Infinitiv zu 'hieb'

Hallo, wer kennt den Infinitiv zu der Vergangenheitsform „hieb“.
Gibt es überhaupt einen.
Ein Grundschüler warf diese Frage auf und wir sind ratlos.
Ich freue mich über Antworten.

Hallo Michael,

Duden sagt, es kommt von „hauen“ die „geh[obene]“ Vergangenheitsform sei „hieb“, neben „haute“ bzw. süddeutsch „hat gehauen“.

Ich habe aber auch erst gestutzt…

Verblüffte Grüße

Alexander

Hallo, wer kennt den Infinitiv zu der Vergangenheitsform
„hieb“.
Gibt es überhaupt einen.
Ein Grundschüler warf diese Frage auf und wir sind ratlos.
Ich freue mich über Antworten.

Moin,
der Infinitiv zu ‚hieb‘ ist tatsächlich ‚hauen‘.
Im Deutschen Wörterbuch von Grimm ist’s schön erklärt:
nhd. ‚hauen‘ geht auf ahd. ‚hawan‘ bzw. ‚hauwan‘ (mhd. ‚houwen‘) zurück. Die 2. und 3. Person Sg. enthielten ursprünglich ein ‚i‘, das wiederum i.d.R. Umlaut bewirkte (daher zu ‚tragen‘: ‚trägst‘, ‚trägt‘). Dieser setzte sich allerdings nicht bei allen Verben im gesamten Sprachgebiet durch (vgl. ‚fragen‘: ‚fragst‘, ‚fragt‘, nur dialektal mit Umlaut).
So hat sich bei ‚hauen‘ der Umlaut nicht durchgesetzt, weshalb wir heute noch sagen ‚haust‘, ‚haut‘, kam allerdings in Teilen den Sprachgebiets vor (Grimm Bd. 10, Sp. 574,5 ff.: […]für die 2. und 3. sg. des präsens sind jetzt unumgelautete formen allgemein durchgedrungen, bis ins 17. jahrh. gehen daneben umgelautete, häust und häut : denn wo du in (den knaben) mit den ruten hewest , so darf man in nicht tödten. spr. Sal. 23, 13[…] )
Weiter sagt Grimm: […] diese formen klingen noch im fränkischen hebst, hebt für haust, haut (SCHM. 2, 141) nach. die formen des präteritums waren in der alten sprache manigfach, ahd. hiu, hio, heo, mhd. neben hiu und heu auch mit schutz des stammhaften w hiuw und hiew; das nhd. zeigt seit dem 16. jahrh. nur noch selten diese form […]
Das ‚w‘ dieser Formen wurde meist zu ‚b‘ (Grimm: […] gewöhnlich hat sich das stammhafte w zu b verhärtet, die beispiele gehen bereits im 15. jahrh. an: dasz yemandt in denselben walden … holtz hiebe. weisth. 2, 74 (v. 1486) ).

Zusammenfassung:
Also: ‚hawan‘ war ein starkes (!) Verb, daher ‚i‘ oder ‚e‘ in der Vgh., das folgende ‚w‘ (wie im Englischen gesprochen) wurde zu ‚b‘, schon haben wir ‚hieb‘. Im Präsens z.T. auch Formen mit ‚b‘ (fränk.), die auf umgelautete Formen der 2. und 3. Sg. zurückgehen (‚hewist‘, ‚hewit‘ zu ‚hebst‘, ‚hebt‘ statt ‚hawist‘, ‚hawit‘ zu ‚haust‘, ‚haut‘)
Vielleicht hilft Dir das weiter…
Einem Zweitklässer kann man vielleicht einfach erklären:
‚hauen‘ aus ‚hawan‘, Vgh. dazu ‚hiuw‘ (früher war das ein starkes Verb), das ‚w‘ (wie im englischen gesprochen) ist dann zu ‚b‘ geworden => ‚hiuw‘ zu ‚hieb‘

LG

Moin Michael,

zu deinem Thema ein Artikel aus dem Newsletter-Archiv des Duden (warum sagt ausgerechnet der Duden „Newsletter“???):

Was Sie schon immer wissen wollten
hauen - hieb/haute - gehaut/gehauen

»Er hieb um sich, hieb mit dem Schwert auf den Angreifer, hieb ihm tiefe Wunden.« Ist es recht so? Von der inhaltlichen Ebene einmal abgesehen, ist gegen diesen Satz nichts einzuwenden. Die unregelmäßige Präteritumform hieb wird in der geschriebenen Sprache durchaus noch verwendet, allerdings nur, wenn es sich um das Schlagen mit einer Waffe oder das Verwunden im Kampf handelt. Außerhalb diesesauf den Tisch«), wirkt aber in den meisten Fällen so gespreizt, dass es sich hier anbietet, hieb durch schlug zu ersetzen. Auf diesem Weg lässt sich das als umgangssprachlich einzustufende haute vermeiden. Von diesen Sonderfällen abgesehen, finden heutzutage im Präteritum die regelmäßigen Formen des Verbs »hauen« Verwendung: » Sie hauten alles kurz und klein. Wir hauten ein Loch ins Eis. Ich haute mich aufs Ohr. Das haute ihn um.«

Anders hingegen steht es mit dem Partizip Perfekt. Hier ist unabhängig vom Präteritum die Form gehauen gebräuchlich: »Er hat das Motiv in Stein gehauen. Sie hat ihm (oder: ihn) kameradschaftlich auf die Schulter gehauen.« Eine Ausnahme bildet lediglich die gelegentlich in landschaftlicher Umgangssprache auftretende Form gehaut.
http://www.duden.de/deutsche_sprache/newsletter/arch…

Mir kommt es so vor dass die Form „hieb“ nicht nur dem gehobenen Sprachgebrauch zuzuordnen ist, sondern dass sie auch langsam ausstirbt
„Trefferanzahl: 300. Davon sind 155 Treffer aufgrund rechtlicher Nutzungsvereinbarungen anzeigbar.“
http://www.dwds.de/?sort=0&cp=4&corpus=1&qu=hieb&ps=…

Von diesen 155 Treffern stammen 130 aus der Zeit von 1900 bis 1950, und nur 25 aus den nächsten 50 Jahren.

Grüße
Pit

Christiane,

Einem Zweitklässer kann man vielleicht

einfach
erklären:
‚hauen‘ aus ‚hawan‘, Vgh. dazu ‚hiuw‘ (früher war das ein
starkes Verb), das ‚w‘ (wie im englischen gesprochen) ist dann
zu ‚b‘ geworden => ‚hiuw‘ zu ‚hieb‘

einfach??? Das kapier ja ich kaum!

vereinfachte Grüße

Alexander