Moin,
Im Grunde weiß doch jeder
Student im Grundstudium, der eine Vorlesung Statistik hinter
sich hat (zumindest in BWL) das Erkenntnisse hier nur etwas
taugen, wenn die Fragestellung stimmt und die untersuchte
Gruppe von den Eigenschaften her zur Fragestellung passt und
repräsentativ ist.
Was soll denn „die Fragestellung stimmt“ heißen? Die
Fragestellung sollte die Methodik bestimmen. Meinst Du das?
Jein. Wenn man herausfinden will, wie Studenten der Psychologie an der Uni Kiel auf Bartträger reagieren (Fragestellung), würde die Studie der Fragestellung vermutlich entsprechen und keiner würde meckern. Man müsste dann höchstens genauer hinschauen, ob in der Stichprobe Geschlechterverteilung, Alter etc. gemäß der Verteilung der Studenten der Psychologie an der Uni Kiel repräsentiert wären.
Und was soll im konkreten Fall „die Gruppe von den
Eigenschaften her zur Fragestellung passen“ heißen? Soweit ich
bisher sehe, ging es um die Einschätzung von Bartträgern durch
Menschen. Ob noch genauer differenziert wurde, weiß ich nicht.
Eben. In diesem Fall handelte es sich eben nicht um irgendwelche Menschen, sondern um Studenten der Psychologie an der Uni Kiel. Und über niemand anderen sagt diese Studie etwas aus. Vermutlich sagt diese Studie sogar mehr über Psychologiestudenten an der Uni aus, als über die Wirkung von Bartträgern 
Wenn ich Einschätzungen über Tätowierungen untersuchen wollte,
würde ich mir vorher Gedanken darüber machen, wovon diese
Einschätzungen abhängen könnten und dann meine Stichprobe
auswählen.
Ganz genau das meinte ich oben mit "die untersuchte Gruppe von den Eigenschaften her zur Fragestellung passt und repräsentativ ist.
Wenn ich glaube, daß diese Einschätzungen in
unterschiedlichen Populationen unterschiedlich ausfallen, ich
aber in einer Studie nur eine Teilpopulation untersuchen
konnte, dann schreibe ich in der Arbeit: „Die Ergebnisse
könnten aufgrund folgender Überlegungen nur für die
untersuchte Population gelten. Deshalb sind weitere
Untersuchungen in anderen Populationen notwendig.“ Hat die
Diplomandin das geschrieben?
Hat sie ?
Das will ich zu ihren Gunsten zumindest hoffen, ändert aber nichts an der Sinnhaftigkeit solcher „Studien“. Aber allein dass du diese Frage überhaupt aufwirfst (es also nicht als selbstverständlich ansiehst) finde ich schon reichlich aufschlussreich.
Ich darf dir garantieren, wenn die aufgrund solcher „Studien“
von Psychologen getroffenen Entscheidungen teilweise
Milliardeninvestitionen von Unternehmen nach sich ziehen
würden, dann würden auch Psychologen anders arbeiten müssen.
Das ist albern. Ergebnisse aufgrund von Untersuchungen an
kleinen und kleinsten Stichproben von Teilpopulationen können
durchaus ihren Wert haben und bleibende Erkenntnisse liefern.
Welchen ? (Außer etwas über diesen ganz speziellen Einzelfall auszusagen)
Ich hatte Dir das Beispiel der Klassischen Konditionierung
genannt, die ja sogar an Vertretern einer anderen Art
erforscht wurde. Außerdem nannte ich in dem anderen Posting
Einzelfallstudien. Beispiele hierfür wären Watsons Studie mit
dem kleinen Albert oder - im Fall der Psychoanalyse - Freuds
Studien über Hysterie (obwohl ich die Ergebnisse nicht für
bleibend halte). Konrad Lorenz´ Graugänse waren auch nicht
repräsentativ für alle Graugänse, geschweige denn die Tierwelt
und doch haben seine Befunde wichtige Erkenntnisse gebracht.
Das finde ich sehr nett von dir, dass du hier alle möglichen Studien nennst, die ich eh nicht kenne und somit auch gar nicht beurteilen kann, ob diese irgend etwas mit der Studie zutun haben, um die es hier geht. Es würde also völlig ausreichen, wenn du mit deiner Begründung der Sinnhaftigkeit und des Erkenntnisgewinns bei der konkreten Studie bleibst. Also ganz konkret: Was für wichtige Erkenntnisse meinst du aus der Studie, um die es hier geht, ziehen zu können ?
Fein, solange du aufgrund solcher lustigen Prämissen niemandem
ein Produkt verkaufen willst, kannst du ruhig weiter spielen.
Aber vermutlich wirst du jetzt Arguemtieren, dass im Gegensatz
zur Einschätzung von Bartträgern, Kaufentscheidungen keine
allgemeinpsychologischen Prozesse sind *fg*.
Marion, Marion, Marion. Wo, glaubst Du denn, kommen die
Theorien über Kaufprozesse her? Schlag mal Deine
Marketing-Bücher auf und vergleiche deren Theorien mit
psychologischen. Es ist ja sogar so, daß die Marketing-Leute
regelmäßig bei den Psychologen „klauen“. Die Darstellung
psychologischer Paradigmen (S-R-Modell oder S-O-R-Modell) in
manchen BWL-Bücher ist allerdings für einen Psychologen recht
erheiternd, weil diese Darstellung manchmal sehr oberflächlich
und ungenau sind.
Keine Sorge, Marktforscher beziehen ihr Wissen nicht nur aus oberlächliche gehaltenen BWL-Büchern für interessierte Laien.
