'innere Emigration'

Hallo! Ich setze mich gerade mit deutscher Exilliteratur (1933-1945) auseinander. In dem Zusammenhang stellt sich mir die damals viel diskutierte Frage, ob Kunst im Nazi-Deutschland möglich gewesen ist ( indirekt also die Frage ob und wiefern Kunst und moralisches Handeln überhaupt trennbar sind). Ebenso begegnet einem in dem Zusammenhang natürlich auch der damals vielzitierte Begriff der sogenannten ‚inneren Emigration‘. Ich würde gerne von Euch wissen, ob Ihr glaubt, daß es so etwas wie eine ‚innere Emigration‘ in Deutschland nach 1933 gegeben hat.
Thomas Mann soll kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges aus dem Exil in einem offenen Brief (Antwort auf öffentliche Bitte eines Schriftstellerkollegen in Deutschland (Walter Molo)) in etwa geschrieben haben, daß er Bücher aus Deutschland zwischen 1933-1945 nicht lesen könne(wolle), weil an ihnen irgendwie Blut und Schande klebe, und er könne sich des Gefühls nicht erwehren, daß diese Bücher eingestampft gehörten.
Vielleicht meldet sich ja u.a auch jemand zu Wort, der in dieser Zeit gelebt hat? Danke schon mal
M.

Die Frage nach der Inneren Emigration stellt immer auch die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Schriftstellers - muß er zu seiner Zeit Stellung beziehen? Muß er es ausdrücklich tun? Oder indirekt? Darf man angesichts von Massenmorden Gedichte über Blumen schreiben?
Wie hätte Adorno die Frage beantwortet? Wie Dante Alighieri? Wie James Joyce? Wie Adalbert Stifter? Wie Karl May? Wie Bertolt Brecht?

Dazu ein kleines Zitat aus einem Gedicht, das Brecht an Karl Kraus, den Herausgeber der „Fackel“ geschrieben hat. Kraus galt als scharfsinniger schonungsloser Kommentator der Weimarer Republik, der mit der Machtübernahme Hitlers allerdings verstummte:

Als das Dritte Reich gegründet war
Kam von dem Beredten nur eine kleine Botschaft.
In einem zehnzeiligen Gedicht
Erhob sich seine Stimme, einzig um zu klagen
Daß sie nicht ausreiche." […]

Dem, der gewürgt wird
Bleibt das Wort im Halse stecken.
Stille breitet sich aus und von weitem
Erscheint sie als Bewilligung. […]

Als der Beredte sich entschuldigte
Daß seine Stimme versage
Trat das Schweigen vor den Richtertisch
Nahm das Tuch vom Antlitz und
Gab sich zu erkennen als Zeuge." (1934)

Die Frage nach der Inneren Emigration stellt immer auch die
Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung des
Schriftstellers - muß er zu seiner Zeit Stellung beziehen?

diese frage hat z.b. sartre sehr ausführlich in „was ist literatur“ beantwortet.
er / sie MUSS !

-)

gruss - k.

Thomas Mann soll kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges aus
dem Exil in einem offenen Brief (Antwort auf öffentliche Bitte
eines Schriftstellerkollegen in Deutschland (Walter Molo)) in
etwa geschrieben haben, daß er Bücher aus Deutschland zwischen
1933-1945 nicht lesen könne(wolle), weil an ihnen irgendwie
Blut und Schande klebe, und er könne sich des Gefühls nicht
erwehren, daß diese Bücher eingestampft gehörten.

hallo marcela,
könntest du mir bitte sagen, wo das genau steht?
(das ist sehr wichtig für mich; mein gott, wenn er das wirklich so gesagt hat… *stöhn*)
oder vielleicht wenigstens, WANN er das sagte?
danke - k.

L’art pour l’art

diese frage hat z.b. sartre sehr ausführlich in „was ist
literatur“ beantwortet.
er / sie MUSS !

*lach* - und was ist mit der freiheit der kunst?

