Initiativbewerbungen

Hallo Helferlein-Gemeinde,
vielleicht liest das hier ja jemand von der „anderen Seite“. Ist es wirklich sinnvoll, sich initiativ bei Unternehmen zu bewerben, und wenn ja, sollte ich mich dann konkret für eine bestimmte Position bewerben, oder eher meine Flexibilität unter Beweis stellen?

Habe letztes Jahr mein Magisterstudium beendet (Geschichte und Germanistik…jaja, ich weiß…), und seitdem ein frustrierendes Coaching und bei mehreren Gelegenheiten praktische und berufliche Erfahrungen (Journalismus, Pressearbeit, Software, etc.) gemacht.

Bitte raubt mir nicht die Illusion und sagt nicht, dass man es nur über persönliche Beziehungen schafft, an einen bezahlten Job ranzukommen :wink:

bye

Hallo Pandora,

Ist es wirklich sinnvoll, sich initiativ bei Unternehmen zu
bewerben,

Es ist mit Sicherheit eine von mehreren funktionierenden Verfahren, an eine Anstellung zu gelangen.

und wenn ja, sollte ich mich dann konkret für eine
bestimmte Position bewerben, oder eher meine Flexibilität
unter Beweis stellen?

Ähm, Flexibilität nach dem Motto: „Bitte gebt mit einen Job, egal was, mir ist alles gleich?“:wink:

Was ich damit meine: Unternehmen wollen zielstrebige Mitarbeiter, die mit Begeisterung ihrer Arbeit nachgehen. (Und was sie bekommen, sind dann wir, aber das ist ein anderes Thema:wink:)
Darum halte ich eine deutliche Eingrenzung der Aufgabe für wichtig, um nicht gleichgültig oder ggf. sogar notleidend zu erscheinen.

Folgendes noch: Nur bei wirklichen Großunternehmen bringt es ggf. etwas, sich ohne vorherige Nachfrage einfach so zu bewerben. Diese Unternehmen haben viele offene Stellen und machen sich vielleicht(!) die Mühe, eine Bewerbung von sich aus Stellen zuzuordnen. Allerdings: Diese Unternehmen haben meist ebenfalls gutsortiert offene Stellen veröffentlicht, was den Sinn einer Initiativbewerbung einschränkt.

Ansonsten halte ich es durchaus für zielführend, auch ohne Dir bekannte offene Stelle bei dem kleineren Wunschunternehmen anzufrufen und nachzufragen. Das spart Dir und dem Unternehmen Arbeit, wenn Du sofort klärst, ob überhaupt der finanzielle Spielraum da ist für eine Einstellung, bevor Du Papier schickst…
Was Dir hier natürlich weiterhilft, sind detailierte Informationen über das Produkt/die Dienstleistung des Unternehmens und warum ausgerechnet Du hier unterstützen könntest. Je besser Du triffst, auf desto mehr Interesse wirst Du stoßen (Motto: „Ui, da zeigt jemand großes Interesse an uns und passt fachlich wunderbar zu uns, eigentlich wollte ich ja erst in 3 Monaten jemanden suchen, aber die schaue ich mir jetzt trotzdem an…“)

Bitte raubt mir nicht die Illusion und sagt nicht, dass man es
nur über persönliche Beziehungen schafft, an einen bezahlten
Job ranzukommen :wink:

Nicht nur, aber es erleichtert manches entscheidend:wink:

Grüße+Viel Glück (denn das gehört dazu!)
Jürgen

Hallo Pandora

Hier ein Auzug aus dem Newsletter der VDI-Nachrichten vom 01.10.04:

