-in in Freund(in) lexikalisches od. gramm.Merkmal?

Ich habe eine Frage, deren Beantwortung auf den ersten Blick ziemlich leicht zu scheint (vielleicht sogar auf den zweiten Blick?)Kurze Einleitung meines Problems:
Das morphologische System von Sprachen ist doch in zwei Bereiche geliedert-den lexikalischen und den grammatischen.
Als lexikalische Morpheme bezeichnet man (so das Lehrbuch) "die Morpheme, die die eigentliche Wortbedeutung ausmachen, also z.B. Verbstaemme wie
-spiel in dem Wort spielen. Ein grammatisches Morphem waere demnach hier die Endung -en oder oder z.B. die Tempusendung -te in dem Wort spiel-te.
Nun meine Frage: Wie sieht es mit der Endung -in z.B. in dem Wort Freund-in aus? Ist das jetzt auch ein lexikalisches oder nur grammatisches Merkmal?
Die Endung -in weisst doch auf eine weibliche Person hin und eine Definition für lexikalische Morpheme ist, dass auf „Elemente und Sachverhalte hingewiesen wird, die in der aussersprachlichen Realitaet existieren.“
Das klingt irgenwie so, als ob das Morphem -in eher ein lexikalisches Morphem ist. Oder bin ich auf dem Holzweg?
Ueber eine Antwort freut sich
M.

Hallo Marcela,

Das morphologische System von Sprachen ist doch in zwei
Bereiche geliedert-den lexikalischen und den grammatischen.

Ich habe hier eine etwas kompliziertere Gliederung, aber im Grunde stimmt’s.

Als lexikalische Morpheme bezeichnet man (so das Lehrbuch)
"die Morpheme, die die eigentliche Wortbedeutung ausmachen,
also z.B. Verbstaemme wie
-spiel in dem Wort spielen. Ein grammatisches Morphem waere
demnach hier die Endung -en oder oder z.B. die Tempusendung
-te in dem Wort spiel-te.

Diese Tempusendungen werden auch Flexionsmorpheme genannt.

Nun meine Frage: Wie sieht es mit der Endung -in z.B. in dem
Wort Freund-in aus? Ist das jetzt auch ein lexikalisches oder
nur grammatisches Merkmal?
Die Endung -in weisst doch auf eine weibliche Person hin und
eine Definition für lexikalische Morpheme ist, dass auf
„Elemente und Sachverhalte hingewiesen wird, die in der
aussersprachlichen Realitaet existieren.“
Das klingt irgenwie so, als ob das Morphem -in eher ein
lexikalisches Morphem ist. Oder bin ich auf dem Holzweg?

Leider - Holzweg!
Ein lexikalisches Morphem (auch Grundmorphem genannt) muss eine konkrete Bedeutung haben, die in einem Wörterbuch aufzufinden ist.
„in“ ist als Adverb ein lexikalisches Morphem, als geschlechtsbestimmende Endung kann es nur ein grammatisches sein, und zwar - wenn ich das richtig verstehe - ein Derivationsmorphem.

Bye
Barney

Hallo, Barney!

„in“ ist als Adverb ein lexikalisches Morphem, als
geschlechtsbestimmende Endung kann es nur ein grammatisches
sein, und zwar - wenn ich das richtig verstehe - ein
Derivationsmorphem.

Ich denke, darueber kann man sich streiten. Schliesslich gibt es ja nicht DIE Systematik der Morpheme im Deutschen. Man kann wohl genauso begruendet dafuer argumentieren, „-in“ als lexikalisches Morphem einzuordnen, je nachdem, wo man die Grenze zieht.

Aber eine andere Frage: Wie und wann kann denn „in“ ein Adverb sein? Doch wohl eine Praeposition (und damit z.B. Bestandteil einer Adverbialkonstruktion)?

Gruesse,
Vlado

Hallo! Schon mal danke fuer die ersten(?) Reaktionen auf meine Frage. Offensichtlich scheint es verschiedene Interpretationsmoeglichkeiten zu geben. Habe mich gefreut, dass Ihr auf meinen Frage eingegangen seid, obwohl sie ja doch recht speziell war.(Nach meiner Erfahrung werden solche Fragen nicht all’ zu gerne beantwortet. Umso netter von Euch.(Ja,ich hoere ja schon mit der „Schleimerei“ auf :smile:-Liebe Gruesse
M.

Hallo, Barney!

„in“ ist als Adverb ein lexikalisches Morphem, als
geschlechtsbestimmende Endung kann es nur ein grammatisches
sein, und zwar - wenn ich das richtig verstehe - ein
Derivationsmorphem.

Ich denke, darueber kann man sich streiten. Schliesslich gibt
es ja nicht DIE Systematik der Morpheme im Deutschen. Man kann
wohl genauso begruendet dafuer argumentieren, „-in“ als
lexikalisches Morphem einzuordnen, je nachdem, wo man die
Grenze zieht.

Da die Nachsilbe „-in“ für sich allein keine Bedeutung trägt, kann sie mE kein lexikalisches Morphem sein.

