Wieviel können diese Leute wirklich? (also jetzt im Vergleich
zur Serie deren Schlüsse über die Psyche eines Täters mir
öfters etwas weit hergeholt erscheinen)
Und kennt jemand Bücher oder sonstige Infos mit dem man sich
selbst gezielt in diese Richtung weiterbilden kann? Speziell
würde mir da die Art der Gesprächsführung und auch die
Einschätzung einer Person einfallen (welche Themen wären da
noch interessant?)
Criminal Minds vermischt zwei Dinge: Die Fallanalyse (also das Begutachten eines Tatorts mit anschließender Täter-Profilierung) und die Verhandlungsstrategie. Anders als in der Serie hat das eine nichts mit dem anderen gemeinsam und wird von verschiedenen Spezialisten ausgeführt.
Ich kann Dir nur etwas zur Verhandlung sagen:
Die Thematik heißt allgemein „neurolinguistische Programmierung“ (NLP, oft verwechselt mit NLPt, Pt für Psychotherapie) und hat Bezug zur forensischen Kommunikationspsychologie (FKP) und forensischen Dialoganalyse (FDA).
Der Sinn der FKP besteht darin, aus dem Kommunikationsverhalten eines Menschen möglichst genau seine Psyche zu verstehen. Dabei muss nicht unbedingt ein Dialog zwischen Analyst und Zielperson erfolgen, oft reichen auch Ton- und Videoaufzeichnungen oder Beobachtung.
Dieses Verständnis ermöglicht es dann in einem Dialog mit der Zielperson,
(1) …das Gesprächsklima genau einzustellen. Im Allgemeinen schafft man z.B. eine positive Atmosphäre durch schleichende Imitation der Körperhaltung, der Atem- und Lidschlagfrequenz.
(2) …Gespräche mit der Zielperson vorauszuberechnen und zu kontollieren. Man kann relativ genau vorhersagen, welche Reaktion bestimmte sprachlichen (z.B. Intonation) und körpersprachlichen Signale bei einem Menschen auslösen. Dabei spielen neben der sensiblen Wahrnehmung des fremden Auftretens v.a. die Fähigkeiten des Verhandlers bei der Steuerung seiner eigenen Mimik, Haltung und Stimmlage eine Rolle.
Die FDA befasst sich mit dem Gesprochenen selbst und besteht haupsächlich aus Sprachwissenschaft in Verbindung mit Logik. Anwendungen sind investigative (nicht-beweiskräftige) Befragungen in der Kriminalistik und die offene Gesprächsabschöpfung bei Nachrichtendiensten. Die Arbeitsweise sieht so aus, dass man Gesprächsmaterial meist anhand von Aufzeichnungen analysiert (ausgenommen der offenen Gesprächsabschöpfung). Aus der Syntax, der Wortwahl und dem Inhalt zieht man möglichst viele Informationen, die nicht genau abzugrenzen sind. Man kann z.B. ergänzend zur FKP Aufschluss über den Wahrheitsgehalt einer Aussage erhalten oder einfach nur persönliche Daten gewinnen.
Um die Erkenntnisse der FDA in der NLP anwenden zu können, muss der Verhandler einerseits relevante Information von unbedeutender trennen, andererseits z.B. in gewissem Umfang Dialekte und soziale Sprachebenen beherrschen.
FKP und FDA liefern also die Informationen, die für eine erfolgreiche neurolinguistische Programmierung nötig sind. Dazu muss noch gesagt werden, dass die NLP in kritischen Situationen (Geiselnahmen) nie von einer Person alleine ausgeführt wird, weil ein Kopf für die Einschätzung aller Eventualitäten nicht ausreicht. Zudem ist es nicht möglich, lediglich aus dem Gespräch alle Daten zu gewinnen. Menschen sind in ihren kommunikativen Verhaltensmustern sehr verschieden, weil sie in unterschiedlichen Umgebungen aufwachsen und leben. Die FDA wird durch konventionelles Einholen von Hintergrundinformationen ergänzt, z.B. über die familiäre Situation, Einkommen, Hobbies etc.
Ergänzungen für die FKP stecken noch in den Kinderschuhen, werden aber teilweise schon angewandt. Üblich ist z.B. die technische Stimmanalyse (Layer Voice Analysis), bei der eine Computersoftware den Verhandlungsführer über den emotionalen Zustand des Gesprächspartners informiert. Mit der technischen Auswertung der Mimik wird experimentiert.