Hallo Lisa,
ja, ja, der gute Herr Pollmer … Darf ich auch noch ein bisschen Senf dazutun. 
Der Mann hat, so unterstelle ich, schlicht und einfach eine Marktlücke gefunden!
Das 500tausendste Buch über Ernährung, Abnehmen, Diäten zu schreiben, zusätzlich zu den im Handel bereits befindlichen 499.999, wird keine Tantiemen in 6stelliger Höhe mehr abwerfen (die hat der pfiffige Dr. Strunz schon abgegriffen, allerdings hat der zum Beweis seiner Vitaminzufuhr-These ein bisschen mehr Einsatz gezeigt und ist wenigstens als lebendes Beispiel den Ironman gelaufen … 
Also, welche Chance bleibt einem ehemaligen Wissenschaftsjournalisten und Unternehmensberater, der richtig Geld verdienen will? Er dreht sich um und marschiert in 180°-Richtung davon, sprich: er reiht sich nicht in die Masse der Diätbuchschreiber, sondern tritt daraus hervor, indem er eine absolut konträre, völlig unpopuläre Meinung vertritt.
Sein Opium wirft er sehr geschäftstüchtig unters Volk der zahllosen gescheiterten Abnehmwilligen, denn seine Religion ist eine, mit der es sich in frustriertem Zustand, weil auch die X-te Diät wieder nicht erfolgreich war, bestens identifizieren lässt.
„Ich bin kein Freund von, nun ja, Laubwerk. Ein Kopfsalat entspricht ernährungsphysiologisch etwa einem Papiertaschentuch und einem Glas Wasser. Ich esse lieber etwas Nahrhaftes.“
Liest sich das für einen Currywurst-Pommes-Dauerkonsumenten nicht ganz wunderbar? Immerhin spricht der Lebensmittelexperte!
Allerdings gern auch verallgemeinernd, sich stets die gängigen Klischees heraussuchend - DIE versteht nämlich Otto Normalo am besten, weshalb Widerspruch oder gar Kritik seitens seiner Anhänger kaum zu erwarten ist.
Wer über einen längeren Zeitraum Gewichtsprobleme hat und diese aus Mangel an Disziplin nicht in den Griff bekommt, für den müssen Pollmers ‚Lehren‘ Balsam für die Seele, seine Bücher ein sanftes Ruhekissen fürs schlechte Gewissen sein.
„In der Tat hat sich mein Gewicht in den letzten zehn Jahren deutlich verändert – früher war ich eher der sportliche Typ. Die Menschen ändern sich halt.“
Ja, sie werden älter, bequemer und damit unbeweglicher. Ihr Stoffwechsel verlangsamt sich, Muskeln erschlaffen, Knochen werden brüchiger. Es stellen sich Zipperlein ein, die wiederum die Bewegungsfähigkeit einschränken and so on …
„Aber ich bin sowieso je länger, je mehr der Überzeugung, dass Gewichtsfragen herzlich wenig mit dem Essen zu tun haben.“
Womit denn? Mit ‚schweren Knochen‘? Wieder so eine Halbwahrheit! Sofern es sich bei den „Gewichtsfragen“ um exogen-alimentäres Übergewicht handelt, hat dies insofern mit Essen zu tun, als dass essen Kalorien_zufuhr_ bedeutet. Findet diese Zufuhr keinen adäquaten Verbrauch, ist Übergewicht die Folge. Da beißt die Maus keinen Faden ab!
Essen, und hier meine ich sowohl die Auswahl der Speisen (das Essen) als auch die Tätigkeit der Nahrungsaufnahme an sich (essen), wird dann kein Thema sein, wenn unterm Strich für eine negative Energiebilanz gesorgt ist - diese Erkenntnis ist weit älter als der beleibte Autor selbst.
„Es gibt einen einfachen Beleg dafür: Wenn Essen dafür verantwortlich wäre, dass man dicker wird, dann müssten die ernährungstechnischen Ratschläge der letzten fünfzig Jahre, die von Millionen Menschen ausprobiert worden sind, doch wirksam gewesen sein.“
Och, das ist ja einfach! Und DAS ist jetzt der Beleg, dass Nachdenken übers Essen dick macht?
10 Jahre nach Kriegsende zählten Worte wie Diät und Gewichtsreduktion gewiss nicht zum gängigen Vokabular der arbeitenden Bevölkerung. Jahrzehnte später gelten leider ganz andere Regeln, denn irgendwann fehlte bei all dem Wohlstand das rechte Maß: sowohl beim Essen, weil zu viel, als auch bei der Bewegung, weil zu wenig.
Der gute Herr P. spielt mal eben auf die A-Z-Diäten (von Ananas bis Zucchini) an und führt deren Unwirksamkeit als Beweis für seine Theorien:
„Aber wir sehen genau das Gegenteil. Es hat nichts funktioniert.“
Das stimmt nun! Aber fehlt da nicht eine Kleinigkeit? Er vergaß zu erwähnen, dass seit Beginn der Menschheit Essen (= Kalorienzufuhr) untrennbar mit Bewegung (= Kalorienverbrauch) gekoppelt ist, um normal-/gesundgewichtig zu bleiben, erst recht natürlich beim Abnehmen.
Wer sich DARAN hält, hat niemals eine „Diät“ nötig!
Wenn aber nun das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, was dann …?
Herr Pollmer macht nach meiner Auffassung sein Geschäft mit der Verbreitung von Allgemeinplätzen, Wahrheiten, die - zugegebenermaßen - heute oft in Vergessenheit geraten, aber keinesfalls neu sind:
Es isst (wiegt/lebt/bewegt sich) automatisch ‚richtig‘, wer das eigene Körpergefühl wahrnimmt und darauf hört. Leider ist diese Fähigkeit den meisten Menschen (ich nehme mich selbst da nicht aus) heutzutage verlorengegangen, sonst gäbe es u.a. das Übergewichtsproblem nicht.
Wer sich je ernsthaft mit der Thematik beschäftigt hat, weiß das.
Naja, damit könnte ich jetzt noch Stunden weitermachen…
Aber mit den fadenscheinigen Argumenten kann sich niemand mit
Übergewicht davor drücken, was dagegen zu tun - nicht im
Interesse einer Mode, sondern im Interesse der eigenen
Gesundheit.
(natürlich nur meine sehr persönliche Meinung)
Meine auch. 
Gruß,
Birgitt