In die Pflicht nehmen!

Zur Situation. Mein Mutter leidet an einer Depressiven Verstimmungen. Sie kann im Alter nun nicht mehr alleine sein. Sie stellt sich vor das ich meine Familie verlassen sollte um mich um Sie zu kümmern. Quasi sie redet mir ein schlechtes Gewissen ein. Obwohl sie im Momment das einforodert was sie mir niemals zugebilligt hat zu geben. ( Bin alleine ohne Eltern aufgewachsen) weil Sie mich nicht wollten. Dennoch habe ich den Kontakt erhalten. Heute rede ich seid ca. 3 Monaten kein Wort mehr mt Ihr bin aber sehr beunruhigt deswegen. Und ich frage mich warum das so ist? Da ich keine Emotionen Ihr gegenüber bestizte. Ich habe heute meine eigene Familie und zwei Kinder. Warum fühle ich mich dann schuldig?

Tara

Hallo Tara!

In unserer Gesellschaft gibt es aus guten Gründen bestimmte Normen, das sind so etwas wie nichtgeschriebene Gesetze, die uns sagen, was wir tun sollten und was nicht. Wir lernen im Laufe unseres Leben durch Kontakt mit anderen Leuten, welche Normen es gibt und was von uns verlangt wird, wenn wir ein „gutes Mitglied der Gesellschaft“ sein wollen. Wenn jemand nicht nach Normen handelt, dann bekommt er/sie es zu spüren. Die eine Seite dieses Spürens sind Gewissensbisse.

Eine Norm sagt uns, daß wir hilfsbedürftigen und kranken Menschen helfen sollen. Eine andere, daß wir Respekt vor älteren Menschen haben sollen. Eine dritte, daß wir uns unseren Eltern gegenüber „anständig“ verhalten sollen. Eines der 10 Gebote des Alten Testaments lautet: „Ehre deinen Vater und deine Mutter …“

In Deinem Fall kommen gleich alle drei Normen zusammen. Besonders, daß es sich um Deine Mutter handelt, setzt Dich einem großen psychischen und sozialen Druck aus. Es wird immer Menschen geben, die Dich verurteilen werden, weil Du Deiner Mutter nicht hilfst, „denn es ist doch Deine Mutter!“

Du hast die Möglichkeit, Deiner Mutter zu verzeihen und ihr zu helfen (das wäre z.B. im Sinne des Christentums). Du kannst aber auch sagen: „Diese Frau hat damals ihre Entscheidung getroffen, als sie mich nicht haben wollte. Diese Frau ist zwar immer noch meine biologische Mutter, aber emotional ist sie es nicht. Deshalb hat sie kein Recht, von mir etwas zu verlangen, was sie mir selbst nicht gegeben hat.“

Die Entscheidung liegt bei Dir. Egal, wie Du Dich entscheidest, ich könnte es verstehen.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Tara…

schau Dir das Verhalten Deiner Mutter mal an:

Sie wollte Dich nicht, deshalb hat sie Dich alleine gelassen.

Genau darum geht sie davon aus, dass Deine Gründe die selben sind, wie ihre. Sie sieht also Dich an ihrer Stelle. Aus ihrer Sicht: Du willst sie nicht, Du lehnst sie ab, Du lässt sie alleine.

Es ist IHR Muster, dass sie zu Deinem machen will.

Dies ist aber alleine IHR Problem. Daran bist Du weder schuld, noch bist Du verantwortlich für sie.

Der wichtigere Punkt ist DEINE Thematik mit dieser Situation.
Möglicherweise verhältst Du Dich ähnlich wie sie - vergleichst ihr damaliges Verhalten mit Deinem heute. Erinnerst Dich an Situationen in denen Du Dich nach ihr gesehnt hast, sie vermisst hast, Dich von ihr verlassen gefühlt hast und hast Angst ihr das selbe „anzutun“ als sie Dir.

