Hallo,
ist mir auch schon passiert, und damals war ich nicht alleine, sondern von 4 eingestellten Leuten flogen 3 wieder raus. Das schien in dem Laden aber normal zu sein, wie ich später erfuhr.
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Firmen, die einfach nur neue Mitarbeiter ausnutzen. Man nutzt deren großes Engagement in der Probezeit, wobei man das besondere Engagement oft noch durch befristete Verträge verlängert. Am Ende wird dann doch gekündigt und das war auch vorher schon klar, dass man den neuen Mitarbeiter gar nicht halten will.
Natürlich ist das eine Sauerei, aber so läuft’s inzwischen oftmals. Zu solchen Sauläden paßt dann oft auch dass man schön bis zum Ende der Probezeit bleiben und ranklotzen darf, und passend zum letzten möglichen Termin gehen darf oder dass es freitagsnachmittags um 15 Uhr kurz vor Feierabend heißt „abzüglich des Resturlaubs brauchen Sie ab Montag nicht mehr kommen.“
Ich habe solch eine Geschichte selber erlebt - bei mir war es damals der Paketdienst UPS (sehr interessante Seite zu den Praktiken dieser Firma: http://www.netzwerkit.de/projekte/galeere ), aber habe in letzter Zeit auch von anderen Leuten aus diversen Branchen oft diese immer gleichen Geschichten und Abläufe gehört.
Es gibt hierzulande inzwischen eine ziemliche Hire&fire-Mentalität. Das Blöde daran ist dass andererseits aber immer noch ein riesiges Spektakel gemacht wird bevor man jemanden einstellt. In anderen Ländern wird man schnell gekündigt, aber es wird genauso schnell eingestellt, so dass es wurscht ist weil man sehr schnell und einfach Job oder Arbeitgeber wechseln kann. Hier ist es deswegen schlimmer weil man schnell rausfliegt, aber nicht so leicht reinkommt.
Lange Rede, wenig Sinn: ich verstehe gut dass du geknickt bist, das ist ziemlich normal und geht jedem in dieser Lage so. Wichtig ist dass du dich zum einen sofort beim Arbeitslosenamt meldest um da nicht irgendwelche Ansprüche zu verlieren.
Zum anderen: lass dich nicht unterkriegen! Im Augenblick boomt die Konjunktur und es sollte möglich sein wieder irgendwo unterzukommen.
Ansonsten würde ich das jetzt nicht als Niederlage verstehen. Wenn ein potentieller neuer Arbeitgeber fragt, sagst du einfach wie es war: dass ihr, also du und der alte AG, nicht zusammen gepaßt habt. Keine Schuldeingeständnisse à la „Ich konnte … nicht“, „Ich war zu blöd für…“, „Ich war zu langsam“, oder „Ich konnte mich nicht integrieren“! Sondern einfach: es passte eben nicht.
Mach’ dich nicht schlecht, aber auch den Ex-AG nicht… Beides ist nicht vorteilhaft, wenn man sich bewirbt.
Besser ist: du stellst heraus, was du dabei gelernt hast: es war trotzdem eine interessante und lehrreiche Zeit weil du … gelernt hast, Einblicke in eine andere Branche genommen hast. Irgendwas lernt man immer, du profitierst IMMER! Diese Episode ist also kein Fehler, kein Nachteil, keine Niederlage für dich, sondern hat dir etwas gebracht.
Mach’ einfach aus einer scheinbaren Niederlage einen Sieg, weil eigentlich ist es das! So kannst du selbst aus dieser Sache, die du noch als Niederlage empfindest, Pluspunkte machen, wenn du im nächsten Vorstellungsgespräch sitzt.
Du nimmst Erfahrungen mit, und sogar dass diese Branche nicht deine Sache ist, ist eine Lehre. Dass ihr euch getrennt habt (mußt ja nicht sagen dass dir gekündigt wurde - das wurde nur offiziell so gedreht damit du beim Arbeitslosenamt keine Sperre bekommst…
) ist aus der Erkenntnis entstanden dass ihr nicht zusammen paßtet. Botschaft daraus an den neuen AG: Ala sitzt nicht da und schaut zu wenn es nicht rund läuft, sondern ist bestrebt das Beste aus einer Situation zu machen und reagiert wenn es nötig ist.
Hüte dich auch vor dem sog. „second guessing“! Wenn Du gefragt wirst „Warum waren Sie nur 5 Monate in dieser Firma?“ dann ist es nur die Frage warum du 5 Monate da warst. Die Frage ist nicht gewesen „Warum warst du zu langsam?“ oder „Warum hast du dich nicht integriert?“
Also rechtfertige dich nicht für Dinge, nach denen gar nicht gefragt wurde, und wo du nur eine Kritik heraushörst. Also keine vorrauseilenden Entschuldigungen, die weder gefragt waren noch nötig sind weil es nichts zu entschuldigen gibt, siehe oben: du hast ja mit dem Weggang etwas Positives bezweckt, keine Niederlage eingesteckt.
Von daher: Kopf hoch!
Ich bin heute sehr froh dass ich nicht mehr bei UPS bin, sondern einen wesentlich besseren Arbeitgeber habe. Kein Laden ist so gut, dass man sich nicht verbessern kann! Von daher… früher oder später wirst du diese Kündigung nicht mehr als Niederlage sehen, sondern als Gewinn, der dich weiter gebracht hat! Und so solltest du es auch verkaufen, aber ohne über alten AG herzuziehen.
Alles Gute,
MecFleih