Ingenieurs-Diplomarbeit auf Englisch verfassen?

Hallo Wer-Weiss-Was-Gemeinde,

ich werde demnächst mit meiner Diplomarbeit in einem Ingenieurs-Studiengang beginnen. Im weitesten Sinne wird es sich thematisch um DVB drehen, das Thema ist also international relevant, Quellen und Literatur dazu gibt’s deswegen überwiegend in Englisch. Und jetzt habe ich mir überlegt, ob es klug wäre, die Diplomarbeit auch gleich in Englisch zu verfassen.

Ich mache mir insgesamt wenige Illusionen, dass sich irgendwann noch mal jemand für den Inhalt meiner Arbeit interessieren wird, aber mir ist es zuletzt bei der Recherche für meine Studienarbeit passiert, dass ich über Arbeiten gestolpert bin, die vielleicht hilfreich für mich gewesen wären, mit denen ich aber nichts anfangen konnte, weil sie in einer für mich nicht verständlichen Sprache abgefasst wurden (Finnisch zum Beispiel :smile: ).

Neben diesem altruistischen Aspekt damit der Forschung dienlich zu sein, hab ich allerdings auch noch handfeste egoistische Motive für mein Vorhaben: Ich beherrsche Englisch in schriftlicher Form ganz brauchbar und erhoffe mir, dass meine zusätzlichen Bemühungen in der Bewertung entsprechend honoriert werden. Außerdem vermute ich, dass es später bei Bewerbungen einen Unterschied macht, ob man einfach nur ‚Englischkenntnisse‘ angibt, oder ob man vorweisen kann, seine Abschlussarbeit in dieser Sprache verfasst zu haben (mit einem Auslandsaufenthalt kann ich bisher leider nicht dienen).

Mein Betreuer zeigt sich meinem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen, bürokratisch wäre der Mehraufwand (formlosen Antrag stellen und bei Abgabe zusätzlich eine deutsche Zusammenfassung einreichen) ebenfalls zu verkraften. Kommilitonen haben mir allerdings einen Vogel gezeigt als ich ihnen von meinen Plänen erzählt habe. Ich bin mir darüber im Klaren, dass dieses Vorhaben aufwändiger werden wird als eine Abschlussarbeit in meiner Muttersprache zu verfassen, schätze den Mehraufwand aber als überschaubar ein. Aber vielleicht irre ich mich da ja.

Deshalb: habt Ihr vielleicht ein paar Denkanstöße für mich? Habt Ihr Eure Abschlussarbeit in einer Fremdsprache verfasst bzw. habt ihr sowas vor? Würdet Ihr sagen, es hat sich gelohnt? (Selbstverständlich lohnt sich das allein schon von dem Standpunkt aus, dass man seine verschütt’ gegangenen Sprachkenntnisse wieder auffrischt, aber ich meine jetzt bezüglich Ruhm und Ehre :wink: oder sowas.)

Herzlichen Dank für Eure Beiträge schon im Voraus.

Beste Grüße
Kerstin

Sei Gegrüßt,
generell find ich deine idee ganz gut aber ob sie der Mühe lohnt muß du selber entscheiden.
Ich kann dir hier nur meine Erfahrungen Schildern.
Es sei zunächst gesagt, daß ich selber Dipl Ing der Allg. E.Tech bin,
viel im Ausland arbeite wo englisch pflicht ist, und dazu noch selbstständig.
Ich kann dir hier nur von meinen Erfahrungen berichten, ob das generell
gilt weiß ich nicht.
Zuerst sei dir gewiß, das die Prüfer eine englische Arbeit nicht schlechter
bewerten, als eine deutsche.
Das was ich in meiner Diplomarbeit gemacht habe konnte ich später e nicht nutzen.
Das bedeutet das eine Vielzahl der Vokabeln nie wieder genutzt werden.
Du bekommst im Studium nur die Grundlage zur Selbsthilfe geliefert.
Am Anfang deiner Berufswelt geht Lernen erst richtig los.
Ich hatte damals auch gedacht ich könnte Englisch. Als ich in den
Südstaaten von USA war wurde ich belehrt.
Ich hab nichts verstanden.
Im technischen Bereich gibt es Ausdrücke die muß man vor Ort erst mal lernen.
Als Beispiel versuch mal heraus zu bekommen was ein Flipper oder Butterfly ist.
Richtiges Englisch lernt man nur im Beruf.
Als Kriterium für mich jemanden einzustellen gilt nicht die speziellen
englischen Fachausdrücke zu können sondern das Sprach Englisch, um
mit den Leuten reden zu können.
Der richtige Umgang mit Menschen ist wichtig.

