Inflation und Deflation

Hallo,
momentan wird behauptet, dass es zu einner Inflation durch die Finanzkriese kommen kann, da wahrscheinlich große Mengen neues Geldes produziert werde müssen.
Doch es könnte doch auch zu einer Deflation kommen. Schließlich wird das Preisniveau des überbewerteten Marktes sinken, ebenfalls die Löhne
-> die Menschen haben weniger Geld -> die Preise müssen sinken, damit das Produkt verkauft werden kann
???

Hey!

Was du da hörst ist falsch, und dein Gedanke vollkommen richtig.
In der Tat sinken schon seit letztem Jahr die Preise - vor allem Rohöl etc. gehen da natürlich stark in die Gewichtung ein.

Vlt. noch soviel: Inflation gibt es immer. Eine Rate von ca. 2% wird dabei hier in Dt.land von der Zentralbank als Erstrebenswert angesehen - im Dezember`08 gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Preissteigerung von 1,1 %. Also immernoch Inflation, nur eben nicht so stark. Es liegt also momentan vielmehr ein Rückgang der Inflation, als eine Deflation vor. Steigende Inflation aber sicher nicht.

Deflation - wenn es denn soweit kommen sollte - ist dabei aber auch nix uneingeschränkt gutes. Das Wort + das Gefühl sinkender Preise machen so schnell die Runde, dass Verbraucher u. Firmen immer länger mit den Käufen warten… So wird die Konjunktur noch weiter abgeschwächt.

Das war jetzt mehr, als ich eigentlich schreiben wollte. Wie gesagt, war dein Gedanke ja schon richtig.

Hallo,

da geht aber einiges quer. Ein paar Bemerkungen:

  • wenn die USA einen Weg kennen würden, um jetzt Inflation zu erzeugen, dann würden sie es tun.
  • „neues Geld“ im Finanzsektor hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Realwirtschaft, genausowenig wie steigende Aktienkurse zu Inflation führen
  • die Löhne werden nominal nicht sinken, denn das tun sie nie. Stattedessen werden Arbeiter entlassen. Diejenigen, die immer noch arbeiten, haben sogar mehr Kaufkraft als vorher: gleicher Lohn und fallende Preise.

Wer auch immer das alles behauptet hat, viel Ahnung von Wirtschaft steckt nicht dahinter. Ich würde evtl die Zeitung wechseln.

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Hallo,

also in der Tat scheinen hier einige Unklarheiten vorzuliegen. Vielleicht sollte man mal die Definitionen der Begriffe heranziehen und dann schauen, was auf die aktuelle Lage zutreffen könnte.
Ich will es mal ganz einfach versuchen.
Inflation: Man hat 100€ es gibt aber nur Waren für 80€. Also ist das Geld 20% weniger wert.
Deflation: Es gibt mehr (echte) Waren zu kaufen, als Nachfrage besteht bzw. Geld vorhanden ist.

Zur aktuellen Lage. Die hohen Verluste, die der Bankensektor gerade ausweist, ist im Grunde nichts anderes als eine Korrektur der hohen Gewinne, die vorher ausgewiesen wurden. Sowenig wie diese Gewinne real vorhanden waren, gehen sie jetzt real verloren. Man befindet sich lediglich wieder im realen Ausgangsniveau. Etwas anschaulicher: Man hat sich eingebildet, dass das Haus, dass man für 20.000 US-$ gekauft hat, wäre inzwischen 50.000 US-$ wert. Man hat sich also eingebildet 30.000 US-$ Gewinn gemacht zu haben. Nun hat sich aber heraus gestellt, dass die Hütte doch nur 20.000 US-$ wert ist. Sind dann wirklich 30.000 US-$ Verlust angefallen? Eher nein. Leider neigen gerade die Finanzmärkte zum sogenannten Overshooting (etwa: Überschießen, -treiben). Inzwischen glaubt jeder die Hütte wäre gar nur 15.000 US-$ wert. Insofern dürfte eigentlich nichts passieren. Dumm nur, wenn man sich die 30.000 US-$ auszahlen läßt. Dann ist plötzlich mehr Geldmenge im Umlauf, als tatsächlich Werte vorhanden sind. Denn der Wert des Hauses wird nun offenbar, das vermeintlich zusätzliche Geld ist aber ebenfalls im Umlauf. Dies würde dann stark für inflationäre Tendenzen sprechen.
Leider ist so ein System wie die Weltwirtschaft recht komplex und die Menschen teilweise recht unrationell veranlagt. Da nun alle gekauft haben wie bekloppt wurde auch produziert wie verrückt. Heutzutage wird jedoch nicht alles am selben Tag hergestellt an dem es auch verbraucht wird. Fabriken und ähnliche Dinge müssen schon vorher gebaut werden. Da ja alle denken es geht immer so schön weiter, wird natürlich hergestellt und investiert. Plötzlich merkt jemand, dass es doch nicht immer so weiter geht. Die Fabriken haben aber schon den erwarteten Bedarf hergestellt. Aber nun will das Zeug überraschender Weise doch keiner kaufen. Um das Zeug nun los zu werden, müßte man wohl die Preise senken. Gleiches gilt für die Hütten, die ja nun erst recht auch keiner haben will. Dieses Szenario spricht nun eher für deflationäre Tendenzen. Insbesondere wenn die Leute merken, dass die Preise sinken. Obwohl sie vor zwei Wochen noch gedacht hätten, die Preise würden auf ewig steigen, glauben sie nun paradoxerweise sie würden ewig fallen. Also wäre es clever nicht heute sondern erst morgen oder noch besser erst übermorgen zu kaufen. Und das dummerweise, obwohl ohnehin schon zuviel da ist. Verdammt auch noch einmal.

Also jeder möge sich das beste raussuchen. Am besten wäre es natürlich die Leute würden ein klein wenig mehr mitdenken. (Das beezieht sich ausdrücklich nicht auf die vorherigen Postings, sondern auf die, die regelmäßig solche Krisen verzapfen.)

MfG

El Buffo