Um mit Dir Frieden zu schliessen, musst Du das alte loslassen und damit dem Neuen eine Chance geben.
Frage Dich, wie Du Dir HEUTE das Verhältnis zu Deiner Mutter wünschst.
Nachdem Du den Kontakt gesucht und erhalten hattest, glaube ich Dir das nicht so wirklich, dass Du keinerlei Emotionen für sie hast. Dann wäre es nämlich kein Thema für Dich.
Versuche an Eurer Beziehung zu arbeiten, damit sie passend und bereichernd wird für Dich.
Du kannst Dich natürlich auch gegen den Kontakt zu ihr entscheiden. Wenn Du diesen Weg als richtig empfindest, dann zieh ihn durch. Es ist Deine Entscheidung, egal wie sie ausfällt, ist sie richtig und gut.
Du bist nicht schuld an den Mustern Deiner Mutter. Daran muss sie selbst arbeiten.

Alles Liebe
Tanja

Hallo Tara,

so ganz gefühllos scheinen deine Gedanken an deine Mutter nicht zu sein, auch wenn du Mangel an Zuneigung zu ihr festgestellt hast. Denn da ist sicher noch ein wenig Traurigkeit vorhanden, ein Mangelgefühl ohne eine vertraute Person aufgewachsen zu sein, wie sie andere Kinder in deinem Umfeld hatten. Und jetzt kommt vielleicht Fassungslosigkeit hinzu, weil von dir versorgt werden will. Ist ja beinahe eine Gemeinheit (ein Gefühl von mir, mehr nicht), du suchst den Kontakt zu ihr, um wenigstens eine zweiseitige Beziehung aufzubauen, und sie fordert nur, und hat nichts zu geben - ist es das auch? Denn als Erwachsene braucht man ab und zu Menschen, die durch ihre Standfestigkeit einem in wackeligen Zeiten Halt geben können, was nicht immer die Eltern sein müssen.
Und deine Mutter sucht Halt. Aber warum von dir und nicht von einer anderen Person? Ich frage mich, warum sie dir vertraut oder Vertrauen zeigt? Oder ist ihre Anforderungen eine Provokation?

Wenn du dich ihr gegenüber ausschweigst, kannst du davon ausgehen, dass dich alte Wunden, und du aus dieser Schleife mit dem Mutter-vermissen nie herauskommst.
Du mußt dich dir selbst und deiner Mutter stellen. Es gilt die Kindheitserlebnisse mit dem Fehlen der Mutter zu akzeptieren, und eine realistische Sichtweise zu erlangen, welche Personen für dich heute wichtig sind und dir gut tun, und welchen Personen du Aufmerksamkeit zu welchem Preis schenken willst. Und wenn du diese Entscheidungen getroffen hast, dann teile sie deiner Mutter mit. z.B. „auf einen Kaffee und einen Schwatz komme ich, mehr nicht“. Und dann ist deine Mutter gefragt, wie sie mit dieser Kröte (ihren stillen oder lauten Hoffnungen) umgeht, was nicht mehr dein Problem ist.
Ob du das alleine schaffst oder du dir Hilfe suchst, mußt du halt noch herausfinden.

viele Grüße
grilla

Hallo Oliver,

aus dem Bauch heraus, ohne über Wissen zu verfügen, zweifle ich, ob für Taras zwiespältige Gefühle Zwänge von Normen verantwortlich sind. Darum frage ich hier nach:
Ist es nicht so, dass wir als Kinder erst einmal das Bedürfnis haben, zu einer Familie zu gehören, die sich uns annimmt, die unsere Herkunft darstellt und bestätigt, unserem Sinn für sozialem Tun gerecht wird? Und später erfahren wir von Normen, die sicher auch ihr Gewicht haben. Welcher Einfluß ist wann stärker: der unserer Grundbedürfnisse oder gesellschaftliche Vorgaben und Regeln?

viele Grüße
grilla

score
hey,

Zur Situation. Meine Mutter leidet an einer Depressiven
Verstimmungen. Sie kann im Alter nun nicht mehr alleine sein.

wie hast du das gemessen?
welche eckdaten machen das wahrscheinlich?
welche filter bevorzugst du?

gruß

charter eine jacht.
gib ihr den namen deiner mutter und bete für sie. irgendwann bist du frei.

