'In' bei Jahresangaben

Schon seit Längerem stößt mir der inflationäre Gebrauch von Wörtchens „in“ auf.

Etwa: „In 2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“
Oder: „Die meisten Autos wurden in 2006 verkauft“.

Meine Vermutung war stets, dass es sich hier um eine Übertragung aus dem Englischen handelt, wo ja tatsächlich ein „in“ einer Jahresangabe vorangestellt wird.

Nur konnte ich bisher dazu nichts finden. Im Gegenteil habe ich sogar auf der Duden-Seite diese Verwendung gefunden.
Kennt sich hier jemand aus?

Gruß - BlaueNuss

Schon seit Längerem stößt mir der inflationäre Gebrauch von
Wörtchens „in“ auf.

Etwa: „In 2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“
Oder: „Die meisten Autos wurden in 2006 verkauft“.

Gruß - BlaueNuss

Hallo,

im Gegensatz wozu siehst du denn den Gebrauch von „in“? Verglichen mit den korrekten Formen „Im Jahr XXXX“ (in the year…) ist es doch viel kürzer und daher von Vorteil, wenn man nicht grade Urkunden schreiben will mit „Im Jahre des Herrn xxxx haben wir beschlossen…“.

Verglichen mit nichts („2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“) finde ich ist „in“ eigentlich die reguläre Form und das Weglassen eine Verkürzung. An „Im Oktober gehen wir in Urlaub“ ist ja auch nichts inflationäres.

Gruss Reinhard

Hallo, BlaueNuss,

ich habe diese Form der Jahresangabe zum ersten Mal in einer Bundestagsrede von Petra Kelly, die ja Halbamrikanerin war, gehört.

Und seither hat sich das augebreitet.

Doch schon der Sprachkritikaster Wustmann kritiesierte vor hundert Jahren diese Form.

Man muss also annehmen, dass diese Kurzform schon seit langem versucht, die deutsche Sprache zu infiltrieren.

Und nunmehr auf Grund der Sprachschwäche der großen Mehrheit der heutigen Deutschen nun endlich eine Chance hat, sich einzudrängen.

Niemals nicht habe ich seit keiner Zeit erlebt, dass Grundregeln der deutschen Sprache so gedankenlos vernachlässigt werden.

Jüngstes Beispiel:

Ein Plaket in einer Backwarenverkaufsstelle. Texr:

**Als ich darauf hinwies, dass man „mittwochs“ als Zeitadverb klein zu schreiben habe, antwortete die Bäckereiwarenverkäuferin mir schnippisch: Nein! Es heißt der Mittwoch! Also auch Mittwochs!

Nun sagt mal was dagegen!

Es gab wohl noch nie soviele Deutsche, denen ihre Sprache so unvertraut und gleichgültig ist, wie den jetzigen Deutschen.

Und nie noch gab es so viele Leute, denen der Hinweis auf ihre Fehler so wurstpiepegal ist, wie den heutigen Deutschen.

's langt doch, wenn d’Leit verstanda, was I moin!

sagte mir ein Wirt, den ich darauf hinwies, dass ein Apostroph in „mittag’s“ völlig unsinnig sei!

Resignierend
Fritz**

Hallo Reinhard,

Verglichen mit nichts („2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“)
finde ich ist „in“ eigentlich die reguläre Form und das
Weglassen eine Verkürzung. An „Im Oktober gehen wir in Urlaub“
ist ja auch nichts inflationäres.

Nein, da wird nichts weggelassen, bei „2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“ ist „2006“ einfach eine Zeitangabe im Akkusativ, genauso wie bei „letztes Jahr“, „letzten August (fuhren wir in Urlaub)“.

Bei „2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“ sieht und hört man den Akkusativ allerdings nicht sieht, weil die Jahreszahl ohne Adjektiv oder Artikel verwendet wird.

http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Sat…

Gruß Gernot

3 „Gefällt mir“

Hi!

's langt doch, wenn d’Leit verstanda, was I moin!

sagte mir ein Wirt, den ich darauf hinwies, dass ein Apostroph
in „mittag’s“ völlig unsinnig sei!

Fritz, Hand aufs Herz, wie reagierst du, wenn dich jemand kritiesiert?

Der eine heuchelt Desinteresse, der andere regt sich auf, selten ist jemand dankbar dafür.

Grüße

Dusan

3 „Gefällt mir“

Etwa: „In 2006 fuhren wir dreimal in Urlaub“
Oder: „Die meisten Autos wurden in 2006 verkauft“.