Aber eine andere Frage: Wie und wann kann denn „in“ ein Adverb
sein? Doch wohl eine Praeposition (und damit z.B. Bestandteil
einer Adverbialkonstruktion)?

Ja, da hast Du allerdings recht, mea culpa.

Bye
Barney

Hallo Barney (und andere Wissende)!
Ich muss jetzt einfach noch mal etwas in den Raum werfen, weil mir die ganze Sache immer noch nicht klar ist.
Das Morphem -zer in dem Wort ‚zerbrechen‘ soll nach einem Lehrbuch von Wunderlich auch ein lexikalisches Morphem sein, weil es die Bedeutung von ‚auseinander‘ hat. Wieso um alles in der Welt ist dann das Movierungssuffix -in z.B. in dem Wort Freundin eine grammatische Kategorie, wenn es lediglich das aussersprachlich basierte natuerliche Geschlecht (Sexus NICHT Genus) anzeigt, also die Bedeutung von ‚weiblich‘ hat?? Die Frage ist keineswegs provokativ gemeint. Ich verstehe es einfach nicht. Oder mir ist einfach die Unterteilung in Genus (grammatische Kategorie) und Sexus (semantische Kategorie) nicht klar. Ich glaubte eigentlich zumindest DAS kapiert zu haben.
Liebe Gruesse
Marcela

Hallo Marcela,

ich kann nurmehr zitieren:
Am Beispiel „heb-t“:
„„Der erste Teil des Wortes, „heb“, trägt eine konkrete Bedeutung, die in der herkömmlichen Sprachbeschreibung im Wörterbuch aufzufinden ist. Morpheme dieser Art nennt man deshalb lexikalische (wortfähige) Morpheme (Grundmorpheme). Sie heißen in der traditionellen Grammatik „Wurzeln“ oder „Stämme“.““

Durch die Verbindung des Grundmorphems mit Flexionsmorphemen werden die grammatischen Formen gebildet.
Flexionsmorpheme und Derivationsmorpheme sind grammatische Morpheme.
Nun sehe ich nicht, wieso „zer“ ein Stamm oder eine Wurzel sein soll, also auch nicht, wieso es als lexikalisches Morphem bezeichnet wird.
Die sexus- (und in diesem Falle auch Genus-)bildende Nachsilbe -in wird in meinem Buch nicht gesondert definiert. Ich ziehe nur Schlüsse.
Die Nachsilbe -er in „Heber“ drückt aus, daß es um eine handelnde Person geht, und ist ein Derivationsmorphem. Analog dazu sehe ich -in als geschlechtsbestimmende Nachsilbe.

Aber vielleichrt ist auch in der Sprachwissenschaft nicht alles logisch.

Bye
Barney

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Hallo Marcela,

ich kann nurmehr zitieren:
Am Beispiel „heb-t“:
„„Der erste Teil des Wortes, „heb“, trägt eine konkrete
Bedeutung, die in der herkömmlichen Sprachbeschreibung im
Wörterbuch aufzufinden ist. Morpheme dieser Art nennt man
deshalb lexikalische (wortfähige) Morpheme (Grundmorpheme).
Sie heißen in der traditionellen Grammatik „Wurzeln“ oder
„Stämme“.““

Durch die Verbindung des Grundmorphems mit Flexionsmorphemen
werden die grammatischen Formen gebildet.
Flexionsmorpheme und Derivationsmorpheme sind grammatische
Morpheme.
Nun sehe ich nicht, wieso „zer“ ein Stamm oder eine Wurzel
sein soll, also auch nicht, wieso es als lexikalisches Morphem
bezeichnet wird.
Die sexus- (und in diesem Falle auch Genus-)bildende Nachsilbe
-in wird in meinem Buch nicht gesondert definiert. Ich ziehe
nur Schlüsse.
Die Nachsilbe -er in „Heber“ drückt aus, daß es um eine
handelnde Person geht, und ist ein Derivationsmorphem. Analog
dazu sehe ich -in als geschlechtsbestimmende Nachsilbe.

Aber vielleichrt ist auch in der Sprachwissenschaft nicht
alles logisch.

Bye
Barney

Hallo Barney!

Jetzt habe ich Dich aber lange genug mit diesem Thema gequaelt. Herzlichen Dank noch mal fuer Deine Muehe. Du hast wahrscheinlich Recht: in der Sprachwissenschaft scheint nicht alles logisch zu sein. Deine Ausfuehrungen haben mir dennoch weitergeholfen. Ist nicht gerade das einfachste Thema, was ich mir fuer die Pruefung ausgesucht habe. Danke auch noch mal fuer den ‚Kindergarten‘-Tipp oben. Ist das nicht merkwuerdig, dass es erst KindergaertnerINNEN gab, obwohl die Bezeichnungen eine movierte Form von dem maskulinen ‚Kindergaertner‘ ist. Diesen Beruf scheint es aber de facto nie gegeben zu haben. Warum sonst heissen maennliche Kindergaertnerinnen auch Erzieher anstatt Kindergaertner?! Also danke noch mal (und mach’ ruhig auch mal mit Emiliy einen Spaziergang durch London. Wird Dir sicher gefallen.)
Tschuess
Marcela