Inkontinenz?

Hallo,

meine Tochter (6) hat seid einigen Wochen das Problem, dass ihr unwillkürlich kleine Mengen Urin abgehen. Also es tropft in den Schöüpfer. Dies ist ihr sehr unangenehm. Sie ist kein Bettnässer und auch tagsüber geht sie regelmäßig zur Toilette. Es sind auch immer nur wenige Tropfen, die gerade reichen den Schlüpfer etwas nass zu machen.

Beim Arzt wurde einen Blasenentzündung ausgeschlossen. Er hat ohne weitere Untersuchung Propiverin mitgegeben. NAchdem ich die Packungsbeilage gelesen habe bin ich nun unsicher, ob es das richtige Medikament ist, bzw ob es wirklich so schlimm ist, dass Medikamente notwendig sind. Leider konnte ich den Arzt bislang nicht erreichen, denn ich wollte mich bei ihm gerne nochmal rückversichern, bevor ich die Tabeletten gebe. Zumal die Ursache für mich gar nciht geklärt ist.

Wie ist eure Meinung dazu?

Gruß
schnuck

Hallo,

so eine Packungbeilage kann sich schon schlimm anhören…

Propiverin gilt im Allgemeinen als sehr gut verträglich.

Dein Arzt vermutet, das eine zu hohe Anspannung des Harnblasenmuskels vorliegt.

Lies mal hier: http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffe/Propiverin.html

Eine genaue Untersuchung wird man erst ansetzen, wenn das Problemchen von Dauer ist.
Bei vielen Kindern ist dieser Zustand nämlich nur vorübergehend.
Eine Untersuchung ist speziell und wird nur in Kliniken durchgeführt. Zudem sind solche Untersuchungen für die Patientin nicht sehr angenehm.

Sprich noch einmal mit deinem Arzt, wenn du Zweifel hast.
Das Medikament sollte nur einige Wochen gegeben werden.
Hat sich der Harndrang innerhalb dieser Zeit nicht normalisiert,
dann müßte tatsächlich eine organische Untersuchung folgen.

Gute Besserung wünscht
Yvisa

Hallo,

ich bin der Meinung, man sollte dem Problem auf den Grund gehen. Spezialisten für diese Problematik sind vor allem Kinderurologen und -nephrologen, die häufig auch eine Inkontinenz-Sprechstunde anbieten.

Für das Problem kann es ganz unterschiedliche Ursachen geben (ein Harnwegsinfekt ist nur eine von vielen=. Und bevor nicht etwas organisches ausgeschlossen ist, würde ich - persönlich - mit keiner Therapie beginnen.

Mit einem einfachen Protokoll kann man am Wochenende mal schauen, wann es zum Urinträufeln kommt - Direkt nach dem Toilettenbesuch? Zwischendrin beim Lachen, Husten oder Treppensteigen? Oder kurz vor dem nächsten dringenden Toilettenbesuch? Das kann schon sehr viele Hinweise auf eine mögliche Ursache geben. Auch sollte man mal aufschreiben, wieviel deine Tochter trinkt - häufig ist die Menge zu gering und die Blase kann gar nicht lernen, „was sie alles halten kann“.

Auch sind vor einer medikamentösen Therapie Allgemeinmassnahmen zu nennen.

Zum Beispiel

  • ausreichende Trinkmenge
  • wirklich regelmässiger Toilettengang (z.B. am Anfang konsequent alle 2 Stunden)
  • zweizeitiges Wasserlösen (d.h. Aufstehen und sich direkt danach nochmals hinsetzen)
  • Wasserlösen in Ruhe und mit der Geduld, die Blase auch vollständig zu leeren
  • sich auch als Mädchen mal verkehrt herum auf die Toilette setzen (das spreizt die Schamlippen und verhindert, dass sich Urin in die Vagina „verirrt“ und nachträufelt)

Erst nach einer sauberen Abklärung ist meiner Meinung nach eine medikamentöse Therapie gerechtfertigt.

Viele Grüsse,
(B)Engel

Hallo,

das Problem bei deinem Vorgehen ist aber, dass man ein kleines Kind sowohl mit den z.T. recht unangenehmen Untersuchungen wie auch einem ausgeklügelten Tages-Toilettengang mit Trink- und Pinkelkontrolle ziemlich traumatisieren kann. Wenn altersbedingt nach Ausschluß einer Infektion „nervöse“ Ursachen in Frage kommen können, ist es einfacher und weniger belastend für alle Beteiligten und vor allem das Kind, es einige Wochen mit den Tabletten zu versuchen. Erst wenn das keinen Erfolg bringt, sollte man meiner Meinung mit anderen Untersuchungen anfangen.

LG Barbara

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Hallo,

welche unangenehmen und traumatisierenden Untersuchungen sprichst Du hier an?

Einen Ultraschall, der bereits die Blasenwanddicke, mögliche Fehlbildungen als auch Restharn beurteilt, würde ich jetzt nicht als traumatisierend bezeichnen.

Ebenso lässt sich der Blick aufs Genitale in einer vertrauensvollen, ruhigen Atmosphäre im Beisein der Mutter und nach Einbezug der kleinen Patientin - die ja auch geäussert zu haben scheint, durch die Inkontinenz belastet zu sein - nicht traumatisierend gestalten.

Ebenso denke ich, lässt sich einer - scheinbar belasteten - 6Jährigen erklären, warum man für 3 Tage genauer schauen möchte, wieviel sie trinkt und wieviel Urin sie löst. Dabei kann sie selbst aktiv sein und für jedes getrunkene Glas Wasser ein Sternchen auf ein Protokoll kleben. Und beim Messen der Urinmenge kann die Mama als Vertraute helfen, wenn das Kind damit einverstanden ist.

Ich rede nicht davon, die Diagnostik auf die Spitze zu treiben und Blasendruckmessungen und Uroflow an erste Stelle rücken. Aber ein wenig Basisdiagnostik (und die ist im Rahmen von kindlicher Inkontinenz und Enuresis) primär eine gute, fundierte Anamnese darf meiner Meinung nach schon sein.

Ich persönlich finde es für ein Kind „traumatisierender“ daraus ein Tabu zu machen und es einfach mit Tabletten „zu versorgen“. Wer zeigt mir das Kind, das gern Tabletten schluckt?

Und aus persönlicher Erfahrung (ich habe selbst eine entsprechende Sprechstunde betreut) bin ich vielleicht die Traumatisierte und fand den „Leidensweg“ vieler Kinder zu lang, wenn am Ende schon aus der Anamnese und einfachen körperlichen Untersuchung herauszuholen ist, dass das Kind zu wenig trinkt, verstopft ist, eine Verklebung der kleinen Schamlippen hat oder einen vaginalen Reflux hat. Nur hat niemand danach gefragt oder einfach mal hingeschaut.

Liebe Grüsse
(B)Engel

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