L’art pour l’art ist ja schon die radikale Version der Kunstfreiheit. Hier wird ja jegliche Zweckorientiertheit, somit auch die Frage nach Moral abgelehnt. Selbst jemand wie Klaus Mann, der mit seinem Roman ‚Mephisto‘ im Deutschland der Nachkriegszeit einen Skandal auslöste, weil man ihm unterstellte, der Roman waere lediglich eine ‚schmaehschrift‘ auf Gustaf Gruendgens (und man somit den allgemeingueltigen Kunstanspruch des Romans stark abwertete, wenn nicht leugnete) plaedierte mit dem Wunsch auf Veroeffentlichung seines Werks ja gerade auch FUER die Freiheit der Kunst.Aber dennoch bezog er gerade mit diesem Roman explizit Stellung zu den Kuenstlern, die damals nicht emigriert sind. Und diese Stellungnahme richtet sich GEGEN die ‚Daheimgebliebenen‘ und auch somit auch gegen die Moeglichkeit eines kuenstlerischen Schaffens im dritten Reich.
Hat der Kuenstler mehr Verantwortung als z.B. ein Zahnarzt? (Titel eines Aufsatzes von Klaus Mann:Kuenstler und Zahnaerzte.)

hallo, Marcella,

das halte ich für eine absolute Arroganz, wenn jemand sagt, nach 33 gab es keine Kunst mehr in Deutschland.
Nicht alles, was geschrieben oder gestaltet wurde, war politisch! Es gab massenhaft Kunst!
Bei dem Ausspruch hat T. Mann entweder einen Blackout gehabt, oder er meinte etwas ganz anderes damit.
Grüße
Raimund

Eritis sicut deus, scientes bonum et malum

Hat der Kuenstler mehr Verantwortung als z.B. ein Zahnarzt?
(Titel eines Aufsatzes von Klaus Mann: Kuenstler und
Zahnaerzte.)

…werdet sein wie Gott, wissend was gut & böse - um mal den anderen mephisto zu zitieren, Goethes nämlich.

Lustiger Vergleich, im übrigen - Künstler & Zahnarzt…der Künstler trägt Verantwortung für seine Schöpfung…ist die Welt außerhalb seiner Werke seine Schöpfung? Nein. Spiegeln seine Werke die Schöpfung außerhalb ihrer selbst? Ja. Werten Sie sie? Ja. Jede Beobachtung, jede Beschreibung ist auch Wertung. Muss diese Wertung konform gehen mit einer Doktrin? Muss diese Wertung politisch korrekt sein? Ethisch vertretbar? Die Satzungen der UNO bejahen? WAS IST KUNST?

Jede Beobachtung, jede Beschreibung ist auch
Wertung. Muss diese Wertung konform gehen mit einer Doktrin?
Muss diese Wertung politisch korrekt sein? Ethisch vertretbar?
Die Satzungen der UNO bejahen? WAS IST KUNST?

rehi,
nun ja, um auf sartre zurückzukommen, der hat ja klugerweise differenziert: zwischen darstellender kunst, musik, poesie (ja !) auf der einen, und prosa auf der anderen seite.
und hat für letztere gefordert, dass sie „engagiert“ sei.

mal aus dem kopf zitiert: wer glaubt, er schreibe nur für sich selbst oder vielleicht noch für gott - der macht sich was vor und entzieht sich seiner verantwortung !

benennend, sagt er, wählt man einen sekundären modus des handelns. nicht-nennend, verschweigend, hat man sich entschlossen, nicht zu handeln…

klingt doch recht plausibel, finde ich.
sprache HAT macht, das ist ne tatsache. sie zu unterschätzen, wäre naiv.
was meinst du?
gruss - k.

Nicht handeln?

mal aus dem kopf zitiert: wer glaubt, er schreibe nur für sich
selbst oder vielleicht noch für gott - der macht sich was vor
und entzieht sich seiner verantwortung !

welche verantwortung hat der künstler resp. mensch in der welt?

benennend, sagt er, wählt man einen sekundären modus des
handelns. nicht-nennend, verschweigend, hat man sich
entschlossen, nicht zu handeln…

man kann nicht „nicht handeln“ - schon das ist eine handlung. im übrigen, welches handeln ist hier gemeint? stücke, prosa zu verfassen, die ohnehin nur der sieht, der liest, der konform geht? oder in der resistance zu kämpfen? *zwinker*

sprache HAT macht, das ist ne tatsache. sie zu unterschätzen,
wäre naiv.

