Indirekte Rede von 1. in 3.Person

Hi!

Gestern abend war ich in eine kleine Diskussion verstrickt, wie aus einer direkten Rede in der 1.Person eine indirekte Rede in der 3.Person gebildet wird. Leider kamen wir zu keinem klaren Ergebnis, daher: Fachleute vor! :wink:

Der Satz lautet als direkte Rede 1.Person Präsens:
„Ab jetzt muss ich wohl besser aufpassen.“

Dieser Satz soll jetzt in einer Erzählung erscheinen, die durchgehend im Präteritum (Imperfekt) steht. Außerdem ist der Satz in die indirekte Rede und in die 3.Person Singular zu bringen.

Die Diskussion führte zu zwei Ergebnissen:

  1. „Ab jetzt müsste er wohl besser aufpassen.“

und

  1. „Ab jetzt musste er wohl besser aufpassen.“

Begründung für 1:
Indirekte Rede steht in der Konjunktivform

Begründung für 2:
Aufgrund des Satzinhaltes wird ein Imperativ verlangt.

Welche Gruppe hat recht?

Grüße
Heinrich

weitere Variante
Hi,

ich bin kein Experte… habe aber einen Vorschlag:

„Ab jetzt muss ich wohl besser aufpassen.“

Er sagte, er müsse jetzt wohl besser aufpassen.

Konjunktiv „müsse“

Wir hatten einen strengen Grammatiklehrer in der 4. Klasse. Bin gespannt, was die Experten sagen.

Viele Grüße
Cirwalda

Ausführiche Behandlung
Liebe Cirwalda,

du brauchst dein Licht nicht unter den Schemel, ähh Scheffel stellen! :wink:

ich bin kein Experte… habe aber einen Vorschlag:

Und der ist richtig!

„Ab jetzt muss ich wohl besser aufpassen.“

Er sagte, er müsse jetzt wohl besser aufpassen.

Das ist die einzig richtige Formulierung im Konjunktiv I bzw. in der indirekten Rede.

Der Satz lautet als direkte Rede 1.Person Präsens:

„Ab jetzt muss ich wohl besser aufpassen.“

Aber nur zur Ausgangsfrage von Heinrich.

Dieser Satz soll jetzt in einer Erzählung erscheinen, die durchgehend im Präteritum (Imperfekt) steht. Außerdem ist der Satz in die indirekte Rede und in die 3.Person Singular zu bringen.

Die Diskussion führte zu zwei Ergebnissen:

  1. „Ab jetzt müsste er wohl besser aufpassen.“

Das ist Konjunktiv II, der eine irreale Bedeutung hat und nur manchmal, bei Formgleichheit des Konjunktiv I mit dem Indikatív Präsens, als Ersatzform verwendet wird.

und
2. „Ab jetzt musste er wohl besser aufpassen.“

Das ist das Präteritum!

Begründung für 1:
Indirekte Rede steht in der Konjunktivform

Die Begründung ist richtig, aber es wurde nicht beachtet, dass wir zwei Konjunktive haben.

Begründung für 2:
Aufgrund des Satzinhaltes wird ein Imperativ verlangt.

Du meinst wohl „Imperfekt“? Imperfekt und Präteritum sind nur verschiedene Begriffe für dieselbe Sache, wie du oben andeutetest, obwohl man da feine Unterschiede machen kann. Imperativ ist die Befehlsform!

Es gibt zwear in der indirekten Rede den Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit, aber Begriffe wie Imperfekt oder Perfekt oder gar Plumpsquamperfekt haben da nichts verloren.

Die direkte Rede in umstrittenen Satz steht im Präsens, also muss Konjunktiv I der Gegenwart genommen werden und die hat Cirwalda richtig genannt.

Stünde der Satz in einer Vergangenheitszeit, so hieße der Satz in der indirekten Rede:

„Er sagte, er habe von da an besser aufpassen müssen.“

Ich hoffe, dass ich die Verwirrung nicht noch vergrößert habe. Das geschieht stets, wenn man über den Konjunktiv I redet, den man entweder ganz oder gar nicht versteht. Ein bisschen Konjunktiv ist so unmöglich wie ein bisschen schwanger! :wink:

Gruß Fritz

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Hallo Fritz!

Die direkte Rede in umstrittenen Satz steht im Präsens, also
muss Konjunktiv I der Gegenwart genommen werden und die hat
Cirwalda richtig genannt.