Meine Vermutung war stets, dass es sich hier um eine
Übertragung aus dem Englischen handelt, wo ja tatsächlich ein
„in“ einer Jahresangabe vorangestellt wird.

Nur konnte ich bisher dazu nichts finden. Im Gegenteil habe
ich sogar auf der Duden-Seite diese Verwendung gefunden.
Kennt sich hier jemand aus?

Wo hast du das auf der Dudenseite gefunden?
Es kommt aus dem Englischen und war bis vor kurzem noch falsch. Bis jetzt wusste ich nicht, dass man es verwenden kann.

Wo hast du das auf der Dudenseite gefunden?
Es kommt aus dem Englischen und war bis vor kurzem noch
falsch. Bis jetzt wusste ich nicht, dass man es verwenden
kann.

Das war nicht auf der Regel-Seite, sondern auf einer Seite, die irgendeinen Vortrag oder so etwas ankündigte. Und ich dachte: „Das gibt’s doch nicht. Machen sogar die das falsch?“
Ich gehe schon davon aus, dass es falsch ist. Hört sich ja wirklich entsetzlich an…

Niemals nicht habe ich seit keiner Zeit erlebt, dass
Grundregeln der deutschen Sprache so gedankenlos
vernachlässigt werden.

Jüngstes Beispiel:

Ein Plaket in einer Backwarenverkaufsstelle. Texr:

Als ich darauf hinwies, dass man „mittwochs“ als Zeitadverb
klein zu schreiben habe, antwortete die
Bäckereiwarenverkäuferin mir schnippisch: Nein! Es heißt der
Mittwoch! Also auch Mittwochs!

Bäcker habe ich schon oft darauf hingewiesen, dass das Plural-S auf keinen Fall mit Apostroph abgetrennt werden darf, dass dies auf für das Genitiv-S gilt und dass das „ß“ nicht immer mit „ss“ ersetzt werden darf.
Die sehr beliebte Antwort (die ich auch schon gehört habe, wenn ich freundlich auf Fehler in den Speisekarten sehr guter Restaurants hingewiesen habe): „Das ist doch eh alles so kompliziert. Seit der Rechtschreibreform weiß doch niemand mehr, was richtig ist“.
Was mich am meisten nervt, ist ja nur, dass die Leute sich für besonders clever halten, die wild Apostrophe einsetzen („mittwoch’s“ ist dabei wirklich das beste Beispiel).

Für das Resultat der wilden Apostrophitis gibt es zumindest das schöne Wort „Deppen-Apostroph“. Ähnlich das „Deppen-Leerzeichen“. Das „Deppen-In“ habe ich aber noch nie gehört und das Problem ist wohl nur wenigen bewusst.
Selbst hier an der Uni verwenden es viele. Hab es letztens auch in einer Schlagzeile des Wirtschaftskuriers gesehen (was nur wieder zeigt, dass dessen Redakteure nicht mal die einfachen Regeln ihres Handwerks verstehen. Im Übrigen ist die sprachliche Qualität diese Zeitung durch kaum etwas zu unterbieten).

Hallo,

im dicken Duden steht dazu:

_ 1}in [mhd., ahd. in, verw. mit lat. in, griech. en = in] :

2. (zeitlich) a) zur Angabe eines Zeitraums, innerhalb dessen etw. geschieht, der Fall ist usw.: in diesem Sommer hat es viel geregnet; (nicht standardspr.; nach engl. Vorbild:smile: in 1999;
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Das heißt dann doch wohl, standardsprachlich ist „in 1999“ nicht korrekt, aber umgangssprachlich kann man es doch verwenden.

Und das ist doch das beklagenswerte, dass sich die Umgangssprache immer mehr von den altehrwürdigen und reformierten Regeln abwendet.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

  1. (zeitlich) a) zur Angabe eines Zeitraums,
    innerhalb dessen etw. geschieht, der Fall ist usw.: in diesem
    Sommer hat es viel geregnet; (nicht standardspr.; nach
    engl. Vorbild:smile: in 1999
    ;
    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001

Und das ist doch das beklagenswerte, dass sich die
Umgangssprache immer mehr von den altehrwürdigen und
reformierten Regeln abwendet.

Also ich höre das schon sehr lange und stoße mich auch schon sehr lange daran, aber weniger in der Umgangssprache als in der Fachsprache von Geschäftsberichten.

Das geht bestimmt schon so, seit ich mich 1986 genötigt sah, anlässlich meiner ersten Steuererklärung einen längeren Briefwechsel mit dem Finanzamt zu führen.

Gruß Gernot