In den Melben

Hallo w-w-w-ler,

kürzlich bin ich auf eine Flurbezeichnung gestoßen, die lautete:

In den Melben.

Es gibt dort in der Nähe zwar auch einen Milbenweg, aber dieser Name scheint jüngeren Datums zu sein. Woher kommt dieses Wort „Melben“ und was hat es zu bedeuten?

Jetzt schon vielen Dank an euch für eure Mühe.

Viele Grüße
Stefan

Hi Stefan,
Ich glaube nicht, daß das deutschen Ursprung hat… möglicherweise slawisch. Reinhold Trautmann ist der Fachmann für slawische Orts-und Flurnamen, schau mal da nach was ähnlich klingendem.
R. Trautmann (1948-56):die Elb-u. Ostseeslawischen Ortsnamen 1-3. Abh. deutsch. Akad. Wiss. .Phil.-hist. Klasse jg 1947 / 4.7; Jg. 1953 / 7.
Hat auch ein alphabetisches Register.
Stephan

die Elb-u. Ostseeslawischen Ortsnamen

Danke für den Versuch, aber das war in einer anderen Gegend.

Viele Grüße
Stefan

Danke für den Versuch, aber das war in einer anderen Gegend.

Hi Stefan,
also wenn es um den Bereich Chemnitz geht: das lag im frühen Mittelalter durchaus im slawischen Kulturkreis, wenn auch eher
im sorbischen (?). Die Elb-und Ostseeslawen nördlich der Sorben haben zwar altpolabische Dialekte gesprochen, dieser ist aber nicht unähnlich den altsorbischen Dialekten, deshalb ist da mit Chance doch was zu holen. Sicher gibts aber auch Koryphäen für sorbische Ortsnamen, die sind mir allerdings unbekannt.
Alte slawische Orts- und Flurbezeichnungen sind natürlich in der deutschen Zeit arg verballhornt worden, dh.: etwas Phantasie ist durchaus erlaubt. Beispiel: bei mir im Lauenburgischen gibts eine Flurbezeichnung Bill Fetz, was möglicherweise auf bielowicz = weiß, weil ehemalige Moorwiese mit Wollgras zurückzuführen ist.

Im Prinzip ists auch immer sinnvoll, bei einem Flurnamen eine Region anzugeben, wo er auftritt.
Viel Glück, Stephan

also wenn es um den Bereich Chemnitz geht:

Nein, da hast Du zwar kombiniert, aber eben falsch.

Im Prinzip ists auch immer sinnvoll, bei einem Flurnamen eine Region anzugeben, wo er auftritt.

Also:

Dort siedelten ursprünglich die Kelten, die im 1. Jahrhundert v. Chr. von den Germanen vertrieben wurden und zwar von den Markomannen und Sweben. Später kamen die Hermunduren, als ein Stamm der Elbgermanen, die dann 531 n. Chr. von Franken und Sachsen vertrieben wurden. Später kamen die Baiern von Osten dazu. Sprachlich gesehen befinden wir uns also an der Nordbairischen Westschranke.
Der slawische Spracheinfluss mag also der geringste sein, den man allenfalls damit begründen könnte, dass Karl der Große Slawen (Wenden) genannt in Ostfranken ansiedeln ließ.

Hilft das weiter bei der Frage, was In den Melben bedeutet?

Viele Grüße
Stefan

Hi, ich habe jetzt doch noch mal kurz bzgl. des Flurnamens nachgesehen. Dabei ergab sich zwar nichts Konkretes, aber:

Alte Literatur weist auf ahd.: malta (Melde = Atriplex) hin, gerade was FN angeht, haben sich die alten Deutungen aber oft als unsicher erwiesen.
Der Ortsname Mülben / Neckar wird auf ahd.: molwen (weich werden, modern) zurückgeführt;
Mehl-, z.B. in Mehlfeld soll sich mitunter über Melep (-awa) auf kelt.:*melinos (=„gelb vom Wasser her“) zurückführen lassen, was in Gewässernamen noch häufiger nachzuweisen ist (Gewässernamen sind allgemein als besonders alt anzusehen) - so zumindestens nach Heinrich Dittmaier, Rhein. Flurnamen, 1956-.
Die übrigen Autoren bringen Mehl- allerdings entweder mit „Mehl“ selbst oder aber mit ahd.: Melch (=Moder) in Verbindung.
Was von diesen Interpretationen zu halten ist, kann ich nicht beurteilen, da wären mal die Sprachwissenschaftler gefragt.
Was den Milbenweg angeht: daß die Leute ihre Straßen nach Ungeziefer benennen, ist wohl eher die Ausnahme, und wenn, dann stehen wohl eher die Flöhe und Läuse als die Milben an erster Stelle. Daher haben beide Namen wohl doch was miteinander zu tun.

Manchmal hilft auch die Topographie des Geländes weiter: handelt es sich um eine (ehemalige?) feuchte Niederung, durfte die Verbindung zu Moder und weich werden eher zutreffen als die Melden, denn die stehen ruderal/segetal, d.h. nährstoffreiche, eher trockene Standorte, beispielsweise Weg- und Ackerränder.

Soviel dazu, viele Grüße,
Stephan

Hallo Stephan,
auf deine Bitte hin:

„Melben“ habe ich noch nie gehört, in keinem Kontext. Ich habe es in keinem mir vorliegenden Lexikon gefunden.

Deinen Hinweis auf „molte, mulda“ und schließlich „Melde“ habe ich bei Kluge auch gefunden. Aber die Veränderung von t oder d zu b ist sehr schwer nachzuvollziehen. Eine Ableitung von „mahlen“ gibt auch nach Kluge keinen Sinn. Ich sehe also darin keine mögliche Erklärung.

