ERGEBNIS … was draus wurde
Nachdem ich nun heute das Vorstellungsgespräch hatte, möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten, was draus geworden ist. Nur für die, die es auch interessiert, wie es zu meiner Frage gekommen ist.
Vorgeschichte
Erst mal ist zu sagen, daß es eine Vorgeschichte zu dieser Firma gibt. Im Januar dieses Jahres kontaktierte ich diese Firma wegen eines Vermittlungsvorschlages der ARGE/BA telefonisch. Ich wurde (natürlich) sofort eingeladen. Dort angekommen begrüßte mich ein älterer Herr mit gelben Zähnen und Kippe in der Hand mit einem freundlichen „Na, hast Du nen Vorstellungstermin?“. Weiterhin saßen dort knapp 20 Personen (90% nicht deutschstämmig) in einem Raum und füllten fleißig Personalbögen aus. Alle 1-2 Minuten flog eine Tür auf und ein Disponent brüllte in den Raum „Jemand feddich? Hier rein!“. Mein Gespräch dauerte ca. 3 Minuten und wurde eröffnet mit dem Satz „also um das mal direkt zu sagen, Facharbeiter können Sie sich abschminken, das gibt’s nicht, als Helfer können wir sie brauchen für 7 Euro, aber da ham wir auch grad nix“. Ich habe mich am gleichen Tag noch bei der ARGE/BA massiv über diese Firma beschwert.
Anruf
Gestern erhielt ich einen Anruf von besagter Firma. Man erzählte mir lang und breit, daß man ein Angebot für mich hätte, 10 Euro die Stunde, nicht allzuweit entfernt, morgen unterschreiben, übermorgen gehts los. Nachdem ich dann fragte, wie ich zu der Ehre käme, weil mir doch diese 7-Euro-Geschichte widerfahren sei, sagte er mir das könne nicht stimmen, in meinem Personalbogen würde 10 Euro stehen. Wir haben einen Termin für 10 Uhr abgemacht. Ich habe gebeten, daß er mir den Arbeitsvertrag schon im Vorfeld per Fax zukommen lässt, damit ich mir diesen in Ruhe durchlesen kann. Dies wurde mir verweigert mit der Aussage „das machen wir nicht, den können Sie sich morgen durchlesen bevor Sie unterschreiben“. Das hat mich dann (mal wieder) stutzig gemacht.
Heute Morgen
Nachdem ich dann eine Nacht drüber geschlafen hatte, habe ich heute morgen kurzerhand entschlossen, den Termin abzusagen. Ich habe mir die ganzen Vorkomnisse und das Bild, das ich von der Firma hatte und das gestrige Telefonat nochmal durch den Kopf gehen lassen und entschieden, daß da was faul ist.
Für alle Kritiker: Das hat jetzt nichts damit zu tun, daß ich nicht arbeiten WILL. Ihr könnt Euch gerne mal mit jemandem unterhalten, der schon genau wie ich im Bezug auf solche Firmen ein „gebranntes Kind“ ist.
Ich rief also die Firma an und sagte, daß ich es mir anders überlegt hätte, ich möchte den Termin absagen. Die Antwort darauf war dann mit einem extremen „mir-doch-egal-Ton“ in der Stimme: „Dann melde ich dem Arbeitsamt eben zurück, daß Sie keine Lust zum Arbeiten haben und dann kriegen Sie ne Sperre“. Ich fragte dann, was denn diese Äußerung soll, ich wüsste nichts von einem Vermittlungsvorschlag. Das wurde dann beantwortet mit „das haben wir gestern kurzfristig geklärt, das geht definitiv übers Arbeitsamt“. Schweren Herzens habe ich mich dann entschlossen, den Termin doch wahrzunehmen.
Daraufhin rief ich meinen für mich zuständigen Arbeitsvermittler an. Dieser sagte, er wüsste nichts von einer Vermittlung, hat dann aber extra nochmal im System nachgeschaut, da es ja auch über jemand anders abgewickelt worden sein könnte. Im System war aber weit und breit nichts zu finden, nur der Januar-Vorschlag bzgl. dieser Firma. Er gab mir den Tipp, ich solle den Termin einfach mal wahrnehmen, um mir das Ganze anzuschauen, ich könne dann ja immer noch ablehnen.
