Industrialisierung

Könntet ihr das bitte durchlesen und mich korrigieren

Fragen zum Industrialisierungsprozess + Revolution
Verzahnte Faktoren beim Industrialisierungsprozess?

  • Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft (Agrarrevolution) waren weniger Arbeitskräfte notwendig, Landflucht
  • Durch die medizinischen und hygienischen Verbesserungen nahm die Sterblichkeit ab — Bevölkerungsexplosion
    Durch das Überangebot von Arbeitskräften konnten Fabrikbesitzer Arbeitszeiten, Lohn und Arbeitsbedingungen festlegen – hatte schwerwiegende soziale Folgen (Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Verelendung)
    Da die Arbeiter nun zur Arbeit hin mussten, führte dies zu einem Kulturverlust
    Kettenreaktion: - Z. B. Eisenbahnbau war auf erhöhte Eisenproduktion angewiesen.
  • der zunehmende Kapitelbedarf führte zur Gründung von Banken

Rolle der Technik
Der technische Fortschritt ermöglichte erst die Industrialisierung. Dampfmaschine, naturwissenschaftliche Entdeckungen usw.

Fabriksystem?
Arbeitsteilung, Mechanisierung, Massenproduktion, später auch Fliessbandarbeit

England „Workshop of the world“?
Durch die politischen Voraussetzungen (konstitutionelle Monarchie), vorhandenen Rohstoffe, Erfindung der Dampfmaschine, führten die Engländer 1870 die Industrialisierung herbei, der nach und nach alle europäischen (und USA) folgten

Schlüsselfunktion der Eisenbahn?
Statt regional wie vor der Industrialisierung, wurde nun weltweiter Handel betrieben. Dies setzte jedoch leistungsfähige Transportmittel voraus, so dass der Eisenbahnbau begann

Gesellschaftsveränderung?

  • Teilung von Wohn- und Arbeitsplatz
  • Maschinen bestimmten Arbeitsrythmus
  • Verlagerung vom primären auf den sekundären Wirtschaftssektor, das bewirkt eine Landflucht, dadurch verloren die Leute ihre kulturelle Anbindung führte zu Kultur- und Brauchtumsverlust

Wirkung auf die ganze Welt?
Die europäischen Staaten und Amerika waren auf Rohstoffe angewiesen, welche sie von asiatischen, Südamerikanischen oder afrikanischen Staaten erhielten (oder erplünderten). Dies führte zu einer Weltweiten Abhängigkeit. Vom Rohstoff zum Produkt waren mehre Länder involviert

These: „Keine politische Revolution hat das Leben der Menschen so nachhaltig und umfassend verändert wie die Industrielle Revolution“
Mir fehlen hier leider die Argumente

Besten Dank

Hallo,

weniger korrigieren als ergänzen. Du schreibst am Ende, Dir fehlen die Argumente, was m.E. daran liegt, dass Du ein paar wesentliche Technologien und die daran hängenden Probleme noch nicht drin hast.

Fragen zum Industrialisierungsprozess + Revolution
Verzahnte Faktoren beim Industrialisierungsprozess?

  • Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft
    (Agrarrevolution) waren weniger Arbeitskräfte notwendig,
    Landflucht

-> Weniger auf dem Lande, viel mehr in den Industriestandorten.

  • Durch die medizinischen und hygienischen Verbesserungen nahm
    die Sterblichkeit ab — Bevölkerungsexplosion

-> Der Effekt, dass die breite Masse davon profitierte, kam erst relativ spät. Auch die Bevölkerungsexplosion setzte erst Jahrzehnte nach dem „Anlaufen“ des Industrialismus ein.

Durch das Überangebot von Arbeitskräften konnten
Fabrikbesitzer Arbeitszeiten, Lohn und Arbeitsbedingungen
festlegen – hatte schwerwiegende soziale Folgen (Kinderarbeit,
schlechte Arbeitsbedingungen, Verelendung)

Es ging nicht nur um das Überangebot von Arbeitskräften, das eigentlich gar nicht so groß war. Deswegen kam es ja zur Kinderarbeit, eben weil die Arbeitskraft gebraucht wurde. Aber die Arbeiter waren nicht organisiert. Auf der politischen Seite wurde ihnen ja sogar eine Selbstorganisation verboten und dieses Verbot mit Staatsgewalt durchgesetzt. Die Arbeitszeiten und Hungerlöhne sind nicht eine Folge des Überangebots and Arbeitskräften sondern eher des kapitalistischen Minimax-Denkens, dass durch die Staatswesen per Gesetz unterstützt wurde.

