In CAPITAL gelesen - ich hätte es nicht besser

…sagen können.
und das mit den Kosten pro Wählerstimme hab ich hier aus dem WWW.

Nr. 7 / 2002

ein leichter Brandgeruch will in diesem Frühjahr auch nach den letzten Winterstürmen nicht weichen. Oder ist es eher der süßliche Duft von Fäulnis, der sich über der Republik ausbreitet? Insbesondere in den letzten Wochen häufen sich die Indizien, dass ziemlich viel faul ist im Staate D. Und zwar beinahe überall.

Da muss die Staatsanwaltschaft gegen einige Tausend Ärzte wegen des Verdachts der Untreue und Bestechlichkeit ermitteln. Die Herren Doctores sollen sich ihre Verschreibungspräferenz für ein ungewöhnlich teures Präparat durch ungewöhnlich großzügige Zuwendungen des Herstellers haben honorieren lassen - eine in Wahrheit schon seit Jahren gängige Praxis des Gewerbes.

Da muss die regierende Sozialdemokratische Partei Deutschlands kleinlaut eingestehen, dass sie mit Spendengeldem genauso ungeniert und rechtswidrig umgeht wie die Union, vielleicht sogar - jedenfalls in der Kölner Bucht - bestechlich ist. „Es stinkt aus allen Kanälen, die Sickergruben quellen über, und der Gestank dringt vor allem aus dem Parteihaus der SPD“, schrieb die gewiss nicht Unions-nahe Süddeutsche Zeitung".

Da muss auch ein so engagierter und sachkundiger Kanzlerberater wie Professor Rolf Heinze einräumen, dass nur noch wenig geht in Schröders Republik. Selbst das von ihm miterfundene und -empfohlene Bündnis für Arbeit habe nicht viel gebracht. „Deshalb wird es von vielen, die ihm zunächst wohlwollend gegenüberstanden, zunehmend als Teil der deutschen Sklerose betrachtet, als Ausdruck des Verbändestaats, als Kartell organisierter Interessen“.

Ich fürchte, die „vielen“ haben Recht. Deutschland wird längst von bestens ausgestatteten, mit allen Finessen der Mediendemokratie vertrauten, schlagkräftigen Machtkartellen, Lobbyisten und anderen Powerbrokem beherrscht, die nach ihren eigenen „Gesetzen“ handeln. Bei jedem unkonventionellen oder mutigen Gedanken, bei jedem Vorstoß, jedem neuen Lösungsansatz für die - so viel dürfte unstrittig sein - offenkundigen Schieflagen und Verhärtungen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems werden die Haubitzen der organisierten Interessen in Stellung gebracht. Und das reicht dann meist schon.

Sehr schön formuliert Friedrich. Bananenrepublik hätte aber auch gereicht…:frowning:(

Nettes Wochenende