[Info]: Freud, Jung und Sabina Spielrein

Hallo,

ich möchte alle, die sich für die Anfänge der Psychoanalyse interessieren, auf das Hörspiel „Tagebuch einer heimlichen Symmetrie“ hinweisen, das heute um 21:05 Uhr auf NDR Info (NDR 4) ausgestrahlt wird. Darin geht es um die Affäre zwischen dem Freud-Schüler C.G. Jung und seiner jungen russischen Patientin Sabina Spielrein:

http://www.ndrinfo.de/ndrinfo_pages_std/0,2758,OID42…

Über die Affäre Spielrein ist zudem ein Buch erschienen:

Kerr, J. (1996). Eine höchst gefährliche Methode. Freud, Jung und Sabina Spielrein. Droemer Knaur. ISBN 342675097X Buch anschauen [Buch anschauen]

Viel Spaß beim Hören und / oder Lesen wünscht euch

Oliver Walter

Darin geht es um die Affäre zwischen dem

Freud-Schüler C.G. Jung und seiner jungen russischen Patientin
Sabina Spielrein

Abgesehen davon, dass Jung sich schärfstens dagegen verwahrte, als „Schüler“ von Freud gesehen zu werden (siehe u.a. Briefe von Jung), hat Freud wiederum Jung mehrfach zurückhaltend, aber dennoch deutlich gesagt bzw. geschrieben, dass er (Jung) die Übetragungs-Liebe der Sabina Spielrein doch analytisch bearbeiten möge. Doch der junge Heißsporn Jung hat einmal mehr nicht auf den alten Meister Freud gehört, sondern sich ziemlich verstrickt und dann die Spielrein später, was nich schlimmer ist, fallengelassen bzw. fast schon verleumdet oder heruntergespielt. Wie so oft zeigt sich auch hier deutlich der Unterschied der Charaktere: Freud war ein verelichsweise reifer, intellektueller Mann, während Jung von seinen inneren „Stürmen“ sehr aus dem geistigen Lot gewirbelt wurde.
Fast alle literarischen Versuche, die sich mit Freud und Jung beschäftigen, sind leider bisher höchst subjektiv und intellektuell „dünn“. Man darf hoffen, dass dieses Hörspiel ein gewisses Niveau nicht untersteigt.
Gruß, Branden

Abgesehen davon, dass Jung sich schärfstens dagegen verwahrte,
als „Schüler“ von Freud gesehen zu werden (siehe u.a. Briefe
von Jung),

Selbstverständlich ist C.G. Jung ein Schüler Freuds gewesen. Er war - wie Du wissen wirst - Freuds „Kronprinz“ und Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Natürlich kam es später zum Bruch mit Freud, weil Jung Freuds einseitige Betonung des Sexuellen nicht mitgetragen hat. Ähnlich wie Adler.

Gruß,

Oliver Walter

3 „Gefällt mir“

Selbstverständlich ist C.G. Jung ein Schüler Freuds gewesen.
Er war - wie Du wissen wirst - Freuds „Kronprinz“ und
Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.
Natürlich kam es später zum Bruch mit Freud, weil Jung Freuds
einseitige Betonung des Sexuellen nicht mitgetragen hat.
Ähnlich wie Adler.

So einfach ist es eben NICHT. Es geht ja darum, ob man die ersten beiden Interessenten an Freuds Psychoanalyse, Adler und Jung, genauso als Schüler bezeichnen kann wie es bei späteren unumstritten der Fall ist.Die frühe Mittwochsgruppe und die ersten Gespräche zwischen Freud und Jung haben durchaus auch kollegialen, fast gleichberechtigten Charakter. Jung und die Jungianer würden Dir sofort wiedersprechen. Jung sah sich eher als Bleuler-Schüler, wenn überhaupt. Dass er der Freuds Kronprinz war ist unbestritten, hat aber damit wenig zu tun.
Ich führe diese Diskussion hier mit Dir mit gemischten Gefühlen, weilich als Freudianer ein bißchen selbst dazu neige, Jung als Schüler von Freud zu sehen. Aus „intellektueller Sauberkeit“ muss ich aber den Standpunkt der Jungianer hier mit ins Feld führen.
Gruß, Branden

2 „Gefällt mir“

Aus „intellektueller Sauberkeit“ muss ich aber den Standpunkt der
Jungianer hier mit ins Feld führen.