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Hallo!

Ist es nicht so, dass wir als Kinder erst einmal das Bedürfnis
haben, zu einer Familie zu gehören, die sich uns annimmt,

Ja, so ist es. Neugeborene Menschen sind sehr stark hilfebedürftig und daher auf die Unterstützung von Erwachsenen angewiesen. Zum Beispiel beschreibt die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth die biologischen Hintergründe und erklärt mit diesen die starken emotionalen Beziehungen zwischen Kind und Hauptbezugsperson (die aber nicht die Mutter sein muß!).

[Familie]

die unsere Herkunft darstellt und bestätigt, unserem Sinn für
sozialem Tun gerecht wird?

Na ja, Du stellst Dir eine heile Kinderwelt vor. Eine Vorstellung, die geschichtlich gesehen noch sehr, sehr, sehr jung ist. Dann sprichst Du vom dem Sinn für soziales Tun. Menschen sind soziale Wesen, ja. Doch warum meinst Du, daß es die biologischen Eltern sein MÜSSEN, die eine Familie bilden, in denen unser Sinn für soziales Handeln sich entfalten kann? Es gibt auch leibliche Eltern, die ihre Kinder mißhandeln und sexuell mißbrauchen. Die meisten Täter in diesem Bereich stammen aus dem verwandtschaftlichen Umfeld. Ich kann daher nicht erkennen, daß biologische Eltern zwangsläufig eine positive Entwicklung gewährleisten noch daß nicht-biologische Eltern eine solche Entwicklung zwangsläufig nicht gewährleisten können.

Und später erfahren wir von Normen, die sicher auch ihr Gewicht
haben.

Hier muß ich widersprechen. Wir „erleben“ ab einem sehr frühen Zeitpunkt die Konsequenzen sozialer Normen. Natürlich nicht von Anfang an bewußt. Aber Bewußtsein ist keine Voraussetzung für das Lernen von Verhaltensregeln. Du mußt nicht explizit wissen, was andere von Dir verlangen. Durch Belohnung und Bestrafung wird das Verhalten des Kindes i.a. so modifiziert, daß es ein „gutes Mitglied der Gesellschaft“ wird. Das nennt man Sozialisation.

Welcher Einfluß ist wann stärker: der unserer Grundbedürfnisse oder
gesellschaftliche Vorgaben und Regeln?

Ich weiß zwar nicht, warum diese Frage hier eine entscheidene Rolle spielt, aber ich meine doch, daß Normen aus Werten hervorgehen und Werte mit unseren Grundbedürfnissen korrespondieren.

Heißt: Versuche nicht Gesellschaft und Grundbedürfnisse des Menschen in einen Gegensatz zu bringen. Wenn da ein Gegensatz wäre, dann wären Menschen keine sozialen Wesen. „Gesellschaft“ entspringt einem Grundbedürfnis des Menschen: need for affiliation. Das kannst Du wieder mit Biologie begründen, wenn Du magst.

Mir kam es darauf an, daß Tara Mut zu einer eigenen, IHREN Entscheidung schöpft und sich nicht von diesen Aussagen leiten läßt, die immer mit „Aber es ist doch Deine Mutter!“ enden.

Grüße,

Oliver Walter

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Hallo Oliver,

Ich kann daher
nicht erkennen, daß biologische Eltern zwangsläufig
eine positive Entwicklung gewährleisten noch daß
nicht-biologische Eltern eine solche Entwicklung
zwangsläufig nicht gewährleisten können.

Das ist mir auch klar, dass adoptierte Kinder, wenn sie mit Vater, Mutter und Geschwistern aufwachsen, all die gleichen Hochs und Tiefs wie Kinder mit ihren leiblichen Eltern kennen.
Aber wie verhalten sich Kinder, wenn sie in einer zusammengewürfelten Gruppe (8-20Kinder) mit Erziehern aufwachsen, also nicht wirklich ihre persönliche Bezugsperson wie Eltern haben. Haben sie Mangelgefühle oder gar Mangelerscheinungen?