„am anfang war das wort“ - nichts postuliert die macht des wortes mehr als the very first start der heiligen schrift

Hallo!
Das T. Mann Zitat, dass ich oben aus dem Kopf wiedergegeben habe soll in dem Antwortbrief an Walter Molo am 7. September 1945 verfasst worden sein. Er gilt als Antwort auf die sogenannte ‚innere Emigration‘, zu deer sich Molo wohl unter anderem zaehlt.Molos Brief war einerseits ein eigener Rechtfertigungsversuch, andererseits die Bitte an T. Mann wieder nach deutschland zurueckzukehren, und sich mit Kuenstlern einer ‚inneren Emigration‘ zu solidarisieren.(Der Begriff der ‚inneren Emigration faellt allerdings erst spaeter in einem Brief von Thiess) Die Quelle aus der ich die von Dir gewuenschten Zitate beziehe , gibt leider nicht an, wo dieser 8 volle Druckseiten umfassende Brief von T. Mann veroeffentlicht wurde. Aber die T. Mann Forschung wird diesen Brief sicher hinreichend in einem von ihren Abertausenden von Wissenschaftsbeitraegen analysiert haben.
Also ich zitiere jetzt aus der ‚illustrierten Geschichte der deutschen Literatur Band VI von 1933 bis zur Gegenwart, Naumann & Göbel: Köln, S. 29ff:frowning: T, Manns Brief ist leider nur auszugsweise woertlich wiedergegeben. Zu einem Grossteil wird sein Inhalt leider in indirekter Rede wiedergegeben. Hier einige entschiedende Auszuege aus dem Sekundaerwerk. Es beginnt mit einem Originalzitat T. Manns:
„(…)Ich gestehe, dass ich mich vor den deutschen Truemmern fuerchte-den steinernen und den menschlichen… Und ich fuerchte, dass die Verstaendigung zwischen einem, der den Hexensabbat von aussen erlebte, und Euch, die ihr mitgetanzt und Herrn Urian aufgewartet habt, immerhin schwierig wäre.(…)“ >>>JETZT KOMMT DAS ENTSCHEIDENDE ZITAT T. MANNS, DASS DER AUTOR DES SEKUNDÄRWERKS HOFFENTLICH ORGINALGETREU wiedergibt:" Soll ich bekennen, dass ich sie(die Bücher) nicht gern gesehen und bald weggestellt habe? es mag Aberglaube sein, aber in meinen Augen sind Buecher, die von 1933 bis 1945 in Deutschland ueberhaupt gedruckt werden konnten, weniger wertlos (?? SIC?) und nicht gut in die Hand zu nehmen. Ein Geruch von Blut und Schande haftet ihnen an; sie sollten alle eingestampft werden." >>> WEITER: HIER LEIDER WIEDER INDIREKTES ZITAT:"Es haette unmoeglich sein muessen Kultur zu machen, waehrend ringsum der Naziterror sich ausbreitete. Fuer Hitler-Bayreuth Wagner-Dekorationen entwerfen, mit Goebbels Erlaubnis in gescheiten Vortraegen Kulturpropaganda machen, als Kapellmeister im Zeichen des Hakenkreuzes Beethoven dirigieren- das habe geheissen: ’ die Verkommenheit beschoenigen, das Verbrechen zu schmuecken‘ und sei eine ’ obszoene Luege‘ gewesen."
>>DENNOCH ARGUMENTIERT MANN WOHL NICHT EINSEITIG, DENN ER WENDET SICH GEGEN EINE THEORIE VON DEN BEIDEN DEUTSCHLAND, EINEM GUTEN UND EINEM BÖSEN AB. ER WOLLE NICHT SICH DER WELT ALS DAS GUTE, DAS EDLE, DAS GERECHTE DEUTSCHLAND EMPFEHLEN. NICHTS VON DEM, WAS ER UEBER DEUTSCHLAND ZU SAGEN HABE, KOMME AUS FREMDEN, KUEHLEM, UNBETEILIGTEM WISSEN, ER HABE ES AUCH ALLES IN SICH, ER HABE ES AM EIGENEN LEIB ERFAHREN.