Leider läßt Dein Posting die von Dir angekündigte „intellektuelle Sauberkeit“ stark vermissen. Wenn wir sowohl Jung als auch Jungianer zu Wort kommen lassen, bestätigen sie meine Auffassung und widersprechen der Deinen.

Hören wir C.G. Jung selbst. Er schreibt an Freud:

"1003 Seestraße 18.XII.12
Küsnach-Zürich

Lieber Herr Professor!

Darf ich Ihnen einige ernsthafte Worte sagen? Ich anerkenne meine Unsicherheit Ihnen gegenüber, habe aber die Tendenz, die Situation in ehrlicher und absolut anständiger Weise zu halten. Wenn Sie daran zweifeln, so fällt das Ihnen zur Last. Ich möchte Sie aber darauf aufmerksam machen, daß Ihre Technik, Ihre Schüler wie ihre Patienten zu behandeln ein Mißgriff ist. Damit erzeugen Sie sklavische Söhne oder freche Schlingel (Adler-Stekel und die ganze freche Bande, die sich in Wien breitmacht). Ich bin objektiv genug, um Ihren Trick zu durchschauen. Sie weisen rund um sich herum alle Symptomhandlungen nach, damit setzen Sie die ganze Umgebung auf das Niveau des Sohnes und der Tochter herunter, die mit Erröten die Existenz fehlerhafter Tendenzen zugeben. Unterdessen bleiben Sie immer schön oben als Vater. Vor lauter Untertänigkeit kommt keiner dazu, den Propheten am Barte zu zupfen und sich einmal zu erkundigen, was Sie denn zu einem Patienten sagen, welcher die Tendenz hat, den Analytiker zu analysieren anstatt sich selber. Sie fragen ihn doch: ‚Wer hat denn eigentlich die Neurose?‘

Sehen Sie, mein lieber Herr Professor, solange Sie mit diesem Zeug laborieren, sind mir meine Symptomhandlungen ganz wurscht, denn die wollen gar nichts bedeuten neben dem beträchtlichen Balken, den mein Bruder Freud im Auge trägt. - Ich bin nämlich gar nicht neurotisch - unberufen! […] Wann Sie dann selber einmal ganz komplexfrei geworden sind und gar nicht mehr Vater spielen an Ihren Söhnen , denen Sie beständig auf die schwachen Punkte zielen, indem Sie sich selber einmal aufs Korn nehmen, dann will ich in mich gehen und meine lasterhafte Uneinigkeit mit mir selber Ihnen gegenüber mit einem Mal ausrotten. […] Adler und Stekel sind Ihrem Trick aufgesessen und wurden kindisch frech. Ich werde öffentlich zu Ihnen halten, unter Wahrung meiner Ansichten, und werde insgeheim in meinen Briefen anfangen, Ihnen einmal zu sagen, wie ich wirklich über Sie denke. […]"

Mit besten Grüßen

Ihr ganz ergebener

Jung"

Jung reiht sich damit eindeutig in die Gruppe der Freud-Schüler Adler und Stekel ein, die Freud wie neurotische Patienten behandelt. Nur mit dem Unterschied, daß Jung Freuds „Trick“, seinen Schülern Neurosen „nachzuweisen“ und sie dadurch kleinzuhalten, zu „durchschauen“ und deshalb nicht zum „frechen Schlingel“ zu werden meint. Wie sehr er sich darin irrt, zeigt der Brief natürlich sehr deutlich. Auch er rebelliert gegen den „Vater“ Freud und wird zum „frechen Schlingel“.

Welch gleichberechtigte, kollegiale und erstrebenswerte Atmosphäre herrscht doch unter den Analytikern!

Jung und die Jungianer würden Dir sofort wiedersprechen.

