Hi erstmals
Um es kurz zu machen:
Wie lauten die genauen Definitionen der oben genannten Ausdrücke?
Dies scheint eine einfache Frage zu sein, aber nach exakt 3 Wochen bin ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch!
Mir scheint, dass jeder Wissenschaftler diese Begriffe etwas anders auslegt.
Erstmals zur Inneren Energie: Laut Wikipedia setzt sie sich aus der chemischen Energie, der thermischen Energie und der Kernenergie zusammen. Dies scheint man aber nicht überall so zu sehen: In der Physik scheint man die Innere Energie auf den thermisch-physikalischen Teil (=Thermische Energie) zu reduzieren (was je nach Definition von thermischer Energie unsinnig wäre), während man in der Chemie alle drei Teile berücksichtigt. In der physikalischen Chemie wird sogar gezielt darauf hingewiesen, dass U=U(0) + U(x) gilt, wobei U(0) die Innere Energie bei T=0 repräsentiere und auf die in der Struktur der Atome gespeicherte Energie zurückzuführen ist. Ist dies soweit richtig?
Nun aber zum eigentlichen Problem: Wo fängt die thermische Energie an und wo beginnt die chemische Energie???
Thermische Energie: Häufig liest man: „Die thermische Energie ist die Energie, die in der Bewegung der Moleküle/Atome gespeichert ist“. Demnach wäre die thermische Energie also nichts anderes als die kinetische Energie der Atome/Moleküle (die bekanntlich in verschiedenen Formen vorzufinden ist: Translations-, Rotations- und innere Schwingungsenergie (bei Festkörper: Äussere Schwingungsenergie)). Nun liest man aber auch des Öfteren, dass die thermische Energie auch von der zwischenmolekulare Wechselwirkung abhänge (insofern es sich nicht um ein ideales Gas handelt) und die damit verbundene potentielle Energie in die thermische Energie einfliesse. Wie genau ist dies zu verstehen? Ist die in schwachen chemischen Bindungen (zbsp vdW) gespeicherte potentielle Energie nicht Teil der chemischen Energie (schliesslich gelten sie als „Bindungsenergien“)? Ist nur ein bestimmter Teil (zBsp der, der bei T=0 noch nicht vorhanden ist (mit der Erhöhung der kinetischen Energie ist ja auch ein Anstieg der pot. E. verbunden)) gemeint? Bei einer verstärkten inneren Schwingung nimmt ja auch die intramolekulare potentielle Energie zu: Warum wird diese nicht berücksichtigt? Falls tatsächlich diese mit einem Temperaturanstieg einhergehende Erhöhung intermolekularer pot. Energien Teil der thermischen Energie ist, wieso spricht man dann in der Thermodynamik (beispielsweise bei einer Wärmeübertragung) stets von der Inneren Energie und nicht einfach von der thermischen Energie? Beziehungsweise: Falls die thermische Energie reine kinetische Energie ist, wieso liest man dann beispielsweise, dass die durch dissipative Vorgänge (zBsp Reibung) umgesetzte mech. E. als thermische Energie gespeichert wird (führt ja auch zur Erhöhung der pot. E.)? Wenn ausserdem für die Physiker U nur aus der thermischen Energie besteht, wieso wird dann immer betont, dass im Falle eines idealen Gases die potentielle Energie keine Rolle spielt (in den andern Fällen schon)?
(ps: Häufig wird ja erwähnt, dass die Freiheitsgrade der inneren Schwingung bei der Berechnung der Inneren Energie doppelt gezählt werden müssen, da ja hier nun auch die potentielle zunehmende (intramolekulare) Energie berücksichtig werden muss. Ich denke dies darf aber nicht als Beweis, dass thermische Energie kin. E ist, dienen, da sich dies wohl meist auf ideale Gase bezieht und da ja keine intermolekulare pot. E. auszumachen ist.)
Chemische Energie: Grundsätzlich liest man, dass dazu die in chemischen Bindungen gespeicherte potentielle Energie gehöre. Man spricht auch von chem. Bindungsenergien (Achtung: Dieser Begriff wird in der Chemie auch weniger allgemein für die Dissoziationsenergie verwendet). Dies müsste eigentlich sowohl für schwache (vdW, Dipol-Dipol,…) als auch für starke (Kovalenz B., Metall B., Ionen B.) Bindungen gelten (man unterscheidet Physisorption und Chemisorption). Oft wird aber nur von den durch chemische Reaktionen gebildeten Bindungen bzw. der Kovalenzbindung gesprochen, was mich verunsichert.
Einige Zitate:
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Der physikalisch-thermische Anteil (thermische Energie) der Inneren Energie beruht auf der gesamten ungeordneten Bewegung der Moleküle – d.h. auf der kin. E. (wohl Translationsenergie gemeint) + Rotationsenergie + Schwingungsenergie der Moleküle – sowie auf der intermolekularen Wechselwirkung.
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Thermische Energie ist die Energie, die in der ungeordneten Bewegung der Atome oder Moleküle eines Stoffes gespeichert ist
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Die innere Energie besteht aus der thermischen Energie - beruhend auf der ungerichteten Bewegung der Moleküle (Kinetische Energie, Rotationsenergie, Schwingungsenergie) - der chemischen Bindungsenergie und der Potentiellen Energie der Atomkerne.
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Thermische Energie ist die Energie, die in der ungeordneten Bewegung der Atome oder Moleküle eines Stoffes gespeichert ist.
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Die Wärmekapazität ist ein Begriff aus der Thermodynamik und bezeichnet das Vermögen eines Körpers, Energie in Form von thermischer Energie statistisch verteilt auf die Freiheitsgrade zu speichern. Sie wird im Allgemeinen durch das Formelzeichen c dargestellt. Per Definition gibt c die Wärmemenge Q (in Joule) an, die einem Körper zugeführt werden muss, um einen Anstieg der Temperatur T (in Kelvin) zu erreichen
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Bei geringen Bindungsenergien, die hauptsächlich durch elektrische Anziehungskräfte zustande kommen, spricht man von Physisorption. Zu der Physisorption gehört z. B. die Van-der-Waals-Bindung oder die Wasserstoffbrückenbindung.
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Bei größeren Bindungsenergien spricht man von Chemisorption, bei der die beteiligten Elektronen-Orbitale überlappen und so zu einer Bindung führen. Zur Chemisorption gehört die kovalente Atombindung und die Komplexbindung.
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Die thermische Energie eines Stoffes stellt sich somit als kinetische und potentielle Energie der Moleküle dar.
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Die thermische Energie steht Im Zusammenhang mit der kinetischen und potentiellen Energie der Moleküle.
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Unter der Inneren Energie versteht man die Summe aus den thermischen Energie und den Bindungsenergien all seiner Teilchen. Wird einem Körper Wärme zugeführt und führt diese Zufuhr nur zu einer Temperaturerhöhung, so ändert sich im Wesentlichen nur seine thermische Energie. Ändert sich sein Aggregatszustand, dann ändert sich seine Bindungsenergie.
Ps: Unter Bindungsenergien versteht man hier die Summe aus chemischer Energie und Kernenergie.
Ich wäre überglücklich wenn mir jemand die Grenzen zwischen thermischer und chemischer Energie aufweisen könnte und die scheinbaren Widersprüche der obigen Zitate erklären/widerlegen könnte.
Danke im Voraus

