Impulsiv und doch nah am Wasser gebaut

Hallo,

in Stresssituationen, in denen mir verbal auf niedrigem Niveau begegnet wird, lasse ich mich auch sehr oft dazu hinreißen auch laut(er) und beleidigend zu werden, auch wenn ich dabei nicht gerade die übelsten Schimpfwörter benutze.

In Stresssituationen, in denen mir verbal auf höherem Niveau begegnet wird, artikuliere ich mich auch souveräner und bleibe ruhig(er).

Allerdings fange ich innerlich an zu zittern. Im ersten Beispiel mehr, als im zweiten. Auch meine Stimme wird flatterig und ich verhaspel mich beim Reden. Das aber nicht immer!

Darüber hinaus könnte ich mich über die kleinste Kleinigkeit aufregen, besonders wenn etwas meine Pläne durchkreuzt oder ich in meiner Ruhe gestört werde. Dann muss ich meinen Frust, meine Wut mit einem Schrei lösen, wobei ich natürlich nicht immer schreien kann. Ich neige dann dazu, in mich zu gehen, abweisend und abwesend und nachdenklich zu werden, ich kaue dabei oft auf der Unterlippe.

Mich stört insbesondere, dass ich heftigen Stresssituationen nicht ruhig bleiben kann und ich dann nicht dem Gegenüber souverän mit Worten Paroli bieten kann, ohne dass ich ausfallend werden muss. Auch nervts mich, dass ich dann nicht genau DIE Argumente, Antworten, … parat habe und „nur“ etwas Mittelmäßiges von mir gebe.

Was mich aber am meisten wundert, teilweise schon fast nervt, ist, dass ich auf der anderen Seite total nah am Wasser gebaut bin. Mir kommts manchmal so vor, als wenn ich in einem Stausee stehen würde. Ich brauche mir nur etwas trauriges oder auch superschönes vorzustellen und ich bekomme feuchte Augen. Bei Dramen, oder bei Sendungen, in denen nur die Liebe zählt, zerreißts mich regelmäßig und muss mich dann abdrehen oder den Raum verlassen.

Was könnte mir helfen?

Was sagt ihr allgemein zu mir?

Bitte um eure Antworten.

Vielen Dank im Voraus.

Schöne Grüße

HI, Arnold,
da sag ich doch ganz spontan: Überaus sympatisch!
Ich heul auch schnell los, sogar im Job, schrecklich - aber ich bin ja inzwischen 46, da ist das nicht mehr niedlich. Und so bleibt mir keine andere Wahl, als dazu zu stehen und anschließend meine Regungen zu artikulieren.
Seit ich „größer“ bin, schrei ich auch nicht mehr rum , hab ich nur als Kind gemacht, hingegen fluche ich ziemlich viel und so richtig aus der Dreckkiste.
Da ich aber eine Dame bin, musste ich mich im Laufe meiner Erziehung natürlich strengeren Benimmregeln unterwerfen, als Männer das mussten (meistens).
Behandle andere so, wie Du behandelt werden möchtest, das ist die einfachste Regel.
liebe Grüße - Anette

Hi Arnold!

Neben dem bekannten IQ gibt es noch einen EQ- den emotionalen Quotienten - und ich kann Dir sagen, dass es hinreichend Frauen und Männer gibt, deren IQ nur noch von ihrem EQ übertroffen wird.
Eigentlich sind Emotionen ja etwas Gutes und sie sind schneller als die Aufnahme und die Verarbeitung von Reizen, wie z.B. Sehen, Hören…
Doch sie machen auch verletzlich, weil sie den Schutzwall, den wohl jeder um sich herum gebaut hat, transparent werden lassen. Wir zeigen Mitgefühl, wir köennen uns in die Situation hinein versetzen, wir vergleichen, sehen uns oder Angehörige in diesen Situationen …wir kennen die gezeigten, beschriebenen Gefühle und dann fließen die Tränen - und ein guter Beobachter erkennt, was uns Angst macht, wo wir besonders angreifbar sind- das wollen wir nicht und wir verteidigen uns. Hier lt. dem Motto wie´in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus - (nur du bist der Wald):

in Stresssituationen, in denen mir verbal auf niedrigem Niveau
begegnet wird, lasse ich mich auch sehr oft dazu hinreißen
auch laut(er) und beleidigend zu werden, auch wenn ich dabei
nicht gerade die übelsten Schimpfwörter benutze.

In Stresssituationen, in denen mir verbal auf höherem Niveau
begegnet wird, artikuliere ich mich auch souveräner und bleibe
ruhig(er).

Allerdings fange ich innerlich an zu zittern. Im ersten
Beispiel mehr, als im zweiten. Auch meine Stimme wird
flatterig und ich verhaspel mich beim Reden. Das aber nicht
immer!

Afregung, Unerfahrenheit

Darüber hinaus könnte ich mich über die kleinste Kleinigkeit
aufregen, besonders wenn etwas meine Pläne durchkreuzt oder
ich in meiner Ruhe gestört werde.

Ist das nicht auch ärgerlich gestört zu werden, wieder von vorn beginnen zu müssen oder umzuorganisieren? Aber eigentlich kommt doch nicht immer etwas Schlechtes dazwischen- gab und gibt es nicht auch Situationen, wo es Dich überhaupt nicht störte, dass Deine Pläne erstmal hinfällig wurden…Was da „störte“ ist willkommen und tut uns gut.

Dann muss ich meinen Frust,
meine Wut mit einem Schrei lösen, wobei ich natürlich nicht
immer schreien kann. Ich neige dann dazu, in mich zu gehen,
abweisend und abwesend und nachdenklich zu werden, ich kaue
dabei oft auf der Unterlippe.