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Die Initiativbewerbung
Das Bewerbungsinstrument in flauen wirtschaftlichen Zeiten ist die Initiativbewerbung. Aber
auch Ingenieure, die sich gezielt verändern wollen, können zu diesem Instrument greifen. Wer
unter Zeitdruck steht, weil er arbeitslos ist, sollte schnell handeln. Die Erfahrung zeigt, dass
Bewerbungen bis zu 6 Monaten nach Eintritt der Arbeitslosigkeit noch relativ erfolgversprechend
sind. Nach 12-monatiger Arbeitslosigkeit sinken die Chancen erheblich. Am besten
ist es, bereits bei drohender Kündigung Bewerbungsaktionen zu starten.
Initiativbewerbungen können sehr gezielt an wenige Unternehmen erfolgen, die man
präferiert. Diese Form der Bewerbung wird bereits von vielen Kandidaten gewählt. Anders sieht
es mit der „Masseninitiativbewerbung“ aus, bei der bis zu 150 Unternehmen eine Bewerbung
von dem Kandidaten erhalten. Doch der Wille alleine reicht nicht aus, um Erfolg zu haben.
Fleiß, Kreativität und Durchhaltevermögen sind von Nöten. Kommen dann die ersten
Bewerbungen zurück, erlahmen rasch die Kräfte und es werden keine ausreichenden
Bewerbungen nachgeschoben. Dass Initiativbewerbungen eine Fleißsache sind, liegt in der
Natur der Sache. Es handelt sich ja um unaufgeforderte Bewerbungen. Die Wahrscheinlichkeit,
hier einen Treffer zu landen, ist zwar höher als im Lotto zu gewinnen, dennoch zeigt die
Erfahrung, dass im Normalfall rund 100 bis 150 solcher Initiativbewerbungen notwendig sind,
um zu rund einem halben Dutzend Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden.
Fleiß und hohe Frustrationsschwelle reichen noch nicht aus.
Mit viel Kreativität muss eine Initiativansprache auf die Beine gestellt werden, die
Personalentscheider überzeugt. Wenig eindrucksvoll ist das Standard-Anschreiben, in dem der
Bewerber sich vorstellt und den Leser bittet, im Unternehmen für ihn nach einer vakanten
Stelle zu recherchieren. So ähnlich sehen fast alle Initiativbewerbungen aus, die dann in den
Personalabteilungen haufenweise eingehen und meist nur oberflächlich bearbeitet wieder in
den Postrücklauf gehen. Zudem finden sich in Initiativbewerbungen der Ingenieure meist viele
technische Details, die Personaler schlecht oder falsch einordnen. Wer sich als Konstrukteur
beispielsweise in seiner Initiativbewerbung an Automobilzulieferer als Spezialist für
Kupplungen darstellt, muss sich nicht wundern, wenn er eben nur bei Kupplungsentwicklern
eine Chance hat - obwohl er eigentlich auch andere Konstruktions- und Entwicklungsaufgaben
wahrnehmen könnte.
Etwas mehr Einfüllungsvermögen in die Situation der Empfänger der Initiativbewerbungen
kann also nicht schaden: Was interessiert den Empfänger? Sicherlich nicht, dass der Absender
der Bewerbung ein Problem hat und eine Stelle sucht. Den Empfänger interessiert nur, ob das,
was der Bewerber an Kompetenz und Erfahrung mitbringt, für ihn nutzbringend ist. Und dann
hat er eben dafür eine Stelle oder ist möglicherweise sogar bereit, eine Stelle für ihn zu
schaffen. Lebenslauf und Anschreiben müssen also in erster Linie die Qualifikationen des
Bewerbers spiegeln. Idealerweise werden Qualifikationen und Einsatzgebiete aufgezeigt, die
gerade gefragt sind. Was in den angestrebten Branchen und Funktionsbereichen gefragt ist,
muss der Bewerber im Vorfeld recherchieren. Komplette Bewerbungsunterlagen sind zu diesem
Zeitpunkt unwichtig. Bei Interesse wird sich der Arbeitgeber melden und ihm sagen, wie es
nach der Initiativbewerbung weiter gehen soll.
Potenzielle Arbeitgeber können über Adressverzeichnisse wie Hoppenstedt, oder „Wer liefert
Was?“ usw. identifiziert werden. Auch das Internet bietet sich an. Wichtig ist es, sich nicht nur
bei den wenigen Unternehmen zu bewerben, die jeder kennt und wo jeder arbeiten möchte. Es
gibt jede Menge imageschwache Großunternehmen oder attraktive Mittelständler, bei denen
kaum eine Initiativbewerbung eingeht. Wer übrigens Bedenken hat, dass Mitarbeiter der
Personalabteilungen die Bewerbungen fachlich nicht richtig einordnen können, sollte sich direkt
an die Fachbereichsmanager der Unternehmen wenden, deren Namen gleichfalls den
Nachschlagewerken zu entnehmen sind oder im Internet recherchiert werden können.
Bernd Andersch, Karriere-Coach, Düsseldorf

Gruß
Rafael

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Hallo, Pandora!

Bin „leider“ nicht von der anderen Seite. Oder positiver formuliert: Ich bin auf Deiner Seite!
Jedenfalls mein Tipp: Jau, Initiativbewerbungen machen Sinn! Wenn Unternehmen X nämlich erstmal ne Anzeige geschaltet hat, gehen (je nach Job und Region) gern mal hunderte Bewerbungen ein. Aus denen dann herauszustechen ist auch nicht leicht.
Um den Kostenfaktor (für alle) gering zu halten: verschicke zunächst keine komplette Bewerbungsmappe. Ein Anschreiben mit gewünschtem Tätigkeitsbereich sowie Lebenslauf mit Foto sollen für den Anfang genügen.
Da sich auch online-Bewerbungen steigender Beliebtheit erfreuen: verschick die Intitiativbewerbung per Mail. Anschreiben und Lebenslauf als Attachements in nem gängigen Dateiformat (pdf oder Word). Versuch aber vorher die EMail-Adresse des Personalchefs oder sonstigem verantwortlichen herauszufinden; Versand an „Info@ …“ kannst du gleich vergessen.
In der EMail sollte schon stehen, dass es sich um eine Bewerbung handelt, für welchen Bereich Du Dich bewirbst und welche Qualifikationen Du mitbringst (weil: schnelles Medium). Ein separates Anschreiben ist aber dennoch Pflicht!

Viel Erfolg!
Vince.

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