So, dass war’s ich hoffe diese komische Zitierweise war nicht all’ zu verwirrend. Das Buch ist nicht all’ zu wissenschaftlich, scheint mir. Besser ist’s das Original zu lesen.
Gruesse M.

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hallo diana, :smile:
macht mir spass, diese diskussion mit dir ! *freu*

zum thema:

welche verantwortung hat der künstler resp. mensch in der
welt?

er / sie hat die verantwortung, die ihm / ihr mitgegebenen mittel (talente, meinetwegen; aber auch erlernte fähigkeiten) zu nutzen.
soll heissen: nicht so tun, als wär mein name hase und ich wüsste nix, wenn ich doch etwas weiss, aber zu bequem bin, das entsprechend anzuwenden.
wenn ich ärztin wäre, dürfte ich mich auch von keinem verletzten abwenden; das wär (logisch) verantwortungslos.
das auf den schriftsteller zu übertragen ist zugegeben schwer; aber prinzipiell hat sartre das so gemeint.
(liegt auch ein gewisser sozialdarwinismus drin, unangenehmerweise.)

man kann nicht „nicht handeln“ - schon das ist eine handlung.

exakt. so sieht´s aus.
nicht handeln ist ein handlung. eine unterlassene, nämlich.
genauso, wie ich nicht nicht-kommunizieren kann (watzlawick), sondern auch durch mein schweigen etwas aussage.
durch mein nicht-handeln sage ich aus: „ich hab keinen bock, dir zu helfen.“

im übrigen, welches handeln ist hier gemeint? stücke, prosa zu
verfassen, die ohnehin nur der sieht, der liest, der konform
geht? oder in der resistance zu kämpfen? *zwinker*

laut sartre? idealiter beides (so wie er es getan hat).

dass sartres prosa natürlich nur von denen gelesen (und verstanden, i might add) wird, die selbst den privilegierten angehören, ist allerdings der hauptkritikpunkt an seinen theorien, das ist schon richtig.
andererseits: irgendwer muss den job ja machen…*g*

„am anfang war das wort“ - nichts postuliert die macht des
wortes mehr als the very first start der heiligen schrift

da würde ich dir nur zu gerne zustimmen. *g* logisch.
stimmt aber leider nicht.
am anfang war leider nicht das wort (jedenfalls in meiner bibel nicht), sondern himmel und erde und - *taraa*: der geist gottes.
naja, immerhin: geist.
und geist ist ja schon mal nicht verkehrt.
gelle?

liebe grüsse - k.

Hallo Raimund! Hast Du fuer die ‚massenhafte Anzahl an Kunst‘ in Deutschland dieser Zeit EIN konkretes Beispiel?
Und hier noch eine etwas provokative Frage, die ich einfach mal stelle, weil ich Deine Meinung dazu hoeren moechte:
'ist ein indifferentes Verhalten in der Kunst in dieser Zeit nicht automatisch auch ein politisches Statement?
Gruesse
M.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Danke. Das ist ein brauchbares Zitat, finde ich.

Gruesse M.

hallo, Marcella,

fällt mir aus dem Stehgreif gleich ein: Kolbe!
aber da könnte ich Dir noch weit mehr geben. Ah, ja, Gustav Gründgens! Seine Darstellung des Mephisto ist auch heute noch unerreicht1 Auch Brandauer kommt da nicht mit. Oscar Niemeier hat damals auch schon gewirkt. Ok, sein Genie kam erst nach dem Krieg richtig zum Tragen.
also, Du siehst, ohne jetzt in einschlägige bücher zu ehen, es gabt Kunst im Dr.Reich. Von den Schriftstellern fällt mir gerade nur einer ein, und da will mein Hirn einfach nicht den Namen ausspucken! Er ist vor kurzem mit 101 Jahre gestorben. Vor 33 hat er z.B. Stahlgewitter geschrieben.
Grüße
Raimund

Hi Raimund

fällt mir aus dem Stehgreif gleich ein: Kolbe!

