Inhaltsangabe

Hallo!

Ich habe folgenden Text als Vorlage für eine Inhaltsangabe.

"Aufgabe

  1. Fassen Sie den Inhalt der Glosse zusammen.

Oliviero Toscani
… die beste aller Welten
Halleluja! Treten Sie ein in die beste aller Welten, das Paradies auf Erden, das Reich der
Glückseligkeit, der sicheren Erfolge und der ewigen Jugend. In diesem Wunderland mit
immer blauem Himmel trübt kein saurer Regen das glänzende Grün der Blätter, nicht der
kleinste Pickel wölbt die babyrosa Haut der Mädchen, und niemals verunziert ein Kratzer
die spiegelblanken Karosserien der Autos. Auf leer gefegten Straßen fahren junge Frauen
mit langen, braun gebrannten Beinen in schimmernden Limousinen, die soeben aus der
Waschanlage kommen. Unfälle, Glatteis, Radarkontrollen und geplatzte Reifen sind ihnen
fremd. Wie Aale schlängeln sie sich durch die Staus der Großstädte, gleiten geräuschlos
zu geräumigen Altbauwohnungen oder zu luxuriösen Wochenendhäusern mit unbezahlbaren
Möbeln.
Dort erwarten sie Opapa und Omama – natürlich in Topform – inmitten eines Blumenmeeres
und zu den heiteren Klängen eines Violinkonzerts. Die Kinder hüpfen lachend um
sie herum und sind außer sich vor Freude. Sie weinen nicht mehr, bekommen nie Läuse
oder Scharlach und sie stecken auch niemals die Finger in die Steckdose. Ihre Mami –
zwanzig Jahre alt, kein Gramm Zellulitis und ohne einen einzigen Schwangerschaftsstreifen
– wickelt singend die strammen Babypopos, die niemals vollgeschissen sind, sondern
wunderbar duften.
Gut aussehende junge Banker empfangen Papi, ihren besten Freund, in ihren Bürolandschaften
und versprechen ihm das süße Leben. Keine Engpässe mehr am Monatsende,
Kredite, Finanzierungspläne, Rentenversicherung, Bausparpläne – kein Problem! Aufgeklärt,
ach was: erleuchtet geht Papi nach Hause, jetzt ist Schluss mit der Krise, Schluss
mit Entlassungen, Arbeitslosigkeit, Konkursverfahren. Mit seiner neuen Kreditkarte
gehört ihm die Welt, er kann mal eben nach Saint-Tropez oder nach Bangkok jetten, mit
Sohnemann auf den Malediven Haie fischen oder sich in einem Vier-Sterne-Hotel in Gu-
ayaquil mit Mädchen in String-Bikinis amüsieren. Keine schlaflosen Nächte mehr, es
genügt, die Zauberkarte in den Traumautomaten zu schieben – lebe jetzt, zahle später. Begeistert
ruft er, Telefonrechnung hin oder her, Mami an, die sich eine ihrer zahllosen
Schönheitskuren in den Bergen oder an einem Palmenstrand, (aber ohne Eingeborene)
gönnt.
Wozu sich Sorgen machen? Braun gebrannte Vierziger hinter imposanten Schreibtischen
kümmern sich um alles und versichern Sie gegen alle Risiken und alle Krankheiten – aber
psst! dieses Wort ist hier verboten! Sie erstatten Ihnen, ohne mit der Wimper zu zucken,
alle Arztkosten und sorgen dafür, dass Sie Ihren Ruhestand in einem Landhaus mit nachgemachtem
Fachwerk und altmodischem Kachelofen verbringen können.

(Zitiert nach: Deutsch: Profile. Schoeningh Verlag)"

Meine Frage dazu ist:

Da es sich hierbei ja um eine Glosse handelt und der Autor den kompletten Text ironisch verfasst hat, muss ich diese Ansicht doch auch so wiedergeben oder?
Die Regeln für die Inhaltsangabe lautet ja u.A.

  • Sachlich
  • Kurz
  • Frei von Wertung

Das bedeutet doch für mich, ich kann schreiben „Er formuliert die beste aller Welten überspitzt als Paradies auf Erden und Reich der Glückselingkeit“
Denn in diesem Text geht er ja auch nicht am Ende darauf ein, dass diese Welt so nicht funktioniert, sondern bleibt dabei, es sei die perfekte Welt.
Auch kann ich die Passage mit der 20 jährigen Mutter nicht als Paradox bezeichnen, denn Wertungsfrei gesehen, ist das seine Ansicht, richtig?