Sorry, ich will dir deine gute Idee nicht madig machen aber erhoff
dir nicht zu viel davon.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen

Gruß Norbert

Hallo Kerstin,

wie mein Vorschreiber habe ich Allg. E-Technik studiert, bin dann aber in die Technische Dokumentation gegangen.

Im weitesten Sinne wird es
sich thematisch um DVB drehen, das Thema ist also
international relevant, Quellen und Literatur dazu gibt’s
deswegen überwiegend in Englisch. Und jetzt habe ich mir
überlegt, ob es klug wäre, die Diplomarbeit auch gleich in
Englisch zu verfassen.

anders als mein Vorschreiber kann ich aber nur sagen: „Mach mal!“ Du magst vielleicht die eine oder andere Vokabel dringend suchen, mit guten Wörterbüchern sollte sich das aber beherrschen lassen. Was Du Dir aber einsparst, ist das Problem, deutsche Ausdrücke für Termini suchen zu müssen, die bisher nicht oder nur sehr fragwürdig eingedeutscht wurden. Beispiel aus Entwickler"deutsch": Dann wird die File gelockt. Gut das Beispiel ist eine echte Schlamperei, aber (ich nehme mal an, dass Du mit DVB Digital Video Broadcasting meinst) übersetze mal Broadcasting in genau dem Sinn, der hier gemeint ist! Mir ist es im Rahmen meiner Berufstätigkeit oft untergekommen, dass ich selber für solches Denglish einen deutschen Begriff habe suchen müssen. in der Diplomarbeit hätte ich das aber nicht unbedingt auch noch machen müssen wollen (Uff, bei dem Satz lässt Cicero grüßen).

Ich mache mir insgesamt wenige Illusionen, dass sich
irgendwann noch mal jemand für den Inhalt meiner Arbeit
interessieren wird, aber mir ist es zuletzt bei der Recherche
für meine Studienarbeit passiert, dass ich über Arbeiten
gestolpert bin, die vielleicht hilfreich für mich gewesen
wären, mit denen ich aber nichts anfangen konnte, weil sie in
einer für mich nicht verständlichen Sprache abgefasst wurden
(Finnisch zum Beispiel :smile: ).

Das ist natürlich ein weiteres Argument.

Neben diesem altruistischen Aspekt damit der Forschung
dienlich zu sein, hab ich allerdings auch noch handfeste
egoistische Motive für mein Vorhaben: Ich beherrsche Englisch
in schriftlicher Form ganz brauchbar und erhoffe mir, dass
meine zusätzlichen Bemühungen in der Bewertung entsprechend
honoriert werden. Außerdem vermute ich, dass es später bei
Bewerbungen einen Unterschied macht, ob man einfach nur
‚Englischkenntnisse‘ angibt, oder ob man vorweisen kann, seine
Abschlussarbeit in dieser Sprache verfasst zu haben (mit einem
Auslandsaufenthalt kann ich bisher leider nicht dienen).

Das hängt von den Menschen ab, die Deine ersten Bewerbungen zu Gesicht kriegen. Später interessiert das Studium und seine Themen nicht mehr so besonders.

Mein Betreuer zeigt sich meinem Vorhaben gegenüber
aufgeschlossen,

Auch notenmäßig?

Kommilitonen haben mir allerdings einen Vogel gezeigt als ich
ihnen von meinen Plänen erzählt habe.

Mir wurde auch der Vogel gezeigt, als ich sagte, dass ich in die Technische Dokumentation gehen möchte. Was Du willst, musst Du wissen. Ich hatte damals übrigens auch Kommilitonen, die schon jammerten, wenn sie ein englisches Datenblatt lesen mussten. Also mach Dich nicht abhängig von denen!

Ich bin mir darüber im
Klaren, dass dieses Vorhaben aufwändiger werden wird als eine
Abschlussarbeit in meiner Muttersprache zu verfassen, schätze
den Mehraufwand aber als überschaubar ein. Aber vielleicht
irre ich mich da ja.