Wie wir gelesen haben, stimmt Jung Deinem Standpunkt nicht zu. Was sagen aber Jungianer dazu? Als was bezeichnen sie Jung im Verhältnis zu Freud? Lassen wir sie zu Wort kommen:

„Die analytische Psychologie wurde von Carl Gustav Jung (*1875 +1961) begründet, der als Schüler von Sigmund Freud um die Jahrhundertwende Einsichten in die Tiefen der menschlichen Psyche bekam. Im Spannungsfeld zwischen der Freud’schen Tiefenpsychologie und der Psychologie seines Schülers Adler suchte Jung seinen Weg“
(Quelle: Internetseite der C.G. Jung Gesellschaft Köln e.V., http://www.cgjung.org/analytisch.htm)

Halten wir fest: Sowohl Jung als auch Jungianer sehen Jung als Schüler Freuds und widersprechen damit Deiner Auffassung. Wahrscheinlich ist das kein Wunder, denn Du zählst Dich zu den Freudianern und hast daher ein gewisses Abgrenzungsbedürfnis gegenüber Jung. Aber

So einfach ist es eben NICHT.

Gruß,

Oliver Walter

3 „Gefällt mir“

Hallo Oliver
Natürlich kenne ich diese Briefe und ich könnte Dir jetzt „zum Ausgleich“ wiederum Briefe zitieren, wo Jung diesen Standpunkt revidiert und sich dagegen verwahrt, als Freud-Schüler gesehen zu werden, aber das bringt ja nichts. Jung wechselt im Laufe seines Lebens so oft so viele Standpunkte, dass man auch den von Dir zitierten Brief als eine Art Speichelleckerei sehen kann. Insofern bin ich nicht einmal Dein Gegner in dieser Ansicht. Ich könnte soviel gegen Jung und für Freud vorbringen, dass es uns alle Angst und Bange werden könnte - oder aber uns tierisch langweilen würde.
Ganz konkret auf Dein Ausgangsposting zu diesem Hörspiel bezogen: Ich habe mich wahrscheinlich deswegen in die Diskussion eingeschaltet, weil ich es müde bin, dass die Verhältnisse immer gerade mal so gedreht werden, wie es den Leuten passt. In diesem Fall trifft es weniger Dich als die Journalisten, die den kurzen Artikel/Hinweis für das Hörspiel geschrieben haben. Um beide, also Freud und Jung, zu denunzieren, passt es sehr gut, Jung als Freud-Schüler gerade mal hinzustellen. Wenn man jetzt gerne nur einen von beiden fertig machen möchte (bekanntes Freud-Bashing zum Beispiel), dann werden die beiden wieder schön auseinander definiert. Das war es, was mich öärgerte und was mich gleichsam den Hintergrund als intelletuell unsauber empfinden ließ.
Gruß, Branden

1 „Gefällt mir“

Hallo Branden,

dann können wir diese unerquickliche Diskussion abschließen.

Grüße,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

dann können wir diese unerquickliche Diskussion abschließen.

Abschließen ja, Oliver, aber so unerquicklich fand ich sie letztlich garnicht. Wenn sie absolut irrelevant gewesen wäre, hätte es wohl kaum Sternchen gegeben. Es gibt also EINIE Leute hier, die sich für sowas interessieren ,-).
Gruß, Branden

Brandianer vs. Walteraner

dann können wir diese unerquickliche Diskussion abschließen.

Abschließen ja, Oliver,

Schade, schon fertig?

aber so unerquicklich fand ich sie
letztlich garnicht. Wenn sie absolut irrelevant gewesen wäre,
hätte es wohl kaum Sternchen gegeben. Es gibt also EINIE Leute
hier, die sich für sowas interessieren ,-).

Ich hatte mir gerade eine Tüte Erdnussflips und was zu trinken geholt.

Naja vielleicht hab ich Glück und auf DSF läuft gerade ein alter Mohammed Ali Film.

Zapp Jan

Schade, schon fertig?

Tjaaaa, was sol man machen, Jan…

Ich hatte mir gerade eine Tüte Erdnussflips und was zu trinken
geholt.

Das kann ich gut nachvollziehen :wink:

Naja vielleicht hab ich Glück und auf DSF läuft gerade ein
alter Mohammed Ali Film.

der wäre wohl richtig frisch gegen uns alte Streithammel, was?
Gruß, Branden