hallo!
ich bearbeite gerade die Begriffe „implizites und explizites Wissen“ - doch ich kann mir zurzeit noch wenig darüber vorstellen!
Könnt Ihr mir hier auf die Sprünge helfen ? 
danke
lw
hallo!
ich bearbeite gerade die Begriffe „implizites und explizites Wissen“ - doch ich kann mir zurzeit noch wenig darüber vorstellen!
Könnt Ihr mir hier auf die Sprünge helfen ? 
danke
lw
Hi lw!
Meine bescheidenen Definitionsversuche anhand von Beispielen:
Explizites Wissen:
In Sachen Musik habe ich das explizite Wissen, dass die Beatles ihre größten Hits in einer bestimmten Konstellation von vier Personen hatten. Diese Personen hießen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Ich weiß, wer von diesen vier Personen noch lebt und wann wer gestorben ist. Ich weiß von einigen Beatles-Songs das Erscheinungsjahr oder das Album, auf dem sie zuerst veröffentlicht wurden. Dieses Wissen ist wörtlich abrufbar vorhanden.
Implizites Wissen:
Ich habe bereits viele Beatles-Songs gehört und mir sicher eine Menge Textzeilen eingeprägt. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, wie die vierte Zeile von „Strawberry fields forever“ heißt, könnte ich das eher nicht sagen, aber durchaus die Zeile „Living is easy with eyes closed“ einem Lied zuordnen (sicher ein schlechtes Beispiel, da man den Songtext unterschiedlich in Zeilen einteilen kann). Genauso könnte ich, wenn mich jemand bäte, fünfzig Beatles-Songs in eine nett zu hörende Reihenfolge zu bringen, meine Zusammenstellung wohl nur in Teilen begründen. Hier greift das implizite Wissen – auch „Könnerschaft“ genannt, ohne mich auf das Gebiet des Größenwahnsinns begeben zu wollen –, das auf Informationen zurückgreift, die der Wissende nicht wörtlich abrufen kann.
Hilft Dir das etwas?
Gruß!
Christopher
und in wieweit könnte man dann die behauptung/tatsache unterstützen : Sprachliches Lernen in der Schule ist überwiegend implizites Lernen ?
ist das mit deinem satz vereinbar : das impl. Wissen das Wissen einer Person ist, die der Wissende nicht wörtlich abrufen kann ?
Hallo, lw!
Ich bin wohlgemerkt kein Experte, denke aber, dass meine Angaben im ersten Antwortposting mit Deinen neuen Informationen nicht im Widerspruch stehen.
und in wieweit könnte man dann die behauptung/tatsache
unterstützen : Sprachliches Lernen in der Schule ist
überwiegend implizites Lernen ?
Das halte ich für richtig. Wenn Du Menschen, von denen Du den Eindruck hast, dass sie gut formulieren können, zu ihrem Wissen bezüglich grammatischen Sachfragen testest, wirst Du oft enttäuscht werden. Sicher ist dies keine allgemeine Regel, aber faktisches Wissen bzw. die Kenntnis von Begriffen, beispielsweise
stehen doch in keinem direkten Zusammenhang zur Formulierungsgabe. Dafür erlernt man durch das Lesen „guter“ Texte, mit welchen sprachlichen Mitteln Sachverhalte korrekt, ergreifend und präzise beschrieben werden, ohne dass sich dieses Wissen in Worte fassen ließe. Ein Ratgeber, was guter Stil ist, kann natürlich Anhaltspunkte geben, aber wirklich sehr gute Texte entstehen weit entfernt von solchen Leitfäden für die Bedürftigen. Ein eigener Stil und das Sprachgefühl, auf das sich die „native speakers“ diverser Sprachen hier im Forum häufig berufen sind Musterbeispiele impliziten Wissens.
ist das mit deinem satz vereinbar : das impl. Wissen das
Wissen einer Person ist, die der Wissende nicht wörtlich abrufen kann ?
Ja, ich denke schon. Ein guter Text zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er mit benennbaren Stilmitteln von Anapher über Litotes bis Zeugma vollgestopft ist. Sicher kann man auf die Dauer bei der genauen Analyse literarischer Texte bestimmte Informationen über stilistische Vorlieben eines Autors sammeln, aber dass diese allein den ihn charakterisierenden Stil ausmachen, bezweifle ich. Da ist zu viel unterschwelliges, eben implizites Wissen vorhanden.
Beste Grüße!
Christopher
Vögel und Aerodynamik
Hi,
ich würde sagen, Vögel haben kein Wissen(explizit) über Aerodynamik, wissen (implizit) aber hervorragend zu fliegen.
Gruß JS
also ist das explizte Wissen nicht erklärbar, ohne das implizite Wissen aufzuführen (und andersherum) ?
Hallo, lw!
also ist das explizte Wissen nicht erklärbar, ohne das
implizite Wissen aufzuführen (und andersherum) ?
Implizites und explizites Wissen sind einfach zwei verschiedene Paar Schuhe. Wer über etwas explizites Wissen hat, siehe Beatles-Beispiel, muss darüber nicht unbedingt implizites Wissen haben. Wer über etwas implizites Wissen hat, siehe Grammatik-Beispiel, muss darüber nicht unbedingt explizites Wissen haben.
Ideal ist natürlich, beides zu besitzen, wenn auch in vielen Bereichen oder Berufen die Vermittelbarkeit von Wissen nicht im Vordergrund steht. Ein guter Lehrer oder Dozent ohne explizites Wissen ist für mich indes undenkbar.
Gruß!
Christopher