Inhalt Buch 'Sprachen lernen'

Hallo Leute

Ich habe diesen Text erst weiter unten bei meiner gestrigen Frage
gepostet, aber da hat ihn keiner entdeckt.

Wen es interessiert:
Ich hab’ mir das Buch „Sprachen lernen“ (siehe etwas weiter
unten)gestern aus der Bibo geholt und bis zum Abend
durchgelesen. „Man muss der Zeit haben“, mag jetzt mancher denken.
Aber gestern hatte ich das Glueck, in einem langweiligen Vortrag zu
sitzen und da habe ich das meiste schon geschafft.
Neben den Klassikern unter den Ratschlaegen wie mehrkanaliges Lernen
und dass man sich immer neue Situationen suchen soll, in denen man
die Sprache anwenden kann u.s.w., will ich mal kurz das fuer mich
Interessante darstellen.
Erstaunt war ich, dass der Autor so tut, als ob Ueberlernen
schaedlich waere, also das Wiederholen von Vokabeln, die man schon
gut kann. Das halte ich fuer falsch. Je oefter man eine Vokabel
wiederholt, desto besser, da jeder neue Abruf zu einer tieferen
Verankerung im Gedaechtnis fuehrt. Richtig ist allerdings, dass man
die Vokabeln nicht immer im selben Kontext abrufen sollte, da der
Kontext mit abgespeichert wird. So kommt es, dass einem ein Wort
nicht einfaellt, wenn man eine fremdsprachige E-Mail schreibt, obwohl
man es auf der Vokabelliste sofort hersagen kann. Hauptsaechlich aus
diesem Grund lehnt der Autor Vokabellisten ab und zieht
Karteikaertchen, oder noch besser einen Computer, vor.
Weiterhin empfiehlt er seine Wohnung mit Zetteln und Postern zu
behaengen, auf denen man im Vorbeigehen Vokabeln oder Phrasen
aufschnappt. Und auch Mindmaps und selbstgemalte und -beschriftete
Bilder seien sinnvoll. Glaube ich auch alles.
Eine Sache macht mir das Buch dann doch bewusst: Dass man keine
Wortgleichungen der Art
tree | Baum
lernen, sondern immer die Woerter in einen typischen Kontext stellen
sollte. Es macht dem Gehirn nicht mehr Muehe eine Wortgruppe oder
einen kurzen Satz zu lernen als ein einzelnes Wort. Eine gute
Variante waere:
Many … make a forest. | Baeume | trees.
Man versucht dann zunaechst die Luecke aus dem Kontext zu schliessen,
wenn das nicht klappt, schielt man auf’s deutsche Wort und wenn man
es dann immer noch nicht weiss, muss man eben den gesuchten Begriff
selbst angucken. Nachteil dieses Vorgehens ist, dass man schon in der
Lage sein muss, korrekte Saetze zu bilden. Am Anfang muss man dann
die Saetze des Lehrbuchs uebernehmen. Es sind solche Saetze zu
bevorzugen, zu denen man einen emotionalen oder persoenlichen Bezug
hat, die irgendwie witzig oder abstossend sind. Belanglosigkeiten wie
„The mother is watching TV“ vergisst man zu schnell wieder. Besser
waere „The mother is watching her husband eating dogshit.“ Und dass
muss man sich dann bildlich vorstellen.
Wenn ich in meine Vokabellisten gucke, die ich vor ein oder zwei
Jahren draufhatte, dann muss ich feststellen, dass ich 2/3 davon
nicht mehr weiss. Trotzdem beherrsche ich die Sprache besser als
damals. Das liegt wohl daran, dass die Woerter der Listen oft
unwichtig sind. Das weiss man vorher natuerlich nicht. Wenn ich mich
dann weiter mit der Sprache befasse und viel lese, findet eine
natuerliche Selektion statt: die nuetzlichen und haeufigen Woerter
behalte ich, die unnuetzen vergesse ich wieder. Ich bin gespannt, ob
ich auch unwichtige Woerter mit der oben beschriebenen Methode nach
1-2 Jahren noch weiss.
Diese Methode finde ich gut, nur hat sie ihre Grenzen. Nur ein
kleiner Teil des praktischen Wortschatzes besteht aus Substantiven,
die dann auch noch eindeutig Dinge bezeichnen, wie eben Baum, Tisch,
Heizung. Bei Verben, die je nach Kontext, hunderttausend Dinge
beschreiben koennen, wird es schon schwieriger und bei Partikeln ist
es dann ganz schwierig. Aber man soll ja kreativ sein, jedenfalls
sowas wie
up | hoch, aufwaerts, laut, auf …
ist Quatsch.
Weiterhin fand ich den Hinweis gut, Vokabeln in Bedeutungsfelder zu
sortieren. Normalerweise stehen in Vokabellisten die Woerter in
bunter Mischung untereinander. Da ist es besser, wenn man alle
Woerter und Phrasen, die z.B. etwas mit Einkaufen zu tun haben,
zusammen lernt. Oder solche, die Koerperteile bezeichnen. Man kann
sich auch vorstellen, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und alle
dafuer erforderlichen Schritte in der Fremdsprache durchgehen und
dabei entdeckte Luecken zu fuellen.
Dass es sinnlos ist, Grammatikregeln zu lernen ist klar. Stattdessen
soll man die Regel auf Signalwoerter reduzieren und sie sich an
typischen Formulierungen einpraegen und sie, wenn noetig, mit Gesten
wie Faustballen oder Wellenlinie-in-die-Luft-malen unterstuetzen.
Neu war mir auch die Empfehlung, sich die fremde Wortstellung dadurch
einzupraegen, indem man deutsche Saetze mit der fremden Wortstellung
formuliert, also
What are you looking at? | Was bist du sehend an?
Na ja, ich weiss nicht.
Am Ende des Buches wird noch beschrieben, wie man Texte liest und wie
man das Speedreading lernt.
Alles in allem ist es ein empfehlenswertes Buch.

Ich hoffe, das habe ich jetzt nicht umsonst getippt. Vielleicht ist
es ja dem einen oder anderem nuetzlich.

Gruss, Tychi

Du hast hier eine ziemlich gute und brauchbare Zusammenfassung abgeliefert, tychi. Lesen sollte das Buch allerdings jeder selbst.

Dass es sinnlos ist, Grammatikregeln zu lernen ist klar.

Diese Aussage stimmt nicht, außer man hat endlos Zeit und möchte ein paar hundertmal auf die Nase fallen, z. B. bezüglich der (obligatorischen) Zeitenfolge in Konditionalsätzen. Regeln helfen auf jeden Fall in der Anfangsphase, im Erstkontakt mit Phänomenen, die vom muttersprachlichen Gebrauch divers sind. Sie ökonomisieren den Sprachwerwerb erheblich. Vorausgesetzt, sie sind verdaulich formuliert … ;-/

Gruß

jo perrey (FU-Lehrer)