Das Gespräch
Bei der Firma angekommen, hat auf das erste Klingeln keiner reagiert. Beim zweiten Klingeln ging dann die Tür auf. Man muss sich das übrigens nicht wie ein Bürogebäude oder einen Industriekomplex vorstellen. Hier wurde in einer relativ runtergekommenen Gegend in einem normalen Wohnhaus in der ersten Etage über einem Kiosk einfach eine runtergekommene Wohnung zu einem Büro umfunktioniert.
Begrüßt wurde ich mit „tut mir leid, wir räumen grad um“. Das Erste, was ich festgestellt habe: Es wurde seit Januar fast die komplette Belegschaft ausgetauscht. Alles neue Gesichter.
Wir haben dann kurz im Büro gesprochen und mir wurde der Arbeitsvertrag eines anderen Mitarbeiters ausgehändigt, damit ich mir diesen durchlesen kann. Hallo?!? Datenschutz?!? Nunja, nun weiß ich, daß Herr XXXXX als Industriemechaniker für XXXXX Euro Stundenlohn und XXXXX Euro außertarifliche Zulage seit gestern bei dieser Firma arbeitet.
Ich habe dann nochmal die alte Geschichte mit den 7 Euro angesprochen und ihn gebeten, mir doch einmal diesen Personalbogen zu zeigen. Dort sah ich dann die alte Zeile mit den 7 Euro. Diese war so dick und oft mit Kuli durchgekritzelt worden, daß man NICHTS mehr erkennen konnte. Darunter war in einer anderen Handschrift „10 Euro“ geschrieben.
Der Arbeitsvertrag war eigentlich soweit in Ordnung. Kein Wunder, sind ja meist Standardverträge. Allerdings gab es da eine Klausel, die mich etwas gestört hat.
Deutschlandweit einsetzbar
Da ich nicht bereit war, ohne eine zusätzliche Vereinbarung über Reisekosten in eine „deutschlandweite Verwendung“ einzuwilligen, habe ich dies zur Sprache gebracht.
Man muss anmerken, daß ich bei meiner letzten Zeitarbeitsfirma zwei verschiedene Einsätze hatte, bei denen die Anreise ca. 850 Kilometer betrug. Mal abgesehen davon, daß man nur noch den Samstag als Wochenende hat, weil man Sonntags morgens wegfährt und in der Nacht von Freitag auf Samstag nach Hause kommt, zahlt man bei den Kilometern ordentlich aus der eigenen Tasche drauf. Die leider übliche Regelung sind hier 10 Euro pro VOLLE 100 Kilometer, was im besten Fall 10 Cent und im schlechtesten Fall 5 Cent pro Kilometer entspricht. Dies deckt bei den heutigen Preisen nicht einmal den Benzinverbrauch, vom Verschleiß einmal abgesehen.
Nun habe ich das also angesprochen und bekam die Antwort „müssen Sie ja nicht machen, wir arbeiten hier nur in 30-50 Kilometer Umkreis“. Ich habe dann angemerkt, daß es trotzdem im Vertrag stehe und wenn es dann eines Tages doch soweit kommen sollte, ich dazu verpflichtet sei, dies doch zu tun. Die Antwort: „Sie müssen gar nix. Sie werden nur zu Einsätzen geschickt, in die Sie vorher einwilligen. Ohne Einwilligung geht das nicht. Und dann sagen Sie halt einfach, daß Sie das nicht machen, dann muss ich Ihnen was anderes suchen.“
Ich habe darauf hingewiesen, daß es im Vertrag eine Klausel gibt, daß Lohnanspruch bei schuldhaftem Nichtantritt oder schuldhaftem Abbruch durch den Arbeitnehmer sofort entfällt. Also bestünde doch die Möglichkeit, daß mir das Geld gestrichen wird, wenn ich mal zu einem Einsatz nicht einwillige. Dieses Argument hat ihn dann dazu gebracht: „_ Eventuell können wir über eine Änderung der deutschlandweiten Einsätze im Vertrag reden_“.
Ende
Außerdem habe ich angebracht, daß das übliche Verfahren „heute unterschreiben, morgen anfangen“ zu kurzfristig ist und ich gerne 1-2 Tage Bedenkzeit hätte. Ich sagte, daß der Arbeitsvertrag und die angebotene Stelle mir gefallen und wenn er mir bis Freitag Bedenkzeit gibt, so daß ich Freitag zur Unterschrift reinkomme und Montag anfange, wir uns einig wären.
Antwort: „Sie haben doch gar keine Lust zu arbeiten, ich wünsch Ihnen noch viel Spaß in Ihrer Arbeitslosigkeit!“