Welcher Einfluß ist wann stärker: der unserer Grundbedürfnisse oder
gesellschaftliche Vorgaben und Regeln?

Heißt: Versuche nicht Gesellschaft und Grundbedürfnisse des
Menschen in einen Gegensatz zu bringen.

Das war nicht meine Absicht, und das mag an meiner Formulierung gelegen haben, wenn dieser Eindruck entstanden ist.
Ich habe mir nur überlegt, weil du verstärkt auf die gesellschaftlichen Normidee eingegangen bist, dass der genetische Einfluß (das Bedürfnis in einer Familie eingebunden zu sein, also nicht nur körperlich gut versorgt zu sein) stärker ist, als gesellschaftliche Richtlinien, die eine Person von seinem Umfeld erfährt oder wahrnimmt.

Mir kam es darauf an, daß Tara Mut zu einer eigenen, IHREN
Entscheidung schöpft und sich nicht von diesen Aussagen leiten
läßt, die immer mit „Aber es ist doch Deine Mutter!“ enden.

Ein Aufruf, den ich gerne mit unterstütze.

viele Grüße
grilla

Hallo Biggi…

Sie wird was dies angeht Psychologisch betreut. Meine Mutter leidet unter Angstzuständen und hat oft das Gefühl das ihr jemand böses antun will. Also verschlimmert wird dies durch das alleine sein. Aber ich glaube auch die starken Antidepressiva tun da ihr übriges.

Tara

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Biggi…

so ganz gefühllos scheinen deine Gedanken an deine Mutter
nicht zu sein, auch wenn du Mangel an Zuneigung zu ihr
festgestellt hast. Denn da ist sicher noch ein wenig
Traurigkeit vorhanden, ein Mangelgefühl ohne eine vertraute
Person aufgewachsen zu sein, wie sie andere Kinder in deinem
Umfeld hatten.

Natürlich empfinde ich etwas für meine Mutter wenn dies nicht so herüberkam sorry. Nur halte ich schon seid Jahren lockeren Kontakt zu Ihr. Und sie sucht ja auch meine Hilfe. Dann lässt sie es zu das ich versuche Ihr zu helfen. Aber am Ende kommt immer dasselbe heraus. Z.b. das sie das alles nicht wollte. Und kurz darauf geht es von neuem los.:frowning:

Und jetzt kommt vielleicht Fassungslosigkeit

Nein, keine Fassungslosigkeit eher Wut dass ich nie verstanden habe wie jemand für einen Mann seine Kinder weg gibt und nun da der Mann ja nicht mehr lebt mit mir spielt als sei ich ein Gegenstand. Das Ärgert mich. Ich versuche sie nicht zu verurteilen wie Sie ihr Leben gelebt hat. Aber es steht Ihr doch ganz gewiss nicht zu mich um Hilfe zu bitten und mir dann die Türe vor der Nase zu zu schlagen nachdem ich alle Hebel in Bewegung gesetzt habe.

Und deine Mutter sucht Halt. Aber warum von dir und nicht von
einer anderen Person? Ich frage mich, warum sie dir vertraut
oder Vertrauen zeigt? Oder ist ihre Anforderungen eine
Provokation?

Das ist nicht schwer zu erklären weil ich die einzigste bin die sich überhaupt um sie hin und wieder gekümmert hat. Es leben zwar noch 3 Erwachsene Kinder von ihr in der Nähe ( zum Vergleich ich wohne 450 km weit weg) aber denen ist das glaube ich egal.

Ob du das alleine schaffst oder du dir Hilfe suchst, mußt du
halt noch herausfinden.

Das ist ja gerade die Frage. Wie geht man alleine damit um? Natürlich überleg ich hin und wieder… rufe ich Sie an…aber dann denke ich mir wenn es ihr so wichtig ist dann sollte sie den ersten Schritt auf mich zu tun.

liebe gruesse tara

Hallo Oliver!

