Infinitiv und Komma - aber wo?

Guten Tag,

habe immer wieder folgende (u.ä.) Infinitivkonstruktionen:

Ähnlich wie A. versucht B. (,) über eine Methode auf Basis der traditionellen Kalkulation (,) eine gerechte Verteilung der Kosten und … zu erreichen.

oder

Durch dieses Vorgehen wird versucht (,) über eine ressourcenorientierte Bewertung (,) spezifische Ressourcen … in der Kalkulation zu berücksichtigen.

Kommt da nun überhaupt kein Komma oder nur an die zweite Stelle oder an beide?

Verwirrung …

Das Komma würde ich wegen der zu+Infinitiv-Konstruktion an die erste Stelle setzen. Keins an die zweite!

Moin,
erstes Komma wegen Infinitiv mit ‚zu‘, wenn das zweite Komma auch gesetzt wird, wird der Satzteil ‚über…‘ zum Einschub und daher durch Kommata (oder auch Gedankenstriche) abgegrenzt. Kann man machen, muß man aber nicht.

LG

Hallo Blümchen,

die Frage ist komplizierter zu beantworten, als es die bisherigen Antworten erkennen lassen (obwohl sie beide auch richtig sind).

Zunächst einmal musst Du überhaupt kein Komma setzen, wenn Du nicht möchtest:
http://canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Inte…

  • Keiner der dort aufgeführten Fälle a bis c liegt vor.

Du kannst aber gern Kommas setzen, „um die Gliederung des Ganzsatzes zu verdeutlichen“ (http://canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Inte…).

Und jetzt fangen die Probleme an.

Wie ist denn der Satz gegliedert?

Ähnlich wie A. versucht B. (,) über eine Methode auf Basis der
traditionellen Kalkulation (,) eine gerechte Verteilung der
Kosten und … zu erreichen.

Was versucht B?

  1. B versucht eine gerechte Verteilung zu erreichen. Wie versucht B dies? Über eine traditionelle Methode.
    Dabei ist jetzt also „eine gerechte Verteilung zu erreichen“ das Objekt des Satzes (weil es auf die Was-Frage antwortet), während „über eine traditionelle Methode“ eine nähere Bestimmung des Umstandes ist (Wie-Frage).
    Du könntest beide Satzglieder einzeln ersetzen:

B versucht auf diese Weise, eine gerechte Verteilung zu erreichen.
B versucht es über eine traditionelle Methode.

Nur das Objekt ist die Infinitivgruppe!
Damit musst Du das zweite Komma setzen.

  1. mögliche Antwort auf „Was versucht B?“: B versucht eine gerechte Verteilung über eine traditionelle Methode zu erreichen.
    Das Ganze ist jetzt also die Infinitivgruppe. (Hier würde man fragen: Wie will B das erreichen? Über …: Die Umstandsbestimmung gehört zum Objekt dazu,)
    Hier kannst Du die ganze Infinitivgruppe ersetzen:

B versucht, auf diese Weise eine gerechte Verteilung zu erreichen.
B versucht es.

In diesem Falle wäre das erste Komma richtig.

  1. Du kannst auch „über eine traditionelle Methode“ als Einschub betrachten. Dies würde am deutlichsten, wenn Du Gedankenstriche verwendetest:

B versucht - über eine traditionelle Methode -(,) eine gerechte Verteilung zu erreichen.

Wenn Du es so meinst, Dich aber gegen Gedankenstriche entscheidest, dann setzt Du beide Kommas.

Dein zweites Beispiel ist einfacher:

Durch dieses Vorgehen wird versucht (,) über eine
ressourcenorientierte Bewertung (,) spezifische Ressourcen …
in der Kalkulation zu berücksichtigen.

Auch hier brauchst Du kein Komma zu setzen.

Aber wie sieht die Satzgliederung hier aus?

Die Umstandsbestimmung „über eine Bewertung“ gehört hier in jedem Fall zur Infinitivgruppe!
Das Prädikat (wird versucht) ist nämlich zweigeteilt, und alles, was zum Hauptsatz gehört, muss vor dem zweiten Teil stehen. Würde die Umstandsbestimmung nicht zur Infinitivgruppe gehören, so müsste der Satz lauten:

Durch dieses Vorgehen wird über eine ressourcenorientierte Bewertung versucht(,) Ressourcen zu berücksichtigen.

So lautet er aber nicht.

In diesem Fall ist sonach nur das erste Komma richtig.

Es sei denn (wie gehabt), Du betrachtest die Umstandsbestimmung als Einschub. (Probe mit Gedankenstrichen!)

Liebe Grüße
Immo

@ChristianeG und alle weiteren Interpunktions-Experten:

Ich habe auch eine Kommafrage - bei dem Satz

„Was mir leicht fiel, war, zu akzeptieren, dass xyz …“

  • Aus dem Bauch raus hatte ich das Komma zwischen „fiel“ und „war“ weggelassen, mit dem vagen Gedanken, dass das eines der Kommata sei, die „dürfen, aber nicht müssen“. Jetzt wurde mir gesagt, das sei auf jeden Fall zu setzen. Stimmt das? Ich habe schon verzweifelt in Grammatiken und sonstigen Nachschlagewerken gesucht, aber nichts zu dieser Satzkonstruktion gefunden. Weiß da jemand Bescheid bzw. kann mich auf eine Regel verweisen?

„Was mir leicht fiel, war, zu akzeptieren, dass xyz …“

… das Komma zwischen „fiel“ und „war“…

Jetzt wurde mir
gesagt, das sei auf jeden Fall zu setzen.

Das sehe ich auch so.

Was mir leicht fiel ist ein Subjektsatz und somit ein Nebensatz (hier: Relativsatz) - daher durch Komma abzutrennen.

Gruß
Kreszenz

Hallo Immo,
vielen lieben Dank für diese äußerst ausführliche Antwort.

Das Problem bei der Sache ist, dass ich tatsächlich nicht genau weiß, wie der Satz gemeint ist.
Ich lese es Korrektur und habe auch keine tiefer gehende Kenntnis vom vom Thema, um wirklich beurteilen zu können, wie er’s meint.

Der Autor liebt diese Kombination mit „er versucht über …“ + Inf.

Wäre natürlich prima, ich könnte mich damit aus der Affäre ziehen, dass ich beide Kommas weglasse, nur habe ich sie nun beim ‚einfachen‘ Infinitiv fröhlich reinkorrigiert - da muss ich jetzt wohl konsequenterweise durch.

LG Blümchen

Moin,
wie Kreszentia schon sagt, das Komma zwischen ‚war‘ und ‚fiel‘ muß hin. Aber Du kannst das hinter ‚war‘ weglassen, weil nach der neuen Rechtschreibung Infinitivkonstruktionen, die nur aus dem Infinitiv mit ‚zu‘ bestehen, nicht mit Komma abgetrennt werden müssen, sondern nur können, weil es eben in Beispielen wie Deinem sonst etwas seltsam aussehen kann. Man darf z.B. schreiben ‚Es fiel mir schwer zu akzeptieren, dass…‘ Entsprechend auch bei anderer Wortstellung wie in Deinem Beispiel.

LG