Hallo,
warum war eigentlich gerade England das Ursprungsland der Industrialisierung? Und was war in England Ende des 18. Jahrhunderts anders?
Gibt es da vielleicht irgendeine schlaue Seite im Internet?
Danke schonmal,
Annan
Hallo,
warum war eigentlich gerade England das Ursprungsland der Industrialisierung? Und was war in England Ende des 18. Jahrhunderts anders?
Gibt es da vielleicht irgendeine schlaue Seite im Internet?
Danke schonmal,
Annan
Hallo Anna,
warum war eigentlich gerade England das Ursprungsland der
Industrialisierung? Und was war in England Ende des 18.
Jahrhunderts anders?
lang lang ist’s her, dass ich mich damit mal beschäftigt habe, aber wenn mich nicht alles täuscht hängt es sehr stark zusammen mit der Geschichte der Dampfmaschinen. Und diese wurden in England quasi erfunden und gelangten nach Deutschland z.B. erst einige Jahrzehnte später.
Gibt es da vielleicht irgendeine schlaue Seite im Internet?
Versuch es mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfmaschine
Übrigens sind auf http://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung auch noch ein paar andere Gründe genannt (kein Zunftzwang etc.)
Gruß,
Claus
Hallo!
Gründe für england ist die religiöse Lehre des Calvinismus („Gott hat dich lieb, wenn man Geld verdient“, „Man soll sich nicht auf seinem Reichtum ausruhen, sondern wieder neu investieren, um noch reicher zu werden => man ist noch beliebter bei Gott“)=> Ansporn für Erfindungen=> Liberalismus, England war ein zusammenhängender Staat mit keinen innerterritorialen Zollschranken, man hatte viele Rohstoffe, z.B. für Eisenverhüttung, man hatte Häfen und keine allzulangen Transportwege zu den Häfen um seine Güter zu verschiffen, man hatte schön feuchtes Klima, durch welches man Baumwolle verarbeiten konnte (bei zu geringer Luftfeuchtigkeit wären die Fasern gebrochen). Zudem war England seit jeher ein sehr liberales Land. Während in anderen Ländern das Bürgertum keinerlei mitspracherecht hatten, gab’s dort meines Wissens nach schon die „konstitutionelle Monarchie“, der Liberalismus hatte wie schon bei jemand anderen erwähnt die Gewerbefreiheit zur Folge, während bei uns noch der Zunftzwang herrschte.
Ich hoffe, dir sind die Zusammenhänge etwas klarer geworden!
Grüße
Regina
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Servus!
Kleiner Einwand:
Gründe für england ist die religiöse Lehre des Calvinismus
(„Gott hat dich lieb, wenn man Geld verdient“)
Das stimmt nicht ganz: Wenn du reich (relativ) wirst, zeigt dir Gott damit seine Liebe. Aber weil es auch heisst, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, blieb den Calvinisten nix anderes übrig, als aus eigener Kraft reich zu werden. Gottes Wirken zeigte sich nach dieser Auffassung darin, dass er dir das Glück bescherte, das du halt auch immer zum Reich werden brauchst…
Übrigens huldigen die Calvinisten auch dem Grundsatz: Besitz verpflichtet. Deswegen gibt´s z.B. die Carnegie-Stiftung, die Gates-Stiftung u.ä…
VG
Christian
Hallo!
Zudem war England seit jeher ein
sehr liberales Land. Während in anderen Ländern das Bürgertum
keinerlei mitspracherecht hatten, …
Das scheint ein ganz wichtiger Punkt zu sein: die frühzeitige Entstehung einer bürgerlichen (Mittel-) Schicht, die selbstbewusst war und sein durfte! Spanien z.B. war eigentlich reicher und auch früher eine große Macht, aber dort fehlte diese bürgerliche Schicht fast vollständig, was dann zum Absturz führte.
Warum aber ist die bürgerliche Schicht ausgerechnet in England entstanden?
Gruß, Stucki
Hallo,
es lag an folgendem:
In England bestaden seid der bürgerlichen Revolution von 1648 schon viele bürgerlichen Freiheiten.
Die Leibeigenschaft der Bauern war weg zum Beispiel. Im Gegenteil - um das Ackerland in weideland für Schafe umwandeln zu können, wurden viele Bauern sogar von den Landbesitzern regelrecht vertrieben. Damit entstand ein Proletariat, daß ja die Grundlage jeder großproduktion ist. In den übrigen Ländern gab es das so nicht - da war der Grundherr auch Herr über die Menschen und versuchte, jede Abwnaderung in die Städte zu verhindern (auch mir Gesetzen).
Dazu bestand in vielen Ländern im Handwerk noch ein Zunftzwang. das heißt, die örtlichen Zünfte schrieben vor, wie viele Arbeiter ein Meister maximal beschäftigen darf und neue Betriebe wurden gar nicht zugelassen, Unter diesen Bedingungen enstand natürlich keine Großproduktion.