In unserer Gesellschaft gibt es aus guten Gründen bestimmte
Normen, das sind so etwas wie nichtgeschriebene Gesetze, die
uns sagen, was wir tun sollten und was nicht.

Klar gibt es Normen. Aber im allgemeinen tue ich das was ich für mich verantworten kann. Und lasse mir vor allem keine Normen auferlegen. Von da her glaube ich nicht das es aus einer Norm heraus geschieht.

Wir lernen im

Laufe unseres Leben durch Kontakt mit anderen Leuten, welche
Normen es gibt und was von uns verlangt wird, wenn wir ein
„gutes Mitglied der Gesellschaft“ sein wollen. Wenn jemand
nicht nach Normen handelt, dann bekommt er/sie es zu spüren.
Die eine Seite dieses Spürens sind Gewissensbisse.

Mal lächeln muss. Oliver ein „gutes Mitglied der Gesellschaft“? Von welcher Gesellschaft sprichst Du denn? Mir ist es ziehmlich egal ob ich ein gutes Mitglied irgendeiner Gesellschaft bin oder nicht. Jeder ist auf seine ganz bestimmte Weise einzigartig und sollte sich dies auch erhalten.

Gewissensbisse sind es nicht die ich spüre …wenn ich darüber nachdenke ist es wohl eher Mitleid weil Sie viel zu viel durchmachen musste. Also versuche ich Ihr Verhalten darin zu suchen. Aber dennoch verletzt es mich wie Sie sich mir gegenüber verhält.

liebe gruesse tara

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Hallo Oliver und grilla

Danke Euch beiden erst einmal lieb für die Beiträge.:smile:Es ist für mich sehr wichtig mit verfolgen zu können wie andere die beschriebene Situation anders einschätzen.

Aber wie verhalten sich Kinder, wenn sie in einer
zusammengewürfelten Gruppe (8-20Kinder) mit Erziehern
aufwachsen, also nicht wirklich ihre persönliche Bezugsperson
wie Eltern haben. Haben sie Mangelgefühle oder gar
Mangelerscheinungen?

Grilla, sie verhalten sich oft traurig,ängstlich,bockig oder auch agressiv. Alles habe ich z.b. in der Gruppe mit bekommen in der ich gross geworden bin. Mir selber hat am meisten zugesetzt das ich mich so allein gelassen fühlte. Du exestierst irgendwie und versucht einen Halt zu finden. Findest du Ihn nicht wird man kaum in der Lage sein das Leben in eine andere Schiene zu lenken. Was ich damit sagen will… nur wenige schaffen es wirklich danach ein völlig normales Leben zu bestreiten.
Und ich sage Dir auch warum. Weil man wie Du es Oliver bereits geschrieben hast, in Normen gepresst wird. Man lernt nach diesen zu Leben um nicht noch weniger Freiheit zu besitzten. Wenn man dann entlassen wird. Ist man dann endlich frei und steht nun dennoch wieder alleine da. Niemand hat dir wirklich beigebracht wie man in dieser Welt lebt bzw. überlebt. Und da der natürliche Halt der Eltern fehlt ist es oft nur all zu verständlich das man resigniert und auf die schiefe Bahn gerät.

Mir kam es darauf an, daß Tara Mut zu einer eigenen, IHREN
Entscheidung schöpft und sich nicht von diesen Aussagen leiten
läßt, die immer mit „Aber es ist doch Deine Mutter!“ enden.

Ein Aufruf, den ich gerne mit unterstütze.

Keine Sorge solche Sätze haben bei mir kein Gewicht. Man sagt zwar Mutter oder Vater bleiben es immer ob nun gut oder schlecht, aber dazu gehört auch das man sie als Mutter ansieht…was ich nicht tue. Darum wundert es mich ja warum ich so reagiere. Denn dieses Hin und her wirkt sich ja auch nun auf mein Familienleben aus. Denn ich habe meinen Weg gefunden. Aber es ist mein Weg nicht ihrer.

liebe gruesse tara und danke

Klar gibt es Normen.

