Mundhygiene abhängig. Das heißt, mindestens 1x täglich gründliche!! Zahnreinigung. Dazu gehört eine Zahncreme und Mundspüllösung, die die für Zahn- und Zahnfleisch gefährlichen Bakterien in der Mundflora deutlich reduziert.
Dazu gibt es zwei klassische Wirkstoffe:
a) Chlorhexidin: Wirkt antibakteriell und die Bakterien werden nicht resistent gegen diesen Wirkstoff. Nachteil: CHX führt i.d.R. zu unschönen Verfärbungen und kann zu Geschmacksirritationen führen.
b) Stabilisiertes Chlorindioxid: Wirkt hoch antibakteriell und Bakterien werden ebenso nicht resistent gegen diesen Wirkstoff. Zudem löst dieser Wirkstoff auch VCS (= flüchtige Schwefelverbindungen, die meist ursächlich für Mundgeruch sind) tatsächlich auf, sorgt also auch noch für lange anhaltenden frischen Atem. Diesen Wirkstoff findet man in den Produkten „Retardex“ (Zahncreme oder Mundspüllösung). Die Produkte sind sicher und bewährt; es gibt sie schon seit 18 Jahren in den USA und seit 16 Jahren in Großbritannien. Es treten keine Verfärbungen oder Geschmacksirritationen auf, denn der Wirkstoff ist völlig farblos, geschmack- und geruchlos.

Zum Pflichtprogramm der täglichen Intensivreinigung gehört auch das Verwenden von Zahnseide, die es mit Einfädler für die Implantatreinigung gibt, sowie Interdentalbürsten für das Reinigen der Zahnzwischenräume. Weiterhin empfehle ich dir neben einer guten Zahnbürste (z.B. Jony), die spätestens nach 4 Wochen gewechselt werden sollte, eine sogenannte Einbüschelbürste (z.B. Dentonet oder Lactona).

Eine halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt sollte sein. Und wenn die tägliche Mundpflege wie oben beschrieben mit antibakterieller Zahncreme/Mundspülung, Zahnseide, Interdentalbürsten und ggfls. Einbüschelbürste konsequent betrieben wird, dürfte eine professionelle Zahnreinigung wahrscheinlich nur 1-2 x pro Jahr nötig sein.

Mit freundlichen Grüßen

Frieda