Stünde der Satz in einer Vergangenheitszeit, so hieße der Satz
in der indirekten Rede:

„Er sagte, er habe von da an besser aufpassen müssen.“

Ich hoffe, dass ich die Verwirrung nicht noch vergrößert habe.
Das geschieht stets, wenn man über den Konjunktiv I redet, den
man entweder ganz oder gar nicht versteht. Ein bisschen
Konjunktiv ist so unmöglich wie ein bisschen schwanger! :wink:

Gruß Fritz

Vielleicht ist der Sachverhalt von mir nicht sauber dargestellt worden. Ich stelle daher mal ein paar Zeile mehr vom betroffenen Text ein (es handelt sich das Ende eines kurzen Krimis):

Die Polizisten führten Rolf ab. Der Dieb war gefasst.

Karl blinzelte. „Wer den Schmuck gestohlen hat, wissen wir jetzt. Aber wer hat das Geld geklaut?“.

Paul sah auf seine Hände. Ab jetzt musste er besser aufpassen.

Der Kurzkrimi wird im Präteritum aus der Sicht Pauls erzählt. Ich selbst hätte als letzten Satz „Ab jetzt würde er besser aufpassen müssen“ gewählt, allerdings fühlt sich der Verfasser (das bin nicht ich!) des Krimis mit dem „würde“ recht unglücklich und will es durch „musste“ bzw. „müsste“ vermeiden - auch weil ein „würde“ den Inhalt des Satzes „weich machen würde“ (so die Aussage des Autors) statt einer klaren Aufforderung durch „musste“ oder „müsste“.

Da es sich bei dem Satz um einen inneren Monolog (Gedanken) Pauls in Form der indirekten Rede handelt - zudem im Präteritum -, sind wir gestern abend über die Diskussion „musste“/„müsste“ zu keiner Lösung gekommen. Gibt es überhaupt eine ohne „würde“?

Grüße
Heinrich

Hallo, Heinrich!

Wenn dem so ist:

Vielleicht ist der Sachverhalt von mir nicht sauber
dargestellt worden. Ich stelle daher mal ein paar Zeile mehr
vom betroffenen Text ein (es handelt sich das Ende eines
kurzen Krimis):

Diese Erweiterung des Zitats bringt nichts Neues.

Die Polizisten führten Rolf ab. Der Dieb war gefasst.

Karl blinzelte. „Wer den Schmuck gestohlen hat, wissen wir
jetzt. Aber wer hat das Geld geklaut?“.

Paul sah auf seine Hände. Ab jetzt musste er besser aufpassen.

So ist der Text voll und ganz in Ordnung. Hier muss keine indirekte Rede mit Konjunktiv I stehen.

Da es sich bei dem Satz um einen inneren Monolog (Gedanken)
Pauls in Form der indirekten Rede handelt - zudem im
Präteritum -, sind wir gestern abend über die Diskussion
„musste“/„müsste“ zu keiner Lösung gekommen.

Ein „innerer Monolog“ erfordert keine indirekte Rede, vielmehr kann er genauso berichtet bzw. geschrieben werden, wie die Gedanken „wörtlich“ im Kopf ablaufen. Schau dir das berühmteste Beispiel an: das Schlusskapitel von Joyce’s Ulysses!

Gibt es überhaupt
eine ohne „würde“?

Na klar, die hat doch Cirwalda schon genannt und ich habs nochmals erklärt. Die Form mit „würde“ + Infinitiv wird nur dann verwendet in der indirekten Rede, wenn die Form des Kojunktiv II

  • die schon Ersatzform für den Konjunktiv I ist, wenn diese identisch ist mit dem Indikativ Präsens -

identisch ist mit dem Präteritum. Und dies ist bei allen regelmäßigen Verben so. Daher gibt es die „echte“ Form des Konjunktiv II eben nur noch bei unregelmäßigen (starken) Verben.

Beispiele: nähme, flöge, trüge, liefe etc.

aber: würde lernen, würde sagen, würde tanzen etc.

Der Kurzkrimi wird im Präteritum aus der Sicht Pauls erzählt.
Ich selbst hätte als letzten Satz „Ab jetzt würde er besser
aufpassen müssen“ gewählt,

Es ist nicht üblich, bei den Modalverben die Ersatzform mit „würde“ zu benutzen! Daher hat der Verfasser Recht, wenn er sich ünglücklich fühlt

mit dem „würde“ und will es durch „musste“ bzw. „müsste“ vermeiden

  • auch weil ein „würde“ den Inhalt des Satzes „weich machen
    würde“ (so die Aussage des Autors) statt einer klaren
    Aufforderung durch „musste“ oder „müsste“.

Ein solcher Ersatz ist nicht nötig, da ein innerer Monolog nicht die indirekte Rede erfordert. Wenn der Verfasser sie aber partout haben will, so hat Cirwaldea schon bei der ersten Antwort die richtige Lösung angegeben.

Gruß Fritz

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