Aber sie gelten nicht für Dich?

Gruß,

Oliver

Hallo!

Das ist mir auch klar, dass adoptierte Kinder, wenn sie mit
Vater, Mutter und Geschwistern aufwachsen, all die gleichen
Hochs und Tiefs wie Kinder mit ihren leiblichen Eltern kennen.

Es geht weiter als „Hoch und Tiefs kennen“. Diese Kinder können genau solche emotionalen Beziehungen (aka Bindungen) zu ihren Eltern haben, wie man sie bei den leiblichen Kindern findet.

Aber wie verhalten sich Kinder, wenn sie in einer
zusammengewürfelten Gruppe (8-20Kinder) mit Erziehern
aufwachsen, also nicht wirklich ihre persönliche Bezugsperson
wie Eltern haben. Haben sie Mangelgefühle oder gar
Mangelerscheinungen?

Der Satzteil „also nicht wirklich ihre persönliche Bezugsperson wie Eltern haben“ führt automatisch dazu, daß die Frage „Haben Sie Mangelgefühle oder gar Mangelerscheinungen?“ eine rhetorische wird. Wenn Du den Satzteil aber wegläßt, dann kann ich antworten, daß Kinder in einem Waisenhaus auch die Chance haben, sich psychisch gesund zu entwickeln. Es ist schwieriger, aber nicht unmöglich.

Ich habe mir nur überlegt, weil du verstärkt auf die
gesellschaftlichen Normidee eingegangen bist, dass der
genetische Einfluß (das Bedürfnis in einer Familie eingebunden
zu sein, also nicht nur körperlich gut versorgt zu sein)
stärker ist, als gesellschaftliche Richtlinien, die eine
Person von seinem Umfeld erfährt oder wahrnimmt.

Und ich schrieb, daß sich die Existenz von Normen auf basalster Ebene mit Biologie begründen läßt. Im konkreten Fall können Normen und Bedürfnisse natürlich gegeneinander stehen.

Beispiel: Es kommt schon vor, daß ich hier dem einen oder anderen (besonders den tiefenpsychologisch Verblendeten) doch gern sagen möchte, was er/sie für einen Schwachsinn zusammenschreibt. Aber die Nettiquette … :wink:

Du meinst vielleicht, daß Tara deswegen so empfindet, weil sie ein genetisch determiniertes Bedürfnis nach einer Mutter hat. Wenn sie 3 Monat alt wäre, dann könnte ich mich der Meinung eher anschließen, daß es die Genetik wäre, aber mit Anfang / Mitte 30?

Gruß,

Oliver Walter

Rücksichtslosigkeit, Vampir

Zur Situation. Mein Mutter leidet an einer Depressiven
Verstimmungen. Sie kann im Alter nun nicht mehr alleine sein.
Sie stellt sich vor das ich meine Familie verlassen sollte um
mich um Sie zu kümmern. Quasi sie redet mir ein schlechtes
Gewissen ein.

Hallo Tara,

Deine Mutter ist schlicht und einfach nur rücksichtslos. Weil Du als Kind im Weg warst, hat sie Dich weggegeben, jetzt könnte sie Dich gebrauchen (eher benutzen), auch auf Kosten Deines eigenen Lebensglücks und/oder Deiner Lebensplanung. Und wenn sie Dich dann nicht mehr braucht, bzw. Dich emotional ausgesaugt hat, so dass Du für sie unbrauchbar geworden bist, kannst Du wieder gehen und schauen, wo Du bleibst. Sie benutzt Dich doch nur als Wegwerfartikel. So solltest Du Dich auf keinen Fall behandeln lassen. Lass Dich nicht mittels irgendwelcher Schuldgefühle instrumentalisieren.