Als wichtiger Schwerpunkt kommt zudem hinzu, daß Emgland inzwischen eine starke Handelsmacht war und daß die Träger dabei nicht der Adel waren wie in Spnien sondern das Bürgertum. Das begünstigte eine herausbildung eines guten BAnkwesens, daß es zuim Beispiel in Deutschland so nicht gab und dieses wiederum machte erst mal die Ansammlung von den zur Unternehmensgründung nötigen geldmengen überhaupt möglich.
So ist es denn auch nicht verwunderlich, daß die wenigen betriebe, die im übrigen Europa überhaupt entstanden, meist nur mit einer Sonderkonzession und oft sogar nur mit finanzieller Beteiligung der Fürstenhäuser möglich waren.
Gernot Geyer
Hallo,
um das Ackerland in weideland für Schafe umwandeln
zu können, wurden viele Bauern sogar von den Landbesitzern
regelrecht vertrieben. Damit entstand ein Proletariat, daß ja
die Grundlage jeder großproduktion ist.
ergänzend: das waren die sogenannten „einhegungen“ (enclosures) => gemeindeland wurde in privatbesitz überführt. gab’s schon seit dem MA, im 18. jh. nahmen sie jedoch massiv zu. die kleinbauern konnten neben den großen landbesitzern die eine auf produktion und verkauf ausgerichtete landwirtschaft betrieben (und das nötige kapital hatten um in neue zucht- und anbaumethoden investieren) oft nicht mehr bestehen und verarmten. die folge war (wie gesagt): abwanderung der ländlichen bevölkerung in die städte
Dazu bestand in vielen Ländern im Handwerk noch ein
Zunftzwang. das heißt, die örtlichen Zünfte schrieben vor, wie
viele Arbeiter ein Meister maximal beschäftigen darf und neue
Betriebe wurden gar nicht zugelassen, Unter diesen Bedingungen
enstand natürlich keine Großproduktion.
frankreich - colbert! stimmt, dort waren die fabriken unter staatlich reglementiert. aber die ersten ansätze von großproduktion, würd ich sagen, gab’s in frankreich.
zum wirtschaftsliberalismus ist für diese zeit ausserdem adam smith (schottischer moralphilosoph und volkswirtschaftler - 1723-1790) zu nennen, der gesagt hat, dass der markt sich am besten selbst reguliert und eine aufhebung aller staatlichen einflussnahme gefordert hat.
gruß von kati
Hallo Stucki und Regina,
Zudem war England seit jeher ein
sehr liberales Land. Während in anderen Ländern das Bürgertum
keinerlei mitspracherecht hatten, …Das scheint ein ganz wichtiger Punkt zu sein: die frühzeitige
Entstehung einer bürgerlichen (Mittel-) Schicht, die
selbstbewusst war und sein durfte!
Diese Sicht der Dinge ist zweifellos die vorherrschende, aber dennoch nicht unumstritten. So schreibt z.B. der Wirtschaftshistoriker Wallerstein: „We must return to our question of what made the English state stronger than the French […] It was not because England was more democratic than France, but because in some sense it was less“ (Wallerstein, The Modern World-System II, 286f.).
Er stützt sich dabei u.a. auf Plumb, The Growth of the Electorate in England from 1600-1715: „After 1715 England’s stability was, Plumb argues, a function of 'three major factors: single-party government , the legislature being firmly under executive control , and a sense of common identity in those who wielded economic, social, and political control“. (ibid. 286).
[Hervorhebungen jeweils von mir]
Was Plumb und Wallerstein hier kennzeichnen ist das sog. Walpolian System und lässt sich z.B. auch bei wikipedia nachlesen:
„Ihm [Walpole] gelang durch geschickte Ämterpatronage eine Stabilisierung und Weiterentwicklung des parlamentarischen Systems nach dem mit der Thronbesteigung Georgs I. im Jahre 1714 vollzogenen dynastischen Übergang der Krone von den Stuarts an das Haus Hannover. Er reduzierte die Bedeutung des Kabinetts, das nur noch selten zusammentraf und traf die Entscheidungen im privaten Rahmen mit dem Schatzkanzler, dem Siegelbewahrer, dem obersten Hofbeamten und zwei Sekretären. Dokumente wurden nicht mehr, wie noch unter Queen Anne, bei offenen Kabinettssitzungen unterzeichnet, sondern in den privaten Räumen des Königs.“
in: http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Walpole
Aber, wie gesagt, ist dies ein sehr umstrittenes Themengebiet …
Spanien z.B. war eigentlich
reicher und auch früher eine große Macht, aber dort fehlte
diese bürgerliche Schicht fast vollständig, was dann zum
Absturz führte.
