Im Herbst 2002 haben wir eine etwa 6 Monate alte Streunerin aufgenommen. Eine äußerst hübsche dreifarbige Katze. Sie folgt uns inzwischen fast wie ein Hund (außer es raschelt im Gebüsch). Sie mag uns, aber besteht auf ihrem Recht auf Freiheit. Sie hat Freigang (aufgrund des starken Lastverkehrs zum Betrieb am Ende der Straße nur nach Feierabend). Sie hat nur einmal ins Haus gekotzt. Da war ich morgens etwas hektischer als sonst und sie war irritiert und hat ihr Frühstück geschlungen. Und dann hat sie es direkt vor mich auf die Arbeitsfläche neben der Spüle gekotzt. Inzwischen hat sie sich daran gewöhnt, dass es auch mal hektischere Tage gibt. Sie braucht aber dennoch beim Fressen ihre Ruhe. Wir bemühen uns, nicht an ihr vorbeizulaufen, wenn sie frisst. Ich liebe sie, bin insofern wie die meisten Katzenhalter absolut euphorisch. Aber sie macht auch Dreck, wenn sie draußen mal wieder durch einen Bagger spaziert ist und mit Öl und Diesel eingeschmiert ist, durch Schlamm gerannt ist und dann wieder rein kommt und es sich im Wäschekorb auf der frisch gewaschenen Wäsche gemütlich macht oder direkt auf das Bett springt. Sie kratzt an der Tapete, auf den Sitzflächen unserer Stühle und würde auch am neuen Sofa kratzen, wenn wir das nicht unterbinden würden. Sie sagt mir, wann sie kuscheln, wann sie fressen und wann sie raus will. Sie hat mir sogar schon mal befohlen, ins Bett zu gehen, weil sie unbedingt dort unter der Decke an meinem Bauch liegen wollte. Das hat mich doch schon ziemlich beeindruckt.
Ein halbes Jahr, nachdem wir sie (oder sie uns) adoptiert hatte(n), wollten wir ihr einen Spielgefährten geben und haben aus dem Tierheim einen kleinen roten Kater geholt (13 Wochen alt). Erst war sie stinkig, dann hat sie mit ihm gespielt. Dann kam er in die Pubertät und sie wurde krank. Sie wurde gesund gepflegt, er wurde kastriert (sie wurde kastriert, als sie ein viertel Jahr bei uns war). Es hat sich dann herausgestellt, dass wir ihr keinen Gefallen taten mit dem Katerchen. Sie mag andere Katzen nicht. Ist nach „Feindkontakten“ draußen (z. B. mit dem jungen Nachbarskater) immer sehr gestresst und faucht dann unseren Kater an, wenn er nur in Sichtweite kommt. Aber ansonsten haben sich die beiden arrangiert und sich draußen das Territorium aufgeteilt. Sie spielen nur nicht miteinander. Der Kater kotzt übrigens sehr oft, mal auf die Terrasse, mal vor’s Bett, mal in den Keller, mal ins Wohnzimmer. Er ist extrem verfressen und lernt es einfach nicht, dass die Moschussekrete von Waldspitzmäusen dieselben ungenießbar machen. Er klaut uns auch das Essen vom Tisch, frisst sehr gern schwefelhaltiges (getrocknete Früchte, Möhren, Radieschen, Meerrettich, Paprika, etc.). Er nagt an Brot und Kuchen und eigentlich ist nichts vor ihm sicher (außer normales Obst). Aber wir vergöttern ihn. Wenn nichts Essbares in der Nähe ist, kann man alles mit ihm machen. Er lässt sich am Bauch kraulen, fängt sofort an zu schnurren und die Augen zu schließen, wenn er hochgehoben wird und ist zudem noch wunderschön. Und man kann ihn dressieren, weil er so verfressen ist. Er beherrscht die Kommandos „sitz!“ und „Männchen!“.
Bei der nächsten Renovierung werden die Zimmer etwas katzenfreundlicher gestaltet: An den typischen Kratzstellen werden große Sisalkratzbretter angebracht, in der Hoffnung, dass sie lieber am Sisal als an der nach frischer Farbe riechenden Tapete kratzen. Kaufen wir neue Möbel, denken wir auch an Rückzugsmöglichkeiten für die Katzen (beim neuen Sofa eben Kratzbaum mit vielen Aussichtsplattformen und so ein Höhlentürmchen in der Nähe, damit die Katzen ihre eigenen Orte hat und nicht das Sofa als ihren Liegeplatz annehmen).
Wir haben zwei Katzenklos, bislang zwei Kratzbäume, zwei Höhlentürme und jede Menge Spielzeug. Wir haben zwei getrennte Futterplätze. Für den Kater im Flur und für die Katze in der Küche. Der Kater hat absolutes Küchenverbot (weil halt nichts vor ihm sicher ist). Er kann Türen öffnen, selbst wenn die Klinke nach oben gestellt ist. Er würde sicher auch lernen, wie man normale Küchenschränke öffnet. Die Küche ist immer abgeschlossen, wenn wir nicht in der Küche sind. Das bedeutet für die Katze, dass sie eingeschlossen ist, wenn sie frisst, und für uns, dass wir sie dort nie vergessen dürfen, weil sie sonst eventuell dort irgendwohin sich erleichtern muss. Aber es ist ihr immer noch lieber, als dauernd von uns oder dem Kater gestört zu werden. Sie hat die Küche als Rückzugsgebiet akzeptiert, in das der Kater nicht darf. Sie möchte auch manchmal hinein, obwohl sie nicht fressen will. Ansonsten wollen die Katzen aber fast immer in demselben Raum sein wie wir.
Bis denne
Schnoof