Durfte er jetzt oder durfte er nicht unter den Nazis weitermachen? Die eine Biographie sagt, seine Werke wären z. T. als „entartet“ verboten, die andere Biographie schreibt von Aufträgen der Nazis an Kolbe. Weisst Du da Näheres?

aber da könnte ich Dir noch weit mehr geben. Ah, ja, Gustav
Gründgens! Seine Darstellung des Mephisto ist auch heute noch
unerreicht1 Auch Brandauer kommt da nicht mit.

Oh Gott, die Qual meiner Schulzeit. Aber es stimmt natürlich, Gründgens war ein hervorragender Schauspieler. So wie auch Heinrich George.

also, Du siehst, ohne jetzt in einschlägige bücher zu ehen, es
gabt Kunst im Dr.Reich.

Hervorzuheben ist sicher auch Leni Riefenstahl, deren Olympia-Film(e) von 36 im höchsten Masse sehenswerte Meilensteine der Filmgeschichte sind. Das Problem ist nur, dass das Meiste, was im 3. Reich als Kunst deklariert wurde, entweder komplett belanglos, zweitklassig oder mit Propaganda überfrachtet war. Siehe Brekers gigantomanische Plastiken, Lanzingers Bauernidyllen oder Wissels kitschige „Führerportraits“. Fast alles, was vorher Rang und Namen hatte, ist ja entweder ins Exil gegangen oder hat das Arbeiten eingestellt.

Von den Schriftstellern fällt mir
gerade nur einer ein, und da will mein Hirn einfach nicht den
Namen ausspucken! Er ist vor kurzem mit 101 Jahre gestorben.
Vor 33 hat er z.B. Stahlgewitter geschrieben.

Du meinst Ernst Jünger. Irgendwie erstaunlich, dass die Nazis Jünger, Zöberlein oder Wehner für gut befunden, Remarque oder Renn dagegen verteufelt haben. Geschrieben haben sie alle das selbe: Kriegstagebücher.

Gruss
Peter

Von den Schriftstellern fällt mir
gerade nur einer ein, und da will mein Hirn einfach nicht den
Namen ausspucken! Er ist vor kurzem mit 101 Jahre gestorben.
Vor 33 hat er z.B. Stahlgewitter geschrieben.

…das ist jetzt aber nicht dein ernst, wenn du ausgerechnet ernst jünger als beispiel für nonkonformismus im dritten reich zitierst, oder?

verwundert - k.

liebe marcela,
vielen dank für die ausführliche antwort !
mist, ich hab nur die korrespondenz von vor dem dritten reich hier, kann das also nicht nachschlagen, jetzt.
aber ich werde es bei nächster gelegenheit tun, das lässt mich ja jetzt nicht mehr los…*neugierig sei*

" Soll ich bekennen, dass ich sie(die
Bücher) nicht gern gesehen und bald weggestellt habe? es mag
Aberglaube sein, aber in meinen Augen sind Buecher, die von
1933 bis 1945 in Deutschland ueberhaupt gedruckt werden
konnten, weniger wertlos (?? SIC?) und nicht gut in die Hand
zu nehmen. Ein Geruch von Blut und Schande haftet ihnen an;
sie sollten alle eingestampft werden."

…das macht mich stutzig, diese stelle, wo du „(sic)“ schreibst. thomas mann sind doch solche fehler nicht unterlaufen; dem doch nicht… das ist doch bestimmt aus dem kontext gerissen…*grübel*
wie gesagt, ich schlage das mal nach.
jedenfalls nochmal vielen dank an dich für die mühe !

liebe grüsse - k.

Es ging um Kunst. Und Kunst ist Ernst Jüngers Arbeit auf alle Fälle! Ob er ein paar „Jugendsünden“ in der Sturm und Drangzeit fabrizierte… was sollst! Auch ein Goethe schämte sich später für seinen Werther.
Hast Du noch nicht irgend etwas von Dir gegeben, von dem Du Dich nach einem zeitlichen Abstand fragst: wie konnte ich sowas sagen?
Wie gesagt: seine Werke sind Kunst, selbst Stahlgewitter. Man muss eine Kunst, auch die Schreibende, aus der Sicht der Zeit sehen, in der sie produziert wurde. So mache Kunst, die heute als Geniestreich gilt, wird in 50 jahren Schund sein. Ein Johann Strauß wäre 100 Jahre früher gnadenlos ausgepfiffen worden.
Grüße
Raimund

Hallo, Peter

fällt mir aus dem Stehgreif gleich ein: Kolbe!

