Hi
Das erkläre ich gerne: Der Begriff ist neu und befindet sich
gerade in der Phase inflationärer Beliebtheit, was nicht
einhergeht mit Substanz, Treffsicherheit oder Sinnhaftigkeit.
Ich pass immer auf, dass ich nicht zu sehr in diesen Begriffen denke. Ich muss niemandem Diagnosen verpassen, daher nutze ich die Begriffe nur zum Verständnis des Handlens und Fühlens einer bestimmten Person (oder anderen im Vergleich), manche Handlungsweisen erscheinen in meinem Blickfeld plötzlich gehäuft, und diese Erscheinungen möchte ich mir dann begründen. Mir geht’s also überhaupt nicht um den Begriff.
Ich habe die lokale / regionale Quelle noch nicht ausmachen
können, bin aber im vergangenen Halbjahr erstmals auf mehr
„dissoziale“ als ADHS-Diagnosen gestoßen, wenn es um die
Beurteilung nicht der Norm entsprechender Kinder(!) und
Jungendlicher ging.
Ja, und aus den Kindern werden Erwachsene, bzw. die Kinder werden von „dissozialen“ Erwachsenen erzogen (nutze ich jetzt nur als Schlagwort). D.h. das Problem wird weitergegeben und natürlich betrifft es schon die Kinder und wird nicht erst spät erlernt (im Gegenteil, es wird vieles nicht erlernt, das ist das Problem).
Das ist kein persönlicher Angriff. Allerdings deutet die wenig
differnzierte Art der Verwendung bestimmter Begriffe, und
insbesondere die Gleichsetzung solcher, die sich auf völlig
unterschiedlicher Ebene befinden, dass noch
Verständnispotenzial besteht. Das ist zwar nicht schlimm. Nur
werfe ich die Frage in den Raum, ob es sinnvoll ist, sich
schon über potenzielle Lösungen zu unterhalten, wenn weder das
Problem noch die Ursache auf der Verständnisebene ausreichend
erfasst sind.
Das heißt nicht, dass ich nicht differenziert denke, sondern evtl. für Einige nicht differenziert genug aufschreibe. Ich möchte jedoch nicht, dass in Schubladen gedacht wird, wozu das Benutzen von Begriffen, die in Bezug auf Patienten angewandt werden, nützlich ist. Es geht mir auch nicht um „Patienten“.
Wenn ich Begriffe in einem Satz benutze, heißt das nicht, dass ich sie gleichsetze, sondern nur, dass ich sie verbinde, und man kann auch Begriffe auf verschiedenen Ebenen gut verwenden, um einen Zusammenhang zu erklären. Wenn ein Abschnitt nicht deutlich ist, bitte ich um Nachfrage. Das Verständnis fehlt dann vielleicht auf anderer Seite oder auf beiden- schließlich frage ich ja auch nach, um (weiter-) zu verstehen.
Hat man die Ursache, hat man es auch nicht weit zur Theorie der Problemlösung, ich würde gerne wissen, ob Andere schon so weit gekommen sind- zur Problemlösung. Die Ursache ist mir schon klar, das Problem auch, das Ausmaß nicht ganz, und das Ausmaß des Willens zur Problemlösung auf kollektiver, gesellschaftlicher Ebene (und auf individueller- der Anderen) auch nicht.
Lies mal in Wikipedia nach.
Wieso ich?
Weil es mir erschien, als fragtest Du nach dem Sinn des Begriffs.
Den Unterschied zwischen Impulsivität und Spontaneität kannst
Du Dir vielleicht auch selbst erklären. Ist gerade nicht mein
Thema.
Das ist schade, weil er eine Möglichkeit ist, sich dem, was
Impulsivität ist, wenigstens von einer Seite zu nähern und
sich damit eine taugliche Vorstellung von dem zu machen, was
Impulsivität ist und wann sie pathologisch ist.
Ich teile nicht in pathologisch und physiologisch, sondern in effektiv und ineffektiv. Der Unterschied interessiert mich generell, aber momentan aus diesem Grund gerade nicht, denn mir geht’s um die individuelle Effektivität und die kollektive Effektivität (also Nutzen und Schaden für die Gesellschaft bzw. einzelne gesellschaftliche Gruppen.)
Du hattest das allerdings nicht als deine Meinung
gekennzeichnet, sondern du hast behauptet, dass es „ja“ so
ist, es also als allgemein gültige Tatsache postuliert.
Ja, es ist ja meiner Meinung nach auch so, der vertraue ich mehr als isoliert angeschauten Studien.
Probleme des Einzelnen sind Zusammenstöße mit geschriebenen
und ungeschriebenen Gesetzen, dadurch wenig(er) Erfolg in
zwischenmenschlichen Kontakten und im Beruf (Person kann
weniger gut „eingeplant“ werden). Wenn die Selbstwahrnehmung
und die Benennung der eigenen Bedürfnisse eingeschränkt ist,
ist das Vorgehen (Planung, Handlungskontrolle) weniger
effektiv.
Nun ist es aber so, dass Personen mit dissozialer
Persönlichkeitsstörung häufig gerade keinen Leidensdruck
verspüren.
Nur, weil sie ihr Leiden auf Dauer ausbalancieren können, heißt das nicht, dass sie nicht dadurch beeinträchtigt sind bzw. Andere positiv oder negativ dadurch beeinträchtigt sind. Außerdem ist die Problemlösung sehr schwierig, es gibt keinen vorgezeichneten Weg. Gefängnis, Therapie… der große Gesamtzusammenhang ist anscheinend nicht klar und deswegen wird das Problem nicht an der Wurzel angegangen, bzw. andererseits hilft es Anderen, wenn Einzelne oder Gruppen oder eine ganze Schicht sich zum Affen macht und ausnutzbar ist, sei es als Sündenbock oder durch deren Ohnmacht.
Erfolg im Beruf und in zwischenmenschlichen Kontakten sind
zudem zwei zunächst subjektive Kriterien, abseits
psychologischer Normen.
Sorry, das ist irgendwie nicht hilfreich, denn ich denke nicht so sehr in psychologischen Normen- ansonsten reichte mir das Lesen in Wikipedia aus.
Wir haben also unter Voraussetzung eines in Bezug auf das
quantitative und qualitative Ausmaß auf Gesellschaft und
Betroffene sehr subjektiven Postulats eine missverständliche,
wenig präzise Verwendung diverser Begriffe. Von daher stellt
sich auch die Frage, worüber du überhaupt diskutieren willst.
Über ein Thema, über das anscheinend wenig diskutiert wird. S.o.
Gruß I.