Es gibt aber im Oberdeutschen den Namen Melber , der „Mehlhändler“ bedeutet; mit den Nebenformen „Melwer, Mölber, Melbert“.
Im Erzgebirgischen und im Vogtland gibt es Melber als „feiner, trockener Staub“, und wird etymologisch ebenfalls auf Mehl zurückgeführt.

Vielleicht findet man von hier aus einen Übergang zu „in den Melben“. Es müsste dann so etwas wie: „bei den Mühlen“ bedeuten.
Aber dafür gebe ich nicht die Spur einer Gewähr; das müsste ein anderer bestätigen.

Gruß Fritz

Lieber Fritz,

vielen Dank für die prompte Auskunft! Es ist doch naheliegend, in einer solchen Sache mal den Germanisten um Rat zu fragen, oder? Zumal Du ja im Brett ja schon öfter mit etymologischen Herleitungen geglänzt hast. Wenn man Dir auf anderen Gebieten auch alles zutraut, nun: dafür kann ich nichts !

Dein Hinweis auf Melbert und „Mehl“ klingt für mich als Laien jedenfalls sehr überzeugend. „In den Melben“ müßte dann also - analog zu „Im Haempten“ =„in den Hanfen“- wörtlich so etwas wie „in den Mehlen“ heißen. Ob man das auf „Mühlen“ übertragen sollte, da bin ich nicht so sicher… warum heißt die Ecke dann nicht „Bei den Mühlen“ ?
Die Sache mit dem Mehl mag in der wörtlichen Bedeutung auf den ersten Blick nicht so recht Sinn zu machen… .
Vielleicht läßt sich das aber mit einer staubigen Gegend in Verbindung bringen:
Möglicherweise findet sich in dem Bereich ja ein sehr schluffiger Boden. Schluff ist eine Korngröße zwischen Feinsand und Ton, ist naß ein richtiger Matsch, läßt sich aber nach dem Trocknen im Gegensatz zu Ton ganz leicht von den Händen klatschen, und dabei staubt es mächtig. Fühlt sich trocken auch wirklich richtig mehlig an. Schluff hat günstige Eigenschaften bzgl. Wasserhalte-und Luftkapazität, weshalb da auch gerne drauf geackert wird. Handelt es sich um tonarme Schluffe, kann es auf dem Acker bei der Bearbeitung heftig stauben… , Boden ist dabei aber auch sehr erosionsgefährdet. Sehr reine Schluffe finden sich häufig an Unterhängen als akkumuliertes Material , das weiter oben von schluffigen Tonverlagerungsböden erodiert wurde.
Das mal als Idee… vielleicht hat Stefan ja mal Gelegenheit, das nachzuprüfen. Fänd´ ich ganz spannend.

Stephan

eine gute Idee
Lieber Stephan,
das mit dem Schluff leuchtet mir ein.
Aber wie schon gesagt, ich weiß es nicht.
Soll doch ein anderer die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Oder die Kastanien.
Gruß Fritz

vielleicht hat Stefan ja mal Gelegenheit,
das nachzuprüfen. Fänd´ ich ganz spannend.

Ich finde es auch ganz spannend und lese begeistert mit, was ihr hier diskutiert. An der Stelle auch erst mal vielen Dank für eure Mühen.
Jetzt etwas zur Geologie von dem Gebiet „in den Melben“. Die Gegend ist geprägt durch die Keuperzeit. Für uns sind die drei oberen Schichten nicht relevant. Also lassen wir den Burgsandstein und den Stubensandstein weg. Auch der Blasensandstein ist erst in einiger Entfernung auf nahen Hügeln zu finden. Ausschlaggebend ist der Lehm der Lehrbergschichten, die durchsetzt sind mit hereingewehtem Wüstenstaub. (Damals war es also recht trocken. Auch ein paar eiszeitliche Sanddünen gibt es etws weiter weg.
In unmittelbarer Nähe von dem Gebiet „in den Melben“ fließt ein Bach, der allerdings zu klein ist und zu wenig Gefälle aufweist, als dass eine Mühle jemals damit hätte betrieben werden können. Vielleicht ist ja der Name des Baches interessant: Kreuzbach oder Asbach (also der Bach an dem Espen stehen).
Sumpfig oder vermodert ist die Gegend dort nicht. Ich weiß nicht, ob das mal anders war. Bei Gelegenheit werde ich eine Landkarte von 1634 zu Rate ziehen.
Wenn ich näheres weiß, lasse ich es euch auch wissen. Bis dahin lese ich gerne weiter bei euren Diskussionen mit.

Viele Grüße
Stefan

Hi Stephan,
tja bei Keuper werden wir wohl nix mit Schluff… .
Aber mein Professor hat immer gesagt: „Der liebe Gott und Löß sind überall!“
Löß ist ja im Prinzip während der Eiszeit im Periglazialgebiet ausgeblasener Schluff… er liegt wirklich überall, aber nur in weniger geneigten Bereichen dicker. An Mittelgebirgshängen ist er i.A. stark mit Frostschutt und Fließerden vermengt. Obwohl auch da in einer Lage mehr Schluff gibt, ists in so einer Position doch unwahrscheinlich, daß da was staubt, denn diese Lagen sind nicht allzu dick (5-15 dm), zudem stark verlehmt (verwittert). Allerdings kann es in bestimmten Expositionen zu stärkeren Lößanwehungen kommen: bei einer damals aus etwa NO kommenden Windrichtung müßte das der NO-Hang sein.
Das mal als schnellschuß, ich schlag das lieber noch mal nach…

bis dahin, Stephan