Ich habe mitunter beim Autofahren verbale Ausrutscher, so dass mein Bärchen rote Ohren davon bekommt- neben Wut über … reiner Stressabbau

Mich stört insbesondere, dass ich heftigen Stresssituationen
nicht ruhig bleiben kann und ich dann nicht dem Gegenüber
souverän mit Worten Paroli bieten kann, ohne dass ich
ausfallend werden muss. Auch nervts mich, dass ich dann nicht
genau DIE Argumente, Antworten, … parat habe und „nur“ etwas
Mittelmäßiges von mir gebe.

Auch damit bist Du nicht allein. Oft genug ist der Mund einfach schneller als das Hirn. Verteidigen und Zurückschlagen- manchmal darf man da gar nicht erst so lange überlegen - sondern muss sofort reagieren …
…und hinterher fällt einem dann der richtige Satz ein…so ein Schitt!
Und schon bin ich bei den asiatischen Weisheiten gelandet : der Weg ist das Ziel oder umgekehrt…

Wir werden mit zunehmendem Wissen und Erfahrung besser. Stehen manchmal etwas mehr über der Dingen und lassen uns nicht mehr so leicht provozieren.Vor allem, wenn wir unseren eigenen Wert wissen.

Impulsiv, feinfühlig, angemacht, wütend, traurig…wer so viel in sich vereint, ist wohl kaum unauffällig - keine Graue Maus, sondern eher eine schillernde Persönlichkeit- und kaum langweilig.

Sicher gibts noch Einiges dazu zu sagen, das können nunmehr andere tun. Ich geh jetzt in´s Bett.

Gute Nacht Roxelane

Hallo,

in Stresssituationen, in denen mir verbal auf niedrigem Niveau
begegnet wird, lasse ich mich auch sehr oft dazu hinreißen
auch laut(er) und beleidigend zu werden, auch wenn ich dabei
nicht gerade die übelsten Schimpfwörter benutze.

Mir erscheint, dass du mit einem Verhalten konfrontiert wirst, mit dem du nicht umzugehen vermagst, weil es dir verwehrt ist, dich auf vernünftiger, „erwachsener“ Ebene auseinanderzusetzen. Aus dieser Hilflosigkeit heraus wirst du laut und beleidigend?

Darüber hinaus könnte ich mich über die kleinste Kleinigkeit
aufregen, besonders wenn etwas meine Pläne durchkreuzt oder
ich in meiner Ruhe gestört werde. Dann muss ich meinen Frust,
meine Wut mit einem Schrei lösen, wobei ich natürlich nicht
immer schreien kann. Ich neige dann dazu, in mich zu gehen,

Kennst du das aus deiner Kindheit? Wenn dir sowas passiert, schau doch mal genau hin, warum es dich so nervt. Gelingt es dir nicht, deine Bedürfnisse z.B. nach Ruhe durchzusetzen? Wie fühlst du dich, wenn deine Pläne durchkreuzt werden? Und: ist es immer so oder nur in bestimmten Zusammenhängen, bei bestimmten Personen? Dass du dann in dich gehst statt zu schreien, finde ich sehr gut! Das zeigt doch, dass du in der Lage bist, deine „kindlichen“ Reaktionen zu unterdrücken und so zu reagieren wie es wahrscheinlich nach außen hin auch angemessener ist.
Der Idealfall ist es natürlich nicht, seine Gefühle zu unterdrücken. Ist es dir möglich, in „normalem“ Tonfall zu sagen: „Ich möchte gerade meine Ruhe und es ärgert mich, wenn ich dabei gestört werde“? (o.ä.)- das wäre doch eine Möglichkeit, dich weder aufzuregen noch den Ärger in dich hineinzufressen.

Mich stört insbesondere, dass ich heftigen Stresssituationen
nicht ruhig bleiben kann und ich dann nicht dem Gegenüber
souverän mit Worten Paroli bieten kann, ohne dass ich
ausfallend werden muss.

Dass du kein Paroli in Stresssituationen bieten kannst, finde ich ganz natürlich. Bei Stress sendet der Körper jede Menge Adrenalin aus und unter einem derartigen
Schub kann wohl keiner Paroli bieten…
Da stellt sich mir nicht die Frage, wie du das verändern kannst, sondern eher, wie du mit deinem Stress anders umgehen kannst, so dass du dich nicht mehr so aufregst.

Was mich aber am meisten wundert, teilweise schon fast nervt,
ist, dass ich auf der anderen Seite total nah am Wasser gebaut
bin. Mir kommts manchmal so vor, als wenn ich in einem Stausee
stehen würde.

Hier würde ich raten, mal genau hinzuschauen, welche Ereignisse dich so berühren. Und dann versuchen zu differenzieren, was davon mit dir zu tun hat (spricht „das Traurige“ etwas in dir an, was du kennst? Berührt dich „das Schöne“, weil es eine Sehnsucht in dir auslöst?) und wo Du vielleicht „einfach nur“ ein sensibler Mensch bist.

Was sagt ihr allgemein zu mir?

Du erscheinst mir als vernünftiger, rationaler Mensch, dem es schwer fällt, seine Gefühle/ Emotionen zu akzeptieren. Die Akzeptanz unerwünschter Eigenschaften ist jedoch der erste Schritt auf dem Weg, etwas zu verändern. Deshalb folgende Anregungen: Versuche an deine Verletzungen aus deiner Kindheit heranzukommen. Mache deine (vermeintliche) Schwäche zur Stärke, indem du deine Sensibilität akzeptierst und dich darüber freust, dass dich „die Dinge“ berühren.
Ansonsten finde ich, klingt das ganze sehr sympathisch…
JE