Moin,
„China is different“, wie erfahrene Händler sagen.
Ohne eigene Präsenz in China - oder zumindest einen für dich arbeitenden, zuverlässigen Repräsentanten - ist die Chance hoch, dass du über’s Ohr gehauen wirst. Kontinuierliche Qualität nach unseren Maßstäben - gerade bei Kinderbekleidung ein Muss! - wirst du mit hohem Risiko nicht dauerhaft bekommen wenn du den Leuten vor Ort nicht ausreichend und immer wieder auf die Finger klopfst. Deswegen ist das eher etwas für Hersteller, die im ganz großen Stil einkaufen. Auch wenn dein Unternehmen erfreulich wächst hast du wahrscheinlich nicht die Größe um eine Dependance in China zu errichten, die dafür sorgt, dass hier nur ankommt, was du haben willst.
Nächster Punkt ist der Import. Gerade bei Bekleidung müssen sehr rigorose Bedingungen erfüllt werden, beispielsweise je nach Ware ein Ursprungszeugnis der Industrie- und Handelskammer in China, was zur Verzollung in Deutschland im Original vorliegen muss. Das Ding muss man aber erstmal bekommen…
Dann zu den Kosten: auf Bekleidung zahlst du 12% Zoll, die aber nicht nur auf die Ware entfallen, sondern auch weite Teile der Transportkosten und alle weiteren Positionen wie beispielsweise Shipping & Handling, Versicherungskosten etc.
Dazu wiederum kommt dann die Einfuhrumsatzsteuer von 19% - zu zahlen auf den Warenwert, die vollen Transportkosten, den Zollbetrag (ja, auch der wird nochmal versteuert!) und alle Nebenkosten.
Natürlich lohnt es sich bei großen Importeuren trotzdem, aber der ganze Aufwand ist eigentlich nur dann die Mühe wert wenn das alles eine entsprechende Größenordnung hat.
Darüber hinaus bist du als Importeur sowohl gegenüber den Behörden wie auch gegenüber deinen Kunden in der Pflicht. Stimmt irgendwas nicht, wird man sich an dich halten. Wenn die Chinesen dir beispielsweise Bekleidung, die nicht einfuhrfähig ist (UZ fehlt oder sonst irgendein Problem) in den Container packen hilft dir keinen - auf dem Schaden bleibst du sitzen. Jeder wendet sich an dich - an wen wendest du dich? Die Chinesen interessiert das in der Entfernung dann herzlich wenig…
Wenn du einen - wirklich nachgewiesen - zuverlässigen Fachmann / Agenten an der Hand hast, der dich bei allem an die Hand nimmt - okay, dann kannst du es machen. Ich bezweifele aber, dass es so einfach ist einen solchen zuverlässigen Fachmann zu finden. Außerdem wäre mir als Unternehmer nicht ganz wohl dabei, wenn ein Dritter dieses Gebiet vollständig kontrolliert während ich selber keine Kontrolle habe ob das, was er treibt, in Ordnung ist.
Insofern würde ich an deiner Stelle eher mit den bisherigen Zulieferern reden. Mit steigendem Einkaufsvolumen lassen sich irgendwann bessere Preise realisieren und als zunehmend wichtiger Kunde sollte es möglich sein, Einfluss auf deren Warensortiment zu nehmen - zumindest sollten die sich anhören, was du brauchst und was am Markt geht…
Oder du suchst nach weiteren Einkaufsquellen in Deutschland und Europa… Mit China wäre ich kritisch, solange ich nicht richtig groß mitmischen kann und entsprechende Fachleute vor Ort habe, die das ganze Geschäft im großen Stil überwachen.
Gruß,
MecFleih