Ich muss in dieser Inhaltsangabe dann wohl darauf achten, diese Welt als seine zu formulieren, oder?

Die Zweite Aufgabe ist ja „2. Welche sprachlich-rhetorischen Mittel werden in der Glosse verwendet?“

Dort findet die realität und der bezug zu seinen übertriebenen Aussagen Platz, richtig?

Viele Grüße

Hallo,

Meine Frage dazu ist:

Da es sich hierbei ja um eine Glosse handelt und der Autor den
kompletten Text ironisch verfasst hat, muss ich diese Ansicht
doch auch so wiedergeben oder?

was verstehst Du unter „Ansicht“? Er zeigt auf, wie die Welt in der Werbung aussieht - seine Ansicht dazu geht nur aus der Art der Darstellung hervor.

Das bedeutet doch für mich, ich kann schreiben „Er formuliert
die beste aller Welten überspitzt als
Paradies auf Erden und Reich der Glückselingkeit“

Siehe oben: Er beschreibt (nicht: „formuliert“) nicht irgendeine „beste aller Welten“, sondern konkret die Welt, die einem in der Werbung gezeigt wird. Das musst Du natürlich erwähnen.

Denn in diesem Text geht er ja auch nicht am Ende darauf ein,
dass diese Welt so nicht funktioniert, sondern bleibt dabei,
es sei die perfekte Welt.

In einer Glosse wird die Aussage / Intention des Autors aus der Art der Darstellung klar; sie mündet nicht – wie die Fabel – in eine explizite Moral.

Ich muss in dieser Inhaltsangabe dann wohl darauf achten,
diese Welt als seine zu formulieren, oder?

Woraus entnimmst Du, dass das Beschriebene für den Autor die perfekte / „seine“ Welt sei?
Wenn Du Deinen Freunden z. B. - ohne eigenen Kommentar - den Verlauf einer grottigen TV-Talkshow schildern würdest: Sprächst Du da von Deiner Welt?

Verwende nicht solche Formulierungen. Du sollst mit eigenen Worten zusammenfassen, was in dem Text steht - und von der Person des Autors ist da nie die Rede.

Auch kann ich die Passage mit der 20 jährigen Mutter nicht als
Paradox bezeichnen, denn Wertungsfrei gesehen, ist das seine
Ansicht, richtig?

Auch hier: Es ist nicht seine „Ansicht“, dass es nur 20-jährige, in jeder Hinsicht perfekte Mütter gäbe; er schildert, dass die Werbung nur solche zeigt.

Die Zweite Aufgabe ist ja „2. Welche sprachlich-rhetorischen
Mittel werden in der Glosse verwendet?“

Dort findet die realität und der bezug zu seinen übertriebenen
Aussagen Platz, richtig?

Unter sprachlichen Mitteln versteht man etwas anderes, z. B. Stilfiguren, Auffälligkeiten in Wortwahl und Satzbau etc.

http://www.fo-net.de/Schularten/Fachgymnasium/Handlu…

Gruß
Kreszenz

Erst einmal vielen Dank für deine Antwort, sie ist wirklich sehr gut.

Ich habe mich eben auf die Vorgabe „nicht werten“ und „sachlich“ bezogen.

Wenn ich nennen würde, dass für den Autor das die Sicht der Werbung ist, ist das für mich schon eher Textanalyse und Textinterpretation, als Inhaltsangabe. So erwähnt der Autor nirgens im Text, dass er sich auf die Werbung bezieht, daher würde ich ja doch werten, wenn ich im das unterstelle? Eine Inhaltsangabe, so habe ich bisher immer verstanden, gibt den Inhalt kurz und informativ dar.

LG

So erwähnt der Autor
nirgens im Text, dass er sich auf die Werbung bezieht,

Er erwähnt aber auch nirgends, dass es seine Welt sei und dass er sie für perfekt halte.

daher würde ich ja doch werten, wenn ich im das unterstelle?

Nicht werten, sondern interpretieren (Beides hat in einer Textzusammenfassung tatsächlich nichts zu suchen.) Das tust Du aber auch, sobald Du von einer „Ansicht“ des Autors sprichst.
Er beschreibt eine Welt, die aber nicht notwendigerweise seine Welt ist; nichts lässt darauf schließen, dass er die im Text beschriebenen Zustände für bare Münze nimmt.

Du kannst natürlich schreiben „Der Autor beschreibt/schildert/stellt … dar/ …“, solltest aber keinesfalls Formulierungen verwenden wie „Aus der Sicht/Nach Ansicht des Autors“ etc.

Gruß
Kreszenz