Durfte er jetzt oder durfte er nicht unter den Nazis
weitermachen? Die eine Biographie sagt, seine Werke wären z.
T. als „entartet“ verboten, die andere Biographie schreibt von
Aufträgen der Nazis an Kolbe. Weisst Du da Näheres?

Er hat! Der neue Reichsadler war fast fertig.

aber da könnte ich Dir noch weit mehr geben. Ah, ja, Gustav
Gründgens! Seine Darstellung des Mephisto ist auch heute noch
unerreicht1 Auch Brandauer kommt da nicht mit.

Oh Gott, die Qual meiner Schulzeit.

Wem sagst Du das! Faust in Deutsch, Shakespear in Originalenglish… brrr…

Aber es stimmt natürlich,
Gründgens war ein hervorragender Schauspieler. So wie auch
Heinrich George.

Hast Du Dir den Faust als Film angeshen? So gut alle anderen Schauspieler waren… gegen Gründgens waren sie farblose Darsteller. Als mensch wartf er mir zuwieder. Aber ich wollte ihn ja schließlich nicht knutschen…

also, Du siehst, ohne jetzt in einschlägige Bücher zu sehen, es
gabt Kunst im Dr.Reich.

Hervorzuheben ist sicher auch Leni Riefenstahl, deren
Olympia-Film(e) von 36 im höchsten Masse sehenswerte
Meilensteine der Filmgeschichte sind. Das Problem ist nur,
dass das Meiste, was im 3. Reich als Kunst deklariert wurde,
entweder komplett belanglos, zweitklassig oder mit Propaganda
überfrachtet war. Siehe Brekers gigantomanische Plastiken,
Lanzingers Bauernidyllen oder Wissels kitschige
„Führerportraits“. Fast alles, was vorher Rang und Namen
hatte, ist ja entweder ins Exil gegangen oder hat das Arbeiten
eingestellt.

Na, ja, der große Führer war ja schließlich auch Künstler! Wie das nun mal in Diktaruren immer ist: die herrschende Schicht bestimmt die Kunst. Und die wiederum honorieren nur die Kunst, die dem gefällt, der ihnen sagt, wo´s lang geht. Deswegen ist es aber trotzdem Kunst. Auch ein Schinken zur Verherrlichung eines Staatmannes, so bombasisch es gemacht wurde, es ist und bleibt Kunst…so es mit Können gemacht wurde. Und so ist es auch mit der schreibenden Zunft. Selbst die grausligste Verherrlichung kann Kunst sein.
Was ich nie begriffen habe: Courts-Mahler war eine Groscheromanschreiberin: Herz-Schmerz-Adel. Warum viele heute sagen, das wäre Kunst??? Hier hört mein Verständnis auf. Genauso die bewußte Honigmaschine! Doch auch hier streite ich nicht, ob es Kunst ist oder nicht: Kunst hat mit Geschmack zu tun.

…z.B. Stahlgewitter geschrieben.

Du meinst Ernst Jünger.

kaum hatte ich das Posting abgesandt, viel mir der name wieder ein. Das Hirn ist ein bösartiges Wesen. Es verweigert manchmal den Dienst, wenn man es braucht. Und nervt einen mit erinnerungen, die man am liebsten vergesen würde!

Irgendwie erstaunlich, dass die Nazis
Jünger, Zöberlein oder Wehner für gut befunden, Remarque oder
Renn dagegen verteufelt haben. Geschrieben haben sie alle das
selbe: Kriegstagebücher.

Könnte es sein: Remarque hat nicht positiv vom Krieg oder vom Militär geschrieben. Die Militärgeschichten mussten schließlich vom Heldentum berichten. Nicht unbedingt verherrlichen, aucg Fehler aufzeigen. Doch trotz dieser Widrigkeiten ist die Hauptperson immer der strahlende Held. Auch wenn er fürs Vaterland fällt.
Ein Buch, wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ hätte vermutlich nach 33 keine Chance gehabt.
Grüße
Raimund