Hallo Silviquiek!
Ich denke ich muss mal einige Dinge klären: nicht jeder schwarz aussehende Filter ist ein IR-Filter. Dein „Schwarzfilter“, den du für SoFi-Aufnahmen gekauft hast ist kein Infrarot-Filter. Es ist nur ein „Neutraldichte-Filter“, der idealerweise das Licht für alle Wellenlängen gleichmäßig abschwächt.
Wenn du einen sinnvollen Einsatzzweck suchst, dann stell deine Kamera mal auf ein stabiles Stativ und richte sie auf einen belebten Platz, wo viele Leute rum laufen oder Autos fahren. Stell manuell Blende 11 ein und belichte 2-4 Stunden. Du wirst ein Bild eines menschenleeren Platzes bekommen. Da sich die Menschen bewegen, kriegst du auf das Bild nur das was sich nicht bewegt. Alles was sich bewegt, wird verwischt. Da sich die bewegten Objekte im Vergleich zur gesamt-Belichtungszeit nur sehr kurz im Bild aufhalten, stören sie das Bild nur unwesentlich. So kannst du mit deinem Filter tolle Experimente machen.
Die Silizium-basierten Sensoren von Digitalkameras sind über das sichtbare Spektrum hinaus noch etwas im nah angrenzenden Infrarotbereich (NIR) empfindlich. „Echtes Infrarot“ wie bei Wärmebildkameras ist das allerdings nicht. Bei normalen Bildern, die möglichst genau das widergeben sollen, was das menschliche Auge auch sieht, ist die infrarot Empfindlichkeit eher störend. Deshalb ist vor dem Digitalsensor ein Filterglas, das Infrarotlicht größtenteils absorbiert. Da die Absorbtion nicht vollständig ist, bleibt eine geringe Restempfindlichkeit für NIR-Licht vorhanden. Das ist aber ungewollt, ein sog. „Dreckeffekt“. Wenn man nun einen Filter vor die Kamera packt, der nur noch NIR-Licht durchlässt, dann bekommt man ein System, das nur noch sehr wenig Lichtsignal sieht, da nur noch Licht aufgenommen wird, das die beiden Filter nicht richtig weggeblockt haben. Du siehst nur noch die „Dreckeffekte“. Wenn man solche Bilder macht, können, wenn man Glück hat, ganz witzig verfremdete Aufnahmen dabei raus kommen. Aber der Gag wird sehr schnell reizlos, weil das doch alles mehr oder weniger Zufallsprodukte sind. Mit etwas Geschick kriegt man sowas auch aus einem normalen Bild mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen hin.
Will man ernsthaft im NIR-Bereich fotografieren, dann muss man etwas mehr Aufwand treiben. Entweder man arbeitet analog, mit IR-Film, oder man baut eine DSLR zur IR-Kamera um (oder lässt umbauen). Bei einem Umbau einer DSLR wird der Filter vor dem Sensor durch einen anderen ersetzt, welcher NIR-Licht noch durchlässt. Gleichzeitig wird der Fokuspunkt verschoben, weil für NIR-Licht die Objektive eine andere Brennweite haben als für sichtbares Licht. Damit wird klar, daß so eine umgebaute IR-Kamera nicht mehr für normale Bilder einsetzbar ist.
Lässt man eine Kamera umbauen, dann kostet das ca. 200-300 Euro. Plus die Kosten für den umzubauenden Body. Das muss man schon wirklich wollen. Für eine kleine Spielerei ist das zu viel Geld. Meistens wird das von Hobbyastronomen gemacht, die Sterne im NIR-Spektrum fotografieren wollen.
Bei einer analogen Kamera ist das anders. Man braucht nur einen IR-Film einzulegen und bei der Fokusierung manuell zu arbeiten und dabei den IR-Offset zu berücksichtigen. Viele ältere Objektive aus analog Zeiten haben einen eigens angebrachten „IR-Index“, meist ein roter Strich oder einen roten Punkt. Der hilft ein für sichtbares Licht fokusiertes Bild auf IR-Licht zu fokusieren. Stellt man dann ein echtes IR-Filter (nicht dein SoFi-Filter) vor das Objektiv, bekommt man recht einfach und billig IR-Bilder. Das teuerste dabei ist das IR-Filter. Sowas kostet neu 70-100 Euro. Vielleicht als Schnäppchen gebraucht bei E-Bay zu kriegen.
Man sieht, wenn man nur mal ein wenig mit IR bzw. NIR-Bildern rumspielen möchte, dann lieber analog.
Liebe Grüße,
Thomas.