Da die Arbeiter nun zur Arbeit hin mussten, führte dies zu
einem Kulturverlust

-> Die Isolation einzelner Kulturgruppen war nicht mehr gegeben, am Arbeitsort vermischten sich lokale Kulturen. Der Liberalismus seinerseits unterstützte das, in dem er Abgrenzung sowieso als falsch anprangerte, sei es im Heimatverain, in Verbindungen oder auch in Kulturzirkeln (denn das Ganze zog sich durch alle gesellschaftlichen Schichten).

Kettenreaktion: - Z. B. Eisenbahnbau war auf erhöhte
Eisenproduktion angewiesen.

-> Eisenbahn war ja recht nett und wichtig, um innerhalb eines Landes Transportmittel zu schaffen. Aber der dicke Brocken war Schiffbau. Die durchschnittliche Größe von Frachtern war von unter 1000 BRT auf knapp 5000 BRT angewachsen, von Passagierschiffen wuchs die durchschnittliche Größe von 1200 BRT auf 35000 BRT. Hunderttausende von Arbeitskräften gingen nach Amerika, Millionen Tonnen von Gütern und Rohstoffen schwammen auf dem Meer umher. (Ich komme darauf nochmal zurück).

  • der zunehmende Kapitelbedarf führte zur Gründung von Banken

-> zunächst einmal führte er zur Bildung großer Trusts, die immer mehr Kapital an sich zogen und wieder investierten. Ein, wenn auch spätes, Beispiel kann der Morgan Trust sein. Solche Trausts operierten auf vielen Wirtschaftssektoren, vorzugsweise aber in der Schwerindustrie, im Schiffbau (dort meistens indirekt) und im Transportwesen. Gerade im Trasportwesen gab es enge Verbindungen zwischen Schiffahrtslinien und Eisenbahnen, die sich immer stärker konzentrierten. Aber der internationale Seehandel war nicht nur Wirtschaft, er wurde auch zunehmend nationales Symbol. Deutschland, Frankreich und die USA begannen um die Vorherrschaft insbesondere auf den Nordatlantikrouten zu kämpfen (Stichwort Blaues Band). Das wiederum wurde aus Staatsmitteln unterstützt und geschützt. Seemacht wurde das Pseudonym für diese erste Phase einer Globalisierung.

Rolle der Technik
Der technische Fortschritt ermöglichte erst die
Industrialisierung. Dampfmaschine, naturwissenschaftliche
Entdeckungen usw.

-> soweit klar, aber es fehlen andere Erfindungen. Benzin- und Dieselmotoren, neue Geschütztypen (die zunächst einmal als Produkt neue Wirtschaftszweige begründeten), Kreiselkompass (der in der Seefahrt Routen reporduzierbarer machte), erst relativ spät kamen auch Impfstoffe und Medikamente hinzu. Politik, Gesellschaft und Technik gingen in einen sich selbst beschleunigenden Kreislauf der quasi die Industrialisierung forderte.

Fabriksystem?
Arbeitsteilung, Mechanisierung, Massenproduktion, später auch
Fliessbandarbeit

-> Das Gesetz der Massenproduktion forderte eben die Massenproduktion. Stichwort Fixkosten. Alles andere, also Arbeitsteilung und Fliessbandproduktion waren lediglich organisatorische Massnahmen, die dazu dienten, das Einzelprodukt billiger zu machen. Denn die Konkurrenz tat ja das Gleiche, also befand man sich in einem Preiskampf.