Obwohl sie im Momment das einforodert was sie
mir niemals zugebilligt hat zu geben. ( Bin alleine ohne
Eltern aufgewachsen) weil Sie mich nicht wollten. Dennoch habe
ich den Kontakt erhalten. Heute rede ich seid ca. 3 Monaten
kein Wort mehr mt Ihr bin aber sehr beunruhigt deswegen. Und
ich frage mich warum das so ist? Da ich keine Emotionen Ihr
gegenüber bestizte. Ich habe heute meine eigene Familie und
zwei Kinder. Warum fühle ich mich dann schuldig?

Die Schuldgefühle sind eigentlich ganz normal. Wer sowas wie Du erlebt hat, der wird sich oft Zeit seines Lebens fragen, ob er doch nicht selber „schuld“ daran ist, dass einen die Eltern weggegeben haben. Dem kann ich nur sagen: NEIN! Ein Kind ist hilflos den Erwachsenen ausgeliefert, und wenn sie sich nicht um das Kind kümmern, dann laden die Erwachsenen Schuld auf sich. Ich meine, das Kind hat nicht darum gebeten, gezeugt oder geboren zu werden, das liegt ganz allein in der Verantwortung der Eltern. Und lass Dir die Schuld nicht in die Schuhe schieben, weil genau das ist es, sie schieben die Schuld weg von sich auf das eigentliche Opfer ihres Tuns. Das ist eine völlige Verdrehung der Realität, wie Du sie erlebt hast.

Ich habe etwas vergleichbares erlebt. Ich bin als Kind von meiner Mutter mehrmals halbtot geschlagen worden, bevor ich 10 war. Und aufgewachsen mit der Feststellung, dass „Männer Schweine sind“. Obwohl meine Eltern verheiratet waren bis zum Tod meines Vaters, und ich 5 Schwestern hatte. Später, als ich dann Geschaftsführer war, hat sie gerne „Ihren Geschäftsführer“ der aus Siebenbürgen ausgereisten Verwandschaft vorgeführt, nicht ihren Sohn. Spätere Versuche, über ihre Gewalttätigkeiten mit gegenüber zu reden, haben immer mit dem Satz geendet: „Und gerade zuwenig Schläge hast Du gekriegt“. Ich habe daher den Kontakt zu ihr abgebrochen, und ausser einem Höflichkeitsbesuch zu ihrem Geburtstag 1x im Jahr besteht keinerlei Kontakt, nichtmal telefonisch, wobei der Geburtstag hauptsächlich dazu dient, meine Schwestern 1x im Jahr zu sehen. Ich fühle mich in keinster Weise schuldig ihr gegenüber, obwohl sie auch die Schuldschiene fahren will.

Genausowenig wie ich um Misshandlungen gebeten habe, hast Du Deine Mutter darum gebeten, weggegeben zu werden. Warum solltest Du Dich schuldig fühlen? Es gibt keinen Grund!

Liebe Grüße
Michael

Hallo Tara,

Sie wird was dies angeht Psychologisch betreut. Meine Mutter
leidet unter Angstzuständen und hat oft das Gefühl das ihr
jemand böses antun will. Also verschlimmert wird dies durch
das alleine sein.

Sagt sie das so? Was ist für sie besonders schwer überschaubar? Manches vereinfacht sich schon bei visueller Autokonfrontation. Grad wenn die Reaktionsmuster der Gegenüber zur beunruhigenden Rollen-Stereotypie erstarren. Niemand ist ihr so nah wie ihre eigene Mitte.

Fühlt sie sich zerrissen, macht ihr die Nähe anderer manchmal Angst. Manchmal befürchtet sie, andere lieben sie genauso wenig wie sie sich selbst und stellen alles infrage, was sie denkt und fühlt.

Aber ich glaube auch die starken
Antidepressiva tun da ihr übriges.

Antidepressiva mildern den Brechreiz und damit ihren Widerstand. In den Achtzigern gab es Narkosen, die fast nur mit Neuroleptika und Lachgas gefahren wurden. Die Kreislaufreaktionen glichen denen mit Opiaten weitgehend.

Gruß

Tara

Christine