Zu dem Zeitpunkt des Beginns der industriellen Revolution war Spanien längst aus dem Spiel genommen;
Spaniens ökonomischer Niedergang war im Grunde bereits im 16. Jahrhundert vollzogen, der politische Niedergang spätestens durch die Niederlagen im 30-jährigen Krieg und/bzw. im Unabhängigkeitskrieg gegen die Vereinten Provinzen bzw. Holland 1648.
Der einzige ökonomische Rivale Englands zum Zeitpunkt des Einsetzens der industriellen Revolution war im Grunde Frankreich (das einstmals führende Holland war bereits ökonomisch zu schwach geworden, Preußen war noch zu schwach).
England bereitete Frankreich in den Kriegen der Großen Allianz (1689-1697 und 1701-1714) wichtige Niederlagen, deren Gründe u.a. im massiven Kapitalflüssen aus Holland nach England zu suchen sind.
Warum aber ist die bürgerliche Schicht ausgerechnet in England
entstanden?
Bürgertum ist nicht einzig und auch nicht zuerst in England entstanden; es findet sich bereits im späten 15. Jhdt. in den italienischen Stadtstaaten, ist im Holland des späten 16. Jhdts. und der ersten Hälfte des 17. Jhdts. deutlich weiter entwickelt als in England, und es findet sich -trotz Louis XIV- zur gleichen Zeit wie in England genauso in Nordfrankreich; und wenn auch (qualitativ und quantitativ) geringer in Preußen, Polen, Schweden, ab Peter dem Großen auch in Rußland.
Viele Grüße
franz
adelige Söhne
Hallo,
ein wichtiges Argument betrifft die Erbfolge. Während in Deutschland noch der zwölfte Sohn eines Herrschers Prinz war und entsprechend alimentiert wurde, erbte in England nur der erste Sohn. Titel und Besitz. Die anderen mussten sehen, wo sie blieben.
Und da sie natürlich trotzdem Startkapital von zu Hause mitbrachten (buchstäblich, aber auch in Form von Bildung), konnten sie erfolgreiche Geschäftsleute werden.
Gruß,
Andreas
… der - soweit ich es uebersehen konnte - noch nicht erwaehnt wurde, findet sich in dem Umstand, dass es in England - im Gegensatz zu Kontinental-Europa, nicht als anruechig galt, als Adliger einem „buergerlichen“ Gelderwerb nachzugehen, geschafte zu machen, Produktionsanlagen zu betreiben, etc.
Auf dem Kontinent lebte der Adel praktisch ausschliesslich von dem, was seine Landgueter abwarfen.
Was den Calvinismus angeht: in bezug auf die besondere Rolle Englands halte ich diese These fuer eher wenig tragfaehig, denn der Calvinismus spielte in vielen Kontinentalstaaten (z.B. Holland, Schweiz) eine ungleich groessere Rolle als in England dessen dominierendes Bekenntnis ja das zur Anglikanischen Staatskirche war. (Die Calvinisten Englands hauten dann ja auch mehrheitlich nach Amerika ab.)
Gruss
R.B.
Hallo,
ja wurden denn aus Adligen überhaupt Geschäftsleute damals? Meines Wissens kam der große Teil der Unternehmer aus bürgerlichen Schichten. Die hatten allerdings auf dem Kontinent kaum eine Chance, weil sie erstens politisch nichts zu melden hatten, zweitens durch Zunftordnungen am wachstum gehindert wurden, drittens auf grund des mangelhaft ausgebildeten Bankwesens kein Kapital bekamen uam. So sahen zum Beispiel die Herrschenden auch Kapitalgesellschaften nicht gern, die zudem einer staatlichen Konzession bedurften, weil sie dahinter einen Angriff auf die überlieferte Ordnung befürchteten.
Ach ja - und drei Dinge noch am Rande:
Die in Kontinentaleuropa teilweise bestehende Kleinstaaterei sowie innerstaatliche Zollgrenzen waren natürlich auch nicht förderlich. Dazu kam als zweites das saumäßige Verkehrswesen. England hatte da einen großen Vorteil - auf grund der Insellage und des früh ausgebauten Kanalsystems war da zumindest per Schiffahrt vieles möglich, was woanders nicht ging.
Und nicht zuletzt hatte ja der ganze Kontinent laufend nichts Besseres zu tun, als sich die Köpfe einzuschlagen. Um 1700 der nordische Krieg und der spanische Erdfolgekrieg, Mitte des 18. Jahrhunderts erst Preussens schlesische Kriege und dann der 7-jährige Krieg - und jedes Mal war halb europa direkt beteiligt. Die Engländer dagegen saßen hübsch auf ihrer Insel und stützten die Kriegsführenden finanziell, damit die nicht zu schnell fertig wurden…
Gernot Geyer