England „Workshop of the world“?
Durch die politischen Voraussetzungen (konstitutionelle
Monarchie), vorhandenen Rohstoffe, Erfindung der
Dampfmaschine, führten die Engländer 1870 die
Industrialisierung herbei, der nach und nach alle europäischen
(und USA) folgten

Die Engländer hinkten eigentlich erst einmal hinterher und wurden dann sehr plötzlich sher wach als ihre Dominanz auf Prestigesektoren bedroht war. Es wird meistens übersehen, dass man ja zunächst sehr wenig Rohstoffe aus Übersee brauchte. Dieser Effekt kam erst auf, als die Industrialisierung um sich griff. Auch wird die Dampfmaschine etwas überschätzt. Ein gutes Beispiel dafür, dass es bereits „industriales Denken“ vorher gab, findest Du z.B. in den schlesischen Webern. Keine Dampfmaschine, aber Massenproduktion gegen Hungerlöhne. Die Dampfmaschine bot nur die Möglichkeit, dass nochmal ein paar Faktoren höher zu schrauben. Aber die Tendenz war vorher bereits erkennbar (übrigens auch in der Landwirtschaft selbst) und führend waren hier Deutschland und Frankreich.
Erst als die Industrialisierung in ihrem Bedarf die Grenzen der Länder überschritt, kam es zur Internationalisierung und die wollte gerade der Kapitalismus ja nicht so hinnehmen, denn das bedrohte bisher geschützte Märkte. „Made in Germany“ wurde beispielsweise als „Brand“ verwendet um es der deutschen Industrie zu ermöglichn in britische Märkte einzubrechen.

Schlüsselfunktion der Eisenbahn?
Statt regional wie vor der Industrialisierung, wurde nun
weltweiter Handel betrieben. Dies setzte jedoch
leistungsfähige Transportmittel voraus, so dass der
Eisenbahnbau begann

Der Eisenbahnbau war immer national. Die Staaten verwendeten viel Mühe und Gehirnschmalz darauf, an dieser Front nicht kompatibel zu sein. Das behinderte internationalen Transport auf der Schiene natürlich auch. Aber im international war es der Schiffbau und vor allem die großen Schiffahrtslinien, die die beschriebene Funktion übernahmen (Stichworte Cunard, Hapag, White Star, IMM, Loyd). Eine besondere Rolle übernahm das neu erfundene Kühlschiff, das es möglich machte Nahrungsmittel in nie gekanntem Umfang zu transportieren).

Gesellschaftsveränderung?

  • Teilung von Wohn- und Arbeitsplatz
  • Maschinen bestimmten Arbeitsrythmus
  • Verlagerung vom primären auf den sekundären
    Wirtschaftssektor, das bewirkt eine Landflucht, dadurch
    verloren die Leute ihre kulturelle Anbindung führte zu Kultur-
    und Brauchtumsverlust

Das ist alles lokal. Aber der Industrialismus brachte ja auch Kulturvermischung in viel größerem Rahmen, also nicht nur Verlust sondern auch Kultureinfluss aus anderen Kulturkreisen (und England war z.B. vorher eine andere Kultur, genauso wie Frankreich. Hier entstand das, was wir heute als „westliche“ Kultur akzeptieren in seiner endgültigen Form).

Wirkung auf die ganze Welt?
Die europäischen Staaten und Amerika waren auf Rohstoffe
angewiesen, welche sie von asiatischen, Südamerikanischen oder
afrikanischen Staaten erhielten (oder erplünderten). Dies
führte zu einer Weltweiten Abhängigkeit. Vom Rohstoff zum
Produkt waren mehre Länder involviert

-> Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor wurden Flotten. Die Budgets um diese Rohstoffverbindungen zu schützen, nahmen große Anteile des Staatshaushaltes in Anspruch. Stichwort Wettrüsten. Denn das ganze Zeug wurde gekauft, d.h. es kurbelte die Wirtschaft weiter an.

These: „Keine politische Revolution hat das Leben der Menschen
so nachhaltig und umfassend verändert wie die Industrielle
Revolution“
Mir fehlen hier leider die Argumente

  • Abwendung vom lokalen zu einem nationalen Brauchtum
  • Veränderung des Lebensrythmus
  • Internationalisierung
  • Höherer Bildungsstandard um den Bedarf der Industrie zu decken
  • Konkurrenz zwischen den Staaten bis hin zum 1.Wk.
  • Nationalstolz bis hin zu faschistischen Formen (siehe der Untertan)
  • Aufweichung sozialer Normen
  • Politisierung der breiten Masse

(brauchst Du mehr?)

Gruß
Peter B.