ich suche Spielfilme aus welchen man lernen kann - damit meine ich nicht irgendeine Moral sondern konkretes Wissen. Beispielsweise konnte man beim Film „Memento“ etwas ueber das Gedaechtnis lernen.
Wer kennt weitere informative Filme, moeglichst mit wenig Gewalt/Action?
Kurz nachgefragt: was hast du denn bei Memento konkret gelernt? Das man mit einem defekten Erinnerungsvermögen ohne Moral seine eigene Existenz rechtfertigt, in dem man einen unschuldigen Mann erschießt?
Hm,
in Rain Man kann man etwas über Authismus lernen, dann fällt mir gleich Helen zum Thema Depression ein. In der Richtung käme noch einiges.
Es gibt reichlich Historienfilme, die mehr oder weniger historisch exakt sind, etliche politische, kulturelle und religiöse Dokus mit Spielfilmcharakter. Natur- und speziell Tierthemen sind durchaus mit pädagogischem Wert als Spielfilme verarbeitet.
Vielleicht konkretisierst Du mal, um welche Themen es gehen sollte, und wie fundiert oder visionär das „Wissen“ sein soll oder darf.
Ich bin nicht auf der Suche nach einem bestimmten Thema, so lange ein Film halbwegs informativ ist bin ich daran interessiert, z.B. hab ich mir schon Filme aus China angesehen die zwar von der Handlung nicht umwerfend waren aber das Leben in China zu einer bestimmten Zeit dargestellt haben.
Die genannten Filme kenne ich teilweise schon und fand sie auch sehr interessant - kennst Du noch mehr dieser Art?
Vielleicht mal in ne andere Richtung: Kundun als Biographie des 14 Dalai Lama und die Situation Tibets fand ich sehr interessant, dazu am besten gleich Rad der Zeit, eine liebevolle Doku von Werner Herzog.
Kinshasa Symphony, El Sistema: Dokumentarfilme über musikalisch- sinfonische Projekte in Afrika und Südamerika - ist das zu dokumentarisch?
In Biografien wie „Capote“, „Walk the Line“, „Elizabeth“, „Ray“ oder „Amadeus“ oder Ereignisfilmen wie „Bobby“, „Social Network“ und „Quiz Show“ lernst du was über Person, Zeitgeschehen, Business etc.
In „Enigma“ über Ver- und Entschlüsselungen von Codes im 2.WK.
In „Gosford Park“ über Diener- und Herrschaft vor dem Krieg.
In „Radio Rock Revolution“ was über Radio in den 50ern.
In „Philadelphia“ über die Wahrnehmung von Aids.
Um psychische Krankheitsbilder geht’s in „A beautiful mind“ oder „Vincent will Meer“.
In der großartigen BBC-Serie „State of Play“ um Journalisten- und Politikeralltag. Gibt’s angeblich auch nen Film von.
hm, dir ist aber klar, dass dieses bruchstückhafte „Wissen“, dass du aus Spielfilmen ziehen kannst, in Teilen auch falsch sein kann, weil es Regie, Drehbuch, den Umständen oder was auch immer geschuldet ist? Ich meine, du könntest dir auch einige Folgen „Emergency Room“ reinziehen, um etwas über Medizin, Notaufnahmen und die Probleme von Krankenschwestern zu lernen. Aber nun gut, ein paar Vorschläge:
Lorenzos Öl, beruht auf einer wahren Geschichte, beschäftigt sich mit der seltenen Krankheit Adrenoleukodystrophie.
Das Leben der Anderen, Thema Stasi (hier fängts aber schon an mit der historischen Genauigkeit…)
I am Sam, geistig Zurückgebliebener und sein Umgang mit seiner Tochter (ausgesprochen toller Film und sicher lehrreich)
Ein Sommernachtstraum (1999, mit Michelle Pfeiffer und Kevin Kline), vermittelt auf ausgesprochen amüsante Art ein literarisches Standardwerk
hm, dir ist aber klar, dass dieses bruchstückhafte „Wissen“,
dass du aus Spielfilmen ziehen kannst, in Teilen auch falsch
sein kann, weil es Regie, Drehbuch, den Umständen oder was
auch immer geschuldet ist? Ich meine, du könntest dir auch
einige Folgen „Emergency Room“ reinziehen, um etwas über
Medizin, Notaufnahmen und die Probleme von Krankenschwestern
zu lernen.
selbstverständlich hast du in allemeiner Betrachtung absolut Recht. Ich will aber dennoch - einfach als gedankliche Anregung - eine Gegenposition einwerfen.
Meines Erachtens kann man nämlich zumindest als medienkompetenter Zuschauer aus beinhahe jedem Spielfilm einen Wissenszuwachs erzielen. Nämlich dann, wenn man den Film als Anregungversteht und dann beginnt, „abzugleichen“. So könnte man beim Beispiel „Emergency room“ durchaus die Frage stellen: „Geht das denn wirklich?“, bei Filmen mit historischen Bezügen „War das wirklich so?“ und selbst bei „Enterprise“ ist die Frage möglich „welche literarische Vorlage steckt denn da drin?“ (da gibt’ viel Shakespear).
Du hast insofern Recht, als dass Filme dazu anregen können, das eigene Wissen zu erweitern, indem man sich mit einem Thema beschäftigt. Das ja. Aber zum Wissenserwerb? Das meinte ich, also den Punkt bezweifle ich. Spielfilme sind und können keine Lehrfilme sein. Allerdings war mein Beispiel mit ER natürlich auch ein bissl gemein, schließlich gilt die Serie ja noch als eine der realistischsten, zumindest was den amerikanischen Medizinbetrieb betrifft
stimmt, sonst hießen sie ja nicht „Spielfilm“, sondern „Lehrfilm“ oder „Dokumentation“.
Ich wollte dir auch gar nicht widersprechen, sondern wollte lediglich auf die Wichtigkeit der Anschlusskommunkation mit dem jeweiligen Medium hinweisen. Es geht hier darum, nachzudenken, Fragen zu stellen abzugleichen usw.
Geschieht das nämlich nicht oder nicht ausreichend - wird der Film also nur konsumiert - so kann selbst der beste, teuerste und phänomenalste Lehrfilm nichts bewirken.
Anschlusskommunikation! Das hast du jetzt aber schön gesagt
leider ist das nicht von mir. Für die Lese- und Medienkompetenz im Rahmen der Deutschdidaktik haben K. Spinner et.al. den Begriff geprägt und diese bauen wiederum auf Niklas Luhmann auf.
in der Liste fehlt definitiv „Syriana“ - der Film ist so vollgepackt mit politischen Zusammenhängen und Nuancen, dass er manchmal etwas schwierig sein kann. Trotzdem absolut empfehlenswert!
Falls du Probleme mit dem Verständnis des Inhalts hast, habe ich praktischerweise auch gleich ein FAQ-Summary auf imdb geschrieben, das findest du hier: http://www.imdb.com/title/tt0365737/faq .
Gruß
Anwar
PS: Die TV-Serie „Rom“ ist auch sehr interessant, wenn auch sehr reißerisch aufgemacht. Aber durchaus authentisch und in groben Zügen auch einigermaßen akkurat.