Hallo, liebe Wissenden,
ein Unwissender gruesst euch.
Ich stehe im Konflikt zur richtigen Nutzung des Konjunktivs.
Dabei handelt es sich um folgenden Satz:
„Niedergeschlagen schien er, weil seine geliebte Freundin ausgezogen sei.“
„sei“ impliziert meiner Meinung nach die Wiedergabe einer indirekten Rede und muss im Konjunktiv und nicht im Indikativ stehen, um die indirekte Rede als solche kenntlich zu machen. Ist die Annahme korrekt oder bin ich voellig auf dem Holzweg?
Jede Antwort zu diesem Thema waere mir eine grosse Hilfe.
Vielen Dank im Voraus
Kennedy
Hallo, lieber Kennedy!
„Niedergeschlagen schien er, weil seine geliebte Freundin ausgezogen sei.“
Also ich schriebe hier:
„Niedergeschlagen schien er, weil seine Freundin ausgezogen war.“
So wie dieser Satz hier steht ist er nicht als indirekte Rede gekennzeichnet; es sei denn, du meinst, dass der kausale Nebensatz eine solche sei.
Es müsste in der indirekten Rede etwa heißen:
Seine Freunde sagten, niedergeschlagen sei er, weil seine Freundin ausgezogen sei.
Gruß Fritz
Servus, Fritz,
vielen Dank fuer deine Erlaeuterung am fruehen Morgen. Wenn ich nochmal vorsichtig deine Expertise beanspruchen duerfte:
Waere der Beispielsatz grammatisch falsch oder ist es primaer eine stilistische Frage?
Ich bin so dreist und haenge noch eine Frage an, die ebenso den Konjunktiv betrifft, der in sogenannten Wunschsaetzen appliziert wird.
Gegeben sei folgender Satz:
„Ich hoffe, dass sie wohlauf sei.“
Dummfug oder zumindest grammatisch korrekt, wenn auch semantisch unsauber?
Wie immer bedanke ich mich fuer aufklaerende Beitraege.
Beste Gruesse
Kennedy
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bei deinem ersten satz entscheidet das „sei“[konjunktiv 1] und das „war“[indikativ] ueber den sinn des satzes. er hat also 2 moegliche deutungen.
Gegeben sei folgender Satz:
„Ich hoffe, dass sie wohlauf sei.“
das ist bedingt moeglich.
nur, wenn hoffe konjunktiv 1 ist. das verhaelt sich aber genauso wie folgender satz.
ich erklaerte ihm,
ich renne so schnell, dass meine oma schon vom zuschauen gestuerzt sei. grammatikalisch korrekt, aber
wenn sich konjunktiv 1 mit dem indikativ deckt, ersetzt man ihn durch die form des konjunktiv 2.
ich erklaerte ihm,
ich waere so schnell gerannt, dass meine oma schon vom zuschauen gestuerzt sei.
er erzaehlte mir,
er hoffte[wuerde hoffen], sie sei wohlauf
es handelt sich um ein geschehen in der vergangenheit, welches eine folge in der vergangenheit hatte. der, du dessen ohren es dringt, hat es jedoch nicht miterlebt.
er erzaehlte mir,
er jogge/joggt/joggte so schnell, dass sie gestuerzt sei
bedeutet: normalerweise rennt er immer so schnell, dass sie, als sie an diesem tag mit ihm joggte, stuerzte. es wird also von etwas in der vergangenheit gesprochen.
mfg:smile:
rene
„Niedergeschlagen schien er, weil seine geliebte Freundin ausgezogen sei.“
Also ich schriebe hier:
„Niedergeschlagen schien er, weil seine Freundin ausgezogen
war.“
Hallo miteinander,
für den zweiten Satz ist alles klar:
Der Erzähler kennt den Grund der Niedergeschlagenheit und teilt ihn mit.
Komplizierter verhält es sich beim ersten Satz:
Der Erzähler weiß von der Niedergeschlagenheit, den Grund kennt er aber nur aus einer Mitteilung (ohne dass dies als indirekte Rede gekennzeichnet wäre - wenn der Konjunktiv nicht wäre!)
D. h. doch wohl: In dem schlichten Satz wechselt die Erzählperspektive - vom auktorialen zum personalen Erzähler?
Gruß!
H.
Indirekte Rede: Artenschutz für den Konjunktiv!
Das Problem ist erst in zweiter Linie die Konjugation von Konjunktiv
I und II in Zitaten (indirekte Rede).
In erster Linie geht es darum, dass der Konjunktiv leider eine
aussterbende Modalform ist. Die Wilderer sind unsere halbgebildeten
Fernsehschwätzer, die ihr miserables Deutsch ungehindert verbreiten
können. Sie verwenden in der indirekten Rede generell den unsinnigen
Indikativ.
Der Artenschutz müsste zum Beispiel damit beginnen, den Konjunktiv in
allen Zitaten - schriftlich wie mündlich - konsequent anzuwenden.
Direkte Rede
Er sagt: „Ich schwimme zu dir, sobald ich schwimmen kann.“
Indirekte Rede (Zitat)
Er sagt, er schwimme (Konjunktiv I)zu dir, sobald er schwimmen könne.
Direkte Rede
Er sagte: „Ich schwimme zu dir, sobald ich schwimmen kann.“
Indirekte Rede (Zitat)
Er sagte, er schwömme (Konjunktiv II) zu dir, sobald er schwimmen
könne.
Er sagte, er würde zu dir schwimmen (Konjunktiv II mit ‚würde‘),
sobald er schwimmen könne.
Sehr komplex das alles; danke an alle Schreiber!
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