Dennoch, ca. 90% aller Produkt-Neueinführen floppen, obwohl gewichtige Instrumente der Marktforschung, Psychologie und weiß der Himmel was noch alles aufgefahren werden und die Ergebnisse all dieser Studien etwas anderes nahelegen (sonst würd man das Produkt ja gar nicht erst auf den Markt bringen).
Ich wüsste nicht, warum die Quote bei anderen Bereichen der Psychologie besser sein sollte, nur dürfte es bei den anderen Bereichen der Psycholgie schwieriger sein, die paar Tops aus den vielen Flopps herauszufinden. Im Bereich der Wirtschaft kann man das schlicht an den späteren Verkaufszahlen ablesen, wie gut die Studie war.
Sicher, wenn du mir vorher in einer umfassenden Studie
bestätigst, dass es sich bei den untersuchten Vorgängen hier
um „allgemeinpsychologische Prozesse“ handelt. Nach meinem
Verständnis wären dabei aber Untersuchen einer ausreichend
repräsentativen Gruppe erforderlich, um dies erstmal zu
klären. Nur die Tatsache, dass du oder sonstwer das wohl
irgendwie annimmt , ist mir ehrlich gesagt so dünn, dass
ich auf die Ergebnisse solcher Studien nicht mal einen Euro
geben würde.
Nein, normalerweise macht man erst einmal ein paar
exploratorische Untersuchungen, um zu schauen, ob die eigenen
Hypothesen überhaupt in der Empirie standhalten können. Wenn
das schon in Teilpopulationen nicht klappt, läßt man weitere
Untersuchungen bleiben. Erst wenn etwas herauskommt, macht man
größere Untersuchungen und differenziert stärker.
Das musst du mir nicht sagen 
Aber wo würdest du denn in diesem Zusammenhang die fragliche Studie einordnen ?
Es würde bereits reichen, wenn einer der kompetentesten und
sympatischsten Dozenten der befragten Studentengruppe
Bartträger ist, um das Ergebnis völlig zu verfälschen und auf
andere Personengruppen unübertragbar zu machen.
Genau. Jetzt müßtest Du eine Studie machen und nachweisen, daß
Deine Vermutung korrekt ist. Denn ohne diesen Nachweis ist
Dein Argument nur eine Vermutung, die auch unzutreffend sein
kann.
Stimmt, aber im Gesensatz zu dieser Studie, werde ich auch nicht in „Psychologie heute“ zitiert.
Klar, wenn ich irgendwo mit dem Hammer draufhau, ist es auch
meistens platt, egal was es vorher war. Und ? Hilft uns das
bei der Einschätzung von Bartträgern jetzt irgendwie weiter ?
Ja, mein Beispiel der Klassischen Konditionierung hilft
weiter, weil es zeigt, daß man auch an Teilpopulationen
wertvolle Erkenntnisse gewinnen kann.
Das hat hier auch niemand angezweifelt, es ist eben nur die Frage, ob diese auch bei der betreffenden Studie der Fall sein kann. Also wiederhole ich meine Frage: Welchen wertvollen Erkenntnisgewinn meinst du aus der fraglichen Studie ziehen zu können ?
Und auf welcher Grundlage kannst du dir das vorstellen ?
Auf der Grundlage der Studien über die Einschätzung von
Bartträgern, die es seit mindestens Ende der 60er Jahre gibt,
die in verschiedenen Populationen durchgeführt wurden und
welche ähnliche Ergebnisse wie die Studie von Frau Strauß
ergaben.
Kannst du mir die mal nennen ? Ich kann dir wenigestens zwei andere psychologische Studie nennen, die etwas anderes behaupten: http://www.google.de/search?q=cache:27KZPBtSKMQJ:www…
Wogalter, M. S., and Hosie, J. A., „Effects of Cranial and Facial Hair on Perceptions of Age and Person,“ Journal of Social Psychology , vol. 131, no. 4, pp. 589-91 (1991).
Muscarella, F., and Cunningham, M. R., „The Evolutionary Significance and Social Perception of Male Pattern Baldness and Facial Hair,“ Ethology and Sociobiology, vol. 17, no. 2, pp. 99-117 (1996).
Oha, eine Stichprobe richtet sich einzig und allein danach,
für welche Gruppe sie repräsentativ sein soll. Ich glaub das
lernt man in der ersten Vorlesungsstunde in Statistik.
Das ist Unsinn. Stichprobengrößen sollten auch nach der
vermuteten Effektstärke und der statistischen Power
ausgewählt, um maximale Effizienz der Untersuchung zu
gewährleisten.
Klar, wenn ich nur ausreichend „Effektstärke“ und „statistische Power“ vermute , dann reicht es maximal effizient wenn ich nur einen Menschen befrage. Tolle Wurst. Noch effizienter wäre es, überhaupt keine Studie durchzuführen, sondern gleich einfach nur niederzuschreibe, was man vermutet.
[Geschichte Stichproben]
Dann darf man daraus aber auch keine verallgemeinernden
Schlüsse ziehen.
Doch, das machen wir nämlich bei den PISA-Studien so. Die
erhobenen Daten aus einer mehrfach geschichteten Stichprobe
werden mit Gewichten versehen, welche die
Stichprobenergebnisse repräsentativ machen. Die Gewichte
berechnen sich aufgrund der Informationen, wie die Stichprobe
gewonnen wurde.
Bravo. So soll es ja auch sein.
Wenn du allerdings ausschließlich Studenten befragst, wie willst du hier schichten und mit Gewichten versehen, um die Studie z.B. für eine Menschengruppe repräsentativ machen, die außer Studenten auch noch anderen Menschen repräsentieren soll ? Das Kunsttück möchte ich gerne mal sehen 
Gruß
Marion