Zum Aufwand siehe mein Kommentar oben: Es kann auch sein, dass Du Dir etwas sparst.

Deshalb: habt Ihr vielleicht ein paar Denkanstöße für mich?

Ich hoffe, dass mein Denkanstoß Dich weiter gebracht hat. Ich wünsche Dir darüber hinaus viel Erfolg für Deine Abschulssarbeit.

Gruß, Karin

Sicher, warum nicht?
Hallo Kerstin,

ich würde auch sagen: wenn Du meinst, daß Dein Englisch dafür gut genug ist, und wenn Dein Prof dafür aufgeschlossen ist, nur zu!

Ich habe meine Studienarbeit auf französisch geschrieben (weil icxh sie auch in Frankreich gemacht habe) und fand das durchaus eine positive Erfahrung. Die Anerkennung hier war auch kein Problem, ich mußte nur eine deutsche Zusammenfassung schreiben. Und Französisch ist unter en Profs in Deutschland sicherlich weniger verbreitet als Englisch, von daher sollte Englisch erst recht keine Schwierigkeiten in dieser Hinsicht machen.

Also leg los!

Gruß Kubi

Hallo Kerstin,

die Idee find ich OK, aber ein Rat.
Wenn Du nicht absolut fit bist, laß die Arbeit von einem Muttersprachler gegenlesen. Es passiert schnell, daß man eine Blödsinnphrase eingebaut hat, die im günstigsten Fall zu Heiterkeit führt.

Gandalf

Hallo Kerstin!

Entscheidend ist die fachliche Substanz der Diplomarbeit sowie die mathematische und sprachlich saubere Darstellung. Gandalf erwähnt das Problem: Du wird kaum alle sprachlichen Mehrdeutigkeiten und Feinheiten irgendeiner Fremdsprache beherrschen. Deshalb wird es nicht reichen, die Arbeit von einem Muttersprachler Korrektur lesen zu lassen. Es muß ein muttersprachlicher einschlägiger Fachmann sein und der wird nach aller Voraussicht nicht nur Korrektur lesen, sondern komplett überarbeiten müssen.

Nach aller Erfahrung drückt irgendwann die Zeit. Ich kann darauf wetten, daß Du gegen Ende der zur Verfügung stehenden Zeit den Entschluß fremdsprachlicher Abfassung verfluchen wirst. Ich würde mir den zusätzlichen Stolperstein an Deiner Stelle ohne Not nicht in den Weg legen.

Du führst aber gute Gründe für Dein Vorhaben an. Realisiere es, ohne zusätzlichen Zeitdruck einzubauen: Will sagen: Kein Antrag für die fremdsprachliche Abfassung. Solltest Du wider Erwarten genug Zeit haben, nachdem die Arbeit in deutscher Sprache fertig ist, mache Dich an die englische Version.

Gruß
Wolfgang

Du führst aber gute Gründe für Dein Vorhaben an. Realisiere
es, ohne zusätzlichen Zeitdruck einzubauen: Will sagen: Kein
Antrag für die fremdsprachliche Abfassung. Solltest Du wider
Erwarten genug Zeit haben, nachdem die Arbeit in deutscher
Sprache fertig ist, mache Dich an die englische Version.

Gruß
Wolfgang

Ich denke jetzt auch,daß die Antwort von Wolfgang die bisher beste ist.

Gruß
Norbert

vielen Dank für Eure Antworten!
Hallo!

Vielen lieben Dank für Eure Antworten, Eure Beiträge fand ich alle sehr hilfreich.

Mein Plan sieht jetzt erst mal wie folgt aus: Ich werde mich erkundigen, ob der Antrag auf eine englische Abfassung bereits direkt bei der Anmeldung des Themas eingereicht werden muss. Falls das auch nachträglich möglich ist, werde ich mir wie von Wolfgang vorgeschlagen die Entscheidung noch eine Weile offen halten und erst mal schauen, wie leicht die Dokumentation von der Hand geht.

Falls es Euch interessiert, werde ich im Herbst mal berichten, was am Ende daraus geworden ist.

Euch allen einen guten Start in die neue Woche & schöne Grüße
Kerstin